Roland SPD-SX Sampling Pad im Test

Das SPD-S geht in Rente und wird vom SPD-SX abgelöst. Das Konzept ist geblieben: Das SPD-SX ist ein Trigger-Pad mit neun Spielflächen und internen Sounds, wobei Letztere ausschließlich aus Samples bestehen, die auch überschreiben werden können. Und weil man auch eigene Samples aufnehmen und importieren kann, nennt sich das Ganze im Untertitel zu Recht „Sampling Pad“.

Sampling Pad
(Bild: Archiv)

Das neue Roland SPD-SX Sampling Pad löst das SPD-S ab. Das Konzept ist geblieben: Das SPD-SX ist ein Trigger-Pad mit neun Spielflächen und internen Sounds, wobei Letztere ausschließlich aus Samples bestehen, die auch überschrieben werden können. Was da rauskommt, hört und seht ihr in unserem Videotest des Roland SPD-SX Sampling-Pads.

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Wer jetzt befürchtet, er könne aufgrund einer kleinen Unachtsamkeit die internen Sounds versehentlich löschen, sei gleich zu Anfang beruhigt: Die internen rund 200 Sounds hat Roland freundlicherweise auf eine mitgelieferte CD gebrannt, von der sie jederzeit wieder ins SPD-SX übertragen werden können. Gehen die Samples unterwegs flöten und hat man die CD nicht dabei, kann man die Samples per USB-Stick nachladen oder sogar aus dem Netz ziehen. Puuuh, Glück gehabt!! 🙂 200 Sounds sind natürlich nicht die Masse, aber dafür belegen sie auch nur 85 MB im Gerät.

Da das SPD-SX aber insgesamt über ca. 2 Gigabyte Speicherplatz besitzt, bleibt hier reichlich Raum für weitere Sounds. Insgesamt lassen sich 10.000 Samples (Wellenformen) abspeichern, und Stereo-Samples können bis zu 180 Minuten lang sein, bei MonoSamples verdoppelt sich die Zeit auf stattliche 360 Minuten, also 6 Stunden! Selbst wenn man für einen Gig ca. 20 komplette Playbacks à 5 Minuten (= 100 Minuten) im Gerät ablegt, bleibt immer noch reichlich Platz für kürzere Loops und Samples übrig, und das ist auch prima so. Ins Gerät transferieren lassen sich Samples auf verschiedene Arten: Entweder nimmt man sie über die Audioeingänge auf, oder man lädt sie, wie schon gesagt, per USB-Stick – manche USB-Sticks zicken ein bisschen rum; da hilft nur auszuprobieren oder ein von Roland empfohlenes Modell zu kaufen.

Außerdem lassen sich Samples mithilfe des mitgelieferten Programms „SPD-SX Wave Manager“ per USB-Kabel vom Rechner aus ins SPD-SX senden, schließlich kann man auch die Ausgänge des SPDSX selber sampeln, um beispielsweise Stack-Sounds zu erzeugen oder Loops mit zusätzlichen Sounds anzureichern – der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Doch schauen wir uns doch erst einmal an, was das SPD-SX rein äußerlich so zu bieten hat.

Äusseres

Das Gehäuse des SPD-SX ist recht kompakt. Die Optik ist stylisch schick überwiegend in Schwarz gehalten, wobei die Taster und Potis, die man oft braucht, in passendem Silber gefärbt sind. Optische Akzente in Rot setzen zunächst die neun LEDs, die zu den Pads gehören; sie leuchten auf Wunsch beim Anschlagen auf, wobei die LED-Leuchtstärke in Abhängigkeit vom Lautstärkeverlauf des zugeordneten Samples variiert – da geht also Showmäßig einiges. Einen weiteren Akzent in Rot bilden die Trennlinien zwischen des größeren Pads 4 bis 9, deren Schlagflächen gut 9 x 9 cm messen, während die kleinen Pads 1 bis 3 am oberen Rand zwar auch 9 cm lang sind, aber nur knapp 4 cm tief.

