Klassenprimus

Roland TD-9KX2 im Test

Roland wird es nicht müde, seine Produkte ständig zu updaten, und so gab es auf der NAMM-Show in Anaheim am Anfang dieses Jahres ein aufpoliertes TD-9 aus der V-Tour-Serie zu sehen.

E-Drumkit
(Bild: Archiv)

Roland hat in die Bastelkiste gegriffen und seinem Top-Modell TD-9KS der V-Tour-Serie eine Frischzellenkur verpasst, so dass jetzt das verbesserte und günstigere TD-9KX2 im Laden steht. Allein optisch sind die Neuerungen an dem E-Drumset kaum erkennbar. Neben dem neuen Kick-Pad KD-9 und den beiden Cymbal-Pads CY-12C und CY-13R wurde nämlich vornehmlich das Soundmodul TD-9 mit Soft- bzw. Firmware-Updates ausgestattet. Wir haben das Einsteiger-Kit für die gehobeneren Ansprüche auf MusikMachen.de getestet.

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Die Neuerungen fallen relativ dezent aus und sind äußerlich kaum auszumachen. Am auffälligsten ist sicherlich das neue Kick-Pad KD-9, das nun nahtlos zu den Gewebefell-Pads aufrückt, denn es ist ebenfalls mit einem solchen Fell ausgestattet. Die zweite Neuerung stellen die beiden Cymbal-Pads CY-12C und CY-13R dar, und die dritte Neuerung betrifft das Soundmodul TD-9. Hier wurden die Updates „im Verborgenen“ vorgenommen, denn die neuen Features sind reine Soft- bzw. Firmware-Updates. Mehr zu allen Neuerungen im Abschnitt „Neues“.

Bekanntes

Ansonsten ist alles beim Alten geblieben. Das Top-Modell der V-Tour-Serie ist mit einem 10″-Pad namens PD-105BK für die Snare sowie drei 8″-Pads mit Namen PD-85BK für die Toms ausgestattet, die alle mit Mesh-Heads bestückt sind und dessen schwarze Kessel bzw. Gehäuse für das „BK“ im Namen sorgen. Über das Spielgefühl auf diesen Pads zu berichten hieße, Eulen nach Athen zu tragen, denn wie wir schon öfters erwähnt haben, kommt es dem Spielen auf akustischen Trommeln immer noch am nächsten. Dankbar nimmt man zudem zur Kenntnis, dass das Snare-Pad größer ausfällt und so ein Plus an Spielkomfort bietet.

Eine Kleinigkeit fiel erneut auf: Beim Spielen von Rimshots erzeugen die kleineren PD-85-Pads ein lauteres Klacken als das PD- 105 für die Snare – wer also mit dem Set zu Hause übt, sollte spätnachts vielleicht besser auf Tom-Rimshots verzichten, dann klappt’s auch mit den Nachbarn. Ebenfalls klasse ist das Hi-Hat-Pad VH-11, dessen Spielgefühl ebenfalls einer echten Hi-Hat sehr nahe kommt, was natürlich auch an seiner Befestigung auf einer Hi-Hat-Maschine liegt, die man allerdings separat dazukaufen muss. Das Rack MDS-9 gehört seit geraumer Zeit zum Lieferumfang, muss also nicht mehr separat gekauft werden. Hier noch mal kurz die Maße: Aufbauhöhe = ca. 84 cm, Breite = ca. 67 cm (zusammengeklappt) bzw. ca. 120 cm (ausgeklappt), Maximalaufbauhöhe für die Tom-Pads = ca. 78 cm, Ausleger für das Snare-Pad = ca. 30 cm; die beiden vorderen Beine sind ca. 84 cm lang, die beiden seitlichen ca. 67 cm.

Beim Kauf des Top-Modells dieser Reihe TD-9KX2 ergibt sich der Umstand, dass man nun eine Rack-Halterung übrig hat, die bei den VH-11-losen Sets für die Montage eines kleineren Hi-Hat-Pads gebraucht wird. Wenn man in diese einen Cymbal-Ausleger oder eine L-Tom-Halterung steckt, kann man sein Set mit leichtem Preisvorteil ausbauen. Das Soundmodul besitzt den komfortablen Multipin-Anschluss für den mitgelieferten Kabelbaum, man muss hier also nicht mehr jedes Trigger- Kabel separat einstöpseln. Der Baum selber ist mit Kabeln genau für die gelieferte Konfiguration bestückt; möchte man zwei weitere Pads anschließen – beispielsweise ein Pad für Tom 4 und ein drittes Cymbal-Pad –, sind dafür zwei der üblichen Klinkenbuchsen auf der rechten Seite des TD-9 vorhanden. Ein darüber hinaus gehender Ausbau ist nicht möglich.

