Pearl Masters Premium Legend im Test

Die „Masters“-Serie von Pearl zählt zu den erlesenen Drums, die seit der Markteinführung 1993 hoch geschätzt werden. Die Sound-Optionen zwischen dünnwandigem Kessel mit Verstärkungsring und den starken sechslagigen Kesseln haben 2011 dank Pearl Music Europe noch eine weitere Variante erfahren: Die Masters Premium Legend Drums, die speziell für den europäischen Markt entworfen wurden.

Drumkit
(Bild: Archiv)

Wenn die Amerikaner dieses Drumset erahnt hätten, dann hätten sie die europäische Pearl-Fraktion sicher keinen Alleingang machen lassen. So aber gibt es das Pearl Masters Premium Legend Drumset mit seinen sechslagigen Ahorn-Kesseln bei einer Wandstärke von dennoch nur 5,4 mm allein in Europa. Weitere Merkmale dieses exzellent verarbeiteten Sets für alle Pop/Rock-Sounds sind die leichgewichtige Hardware sowie die neuen, speziellen „Fat Tone Hoops“ (Spannreifen). Selbstredend haben wir das Pearl Masters Premium Legend Set getestet.

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Zwar setzt man auch hier auf einen sechslagigen Ahorn-Kessel, doch deren Wandstärke ist durch die Verwendung dünnerer Einzellagen auf 5,4 mm geschrumpft. Zudem gibt es leichgewichtige Hardware, und nicht zuletzt zählen die neuen, speziellen „Fat Tone Hoops“ (Spannreifen) zur Ausstattung. Was dieses neue Konzept klanglich bietet, haben wir im Praxiseinsatz ergründet.

Konstrutkion

Gefertigt werden auch die neuen Pearl Masters Premium Legend Drums wie gewohnt in Taiwan. Die Verarbeitungsqualität verdient in allen Belangen das Prädikat exzellent. So treffen wir hier auf ausgesucht schöne Ahornhölzer, wie es die Innenseiten der Kessel verraten. Der weißlich-gelbe Farbton und die schöne wellige Maserung schauen einfach klasse aus. Die Toleranzen im Durchmesser liegen bei allen Testinstrumenten wie selbstverständlich deutlich unter einem Millimeter, und die planparallel gesetzten Gratungen sprechen ebenfalls für das hohe Fertigungsniveau. Pearl hat hier eine sehr spitze Gratung gewählt, die zudem zwischen erster und zweiter Lage von außen platziert ist.

Die Innenabschrägung ist im üblichen 45-Grad-Winkel ausgeführt und auch der Gegenschnitt fällt sehr steil aus. Auffällig ist zudem, dass bei den im bekannten SST-Verfahren hergestellten Kesseln der Scarf Joint etwas gefälliger gestaltet wurde, so dass die Nahtstelle auf der Innenseite nicht so stark aufträgt – lobenswert! Die Innenseiten zeigen einen schmucken Feinschliff, und die Lackierung der Außenseite ist ausgezeichnet ausgeführt und verdient ein großes Lob für den Sparkle-Effekt. Das strahlende Blau kommt durch feine Glitzer-Pigmente sehr gut zur Geltung, und gerade im Showlicht knallt das besonders klasse. Optisch hochwertig und technisch gelungen ist der Chrom der Kessel-Hardware.

Unser Testset verdient hier lediglich einen kleinen Minuspunkt in Sachen Optik durch die goldenen statt chromfarbenen Air Vents. Diese sind allerdings auch hier im Verhältnis des Goldenen Schnitts am jeweiligen Kessel angebracht, was faszinierenderweise im direkten Vergleich zur konventionellen Platzierung von Air Vents den Druckausgleich etwas begünstigt. Die Toms sind mit dem leichten, aus Aluminium gefertigten „OptiMount“-Tom-Haltern bestückt, die Floor-Toms besitzen Klemmen aus der „Reference“- Serie für die Floor-Tom-Beine. Die bekannten, leichten „Bridge Type“-Spannböckchen sind mit dünnen Gummiunterlegscheiben am Kessel montiert und nehmen die „Stainless Steel“-Stimmschrauben auf.