Sie schmiegen sich zudem mit einer leichten Wölbung an die obere Kante des SPD-SX, denn sie sind hauptsächlich dazu gedacht, mit dem Stockschaft angespielt zu werden, Stichwort Bespielbarkeit: Auf den Pads spielt man am besten mit Sticks. Die Empfindlichkeit lässt sich zwar ein gutes Stück erhöhen, aber für sensibles Hand- oder Finger-Spiel sind sie nicht die erste Wahl. Wer trotzdem Loops oder Sounds per Finger einstarten möchte, kann einzelne oder alle Pads auf „undynamisch“ schalten, dann ertönt selbst bei leisen Schlägen stets die volle Lautstärke. Im Gegen – zug ist aber – wie übrigens auch beim in STICKS 07:2010 getesteten Roland Octapad SPD-30 – das Übersprechen überhaupt kein Thema. Selbst bei höchster Empfindlichkeit und niedrigstem Threshold lassen sich auch bei brachialer Anschlagstärke benachbarte Pads partout nicht triggern – klasse!

Auch ist der Spielkomfort so gut, wie er bei GummiPads nur sein kann: Die Stöcke prallen angenehm ab und „versacken“ auch nicht in den Pads. Unten am SPD-SX befinden sich allerlei Bedienelemente, die links und rechts um das grafikfähige LCDisplay angeordnet sind. Hier wird man nicht mit zahllosen Tastern überfordert, sondern Roland hat sich auf das Wesentliche beschränkt. Links oben vom Display liegen der Power-Taster, drei Lautstärke-Potis für Master, Kopfhörer und Clich sowie ein Start-Taster für den Click. Darunter wird’s dann interessant. Hier befinden sich links zwei große Potis („Control 1“ und „Control 2“), die von vier Tastern namens „Filter“, „Delay“, „S.Loop“ (= short Loop) und „FX“ (= Effects) flankiert werden.

Bedienfeld
(Bild: Archiv)

Drückt man einen der Taster, wird sofort der entsprechende Effekt dazugeschaltet, den man nun mit den beiden Control-Potis in zwei fest zugeordneten Parametern beeinflussen kann. Die ersten drei Effekte sind fest vorgegeben, und den FX-Effekt kann man frei wählen, wobei er aber stets für alle Kits gilt. Mit diesen Effekten lassen sich beispielsweise Loops hervorragend verbiegen. „Filter“ filtert den Sound extrem, „Delay“ fügt einen EchoEffekt hinzu, und „S.Loop“ hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil er Ausschnitte eines Loops zerhackt und wiederholt, ohne dabei im Timing nachzulassen. Als „FX“ hat mir der Pitch-Shifter sehr gut gefallen, weil er spektakulär auch in einem sehr weiten Bereich transponiert. Weitere Effekte sind verschiedene Hall- und Echo-Programme, diverse Phaser, Flanger und Chorus, Filter, Equalizer, Compressor, Distortion, TouchWah, Vibrato sowie sehr abgedrehte Sachen wie Slicer, Ringmodulator und Isolator – allesamt in bester Roland-Qualität und überaus brauchbar.

Darüber hinaus gibt es zwei Kit-„FX“, die auf denselben Fundus zurückgreifen wie der FX-Taster. Diese lassen sich pro Kit aktivieren, allerdings nur wahlweise und nicht gemeinsam. Dies lässt sich dafür dann pro Kit festlegen und ist überaus praktisch, denn so kann man beispielsweise zwei oft genutzte Hall-Programme alternativ den Kits zuordnen. Unter dem Display finden sich drei Taster, die auf den verschiedenen Seiten mit unterschiedlichen Funktionen belegt sind, ja nachdem, was dort gebraucht wird. Rechts vom Display liegen insgesamt 14 weitere Taster, die optisch sinnvoll gruppiert sind. Zunächst die sechs Taster direkt neben dem Display: „Kit“ ruft die Hauptseite zur Anwahl der 100 Kits auf, „Menu“ führt zu den globalen Einstellungen, „Sampling“ zum Menü für das Sampeln, und der Taster „Quick“ ruft je nach Seite ein Menü mit weiteren, dazu passenden Funktionen auf.

