Roland TD-15KV V-Tour Set E-Drums im Test

Wachablösung bei Roland: In der gehobenen Mittelklasse ersetzt das TD-15KV das TD-12. Das Bessere ist ja bekanntlich der Feind des Guten, aber trifft das auch für das V-Tour-Set zu?

E-Drum Kit
(Bild: Archiv)

Freunde macht sich das TD-15KV mit Sicherheit aufgrund seines günstigen Preises – ging das in der gleichen Kategorie angesiedelte TD-12 zuletzt für ca. 4.100 Euro über die Ladentheke, kostet das TD-15KV gut 1.000 Euro weniger. Da muss man doch irgendwo irgendetwas eingespart haben, oder? Ein kurzer Vergleich zeigt, dass dies tatsächlich der Fall ist. Die offensichtlichste Änderung ist die Ausstattung mit einem Cymbal-Pad weniger, und anstelle des großen KD-120 Bassdrum-Pads wird hier das kleinere KD-9 mitgeliefert. Zudem hat das Soundmodul TD-15 ein völlig anderes Layout als das TD-12. Ob diese „Einsparungen“ auch Abstriche in der Qualität nach sich ziehen, soll unser Test klären. Dazu hat uns Roland das größere der beiden V-Tour-Sets geschickt – eine weitere Variante ist das TD-15K ohne „V“, welches nochmals rund 700 Euro günstiger wäre. Schauen wir uns einmal die Komponenten an.

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Wie sich das günstige E-Drum Kit anhört, erfahrt ihr in unserem Videotest.

Hardware

Das Rack MDS-9V entspricht meines Erachtens exakt dem MDS-9 ohne „V“, welches auch beispielsweise beim TD-9KX2 (Test in STICKS 04:2011) zum Einsatz kommt – der einzig mögliche Unterschied besteht in den mitgelieferten Kabelklemmen aus Plastik, die nun eine etwas breitere Öffnung zur Kabelaufnahme zu haben scheinen. Die Maße sind jedenfalls exakt gleich: Die Maximalaufbauhöhe für die Tom-Pads beträgt ca. 78 cm, es ist zusammengeklappt ca. 67 cm breit, die seitlichen Ausleger sind ca. 65 cm lang, der Snare-Pad-Ausleger ca. 30 cm. Die beiden vorderen Beine messen ca. 84 cm, die beiden seitlichen ca. 67 cm. Alle Schrauben, die zum Auf- oder Abbau bedient werden wollen, sind mit Flügelschrauben versehen, die restlichen sind die üblichen Vierkantschrauben, die sich mit dem mitgelieferten Stimmschlüssel bedienen lassen. Beim TD-15KV bleibt nach dem Aufbau eine Rack-Halterung übrig, die aber für das kleinere V-Tour-Set (ohne „V“) gebraucht wird, um damit das Hi-Hat-Pad am Rack zu befestigen.

Das KV wird hingegen mit der VH-11- Hi-Hat geliefert, die ja auf einer (nicht mitgelieferten) Hi-Hat-Maschine montiert werden muss. Steckt man in die übrig gebliebene Halterung jedoch einen (zu kaufenden) Cymbal-Ausleger oder eine L-Tom-Halterung, kann man das KV etwas preisgünstiger ausbauen. Die Änderungen bei der Kick-Pad-Bestückung wurden eingangs schon erwähnt, und auch bei den restlichen Trommel-Pads gibt es Umbesetzungen. Die beiden 10″- Pads namens PD-105 für Floor-Tom und Snare wurden gegen zwei gleich große PDX-100-Pads getauscht, was von Spielen her keine Abstriche nach sich zieht, denn ihnen fehlt eigentlich nur der tiefere Kessel. Die beiden Rack-Tom-Plätze sind dagegen weiterhin mit PD-85-Pads besetzt.

Alle Trommel-Pads (außer natürlich der Kick) besitzen auch Rim-Trigger. Für die beiden Cymbals kommen die relativ neuen Cymbal-Pads CY-12C und CY-13R zum Einsatz, die 12″ bzw. 13″ groß sind. Das CY-13R ist als 3-Zonen-Pad ausgelegt, es kann also auch Schläge auf den Rand umsetzen. Seine Kuppe ist größer als die des CY-12C, wodurch sich Bell-Sounds bequem und ohne Zuhilfenahme von Zielwasser triggern lassen. Die Aufhängung dieser Pads wurde ja gegen- über den restlichen Roland Cymbal-Pads optimiert, wodurch sie schöner schwingen – nicht zu träge und auch nicht zu nervös. Als Hi-Hat kommt beim KV die bewährte VH-11 zum Einsatz, für die man allerdings das gewünschte Stativ extra erwerben muss. Belohnt wird man dafür mit einer realistischen Optik sowie einem sehr guten Spielkomfort.