Stimmschraube
Stimmschraube (Bild: Archiv)

Diese laufen sehr sauber und präzise in den Messinggewindehülsen, so dass man den gewohnt exzellenten Stimmkomfort auch hier genießen kann. Der wird durch die Ausstattung mit Kunststoffunterlegscheiben und sauber plan gestalteten Auflageflächen an den „Fat Tone Hoops“ entsprechend begünstigt. Die leichten, nur ca. 1,6 mm starken „Fat Tone Hoops“ basieren eigentlich auf den normalen, dreifach geflanschten Stahlspannreifen, jedoch wurde der oberste Flansch komplett auf die Innenseite des Spannreifens umgezogen, so dass hier ein gewisser Vintage-Look entsteht. Doch auch klanglich hat das Ganze was, denn durch diese Art der Bearbeitung entsteht eine leicht verrundete Aufschlagfläche von ca. 4 mm Breite; sehr gut für einen feinen, singenden Rimclick-Sound.

Sounds

Durch das Konzept der leichten Hardware und in Kombination mit den dünnen Ahorn-Kesseln klingen die Toms bei einer mittleren Standardstimmung mit den werkseitigen Remo Ambassador clear sehr fokussiert im Attack und doch sehr warm und rund im Sustain. Letztendlich wirkt das Ganze klanglich etwas knalliger und kerniger als die Masters Premium-Kessel und nicht ganz so knackig und wuchtig wie die MCX-Kessel. Ihren eigenständigen Klang mit hellem Sustain und fokussiertem Attack entwickeln die Toms besonders gut, wenn man Schlag- und Resonanzfell tonal nicht zu weit auseinander stimmt. Schubst man das Resonanzfell einfach nur einen Ticken höher, hat man entweder bei einer eher tiefen Stimmung einen sehr warmen, kompakten Ton mit fokussiertem Attack oder bei einer eher hohen Stimmung einen sauber singenden Jazzrock-Klang mit gutem Obertongehalt.

Kesselstärke
Kesselstärke (Bild: Archiv)

Dazwischen geht ebenfalls so einiges, stets mit einem eigenen klanglichen Charme. Der Charakter der Toms und Floor-Toms besticht durch den fokussierten Mittenbereich, der sich durch die höhere Steifigkeit des im SST-Verfahren hergestellten dünnen Ahornkessels ergibt. So grenzen sich die Pearl Masters Premium Legend Drums dann nicht nur von anderen „Masters“-Linien, sondern auch von Instrumenten einiger Mitbewerber ab, die ebenfalls dünnwandige Ahornkessel anbieten. Prinzipiell lassen sich die Toms der Masters Premium Legend-Serie sehr schön an eine Vielzahl von Musikstilen anpassen, und auch die verkürzten Floor-Toms können bei Bedarf schon einen sehr fetten Ton im Sustain entstehen lassen.

Prädestiniert sind sie aber durch ihre etwas schnellere Ansprache für das Einstimmen einer Tom-Reihe mit eher ähnlichen Klangverhältnissen von Attack zu Sustain zwischen Toms und Floor-Toms. Was kann die Bassdrum? Die besitzt zunächst einmal zwei Air Vents und die leichten, aber soliden Spitzen der Drums der „Reference“-Serie, deren Grundplatte als „Bridge Type“ ausgeführt ist und somit also weniger Gewicht und Dämpfungswirkung auf den Kessel ausübt. Auch die Klauen entstammen der „Reference“-Serie, sie sind also gummigepolstert und mit „Stainless Steel“-Stimmschrauben bestückt.

Wie gewohnt bei den Drums der „Masters“-Linien ist die Bassdrum mit den etwas größeren „Bridge Type“-Stimmböckchen ausgestattet. Klanglich liefert sie ein solides Bassfundament, was bedingt durch die Kesseltiefe und die Art der Konstruktion einen warmen, satten, aber doch auch aufgeräumten Bassanteil bedeutet. Ebenso ergeht es dem Attack, der eine gute Präsenz besitzt, aber auch einen recht konkreten Punch, so dass beim direkten Release des Beater nach dem Anschlag (z. B. für das Spiel bei Balladen) ein gut beherrschbarer, softer Klang entsteht. Ebenso kann man auf einen kurzen, fokussierten Punch umsteigen, wenn man den Anschlag forciert und den Schlägel am Fell lässt. Insofern reagiert die Bassdrum mit der werkseitigen Fellkombination in tiefer Stimmung und mit etwas Dämpfung recht variabel und sehr direkt auf die Spielweise.