Dann gibt es noch den nicht unwichtigen Taster „All Sounds Off“, der alle gerade erklingenden Sounds stummschaltet. Das kann im Eifer des Gefechts schon mal sehr wichtig werden, denn hat man beispielsweise einen endlos laufenden Loop aktiviert, lässt sich dieser normalerweise durch erneutes Anschlagen des entsprechenden Pads stoppen; wechselt man jedoch zwischendurch das Kit, ohne den Loop vorher zu stoppen, läuft er immer weiter, und je nachdem, in welchem Kit man sich gerade befindet, müsste man das vorherige erst einmal wiederfinden und dann auch noch das richtige Pad anschlagen, damit der Loop stoppt – oder man drückt einfach diesen Taster, dann ist ebenfalls Ruhe im Karton. Die Loops lassen sich übrigens nicht nur endlos wiederholen, sondern auch nur zwei, vier oder acht Mal abspielen – sehr praktisch. Der Taster „Pad Check“ gibt beim Gedrückt-Halten die Sounds erneut angeschlagener Pads nur über den Kopfhörerausgang aus. Das macht dann Sinn, wenn man nicht mehr genau weiß, welches Sample auf einem Pad liegt, und man mal kurz hören möchte, welches es ist, ohne die restliche Performance durch etwaiges Getöse zu stören.

Die acht Taster ganz rechts sind selbsterklärend: vier Cursor-Taster zum Navigieren sowie Enter, Exit, + und –. Auf der Rückseite finden sich zahlreiche Anschlüsse, wie im Profil beschrieben. Schön zu wissen, dass alle Audio-Anschlüsse im großen 6,3-mm Klinkenformat ausgeführt sind. Leider ist hierhin auch der Kopfhörerausgang verbannt worden; der hätte sich an der Frontseite besser gemacht. Zum Sampeln kann sogar ein Mikrofon angeschlossen werden, allerdings keines, das Phantomspeisung braucht, denn die liefert das SPDSX nicht.

Für den effektvollen Vocal-Sample ist aber live ein dynamisches Mikrofon vollkommen ausreichend, und wer zu Hause hochwertig mit Kondensatormikros sampeln möchte, schickt dann eben das Mischpultsignal in das SPD-SX. Ebenfalls schön zu wissen ist, dass am Fußtaster-Eingang gleich zwei Taster angeschlossen werden können, wenn man sie über ein Split-Kabel (2 x mono auf 1 x stereo) anschließt. Mit diesen Tastern kann man nicht nur verschiedene Funktionen – etwa zum Kit-Wechsel oder zur EffektAktivierung – ausführen, sondern mit ihnen auch Sounds auslösen, natürlich nicht anschlagsdynamisch.

Dafür wären dann die beiden Pad-Eingänge zuständig. An diesen kann man alle aktuellen Roland-Pads (auch Kick-Pads) außer einem Hi-Hat-Kontrollpedal anschließen und sich das SPD-SX somit zu einem kleinen Drum-Kit ausbauen. An einem Pad-Eingang lassen sich wahlweise zwei einzelne Pads (wieder über ein Split-Kabel) oder ein DualTrigger-Pad anschließen.

Praxis

Die Bedienung des SPD-SX ist so gut gelöst, wie es auf dem doch recht engen Raum in der Bedien – sektion eben möglich ist. Zum Performen sind die Taster und Poti links gedacht, auf den Gig vorbereiten sollte man sich hingegen in Ruhe zu Hause, wenn man all die Taster rechts benutzen möchte. Denn man muss sich schon einiges an Taster-Gedrücke merken, wenn man gezielt bestimmte Funktionen ansteuern möchte, etwa um ein Sample nachzuladen oder dessen Start- und Endpunkte zu schneiden.

