Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Pures Vergnügen

Pearl Reference Pure im Test

Mit den Drums der „Reference“-Serie stellte Pearl 2005 eine Schlagzeug-Serie mit konsequent umgesetzter Klangphilosophie vor, die zur Realisierung optimaler Klangergebnisse für jede Instrumentenstimme eine eigenen Kesselkonstruktion beinhaltete. 2011 folgte die Fortführung dieses Konzepts mit der „Reference Pure“-Serie, wobei man in erster Linie auf deutlich dünnere Kessel setzt.

Drum Kit
(Bild: Archiv)

Pearl hat sein 2005er Konzept der Reference-Serie noch einmal überarbeitet und so in diesem Jahr die Pearl Reference Pure Drums auf den Markt gebracht. Diese bestechen insbesondere durch die enorm dünneren Kessel, abgesehen von dem bewährten Reference-Konzept, Hölzer, Kesselwandstärken und Gratung für jedes Hardware-Teil speziell anzupassen. Wir haben die vornehmlich für den Studioeinsatz geeignete Pearl Reference Pure Drumset getestet.

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Konstruktionstechnisch betrifft das „Reference“- Konzept die Holzauswahl und die unterschiedliche Kombination von Hölzern sowie variable Kesselwandstärken für jede Instrumentengruppe (kleine Toms, große Toms, Floor-Toms, Snaredrums und Bassdrums) bis hin zur jeweils spezialisierten Gratungsform. Mit den neuen „Reference Pure“-Drums strebt Pearl nun ein nochmals erweitertes Frequenzspektrum und einen noch resonanteren Klang an, der besonders für den Studioeinsatz gefragt ist. Um dies zu realisieren, verfügen die „Reference Pure“-Drums zudem über neue, leichtere Spannreifen sowie neue Böckchen im „Tube Lug“-Style.

Testset-Konfiguration

Unser Testset besitzt eine 22 x 16″ „kurze“ Bassdrum und eine 13″ x 6,5″ Snaredrum, was sicherlich schon einmal einen klanglich reizvollen Kontrast und viel Platz in den Mittenfrequenzen für die Toms bedeutet. Diese entsprechen teilweise angesagten modernen Kesselmaßen wie z. B. dem 10″ x 7″ Tom und den 14″ x 12″ und 16″ x 14″ Floor-Toms, sind also im Vergleich zu Standardmaßen um 2″ verkürzt. Das 12″ x 8″ Tom entspricht hier dem klassischen Kesselmaß, und dieses ist auch der „Ausgangspunkt“ für die Klangphilosophie der Instrumente der „Reference“- und „Reference Pure“-Serien.

Das Reference-Konzept

Pearl geht hier von der meist gebrauchten Instrumentenstimme aus, und ein 12″ Tom findet sich ja wohl in fast jedem Set, egal wie umfangreich es denn nun sein mag. Jedenfalls wurde dieses Tom, ausgestattet mit einem reinen Ahorn-Kessel und einer nur leicht verrundeten, aber 45 Grad nach innen abgeschrägten Gratung zum „klanglichen Maßstab“. Kleinere Toms bekamen einen Hybridkessel aus Ahorn und Birke für einen knackigen Attack und etwas mehr Pfund im Sustain, während die größeren Toms zwei Lagen Mahagoni für ein ausgeprägtes Tiefmittenspektrum erhielten. Von der 14″ Tom-Größe aufwärts ist die Gratung dann verrundet, um auch den Attack fetter zu gestalten.

Pearl Reference_01
(Bild: Archiv)

Damit ab dem 16″ Tom und den Floor-Toms das Sustain noch fetter wird und der Klang insgesamt wuchtiger, wächst nicht nur die Wandstärke durch zusätzliche Kessellagen, sondern auch der Anteil an Mahagoni-Lagen nimmt zu. Gleiches gilt hier für die Bassdrums, lediglich bei den Snaredrums gibt es gravierende Unterschiede. Dieses ursprüngliche Konzept wurde auch bei der „Reference Pure“-Serie beibehalten, lediglich die Gesamtwandstärke der Kessel fällt durch Verwendung dünnerer Holzlagen deutlich dünner aus. Besonders auffällig ist dies bei der Snaredrum, denn diese besitzt einen dünnen Kessel mit sechs Lagen und nicht einen Kessel mit 20 Lagen, wie es bei der „Reference“-Serie der Fall ist.