Sound-Modul TD-9
Äußerlich hat sich beim TD-9 nichts geändert, innerlich schon: Unter anderem gibt es neue Bassdrum- und Snare-Sounds, und die Anzahl der Speicherplätze für Drum-Kits hat sich von 50 auf 99 nahezu verdoppelt. (Bild: Archiv)

Zum Verlegen und Sichern der Kabel liegen sechs Klettbänder bei, die gerne einen Tick länger sein dürften, denn sie greifen nicht an allen Stellen des Racks um Kabel und Rohre. Geblieben sind auch die Editiermöglichkeiten, die bei Sounds, welche mit der COSM-Technologie der großen Soundmodul-Brüder erzeugt werden, mit einer abgespeckten COSM-Variante arbeiten: Man kann hier z. B. die Felle mit unterschiedlichen Dämpfern bestücken, aber nicht die Kesseltiefe oder die Fell-Sorte ändern, und Cymbals lassen sich virtuell vergrößern oder verkleinern, aber z. B. deren Mikrofonposition lässt sich nicht verstellen. Sounds hingegen, die auf reinen Samples beruhen, lassen sich wie gehabt mit den Parametern Pitch und Decay verstimmen und bezüglich der Länge ändern.

Neues

I.) Soundmodul TD-9 V2.0
Bleiben wir gleich beim Soundmodul TD-9. Die Neuigkeiten beziehen sich rein auf das Innenleben. Das TD-9 kann natürlich die Informationen der drei neuen Pads verarbeiten. Interessanter ist aber, was sonst noch unter die Haube gepackt wurde, denn das TD-9 V2.0 kann nun nicht nur Songs im wav-Format, sondern auch mp3s abspielen, die sich auf einem USB-Stick befinden, welcher in die von einem Bügel geschützte Buchse auf der Rückseite gesteckt wird. Wunderbar, denn nun kann man auch ruck zuck zu unseren JAM-Playalongs (s. Seite 84 – 87 ) spielen. Die zweite Neuerung beim TD-9 ist die Tatsache, dass auch neue Sounds ihren Weg ins Modul gefunden haben. Hier hat sich zwar nur in den Bereichen Bassdrum und Snare etwas getan, aber das sind ja wohl auch die meist gespielten Sounds. Für die Bassdrum gibt es 14, für die Snare 16 neue Sounds.

Die Sounds ergänzen das bereits vorhandene Angebot optimal um einige Varianten, die man bisher vielleicht vermisst hat. Interessant sind die Bassdrum-Sounds mit dem Zusatz „/ M“ am Namensende. Bei ihnen wird – im Gegensatz zu den Originalen ohne „/ M“ – der Bassdrum-Nachklang stark verkürzt, wenn man sie laut anspielt. Also genauso wie bei einer akustischen Kick, wenn man den Schlägel nach dem Anschlag nicht vom Fell nimmt, sondern dort liegenlässt. Wer nun traurig ist, dass sein altes TD-9-Soundmodul das alles nicht hat, kann sich für 95,– Euro ein Trostpflaster bei Roland kaufen, denn dort hält man einen USB-Stick bereit, mit dessen Hilfe sich das alte TD-9 in ein brandneues verwandeln lässt, das dann alle Neuigkeiten bietet. Updates für andere Soundmodule sind bei Roland sonst meist kostenlos, aber außer einem USB-Stick bekommt man ja auch die 30 neuen Sounds, daher finde ich den Preis durchaus okay und halte das für einen tollen Service.

Anschlüsse & Klinkenbuchsen
Die Anschlüsse des TD-9 befinden sich auf seiner rechten Seite. Hier kann man auch an den beiden Klinkenbuchsen rechts im Bild zwei zusätzliche Pads anschließen. (Bild: Archiv)

II.) Kick-Pad KD-9
Das neue Kick-Pad KD-9 besteht nicht wie das alte KD-8 aus einem Pad, das von einem ausklappbaren Bügel gestützt wird, sondern aus einer einteiligen Konstruktion aus Sockelplatte mit einer Art Säule, an deren oberem Ende die Schlagfläche sitzt. Der Sockel wird mithilfe von Klettband auf der Unterseite sowie zwei herausschraubbaren Dornen vor Verrutschen gesichert. Die Anschlagfläche ist nun wie die restlichen Drum-Pads mit einem Gewebefell ausgestattet. Dieses lässt sich allerdings nicht so einfach austauschen wie bei den restlichen Pads, aber das wird wahrscheinlich auch kaum nötig werden. Das nur ca. 6″ große Fell des KD-9 ist nämlich sehr weich gespannt und kann auch nicht straffer angezogen werden; drückt man mit der Hand gegen das Fell, fühlt sich das im Vergleich zu den anderen Drum-Pads sehr weich und ungewohnt an. Wenn man sich aber daran erinnert, wie stark ein ungleich größeres BassdrumFell einer akustischen Kick bei der gleichen Aktion nachgibt, erscheint einem dieses Verhalten doch sehr adäquat.