Ebenfalls zum Lieferumfang gehört ein Kabelbaum mit vorkonfektionierten Kabellängen, die dafür sorgen, dass man die entsprechenden Pads problemlos erreicht, ohne dass zu viel Kabelgewusel die Optik stört. Der Anschluss ans Soundmodul ist über einen Multi-Pin-Stecker gelöst, den man schon von den kleineren Geschwistern TD-9 oder TD-4 her kennt – sehr praktisch. Möchte man das KV mit weiteren Pads ausbauen, kann dies mit maximal zwei Pads geschehen, die an eigenen Klinkenbuchsen (Crash 2 und Aux) am Soundmodul angeschlossen werden können. Weiter ausbauen lässt sich das TD-15KV leider nicht.

Soundmodul

Womit wir dann auch bei der aufregendsten Neuheit angekommen wären: dem Soundmodul TD-15. Dieses wurde komplett neu gestaltet und stellt somit keine Überarbeitung des TD-12, sondern einen vollkommenen Neueinstieg dar. Zunächst ist das Gehäuse nicht im Quer-, sondern im Hochkant-Format ausgelegt. Dadurch ergibt sich der Vorteil, dass es sich besser ins Rack integrieren lässt, weil es nicht so viel Platz einnimmt. Alle Seiten sind leicht gerundet, und das Gehäuse verjüngt sich von oben nach unten. Zudem wurde die Oberfläche so geschickt gestaltet, dass das Auge sofort alle wichtigen Sektionen unterscheiden kann. Ganz oben liegen das grafikfähige Display und der Power-Taster, darunter links der Volume-Regler, an den sich rechts weitere sieben Taster anschließen: direkt unter dem Display drei Funktionstaster zum tiefergehenden Editieren, darunter die Taster „Menu“ und „Exit“ und rechts neben diesen je ein „Hoch“- und „Runter“-Cursor-Taster zum Navigieren im Display.

All diese Elemente werden optisch von einem großen Ring eingerahmt, der an der Unterseite offen ist und in dem das große Value-Rad zur Dateneingabe sitzt. Das Value-Rad ist von einem schmalen blauen Ring umgeben, der sowohl als Trigger-Indikator dient (also kurz aufleuchtet, wenn man ein Pad anspielt) oder abwechselnd heller und dunkler wird, wenn man längere Zeit nicht spielt. Cool! Links zwischen dem Rad und dem Volume-Regler befindet sich noch ein Taster namens „Quick Edit“. Drückt man diesen mehrmals hintereinander, leuchten entsprechend nacheinander drei Anzeigen über dem Value-Rad auf. Sie sind mit „Tuning“, „Muffling“ und „Strainer“ beschriftet, führen für das zuletzt angeschlagene Instrument also direkt zu den Einstellungen für die Stimmung, die Dämpfung und den Snareteppich, wobei letzterer Parameter je nach gewähltem Instrument unterschiedlich wirkt: Ist die Snare aktiv, kann man hier die Teppichspannung einstellen, ist eine andere Trommel aktiv, lässt sich hier das Übersprechen des Snareteppichs regeln – bei den Cymbals wird hingegen gar nichts angezeigt, was ja auch Sinn macht.

Soundmodul
(Bild: Archiv)

Auf den eigentlichen Edit-Seiten stehen natürlich noch weitere Parameter zur Bearbeitung bereit. Diese sind Volume, Pan(orama) und „Tone Color“; Letzteres ist eine Kombination aus Hoch- und Tiefpass-Filter. Stellt man hier positive Werte ein, werden nach und nach die Bässe ausgefiltert, bei negativen Werten sind es die Höhen – also ein simple und einfach zu bedienende „Klangwaage“, die pro Instrument den Equalizer ersetzt. Einen echten Equalizer gibt es nur für das gesamte Kit – wer also detailliert Hand an einen einzelnen Sound anlegen möchte, guckt in die Röhre. Der „richtige“ Equalizer findet sich auf den Effekt(FX)-Seiten, und er bietet vier Bänder: Bässe, zweimal Mitten sowie Höhen, jeweils mit variablen Ansatzfrequenzen, und für die Mittenbänder lässt sich sogar die Flankensteilheit einstellen.

Ganz unten auf der Bedienoberfläche liegen schließlich weitere sieben Taster: zunächst fünf kleinere und ganz unten zwei große „Links“- und „Rechts“-Cursor-Taster, mit denen man durch die 100 Drum-Kits steppen kann. Wählt man zur Kit-Umschaltung hingegen das Value-Rad, erscheint im Display sofort eine Liste der Drum-Kits, durch die man nun Scrollen kann. Lässt man das Value-Rad anschließend in Ruhe, wechselt die Anzeige nach knapp 2 Sekunden von selbst zum gewählten Kit – das Kit selbst ist allerdings schon bei seiner Anwahl sofort spielbereit. Die fünf kleineren Taster in dieser Sektion führen zu den Metronom-Einstellungen, in den Coach-Modus (wo man verschiedene nützliche Übungen vorfindet) oder schalten das TD-15 in den Song-Modus für die 23 internen Songs oder die vom Stick.

