Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Drum-Basics

Schlagzeugfelle: Vom Kalbfell bis zum modernen Kunststoff-Fell

Remo Felle vor weißem Hintergrund

Schlagzeugfelle haben eine jahrhundertlange Entwicklung hinter sich. Den Anfang machte ganz klar das Kalbfell. Doch schon kurz nach der Markteinführung Mitte der 1950er Jahre begann das Kunststoff-Fell seinen Siegeszug, und seit den 1960er-Jahren sind Kunststoff-Felle die Regel auf dem Drumset.

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Schlagzeugfelle aus Kunststoff haben einfach den Vorteil, dass sie eine längere Haltbarkeitsdauer aufweisen und auch eine sehr viel größere Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen zeigen. Übrigens bezieht sich der Begriff „Wet Sound“ wie ihn heute noch oft amerikanische Drummer (und Toningenieure) zur Klangbeschreibung verwenden, tatsächlich auf das Verhalten von Naturfellen, die bei hoher Luftfeuchte diesen patschigen, tiefen Klang machten. Heute erreicht man so etwas mit tiefer Stimmung und starker Dämpfung – und genau für diesen Zweck wurden unterschiedliche Schlagzeugfelle entwickelt.

Basiswissen: Schlagzeugfelle

Bei den Folien/Filmen, die für die Fertigung von Kunststoff-Fellen von namhaften Herstellern verwendet werden, handelt es sich in der Regel um Produkte aus dem Kunststoff Mylar der Firma Dupont, der durch seine enorme Reißfestigkeit, konstante und hohe Qualität in den verschieden Stärken und der allgemeinen Verfügbarkeit alle wichtigen Vorteile besitzt. Bei den unterschiedlichen Felltypen kann man zunächst einmal ganz simpel zwischen transparenten und beschichteten Modellen sowie Fellen mit einer Lage oder zwei Lagen Kunststoff unterscheiden.

Etabliert hat sich für einlagige Schlagzeugfelle in der Stärke 0,25 mm – egal ob clear (klar) oder coated (beschichtet) – im Drummer-Jargon der Begriff „Ambassador“, auch wenn dies eine Typenbezeichnung des Herstellers Remo ist. Das sollte man allgemeinsprachig so verstehen wie den Begriff „Tempo“ für Zellstofftücher oder „Tesa“ für Klebefilm. Das Modell des Herstellers Evans heißt hier Genera G1 (clear bzw. coated), und der Hersteller Aquarian bezeichnet diesen Felltyp als „Classic Clear“ oder „Texture Coated“.

Gleiches gilt mehr oder minder für den Begriff „Emperor“, der einen klassischen Felltyp aus zwei identischen Lagen Kunst-stoff bezeichnet. Auch dieser Begriff ist eine Produktbezeichnung der Firma Remo, und das Evans-Modell mit ähnlichen Eigenschaf-ten heißt Genera G2 (clear bzw. coated), und bei Aquarian nennt sich dieser entspre-chende Felltyp „Performance II“.

Diese Schlagzeugfelle können und werden sowohl für Toms, Floor-Tom, Snaredrums und auch Bassdrums verwendet. Sie entsprechen eigentlich den klassischen Modellen, die sich seit den ersten Entwicklungen durch Remo Belli und Chick Evans dann von etwa 1956 an etabliert haben.

Schlagzeugfelle in unterschiedlichen Beschichtungen

Einer der ersten Drum-Hersteller, der eigene Schlagzeugfelle fertigte und auch Kunststoff-Felle entwickelte, war die Firma Ludwig, deren „Weather Master“-Felle zusammen mit den Ludwig Drums dank der Beatles und ihres Drummers Ringo Starr ab den 60er- bis in die 70er-Jahre immens populär waren. Ein weiterer Drum-Hersteller, der ebenfalls eigene Schlagzeugfelle fertigte war die britische Firma Premier, und auch vom deutschen Hersteller Sonor gab es bis in die 90er-Jahre eigens hergestellte Felltypen.

Alle anderen Drum-Hersteller weltweit setzen auf die Fertigungsqualität (und gute Verfügbarkeit) der Felle der großen Hersteller Remo und Evans sowie teils auch Aquarian, wobei Remo die meisten Hersteller mit in den USA oder Fernost gefertigten Remo-Felltypen mit deren speziellen Firmen-Logo versehen beliefert. Auch fertigt man für einige Hersteller besondere Felltypen nach deren Spezifikationen an (z. b. die „Coated/Clear“-Schlagzeugfelle mit Dämpfungsring für DW).

Schlagzeugfelle: Die Entwicklungen

Anforderungen an immer neue Musikstile und auch Lautstärken haben bis heute eine immense Vielfalt an Fell-Typen bzw. Serien hervorgebracht und neben den erwähnten klassischen Modellen haben sich auch besondere Typen etabliert, wie z. B. in den 70er-Jahren das Remo „CS Black Dot“ bzw. auch das Ludwig „Silver Dot“ mit von oben aufgeklebter zusätzlicher Folie im Zentrum, für den typischen Heavy Rock Sound.

Das Evans „Hydraulic“ – das tatsächlich einzige Fell mit einer feinen Öl-Füllung zwischen den beiden Folien-Lagen – war mit seinem ultragedämpften Klangeigenschaften Ende der 70er-Jahre en Vogue. Das Remo „CS Snare“ mit von unten aufgeklebtem Punkt sowie das Remo „Power-stroke 3“ für die Bassdrum traten in den 80er-Jahren in den Vordergrund und sind heute noch weltweiter Standard für Pop/Rock-Sounds.

Neue Schlagzeugfelle-Entwicklungen mit schnell zu variierenden Dämpfungsgraden – speziell für die Bassdrum kamen dann von Evans mit der „EMAD“-Baureihe. Und für die immer kräftiger agierenden Schlagwerker der Neuzeit wurden verschiedene klassische Felle über-arbeitet und mit stärkeren Lagen ausgestattet (z. B. Evans „Genera G14“, Remo „X14“, Aquarian „Force Ten“).

Vintage-Sound ist ein weiteres Stichwort, und auch hierzu bieten alle namhaften Hersteller spezielle Varianten an (z. B. Remo „Fiberskin 3“, „Vintage Ambassador“, „Vintage Emperor“, Aquarian „Vintage“-Serie, Evans „Genera J1 Etched“). Hier finden sich sogar einige Felltypen, deren Fellkragen speziell für die klassische alte Form der Kesselgratungen von Vintage-Drums geformt ist, die sich von den modernen Drums mitunter deutlich unterscheiden.

Die Auswahl an speziellen Felltypen für ganz bestimmte musikalische oder auch technische Anwendungen ist also heute größer denn je. Weitere hilfreiche Tipps rund um dein Drumset findest du in unserem großen STICKS-Special

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