Alle Kessel der „Reference Pure“- Drums sind innen mit einer feinen Schicht Lack versiegelt. Im Grunde wäre damit holztechnisch schon alles erklärt, was die „Reference Pure“-Serie ausmacht, doch Pearl ist noch einige Schritte weitergegangen und hat eine Hardware-Ausstattung gewählt, die den erwartungsgemäß resonanteren Klang noch besser unterstützt. So werden die Drums mit den dünnen „Fat Tone Hoops“ mit nach innen umgezogener Kante ausgestattet (siehe auch Testbericht der Pearl Masters Premium Legend Drums in STICKS 07: 2011), und generell wird damit das Thema „leichte Hardware“ aufgenommen.

Pearl Reference_02
(Bild: Archiv)

Der Opti-Mount aus Aluminium und die neu gestalteten STL-Böckchen (Swivel Tube Lugs) sind nicht nur leichter, sondern sie haben auch einen noch geringeren Kontakt zum Kessel, was das Resonanzverhalten noch weiter verbessert. Unser Testset ist zudem mit einer Folienoberfläche ausgestattet, was bekanntermaßen das Schwingungsverhalten marginal einschränkt, jedoch hat Pearl hier eine sehr dünne Variante gewählt, die nicht nur den Touch einer alten, leicht vergilbten Zelluloidfolie in „White Marine Pearl“ vorgaukelt, sondern tatsächlich nur sehr geringen Einfluss auf das Schwingungsverhalten des Kessels ausübt.

Was die Verarbeitung der Kessel und der Hardware angeht, gibt es hier nicht das Geringste zu beanstanden, was bei diesem Niveau der Fertigung auch nicht wirklich verwunderlich ist.

Sounds

Klanglich ist das Set bereits mit der werkseitigen Fellausstattung schon überzeugend und liefert ein sehr homogenes Klangbild ab. Die sehr schnelle und äußerst direkte Ansprache auch bei extrem leisem Spiel begeistert, denn auch hier entwickelt sich schon ein sehr voller Ton. Nach oben ist in der Dynamik keine Grenze gesetzt, da kann man auch richtig reinlangen und erhält sehr fette Tom- und Floor-Tom-Sounds mit extremen Punch in den Attacks. Die äußerst knackige Projektion der „Reference“- Drums wird hier zwar nicht erreicht, doch genau dies ist ja auch einer der wesentlichen beabsichtigten klanglichen Unterschied zwischen den beiden Serien.

Die Bassdrum wirkt in der Spielposition daher auch nicht ganz so mächtig und präsent, muss sie im Studioeinsatz ja auch nicht, denn da hilft ja der gute Kopfhörermix. Vor der Bassdrum passt es dann aber durchaus mit der Projektion, und die Mitmusikanten dürften hier keinerlei Orientierungssorgen im Hinblick auf die amtliche „1“ haben. Tipp: Ein etwas schwererer Filz- oder Plastikschlägel, eventuell mit größerer Auftreff-Fläche hilft bei der Ortung der Attacks in der Spielposition, besonders in der Live-Situation. Die Snaredrum besitzt ein spezielles Remo-Fell, das Pearl als „Window“ bezeichnet. Im Randbereich gibt es hier zwei Zonen, in denen die Beschichtung ausgespart ist. Dies soll das Obertonspektrum etwas entschärfen.

