Heilig´s Blechle

Sabian Vault Holy China Cymbals im Test

Wenn es einen ersten Preis für gelungene Werbung gäbe, dann hätten Sabian und Red Hot Chili Peppers-Drummer Chad Smith diesen für die Video-Werbespots zum Holy China mehr als verdient. Die humorvolle Darstellung als Priester samt Holy China am Venice Beach hat schon fast den Charakter von Monty-Python-Sketchen. Hier stellt sich nun die Frage, was die beiden Sabian Holy Chinas in den Größen 19″ und 21″ denn musikalisch so drauf haben.

Cymbals
(Bild: Archiv)

Wie kann man dem Kunden mit 51 bzw. 64 Löchern versehene Effekt-Cymbals mit eigenwilligem Klangcharakter näher bringen? Mit Humor, dachte sich Sabian und engagierte Red-Hot-Chili-Peppers-Drummer Chad Smith für ein paar amüsante Werbespots, um die neuen Sabian Vault Holy China Cymbals anzupreisen. Die 19″ und 21″ großen Becken werden in reiner Handarbeit aus B20-Bronzelegierung gefertigt und klingen durchsetzungsstark und aggressiv. Auf MusikMachen.de hatten wir die heiligen Blecher im Test.

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Technisches

Zugeordnet werden die Holy China Cymbals der „Vault“-Serie von Sabian; gefertigt werden sie in reiner Handarbeit aus der bekannten B20-Bronzelegierung. Das ist erst einmal nicht weiter ungewöhnlich, doch die 51, respektive 64 Löcher im Profil der beiden Cymbals zeigen hier den offensichtlichen Unterschied zu allen bisher erhältlichen Modellen. Dass sich hier der eine oder andere Gitarrist zu solchen Äußerungen wie „Wat willste denn mit dem Salatsieb?“ hinreißen lässt, zeugt zumindest von gesundem Ernährungsbewusstsein. Klanglich darf man hier allerdings so einiges erwarten, schließlich spielt Herr Schmitz zwar Sound-bewusst, aber ja nun doch ziemlich kräftig, und die Holy Chinas sollten ja auch mit den von ihm in Zusammenarbeit mit Sabian entwickelten Explosion Crash Cymbals mithalten können.

Dass sie das machen, sei hier schon einmal vorweggenommen. Interessanterweise sind beide Cymbals allerdings verhältnismäßig dünn gehalten und fallen auch vom Gewicht her eher in die „Thin“-Kategorie. Beidseitig wurde ein feines Abdrehmuster auf dem recht hohen Profil und der steil umgezogen Krempe aufgebracht. Diese breiten und sehr steilen Krempen sind zusätzlich deutlich mit kleinen Hammereinschlägen bearbeitet, im direkten Übergang sind es mehr und dichtere Einschläge. Die Kuppen sind unbearbeitet und zeigen teilweise das bräunliche Bronze-Finish.

Die Verarbeitung ist insgesamt gelungen, wenn auch bei unserem 21″ Modell das Kuppenloch auf der Rückseite einen kleinen Grat aufwies. Teilweise findet man diese auch bei einigen der vielen, ca. 1,2 cm durchmessenden Löcher auf dem Profil. Das kennt man von Sabian eigentlich anders, gehen wir aber mal davon aus, dass diese ersten Testmuster, die uns freundlicherweise noch vor der Musikmesse zur Verfügung gestellt wurden, ein wenig in Eile hergestellt wurden. Die erhältlichen Serienprodukte werden da wohl wieder die gewohnt hohe Sabian-Qualität besitzen. Wie dem auch sei, weder für die Spielbarkeit noch für den Sound ist dieses kleine Manko relevant.

Klanglisches

Laut sind diese Biester und bissig, sie setzen sich schon bei relativ moderater Spielweise mit recht viel Alarm in der Musik durch. Dabei ist das 19″ in der Tonhöhe deutlich höher angelegt, das 21″ macht da mehr Druck in den Mitten. So richtig will man hier gar nicht Gas geben, und in einem kleinen Club reißt es einem förmlich die Ohren ab, da riecht es nach Ärger mit den Mitmusikanten. Doch bei laut gespieltem Funk-Rock à la Chili Peppers kann man diesen sehr aggressiven Klang nun wirklich gut gebrauchen. Bei einer leichten Spielweise bleiben die Holy China Cymbals erstaunlich klar und sind dabei doch sehr penetrant in den oberen Mitten und Höhen. Erst wenn man mehr reinhält, entwickelt sich ein gewisser Trash-Faktor im Attack und ein mittiges Rauschen im Sustain.

Die Ansprache ist jeweils sehr schnell, und schnell aufeinander folgend gespielte Akzente sowie Ride-Figuren mit sehr guter Definition der einzelnen Anschläge lassen sich ebenso umsetzen wie ein breiter und lang stehender Einzel-Akzent. Diese klanglichen Details kennzeichnen den eigenständigen Charakter dieser speziellen China Cymbals, die man besser nicht einfach nur als laute „Radaudeckel“ abtun sollte. Dies sind sehr individuelle und interessante Musikinstrumente mit einer ganz eigenen Note – eben für den Einsatz im mittleren und ganz besonders im hohen Dynamik-Level, den sie bravourös zu meistern wissen. Das rockt!

Fazit

Effekt-Cymbals mit zusätzlichen Löchern zu versehen ist ja momentan ganz schwer im Trend, und wäre da nicht dieser nette Herr Schmitz mit seinen Werbespots, wären die Sabian Holy China Cymbals vielleicht nicht groß aufgefallen. Und in Kombination mit einem Instrument mit sehr eigenwilligem Klangcharakter macht humorige Werbung erst richtig Spaß. In erster Linie geht es hier um durchsetzungsstarke und mittige, aggressive Effekt-Sounds, die sich auf großen Bühnen bei hohen Lautstärken musikalisch durchsetzen müssen und auch die heftige Spielweise eines Chad Smith im Funk/RockGewitter der Red Hot Chili Peppers aushalten können. Und das können sie natürlich!

Ob das für uns Normalsterbliche auch von Nutzen sein kann und sinnvoll einsetzbar ist, muss jeder selber herausfinden. Die Holy China Cymbals ausschließlich als extrem laute FX-Cymbals abzutun wäre allerdings falsch, denn sie können auch etwas moderater gespielt werden und bieten auch dann eine hohe Transparenz. Wer sich von dort aus an die höheren Lautstärken herantastet, wird sicher auch den erträglichen Punkt finden, ab dem man den Trash-Faktor der Attacks prima nutzen kann. Man sollte sich die Holy China jedenfalls mal genauer anhören – aber bitte nicht einfach volles Brot drauflos kloppen. Die Bediensteten im Einzelhandel und die eigenen Ohren werden es danken.

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