Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Buche im Aufwind

Sonor Ascent Drums im Test

Bereits in den 70er-Jahren stellte Sonor Drums mit Buchenkesseln her, u. a. in der „Super Champion“- und in der „Phonic“-Serie. Jetzt hat man sich auf die klanglichen Qualitäten dieser Hölzer besonnen und präsentiert unter dem Motto „Beech Is Back!“ die neuen Drums der „Ascent“-Serie.

 

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Drum Kit
(Bild: Archiv)

Echte Rock-Drummer dürften mit den Sonor Ascent Drums ihr Lieblingsschlagzeug finden. Die wieder aufgelegten Buchenkessel der 70er Jahre sind etwas dünner gehalten als die alte Phonic-Serie und sorgen so für einen Rock-Drumsound mit modernem Touch. So könnten die Sonor Ascent Drums ein echter Renner werden, auch wenn sie eigentlich nur die Lücke zwischen den Drums aus deutscher und chinesischer Fertigung schließen sollten. Wir hatten das Set im Test…

Sepcs & Sounds

Sonor hat es sich natürlich nicht ganz so einfach gemacht und schlichtweg die alten „Phonic“-Kessel wiederaufleben lassen. Die kriegt man eh nicht kaputt, und so gibt es dafür ja auch einen veritablen Gebrauchtmarkt. Zur „Ascent“-Serie führten ganz andere Umstände, die mit innerdeutschen Bedürfnissen recht wenig zu tun hatten. Das internationale Geschehen erforderte von Sonor eine Entscheidung, die Lücke zwischen den Drums aus deutscher und chinesischer Fertigung zu schließen. Ein zunächst rein finanzielles Problem, verursacht durch Transportkosten und Zölle.

Umfassende Marktanalysen zeigten schnell, dass in diesem Preissegment überwiegend die Rock-Drummer die entsprechend richtige Zielgruppe sind, und wenn man hier schon etwas anbieten will, warum dann nicht aus Buche, denn für den speziellen Rocksound dieser Kessel war und ist Sonor ja bekannt. Es wurden also viele Schlagzeuger, Techniker und Händler aus aller Welt in den Entstehungsprozess der „Ascent“-Drums involviert, was sich ohne Zweifel gelohnt hat.

Toms & Floor-Toms

Für den knackigen Attack der Toms sorgen die soliden Kessel aus neun Lagen, die allerdings etwas dünner sind als die der alten „Phonic“-Kessel, was zudem für ein volleres Bass- und Tiefmitten-Spektrum sorgt. Auch den Floor-Toms kommt das durchaus zu Gute: Bei einer sehr tiefen Stimmung (mit den werkseitigen Remo Ambassador clear Fellen) ist das Bassverhalten straff, da matscht nix, und auch schnelle Fills sind in laut gespielter Musik präzise und mit außergewöhnlich guter Projektion zu orten. Auf subtile Art entsteht ein gewisser Druck im musikalischen Geschehen, was man in dieser Form nicht wahrnimmt, wenn man das Set zunächst alleine anspielt.

Im unteren Dynamik-Level entwickeln die Toms nicht wirklich das Pfund, klingen eher offen, ja schon fast etwas jazzig, aber wenn man etwas knackiger spielt, gehen die Ascent Toms schon richtig auf. ROCK DRUMSOUND muss hier in großen Lettern geschrieben werden. Wer Befürchtungen hat, dass ein kleines 10″ Tom diesen Druck nicht entwickeln kann, der liegt falsch! In tiefer Stimmung entwickelt es einen kurzen und kompakten Punch, den man bei dieser Kesselwandstärke nicht erwartet. Das liegt sicherlich auch am T.A.R.-Tom-Halter und auch an den neu gestalteten und leichgewichtigen Böckchen.

Wenig zusätzliche Masse lässt eben auch einen dicken Kessel ausreichend lange schwingen. Unsere Empfehlung für einen noch wuchtigeren Grundklang und fetteren Punch im Attack: ein doppellagiges Schlagfell – z. B. Remo Emperor, Evans G2 o. Ä.

Bassdrum

Alle Welt baut dickere Bassdrum-Kessel, nur Sonor in der „Ascent“-Serie nicht. Geht das? Das geht! Und wie! Ein kleines Loch in das Frontfell geschnitten und etwas Dämpfung in die Bassdrum geschmissen, noch nicht einmal großartiges Feintuning gemacht – und das Ding geht ab wie die Feuerwehr beim Einsatz. Der Attack ist total konkret, doch satt und punchy in der Spielerperspektive und kommt auch genauso bei den Mitmusikanten an. Dem Ganzen beigefügt ist ein wuchtiger und kurzer Bass-Schub mit erstaunlicher Transparenz, auch hier matscht nix die schneller gespielten Figuren zu. Das spricht für den dünner gehaltenen Kessel, der auf Grund der Eigenschaften von Buche auch mechanisch stabil genug ist.

So, und dann mal mit richtig platzierter Dämpfung und korrektem Tuning. Da geht die Sonne auf, denn man kann hier ganz leicht die richtig Anpassung dieses Charakters an die entsprechende Musik vornehmen. Etwas mehr Dämpfung und es wird so richtig satt in Richtung Pop/Rock, etwas weniger Dämpfung und eine etwas höhere Stimmung gewählt, und schon geht es Richtung Hardrock bis Metal mit knackig-präsentem Attack, wobei allerdings immer noch satte Tiefmitten entwickelt werden, die so den eigenständigen Charakter der „Ascent“-Drums bewahren.

