Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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Testbericht

SE Electronics X1 D, X1 & SE5 – Drum-Mikrofone

Seit Kurzem bietet das britische Unternehmen SE Electronics mit dem X1 D auch ein Mikrofon speziell für die Bassdrum an. Zum Test bekamen wir nicht nur dieses, sondern auch noch einige weitere Exemplare aus dem aktuellen Programm, die wir ans restliche Drumset gestellt haben.

Drum-Mics
(Bild: Dieter Stork)

Britisch ist allerdings nur ein Teil der Firma, gefertigt werden die Mikros in China, was sich durch die Gründerphase der Firma erklärt, als sie für kurze Zeit nur Mikrofone für andere Marken fertigte. Allerdings ist dieses Kapitel abgeschlossen, und seit über einem Jahrzehnt werden nur noch Mikros unter eigenem Namen in Handarbeit hergestellt. Die Produktion im fernen Osten macht dann die günstigen Preise möglich, während das Qualitätsmanagement und der Vertrieb in UK sitzen. Alle im Folgenden getesteten Modelle sind Kondensatormikrofone mit Großmembranen (X1 D, X1) oder Kleinmembranen (SE5), die eine 48V-Phantomspeisung vom Mischpult brauchen.

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SE X1 D

Das X1 D macht einen sehr robusten Eindruck, liegt schwer in der Hand und ist sehr gut verarbeitet. Bei einem Durchmesser von ca. 5,8 cm ist es ca. 15 cm lang. Seine Halterung für ein Mikrofonstativ ist gleich im Korpus integriert, wodurch der Gesamtdurchmesser zwar ein Stück zunimmt, es lässt sich aber dennoch gut selbst durch eine kleine Öffnung im Frontfell der Bassdrum schieben. Der Schall sollte allerdings nicht, wie bei vielen Bassdrum-Mikros üblich, von oben, sondern von der Seite auf den Korb treffen, denn die große Membrane sitzt aufrecht im Gehäuse. Das erschwert unter Umständen die exakte Positionierung in der Kick ein wenig, denn das X1 D muss nach dem Schieben durch eine kleine Öffnung wieder aufgerichtet werden, was ein wenig fummelig werden kann. Auf welche Seite der Schall eintreffen muss, lässt sich hingegen einfach erkennen: Auf der Vorderseite ist nicht nur die Richt-Charakteristik in Form einer Niere aufgedruckt, sondern hier befinden sich auch zwei Schalter für die Abschwächung des Signals (0 dB oder –10 dB) und den Low-Cut, der alle Frequenzen unter 80 Hz unterdrückt. Der vom X1 D aufgenommene Kick-Sound bleibt weitestgehend natürlich; hier wird nichts betont oder unterdrückt. Somit bildet das aufgenommene Material eine sehr gute Grundlage zur Nachbearbeitung, und man kann den Sound per Equalizer beliebig formen, wenn man dies denn möchte.

SE X1

Das X1 ohne „D“ wird von SE Electronics hauptsächlich als Vocal-Mikrofon empfohlen, als weitere Einsatzgebiete werden allerdings auch Instrumente wie Gitarren oder Percussion angegeben. Also haben wir es an Snare und Toms ausprobiert. Seine Maße liegen mit ca. 17 cm Länge und einem Durchmesser von ca. 5,6 cm in etwa auf dem Niveau des X1 mit „D“, und so lässt es sich ebenfalls bequem, wenn auch nicht ganz unauffällig, am Set positionieren. Auch das X1 nimmt den Schall von der Seite auf, und auch hier gibt es auf der „richtigen“ Seite außer dem Nieren-Symbol wieder die beiden Umschalter für die Signalabschwächung und den Low-Cut. Die Mikrofonklemme ist beim X1 nicht integriert, sondern wird separat mitgeliefert. Vor der ersten Inbetriebnahme sollte man eventuell ihre Schraube etwas stärker anziehen, ansonsten könnte sich das X1 selbstständig machen und seine Position ändern. An der Snare ergibt sich, wie beim X1 D an der Kick, ebenfalls ein weitgehend natürliches Klangbild mit leichtem Punch. Um ein feines Rascheln des Snareteppichs herauszuarbeiten, empfiehlt sich ein dezentes Anheben der Höhen per Equalizer, ansonsten gilt: Die Aufnahme klingt wie das akustische Original, sofern das Mikrofon den richtigen Abstand zum Fell hat. Gut gemacht! Gleiches gilt im Prinzip für die Abnahme der Toms: Der Sound ist fast so, wie man ihn akustisch empfindet, lediglich die Bässe könnten etwas voller klingen. Aber auch das geht wahlweise durch eine Positionierung dichter am Fell, weil dann der Nahbesprechungseffekt der Mikros greift, oder eben wieder durch gezieltes Bearbeiten mit dem Equalizer.

