Sabian Paragon Brilliant Series Cymbals im Test

Mit den „Paragon“-Cymbals entwickelte der kanadische Hersteller Sabian in Zusamenarbeit mit dem renommierten Progressive-Rock-Drummer Neil Peart eine „Signature“-Serie. Neil Peart prägt mit außerordentlich dynamisch-trickreichem und präzisem Spiel seit 1974 den Sound der Band Rush. Welchen Stellenwert er allein für die amerikanische Szene hat, lässt sich auch dadurch ermessen, dass er häufig von illusteren Drummern der heutigen Progressive-Rock-Szene, wie beispielsweise Mike Portnoy und Tim Alexander, als Vorbild genannt wird.

Cymbals

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Das Cymbal-Set von Neil Peart bestand schon immer aus vielen deutlich unterschiedlichen Klangfarben, die er sehr genau auswählt und entsprechend einsetzt. Laut eigener Aussage wurde er durch befreundete Drummer auf Sabian Cymbals aufmerksam und er stellte fest, dass sein bereits 1974 erworbenes 22″ Ride-Cymbal aus besagter Fertigung in Meductic stammte. Eine interessante Anekdote, die immerhin zu dieser Zusammenarbeit führte. Laut Sabian brachte Neil Peart bei seinem Besuch der Fertigung zunächst viel Zeit damit zu, sich über die einzelnen Fertigungstechniken der verschiedenen Sabian Cymbal-Linien zu informieren, statt sofort mit speziellen Klangvorstellungen aufzuwarten. So entstand im Laufe der Zeit ein umfassendes, aus B20- Bronze gefertigtes Cymbal-Set, das unterschiedliche Fertigungstechniken aus den Sabian-Serien „HH“, „AA“ und „AAX“ in sich vereint.

Der Name „Paragon“ hat sinngemäß etwa die Bedeutung von „außerordentlichem Meisterstück“, was zusätzlich im goldfarben aufgedruckten Logo noch durch einen stilisierten Diamanten verdeutlicht wird. Zudem tragen die Cymbals auf der Unterseite – ebenfalls in goldfarbenen Lettern – die Signatur von Neil Peart. Erhältlich sind durch den deutschen Sabian-Vertrieb M&T natürlich alle Einzel-Modelle sowie auch das komplette „Neil Peart Pargaon Set“ mit schmuckem und solidem Flightcase, hinzu mit dem „Performance Set“ eine gute Basis-Ausstattung, die durch das „Effects Pack“ um zwei Splash-Cymbals und das 19″ „Chinese“ (und natürlich auch um weitere Einzel-Cymbals) gut ergänzt werden kann. Freundlicherweise wurden uns alle Cymbal-Modelle von M&T zum Test zur Verfügung gestellt.

KONSTRUKTION/VERARBEITUNG

Die Cymbals der Sabian „Paragon“-Serie werden auf der Spielseite im für die „AAX“-Serie verwendeten Prozess abgedreht. Hierbei liegen die Tonal Grooves recht dicht beieinander und sind nicht sehr tief gesetzt. Für die Rückseite wurde hingegen das Abdrehmuster der „AA“-Serie – mit unterschiedlich tief gesetzten und breiten, weiter auseinander liegenden Tonal-Grooves – verwendet. Das Hämmerungsmuster fällt auf dem Profil relativ gleichmäßig aus, obwohl auch dies rein manuell ausgeführt wird.

Sehr deutlich tritt das manuelle Hämmerungsmuster der „HH“-Serie bei den Cymbal-Kuppen der „Paragon“-Serie sowie auf dem Profil der Hi-Hat Bottom Cymbals hervor. Ein kräftiges Hämmerungsmuster mit groß dimensionierten Einschlägen zeigt auch der breite Rand des 19″ „Chinese“. In der Anatomie der Cymbals fällt ein deutlicher Bogen im Profil auf, der bei den einzelnen Modellen allerdings dem Typus entsprechend auch unterschiedliche Verläufe zeigt. Die Verarbeitung der Cymbals wurde sehr sorgfältig ausgeführt und entspricht damit dem hohen Fertigungsstandard von Sabian. Im Einzelnen stellen sich die Besonderheiten der Konstruktionen wie folgt dar: 13″ und 14″ Hi-Hats Top- und Bottom-Cymbal der Hi-Hats bieten eine nahezu identische Form und unterscheiden sich nur minimal in der Gesamthöhe.