Am schnellsten ist ein neues Kit übrigens mithilfe der mitgelieferten Software zusammengestellt. Um die Sache bei maximal 10.000 möglichen Samples etwas übersichtlicher zu machen, kann man im „SPD-SX Wave Manager“ Category-Ordner anlegen, in die die Samples verteilt werden. In die Ordner können Sounds importiert und dann zum SPD-SX geschickt werden. Aus beliebigen Ordnern lassen sich zudem Sounds einfach auf die im Programm dargestellten Pads ziehen, um ein neues Kit zusammenzustellen oder ein vorhandenes umzugruppieren. Leider lassen sich weitere Parameter wie Lautstärke, Abspielmodus oder Mute-Group-Zuordnung nicht in der Software einstellen, sondern dies muss man nach wie vor am SPD-SX machen.

"Wave-Manager"
Mit dem mitgelieferten „SPD-SX Wave Manager“ lassen sich am Rechner super schnell neue Kits zusammenstellen, die dann per USB ins SPD-SX geschickt werden können. (Bild: Archiv)

Trotzdem beschleunigt sich die Arbeit durch das Programm enorm, und vielleicht kann Roland ja die anderen Funktionen mit einem Update nachliefern. Die Samples lassen sich auch leider nicht im „Wave Manager“ bearbeiten, das könnte man aber im SPD-SX selbst erledigen. Dabei hilft auch das Display mit der Darstellung der Wellenform, die sogar gezoomt werden kann … aber am praktischsten ist nach wie vor, die Samples vor dem Import in einem speziellen Sample-Bearbeitungsprogramm zu schneiden. Vermisst habe ich im SPD-SX zunächst einen „Tune“-Parameter zum Stimmen der Samples. Fündig wurde ich dann im Quick-Menü, wo sich die Samples auf eine andere Tonhöhe transponieren lassen, wobei sie allerdings überschrieben werden.

Möchte man sich also unterschiedlich gestimmte Varianten eines Samples basteln (etwa für Tom-Sests), müssen sie vorher mehrfach kopiert werden, um sie dann einzeln zu transponieren. Leider lassen sie sich dabei nicht vorhören, sodass man hier ausprobieren muss, welche Tonhöhe passt. Überhaupt wird man häufig im Quick-Menü fündig, wenn man eine Funktion sucht, wobei hier immer nur Funktionen angezeigt werden, die zum gerade aufgerufenen Menü passen. Jedem Pad kann unter „Sub“ auch ein zweites Sample zugeordnet werden.

Leider lassen sich die beiden Samples nicht anschlagsdynamisch überblenden, um etwa zumindest zwei Dynamikbereiche für eine Snaredrum parat zu haben, aber dafür lassen sich mit dieser Funktion schnell schicke Layer-Sounds basteln. Der USB-Anschluss, der vom SPD-SX zum Rechner führt, kann auch auf einen MIDI-InterfaceModus umgeschaltet werden. Somit kann man vom SPD-SX aus Sounds im Rechner ohne extra Interface anspielen oder umgekehrt. Ebenfalls sehr praktisch.

SPD-SX
Anschlussfreudig: Das SPD-SX besitzt neben den „üblichen“ Verdächtigen auch zwei Einzelausgänge. (Bild: Archiv)

Normale MIDI-Buchsen gibt’s noch zusätzlich. Das SPD-SX klingt natürlich immer nur so gut, wie die importierten Samples sind. Der mitgelieferte Fundus bietet eine kleine, aber repräsentative und gute Auswahl durch alle Genres: Es gibt verschiedene Drum-Kits, Percussion-Instrumente und etliche Loops, die eher auf den Dance-Floor abzielen.

Fazit

Das SPD-SX ist das ideale Tool für Drummer und Percussionisten, um ihre Sound-Bandbreite mit Klängen aufzustocken, die man immer schon mal benutzen wollte, ohne dafür beispielsweise einen Gong oder drei Kesselpauken mitschleppen zu müssen – diese sampelt man in Ruhe zu Hause und nimmt dann das SPD-SX mit zum Gig oder ins Studio. Ebenso interessant ist es für DJs oder MCs, die mit dem SPD-SX Sounds und Loops abfeuern möchten, um mit ihnen zu performen. Mit 2 GB Sample-Speicher bzw. Platz für bis zu sechs Stunden Material ist man in jedem Fall für alle Eventualitäten gerüstet. Unbedingt einmal selber ausprobieren!

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