SE5

Das SE5 gibt es nicht nur einzeln, sondern auch als Paar, das dann auch gleich mit einem schicken Koffer geliefert wird, in dem nicht nur die Mikros und die mitgelieferten Spinnenhalterungen sicher untergebracht sind, sondern der auch gleich noch eine ca. 30 cm lange Schiene enthält, über die beide Mikros an nur einem Mikrofonstativ befestigt werden können, was für vielerlei Abnahmekonstellationen hilfreich sein kann. Ein Einzelexemplar des SE5 wird ebenfalls mit Spinne, aber natürlich ohne Schiene und auch ohne Koffer ausgeliefert. Insofern ist das Paar im Koffer also das günstigere Angebot, denn es kostet nur 1,29 Euro mehr als zwei einzelne SE5, dafür sind aber eben auch der Koffer und die Schiene im Lieferumfang enthalten. Auch beim SE5 gibt es Schalter für Low-Cut und Signalabschwächung; Letztere steht hier nicht nur mit –10 dB, sondern zusätzlich auch mit –20 dB zur Verfügung. Das SE5 ist als „Kleinmembraner“ mit entsprechend schnellerer Ansprache am Drumset natürlich für die Abnahme der Cymbals prädestiniert, aber auch an der Snaredrum wird dieser Typ gerne eingesetzt, deshalb haben wir es auch dort ausprobiert. Cymbals und Hi-Hat werden vom SE5 besonders fein aufgelöst und wirklich sehr schön abgebildet. Darüber hinaus eignet sich das Pärchen auch als Overhead für das komplette Drumset, wo man dann höchstens noch ein Stützmikrofon für die Kick braucht, um das Ganze so abzubilden, wie es eben in Natura klingt. Dass das SE5 sehr linear arbeitet, zeigt sich auch beim Einsatz an der Snare. Hier kommt ihr komplettes Spektrum sehr sauber rüber, und den Equalizer braucht man wirklich nur noch, um den Klang bewusst zu verbiegen. Zudem wird die Dynamik feiner aufgelöst als beim X1, dessen große Membran logischerweise etwas träger reagiert. Kompliment!

Profil

FAZIT

Die beiden Großmembran-Mikrofone X1 und X1 D machten im Test sowohl an Snare und Toms (X1) als auch an der Bassdrum (X1 D) eine prima Figur und wissen mit einem sehr natürlichen Sound zu überzeugen. Darüber hinaus ist vor allem das X1 günstig im Laden zu haben, und man fragt sich, wie das überhaupt möglich sein kann, zumal es auch noch handgefertigt ist. In einer anderen preislichen Liga spielt hingegen das Kleinmembran-Mikrofon SE5, dessen ausgezeichneter Sound aber schnell über den höheren Preis hinwegtröstet, zumal es sich vor der Konkurrenz ebenfalls nicht zu verstecken braucht. Insgesamt sind die Mikrofone von SE Electronics eine Empfehlung für alle, die es natürlich lieben oder eine möglichst neutrale Basis zur Nachbearbeitung ihrer Drum-Sounds haben möchten.

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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