Die Snaredrum besitzt Stimmböckchen im „Tube Lug Style“, die auch bei den neuen Drums der „Reference Pure“-Serie zum Einsatz kommen, sowie ebenfalls die neuen „Fat Tone Hoops“ und eine einseitig einstellbare Abhebung nebst Snareteppich mit 20 Spiralen. Das Snarebed ist mit ca. 14 cm Breite schmal gehalten, fällt schnell und steil auf den Nutzbereich in ca. 3,2 mm Tiefe ab, und die Gratung nimmt dabei die ganze Wandstärke ein, die Gratungsform wird also vintage-mäßig flach. Das sorgt für einen trockenen und kurzen Snareteppich-Sound bei gleichzeitig schneller und auch sensibler Ansprache.

Einseitig einstellbare Snareteppich-Abhebung
Einseitig einstellbare Snareteppich-Abhebung (Bild: Archiv)

Interessant ist der leicht singende Ton des „Fat Tone Hoops“ bei Rimshots, der klanglich deutlich tiefer angesiedelt ist, als dies bei den üblichen dreifach geflanschten Spannreifen der Fall ist. Auch der Rimclick-Sound kommt schön hölzern, dabei fein und relativ weich über die Rampe. Erfreulicherweise kann man die Snaredrum auch in fast allen Stimmungslagen offen und ohne Dämpfung spielen; sie liefert einen resonanten und kurz singenden Ton, der über weite Strecken allein durch gezielte Spielweise in der entsprechenden Spielzone leicht zu kontrollieren ist. Etwas Dämpfung kann für einen kompakten Pop-Sound aber nicht schaden; die Snaredrum kann also – je nach Stimmung – sehr satt und fett oder eben kurz und doch crisp wirken.

Fazit

Da freut man sich doch, dass Pearl Music Europe wieder einmal Eigeninitiative für Europa beweist und uns eine klasse klingende, neue „Masters Premium Legend“-Serie spendiert. Das Konzept mit einem nur 5,4 mm starken Ahornkessel ohne Verstärkungsringe anzutreten, war den amerikanischen Freunden wohl zu suspekt. Pech gehabt, würde ich sagen, denn zwischen dem soften Ahornklang der MMP-Serie und dem wuchtig, knackigen Rock-Sound der MCX-Serie hat Pearl Music Europe nun einem sehr modernen Pop/Rock-Klang mit durchaus eigenem Charakter am Start. Die Mitten sind stark fokussiert und der Bassbereich kommt aufgeräumt und straff daher, dabei ist das Obertonspektrum sehr fein und präsent. Das Ganze hat eine sehr angenehme tonale Wärme und setzt sich in der Musik auf eine subtile Art und Weise durch, ohne dabei aufdringlich zu werden.

Die „Fat Tone Hoops“ für die Toms, Floor-Toms und die Snaredrum lassen die Instrumente sehr lebendig wirken, und auch bei sehr offenen Stimmungen entsteht ein gewisser fein singender Ton, der sich gut kontrollieren lässt. Die Verarbeitung ist in allen Belangen auf höchstem Niveau ausgeführt, und somit ergibt sich auch eine tolle Optik. Wer also jenseits von Metal- oder Vintage-Drumsound unterwegs ist und einen modernen Pop/Rock-Sound mit den gewissen Charakterstärken von dünnen Ahornkesseln sucht, sollte die Pearl Masters Premium Legend Drums unbedingt auschecken.

 

DIE PEARL MASTERS-SERIE IM WANDEL DER ZEIT UND IM EUROPÄISCHEN FOKUS

1993
Einführung der Pearl Masters Serie: MMX Masters Custom (Ahorn) und MBX Masters Studio (Birke) mit 5 mm starken, vierlagigen Kesseln mit Verstärkungsringen.