Pearl Reference_03
(Bild: Archiv)

Das ist allerdings ein Klangdetail, das nicht unbedingt in allen Stimmungen wirklich wahrnehmbar ist. Die Ansprache der Snaredrum ist trotz der gewissen Tiefe extrem schnell und direkt, und das auch bei einer etwas strafferen Snareteppich-Spannung, die für knackige Backbeats ja ganz prima ist. Auch dabei bleibt diese Snaredrum noch sensibel genug, und man muss nicht um jede Ghost-Note kämpfen. Die 13″ „Reference Pure“-Snaredrum ist ein prima Instrument, dessen Sound sich durch geschickte Wahl des Schlagfells und entsprechender Menge an Dämpfung auch sehr variabel gestalten lässt.

Klangoptionen

Die neue „Pure“-Variante des „Reference“-Klangkonzepts geht jedenfalls voll auf, und bei unseren Experimenten habe ich herausgefunden, dass man zwei sehr gute Möglichkeiten hat, die charakteristischen Eigenschaften eines „Reference Pure“- Drumsets in den Vordergrund zu stellen. Bei Möglichkeit eins sollte man besser auf einlagige, transparente Felle für beide Seiten der Toms und Floor-Toms zurückgreifen und diese nicht ganz zu weit auseinander stimmen. Die Resonanzfelle dann lediglich noch einen Tick höher stimmen als die Schlagfelle, und schon stellt man die unterschiedlichen Charaktere der Toms und Floor-Toms (zumindest bei einem Studioeinsatz) auf eine subtile Art dar.

Fellbestückung

Will man plakativer sein, sollte man auch noch unterschiedliche Fellkombinationen wählen, was Möglichkeit zwei wäre. So hat sich beim 10″ Tom ein Remo „Diplomat“ als Resonanzfell in Kombination mit einem „Ambassador white coated“-Schlagfell für einen noch helleren, knackigeren Klang bewährt. Etwas luftiger wird der Sound des 12″ Toms und des 14″ Floor-Toms mit einer „Ambassador coated/Ambassador clear“-Kombination. Das 16″ Floor-Tom kann dann so blieben, wie es werkseitig kommt, und schon hat man auf diese Weise noch deutlich unterschiedlichere Klangfärbungen sowohl im Attack als auch im Sustain kreiert.

Profil

Fazit

Die Konstruktionsprinzipien der „Reference“-Serie auf die dünneren Kessel der „Reference Pure“- Drums zu übertragen, ist ein wirklich gut gelungener Schachzug von Pearl. Der insgesamt etwas weichere und resonantere Klang der „Reference Pure“-Drums entsteht allerdings auch durch das Konzept der leichteren Hardware, besonders die „Fat Tone Hoops“ tragen hier maßgebliche Anteile dazu bei. Die unterschiedlichen Klangcharaktere der Toms und Floor-Toms lassen sich mit einer einheitlichen Fellbestückung – wie z. B. der werkseitigen – schon sehr gut darstellen, allerdings kann man in der Klanggestaltung auch plakativer vorgehen und eine dem Grundcharakter der jeweiligen Instrumentenstimme entsprechende Fellkombination mit passender Stimmung und Dämpfung wählen.

Die direkte Ansprache aller Instrumente begeistert gerade auch bei niedriger Dynamikstufe mit ausgezeichneter Klangentwicklung und hervorragender Resonanz. Zusammengenommen machen diese Faktoren bei einem Einsatz der Drums im Studio sicherlich sehr viel Sinn. Was natürlich nicht heißen sollt, dass man die „Reference Pure“-Drums nicht auch live sehr gut spielen kann. Man sollte sich dann allerdings darüber im Klaren sein, dass die immense Attack-Projektion der Drums der „Reference“-Serie eben nicht in dem Maße zur Verfügung steht. Somit ist man – gerade auf großen Bühnen – beim Einsatz der „Reference Pure“- Drums auf ein solides Monitoring angewiesen. Wer verstärkt Recording-Sessions macht oder einfach auch nur ein Freund der etwas dezenteren, delikaten Drumsounds ist, der sollte die Pearl Reference Pure Drums unbedingt mal gehört bzw. im Einsatz erlebt haben.

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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