Hinzu kommen der Play/Stop-Taster für die Songs sowie der Taster „Quick Rec(ording)“. Über letzteren lässt sich das eigene Spiel zu einem Song aufnehmen und wiedergeben. Rechts am TD-15 finden sich die benötigten Anschlüsse. Diese sind von oben nach unten: MIDI-Out, die bereits erwähnten Pad-Anschlüsse Crash 2 und Aux, ein Mix-In für externe Soundquellen (Miniklinke), die beiden Stereo-Ausgangsbuchsen, ein Kopfhörerausgang nebst eigenem Lautstärkeregler sowie die Buchse für das externe Netzteil. Auf der Oberseite gibt es zwei USB-Buchsen, eine zum Anschluss an einen Rechner und eine zweite für einen USB-Stick.

Der Stick dient nicht nur zum Sichern und Laden von Drum-Kits, sondern von ihm lassen sich auch Audiodaten abspielen, die in den Formaten mp3 und wav vorliegen müssen; die vorgeschriebene Sampling-Rate beträgt 44,1 kHz. Bei mp3s kann die Bitrate zwischen 64 und 320 kbit/s liegen, bei wav-Files können es 8, 16 oder 24 Bit sein. Die Dateien dürfen maximal 2 GB groß sein, was dann auch für sehr lange mp3-Songs ausreichend ist. Feine Sache! Auch sehr fein ist die Option, die vom Stick abzuspielenden Files in ihrem Tempo ändern zu können, ohne dass dadurch die Tonhöhe geändert würde – so lässt sich ein mühsam zu Hause zusammengefriemelter Percussion-Loop problemlos ändern, ohne ihn erneut programmieren zu müssen. Audio-Files lassen sich nicht nur einmal abspielen, sondern auch im Kreis (Loop) wiedergeben – sehr schön!

Auch die beliebten Effekte hat Roland nicht vergessen. Neben dem bereits beschriebenen Equalizer stehen im TD-15 zwei weitere Effektgeräte bereit: ein Ambience-Effekt und ein Multieffektgerät. Unter „Ambience“ finden sich zehn verschiedene Raum-Typen von „Drum-Kabine“ über Club-Räume bis zur Messe-Halle und auch Gate-Hall und Hallspirale. Wie beim Vorgänger TD-12 und auch beim großen Bruder TD-30 lassen sich die Raumgrößen zusätzlich in fünf Stufen sowie bzgl. ihrer Breite ändern, und es stehen sechs verschiedene Wandmaterialien zur Auswahl. Weitere zehn Effekte bietet das zweite FX-Gerät. Hier finden sich Dinge Kompressor, Filter, Verzerrer, Phaser und Ringmodulator – vermisst habe ich hier lediglich ein Delay

Sounds

Zunächst ein Wort zu den Kits. Hier wurden 50 verschiedenste Varianten zusammengestellt, die sich für alle erdenklichen Stilrichtungen prima als Basis eignen, und die weiteren 50 Kits können dann mit Eigenkreationen gefüllt werden. Die Instrument-Auswahl ist mit 500 Sounds sehr groß. Hier finden sich neben den üblichen Verdächtigen (Drums und Cymbals) auch wieder reichlich Percussion-Instrumente sowie knapp 50 ausgefallene Effekt-Sounds. Die einst so revolutionäre COSM-Technologie wird in der ausführlichen Bedienungsanleitung nicht mehr explizit erwähnt, obwohl sie natürlich auch hier geboten wird – das neue Schlagwort heißt nun aber „Super-NATURAL“. Roland erklärt diesen Begriff so, dass das TD-15 noch musikalischer auf das reagiert, was der Spieler macht – so sollen etwa Cymbal- und Snare-Rolls organischer laufen.

Nun ja, festzustellen bleibt, dass die Sounds prima klingen und dass sich das ganze Set hervorragend spielen lässt – aber das war beim Vorgänger auch schon der Fall. Lieber wäre mir gewesen, wenn das TD-15 auch Positional Sensing für verschiedene Instrumente anbieten würde, denn dieses Feature trägt meines Erachtens auch ein gutes Stück zum Realismus bei. Wie dem auch sei, grundsätzlich sind die Sounds sehr gelungen und technisch on top, und hier sollte jedermann/frau Sounds finden, die genau zu seiner/ihrer Musikrichtung passen.

Fazit

Das TD-15KV V-Tour Set überrascht mit neuem Layout und günstigem Preis. Einige Features seines Vorgängers fehlen (wie beispielsweise mehr Ausgänge), dafür wurden andere ergänzt. Sehr gut ist das neue Bedienkonzept, das einen sofort auf die wichtigsten Parameter zugreifen lässt, zudem ist der Anschluss für einen USB-Stick Gold wert. Optisch macht das TD-15KV nicht ganz so viel her wie der Vorgänger, dafür lässt es sich bequemer transportieren, und – nicht ganz unerheblich – es belastet den Geldbeutel weit weniger. Wer die Optik unbedingt aufmotzen möchte, kann sich natürlich fürs Gesparte locker ein KD-120 und ein weiteres Tomoder Cymbal-Pad zulegen … muss aber nicht sein, denn das TD-15KV ist auch so ein tolles E-Drum-Set.

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