1994
Masters Extra Drums: CMX Masters Custom Extra (Ahorn) und CBX Masters Studio Extra (Birke) mit sechslagigen 7,5 mm Kesseln aus Birke oder Ahorn. Prinzipiell hat das Konzept von 1994 über lange Zeit Bestand, wurde aber durch verschiedene Sonderserien oder zeitweilige Produktionseinstellung z. B. vierlagiger Birkenkessel etwas „verwässert“.

1995
…wurde z. B. die Masters Custom Gold Serie mit 24K-vergoldeter Hardware präsentiert.

1997
Neu im Programm waren die MHX Drums aus afrikanischem Mahagoni mit vierlagigem Kessel und Ahornverstärkungsreifen. Die MBX-Serie wurde eingestellt, während die Masters Custom Extra Linie nun MRX hieß und in Deutschland zeitweilig nicht erhältlich sein sollte.

1998
…wurden in der MMX Masters Custom-Serie (vierlagige Ahornkessel mit Verstärkungsringen) alternative Tom-Sizes (Zwischengrößen) eingeführt.

1999
Die BRX Masters Studio Extra Serie mit sechslagigen Ahornkesseln in 7,5 mm Wandstärke wird präsentiert, und in diesem Jahr erhalten alle Masters Drums die erste Version der alternativen Tom-Halterung „OptiMount“. Die Masters Gold- und Masters Mahagony Classic-Serien wurden eingestellt.

2000
…wurde für die Masters Serie die Color-Finish-Option eingeführt. Verchromte, schwarze und Satin-Finish Kessel-Hardware war möglich, sogar auch für Stative wie Cymbal- und Cymbal/Tom-Ständer, Snaredrum-Ständer und die Eliminator Hi-Hat-Maschinen. Unter der Bezeichnung MHX Masters Mahagony Classic wurden die vierlagigen Mahagoni-Kessel mit Ahornverstärkungsringen als Limited Edition wieder kurzzeitig eingeführt.

2003
Die MSX Serie mit sechslagigen Ahornkesseln in Delmar Cover-Folien wird präsentiert.

2005
Die MBX Serie mit sechslagigen Birkenkesseln erblickt im Rahmen der Musikmesse Frankfurt wieder das Licht der Welt.

2006
Die BSX Serie mit Birkenkesseln und „Glass Glitter“ Folien-Finishes folgt der MSX Serie, doch diese war in Deutschland nur bedingt erhältlich.

2007
Die Masters-Serie wird neu strukturiert und gründlich aufgeräumt: Die Masters Premium MMP-Serie bietet vierlagige Ahornkessel mit Verstärkungsringen und die MRP-Serie den sechslagigen Ahornkessel. Analog gibt es die Serien als BMP und BRP mit Birkenkesseln. Somit finden wir prinzipiell das Konzept von 1994 wieder, wenn auch die Hardware deutliche Updates erfuhr. Die Masters-Serie wurde zudem um die MCX Masters Custom-Serie ergänzt, die zwar den sechslagigen 7,5-mm-Ahornkessel besitzt, aber bzgl. der Hardware einfacher gehalten (z. B. die „OptiMount“-Halterung der Serie 1 besitzt) und nur in fünf Farben in Europa erhältlich ist.

2009
Die sang- und klanglos aus dem Programm entfernten Mahagony-Shells werden exklusiv für Europa wieder als Limited Edition und als vorkonfigurierte Sets – wahlweise mit Chrom- oder GoldHardware – als Masters Premium MHP Ltd. aufgelegt und erfolgreich verkauft.

2010
Pearl Music Europe beschert den Fans der einfach ausgestatteten MCX-Serie mit der MCALinie eine Limited Edition mit edlem Bubinga-Außenfurnier und vorkonfigurierte Sets mit zwei unterschiedlichen „Transparent Burst“- respektive „Transparent Fade“-Lackierungen.

2011
Die Masters Premium Legend Drums werden exklusiv für Europa präsentiert und besitzen einen sechslagigen Ahornkessel ohne Verstärkungsringe mit nur 5,4 mm Wandstärke sowie die leichten Fat Tone Hoops auf Toms, Floor-Toms und Snaredrums

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