Kick-Pad KD-9
Wichtigstes Detail des neuen Kick-Pads KD-9 ist das weich gespannte GewebeSchlagfell, das in zeitgemäßem Schwarz gehalten ist. (Bild: Archiv)

III.) Cymbal-Pads CY-12C und CY-13R
Wie es die Kürzel im Namen schon verraten, sind die neuen Cymbal-Pads CY-12C und CY-13R 12″ bzw. 13″ groß und für die Spielarten Crash und Ride gedacht. Das CY-13R ist dabei als 3-Zonen-Pad ausgelegt, es kann also nicht nur Trigger für Profil- und Kuppen-Sound verarbeiten, sondern auch Schläge auf den Rand in entsprechende Klänge umsetzen. Die Kuppe dieses Pads ist größer als die des CY-12C, ja sogar größer als die des CY-15R, Rolands 3- Zonen-Pad mit 15″ Durchmesser. Dadurch ergibt sich natürlich eine sehr komfortable Spielweise für Bell-Sounds. Zum weiteren Spielkomfort trägt die neue Auslegung der Aufhängung bei. Diese beiden Pads zappeln beim Anschlagen nicht so nervös herum wie die leichteren CY-8- oder CY-5-Pads von Roland, aber schwingen auch nicht so zäh wie die CY-12- bis CY-15- Modelle, die schon seit längerer Zeit im Programm sind.

Cymbal-Pads CY-12C (links) und CY-13R (rechts)
Die beiden neuen Cymbal-Pads CY-12C (links) und CY-13R. Im direkten Vergleich gut zu erkennen ist die schön große Kuppe des Ride-Pads – im Bild schlecht zu sehen ist, dass die neuen Pads flacher sind als die betagteren Kollegen. Das liegt aber nicht an unserem Fotografen Didi, sondern an den Beschränkungen des Mediums Fotografie 😉 (Bild: Archiv)

Die neuen Pads sollen laut Roland dem Schwingungsverhalten echter Cymbals entsprechen, und nach meinem Dafürhalten kommen sie dem auch recht nahe. Hier ist man dem Ziel der perfekten Kopie des Originals schon ein gutes Stück näher gerückt. Die Kuppe des CY-13R löst Trigger für Bell-Sounds auch wesentlich früher aus als die älteren Kollegen, dennoch bleibt hier noch Raum für Verbesserungen: Am empfindlichsten ist es nämlich im unteren Viertel der Kuppe; schlägt man die Kuppe seitlich an – was ich gerne schon mal mit dem Stockschaft mache –, liegt die Trigger-Schwelle höher, was dann doch nicht ganz realistisch ist.

Fazit

Insgesamt kann man sich nur freuen, dass Roland weiterhin der Devise treu bleibt, auch die vorhandenen Produkte weiter zu verbessern anstatt ständig komplett neue Instrumente vorzustellen. Das Update des TD-9KS zum TD-9KX2 serviert Neuerungen, die den Spielkomfort und nicht zuletzt auch den Look des Kits um einiges aufwerten. Der Gesamtpreis ist dabei, relativ gesehen, wieder einmal günstiger geworden, denn das Rack ist nun im Kaufpreis enthalten. Die neuen Pads KD-9, CY-12C und CY-13R stellen einen erheblichen Gewinn an Spielkomfort dar, und auch das Soundmodul TD-9 punktet mit 30 neuen Sounds und der Wiedergabe von mp3-Files. Ich würde das Kit für Einsteiger mit gehobenen Ansprüchen empfehlen. Darüber hinaus ist es ganz nebenbei auch ein prima Zweit-Kit für alle, die schon etwas Größeres besitzen, denn es lässt sich nicht nur prima spielen, sondern auch sehr platzsparend zusammenlegen und dadurch ohne viel Aufwand zur nächsten Probe oder zum „kleinen Gig zwischendurch“ transportieren. Die Sounds sind zwar nicht so umfassend zu editieren wie die der größeren V-Drum-Modelle, stehen diesen aber ansonsten qualitativ in nichts nach. Das TD-9KX2 ist also für alle E-Drummer ein heißer Tipp.

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