Der deutlichste Unterscheid zwischen Top- und Bottom-Cymbal ist das Gewicht, was bei einer gemessenen Randstärke von ca. 1 mm (13″ Top) und ca. 1,4 mm (13″ Bottom) sowie 1,1 mm (14″ Top) und 1,7 mm (14″ Bottom) auch nicht weiter verwundert. Die Kuppen sind relativ klein gehalten und präsentieren sich mit einer Kegelspitzform. 22″ Ride Das Ride bietet eine Randstärke von ca. 1,35 mm und zählt definitiv zu den schweren Modellen in dieser Dimension. Auffällig sind der deutliche Bogen im Profil, so dass hier eine große Vorspannung im Material entsteht sowie die mit einer Höhe von ca. 2,4 cm deutlich ausgeprägte Kuppe mit einer Halbkugelform. 16″, 18″ und 20″ Crash Cymbals.

Die Crash-Cymbals sind ebenfalls mit relativ großen, halbkugelförmigen Kuppen ausgestattet. Das Profil zeigt einen ausgeprägten Bogen, dieser ist im Vergleich zum Ride-Cymbal allerdings typischerweise etwas weniger stark abfallend gestaltet. Die am Rand ermittelten Materialstärken sind für alle drei Modelle in etwa gleich, so dass der Gewichtsunterschied aus der verschiedenen Größe resultiert. 8″ und 10″ Splash Cymbals Auch hier fallen die proportional zum Durchmesser recht großen Kuppen auf. Der Bogen des Profils ist in beiden Fällen deutlich flacher gehalten und die Materialstärke am Rand liegt bei 0,5 mm, respektive 0,6 mm 19″ und 20″ Chinese Cymbals.

Allein durch den unterschiedlich breiten umbördelten Rand – dieser ist bei dem 19″ „Chinese“ immerhin satte 9,3 cm breit – unterscheiden sich diese beiden Cymbals schon deutlich von einander. Doch auch das Profil des 19″ „Chinese“ beschreibt einen deutlich kräftigeren Bogen. Die Kuppen sind im Durchmesser relativ klein (ca. 7 cm für das 19″ „Chinese“ und ca. 9 cm für das 20″ „Chinese“), mit einer Kuppenhöhe von ca. 1,4 cm ist die des 20″ „Chinese“ jedoch stärker ausgeprägt.

SOUND

Die Sabian „Pargon“-Cymbals zeichnen sich durch einen voluminösen und warmen Grundton mit klar definiertem Sustain und angenehm reichen Obertonspektrum aus. Was hier vielleicht ein wenig nach einer Beschreibung der „eierlegenden Wollmilchsau“ klingen mag, kennzeichnet in diesem Fall allerdings sehr musikalische Cymbals, die Durchsetzungskraft und Präsenz mit einem angenehm warmen Klangcharakter zu verbinden wissen.

13″ und 14″ Hi-Hat Cymbals
Für einen klaren und definierten Attack sorgen der deutliche Bogen im Profil und das schwere, intensiv gehämmerte Bottom-Cymbal sowie die gehämmerten Kuppen. Da diese proportional zum Durchmesser nicht zu groß ausgefallen sind, bleibt auch ein reicher Grundton erhalten. Die verschiedenen Abdrehmuster sorgen für warme Präsenzen und Obertöne. So wirkt die 13″ Hi-Hat für ihre Dimension erstaunlich warm und satt; sie bietet einen deutlichen Attack, der hier präsent und doch delikat wirkt – ideal also für geschäftige Hi-Hat-Pattern in allen Dynamikstufen. Die 14″ Hi-Hat wirkt dagegen kräftiger und druckvoller. Beide Paare ergänzen sich im Set sehr gut, da sie in einem guten harmonischen und auch dynamischen Verhältnis zueinander stehen.