Snaredrum

Auch die 14″ x 5,5″ Snaredrum kann in relativ tiefer Stimmung und mit minimaler zusätzlicher Dämpfung (z. B. Moongel-Pad) äußerst fett klingen, besonders wenn man sie im Center recht knackig anspielt. Die Guss-Spannreifen sorgen bei Rimshots für einen knackigen Attack-Sound mit einem gutem hölzernen Klanganteil des Drumsticks. Sehr schön geeignet für alle modernen Pop/Rock-Styles. Bei dieser Kesselwandstärke und der Ausstattung mit Guss-Spannreifen lassen sich natürlich in hoher Stimmung offen singende bis sogar brachiale Sounds generieren, die sich prima für Funk, Hardrock und Metal eignen. Dabei scheint allerdings das Obertonspektrum etwas entschärfter, als man das von vielen Snaredrums mit dicken Ahorn-Kesseln her kennt. Insofern hat die „Ascent“- Snaredrum da schon ihren eigenen klanglichen Charme.

Verarbeitung

Nachdem das Set klanglich wirklich mit eigenem Charme überzeugen konnte, schauen wir uns die Verarbeitungsqualität an. Die Kessel sind in allen Details perfekt verarbeitet, die Toleranz in den Durchmessern der deutlich unterdimensionierten Kesseln liegt konstant bei unter einem Millimeter, was in dieser Preislage ein ausgezeichneter Wert ist. Die Innenseiten zeigen gleichmäßig gemasertes Buchenholz von sehr hoher Qualität, mit leicht rotbrauner Färbung. Die Nahtstellen der Kessellagen verlaufen in leichter Diagonale zur Kesselsäule und sind äußerst sorgfältig auf Stoß aneinander gesetzt.

Perfekt geschnittene, spitze Gratungen und auch sauber platzierte Snarebeds sprechen eine deutliche Sprache: Hier handelt es sich um eine erstklassige, solide, industrielle Verarbeitung. Da gibt es überhaupt nichts zu beanstanden. Das „Iridium Diamond“-Finish ist gelungen ausgeführt und wirkt dank der groben Flakes auch in der Distanz noch schön glitzernd – prima. Dieses Fade-Finish von Silber hin zu Schwarz hat aber auch eine eigenwillige Note: einen ganz leichten Grünstich im Übergang zwischen Silber und Schwarz. Die Hardware ist funktional, und der Schwarzchrom ausgezeichnet ausgeführt. Und wieder einmal mehr wünscht man sich dann auch die schwarz verchromten Stative, denn wenn schon die L-Arm-Tom-Halter, Bassdrum-Spitzen und auch die Floor-TomBeine schwarz verchromt sind … aber gut, es gibt ja auch den vorgegebenen Preisrahmen. Und damit der auch bei allen Klangqualitäten und professionellen Features immer noch passt, hat sich Sonor auch bei der Auswahl an Größen auf die wichtigsten Einzeltrommelgrößen und fünf vorkonfigurierte Sets beschränkt.

Damit kann man allerdings auch komplexe Doppel-BassdrumKits zusammenstellen, und auch bei den Snaredrums hat man die Möglichkeit, mit 12″ und 13″ Modellen passende Sides-Snaredrums ans Set zu stellen. Zudem gibt es auch eine Stahlkessel-Snaredrum in 14″ x 5,5″ als klangliche Alternative zu den Holzkessel-Snaredrums. Bei der Farbauswahl bleibt man konservativ, setzt aber mit drei „Diamond“-Finishes interessante Akzente, ebenso dadurch, dass es Kessel mit bestimmten Farb-Finishes auch mit schwarz verchromter Hardware gibt.

Profil
(Bild: Archiv)

Fazit

Der charaktervolle Klang der Sonor Buchenkessel wurde mit den neuen Drums der „Ascent“-Serie ins 21. Jahrhundert transferiert, und dieses Unterfangen ist absolut gelungen. „ROCK-DRUMSOUND“ sollte hier in großen Lettern auf dem Set stehen, denn es sind der knackige, wuchtige Attack und das unglaublich transparente wie druckvolle Bassfundament, welche hier den Charakter bestimmen. Interessanterweise hat Sonor die Bassdrum in der Wandstärke dünner gehalten, und auch das ist ein voller Erfolg: Die 22″ x 18″ Bassdrum ist wuchtig und punchy im Attack, sehr druckvoll und doch transparent im Sustain. Gerade der saubere Tiefbassanteil ist äußerst erfrischend und macht hier den modernen Touch aus.

Die Toms, Floor-Toms und die Snaredrum mit den etwas dickeren Kesseln liefern das in ganz ähnlicher Art und Weise, sind aber noch etwas straffer und kompakter im Gesamtklang. Hier bleibt der Klang auch bei tiefen, wuchtigen Sounds klar, und die Projektion ist einfach ausgezeichnet. Und das Ganze klingt dann auch noch am besten, wenn man etwas mehr Gas gibt auf dem Set. Dann ist man präsent und nicht nur einfach laut, und das funktioniert ebenso gut in einem kleinen Club wie auf großen Bühnen. Die Verarbeitungsqualität stimmt in allen Punkten, und das Preisniveau geht vollkommen in Ordnung. Die Drums der neuen Sonor „Ascent“-Serie sind auch für den Musiker mit professionellen Ansprüchen absolut zu empfehlen.

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hi.
    In welcher Stickausgabe ist dieser Artikel zu finden ?
    Grüßle

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    1. Hey Didi, der Test ist in der Ausgabe 9/2011! Grüße Rosa

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