22″ Ride Dieses Cymbal
Überzeugend durch ein klares Sustain mit seidenen Obertönen im Attack, sofern man es auf dem Profil anspielt. Auch sehr weit am äußeren Rand angespielt liefert es dieses klare, dann allerdings satter klingende Sustain, ein Grundrauschen lässt sich kaum erzeugen. Ausgezeichnet ist hier das dynamische Verhalten: Das Cymbal spricht auch sehr leise angespielt sehr schnell und mit nahezu vollem Klangbild an. Auch das andere dynamische Extrem wird hier sehr gut bedient, selbst wenn man dieses Cymbal mit schweren Stockmodellen kräftig bearbeitet ist es übersteuerungsfest. Ein lauter und präsenter Kuppenklang ist ein weiteres Markenzeichen dieses Cymbals. Der Attack ist gongig und voll mit leichter Modulation im Ausklang. Angenehm warme Obertöne sorgen für ausgezeichnete Präsenz ohne schneidende Höhenüberbetonung.

16″, 18″ und 20″ Crash Cymbals
Hier zeigt sich die gute Kombination der bereits erwähnten Bearbeitungstechniken bei mittelgewichtigen Cymbals: Sie sprechen schnell und mit vollem Klangbild an. Der Attack ist reich an Präsenzen und wirkt daher kräftig und explosiv. Es folgt ein – im ersten Moment – breites Sustain, das schnell in eine leicht rauschende Modulation übergeht. Auch diese drei Cymbals wurde im „Sonically Matched“-Verfahren zusammengestellt und bilden eine sehr gute harmonische Einheit.

8″ und 10″ Splash Cymbals
Diese sehr dünn gehaltenen Cymbals bieten schnelle, zischende Attacksounds. Der Attack setzt sich deutlich über dem kurzen, mittig-weich klingenden Sustain ab. Ausgezeichnet ist die Ansprache, die auch schnell hintereinander gespielte Akzente erlaubt. 19″ und 20″ Chinese Cymbals Das 19″ „Chinese“ mit seinem breit gestaltetem Rand erlaubt ein kräftiges, rauschendes Sustain und einen weichen, ebenfalls mit reichlich Obertönen gesegneten Attack. Hier sind satte Akzente ebenso leicht möglich wie Ride-Pattern, da sich der Attack auch im sattesten Rauschen noch deutlich genug absetzt. Mit deutlich unterschiedlichem Klangcharakter präsentiert sich das 20″ „Chinese“. Es bietet eher einen „Käng“-Sound und liefert mittig kehlige Klänge, wenn es im Übergang angespielt wird. Nach leichtem Rauschen nach der ersten Attack-Phase schwingt ein in ein leicht rauschendes und gleichmäßig modulierendes Sustain ein. Die Stärken liegen hier eher bei klar gesetzten Akzenten, der tonale Unterschied zwischen beiden Cymbals fällt ebenfalls recht deutlich aus.

FAZIT

Die Sabian „Paragon“-Cymbals sind eine absolute Bereicherung, bieten sie doch außerordentlich dynamisch einsetzbare Klänge und können somit vielfältig eingesetzt werden. Ein warmer und definierter Attack und ein reicher Grundklang sind sicherlich die Markenzeichen, die durch die verschiedenen Abdreh- und Hämmerungsmuster sowie die besondere Anatomie erzielt wurden. Schön, dass hier mit Neil Peart ein renommierter Endorser die Instrumente in den Vordergrund rückt, doch nicht nur für Fans des Genres „Progressive Rock“ dürften diese Cymbals interessant sein. Eine individuelle Hörprobe beim Händler des Vertrauens sollte hiermit unbedingt empfohlen sein.

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