Schlicht und einfach effizient

Sonor Perfect Balance Bassdrum-Pedal im Test

Sonor hat in enger Zusammenarbeit mit Jojo Mayer ein einzigartiges Bassdrum-Pedal entwickelt, das in Vor- und Rückbewegung perfekt ausbalanciert ist und somit einer schnellen und kraftvollen Spielweise sowie auch der speziellen Heel/Toe-Spieltechnik extrem entgegenkommt. Zudem besitzt es als technisches Schmankerl einen eleganten Mechanismus zum „Zusammenfalten“.

Bassdrum Pedal
FOTO: Archiv

Das Sonor Perfect Balance Bassdrum-Pedal wurde in enger Zusammenarbeit mit Jojo Mayer entwickelt. Es ist in Vor- und Rückbewegung perfekt ausbalanciert und besitzt zudem als technisches Schmankerl einen eleganten Mechanismus zum “Zusammenfalten”. Was das Pedal kann, zeigt unser Videotest des Sonor Perfect Balance Bassdrum-Pedals.

Anzeige

Konstruktion

„Einfach“ ist das große Thema bei diesem Pedal, doch das ist nur bedingt richtig, denn in dieser Konstruktion steckt eine Menge „Gehirnschmalz“. Das Perfect Balance Bassdrum-Pedal ist eine Einsäulen-Maschine, die Säule ist hier auf der linken Seite positioniert. Warum? Jojos Spieltechnik (und die vieler anderer Drummer, die besonders schnell unterwegs sind) erfordert ein barrierefreies Gleiten auf der Trittplatte, folglich würde die Säule auf der rechten Seite stören. Zudem ist die Trittplatte relativ lang und besitzt eine glatte, polierte Oberfläche.

Barrierefrei in allen Lagen also, auch im abgeflacht gestalteten Anschluss zwischen Fersenteil und Trittplatte. Die Achsverbindung besitzt dort zwar keine Lager, ist in der Längsrichtung allerdings spielfrei ausgeführt. Lediglich ein sehr leichtes, aber nicht weiter störendes Seitenspiel ist festzustellen. Die Verbindung zwischen Säulenrahmen und Fersenteil erfolgt über eine solide Bodenplatte, die auf der Unterseite im Rahmen- und Fersenbereich mit Gummi belegt ist. Im vorderen Bereich sorgen zwei herauszuschraubende Dorne für weitere Fixierung des Pedals. Als Antrieb wurde eine zentrische Kraftübertragung gewählt, wobei ein Rad-Durchmesser von ca. 5,8 cm genutzt wird, der klassischen Bassdrum-Pedalen (z. B. Gretsch Floating Action, Camco, Tama Camco etc.) entspricht.

Die Verbindung zwischen Trittplatte und Antrieb erfolgt über ein Zugband mit „ballistischer Gurtfaser“. Klingt martialisch, ist es auch, denn das Material ist elastisch, dennoch reißfest und stammt aus der Schusswaffen- und Schutzwesten-Technik. Zum Zubehör des Pedals gehört für alle Sicherheitsfans noch ein zweiter Gurt – lobenswert! Der Gurt läuft auf dem Antriebsrad zudem noch auf einem Gummipolster. Wer hier Bedenken hat im Bezug auf die Ansprache, dem sei versichert, dass diese direkter und sensibler nicht sein kann – selbst ein extrem leichter Tipp auf die Trittplatte wird mit einer Schlägelbewegung quittiert. Das spricht allerdings auch für die hochwertigen und absolut spielfreien Lager der Hauptachse.

Die obere Aufnahme der Feder besitzt ein Gleitlager, das hier Reibungsverluste minimiert. Befestigt wird das Ganze in einem Schlitz an der Dreiecksaufnahme – gekontert wird mit einer selbstsichernden Mutter an der Hauptachse, so dass hier eine stufenlose Verstellung des Trittplattenwinkels möglich ist. Will man den Schlägelwinkel einstellen, so ist eine Inbus-Schraube zu lösen, und ein fein gezahnter Kranz wird freigegeben. Das Pedal bietet also die drei wichtigen Einstellmöglichkeiten Schlägel- und Trittplattenwinkel unabhängig voneinander und individuelle Federspannung. Schlicht, einfach, effizient – mehr braucht man eigentlich nicht, um loszuspielen.

Heel/Toe-Technik

Dass diese Spieltechnik derzeit mal wieder in den Vordergrund rückt, ist unter anderem dem exzellenten Spiel von Jojo Mayer und dem neuen Perfect Balance Pedal von Sonor geschuldet. Prinzipiell geht es darum, die Ferse in das Spiel einzubeziehen, und Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Fußgelenk. Eigentlich ganz simpel, oder? Nicht wirklich, denn das ist schon eine spezielle Technik, deren Bewegungsablauf jeder auch individuell für sich entdecken muss. Jojos Technik lässt sich dabei so beschreiben: Nach dem ersten Tritt mit den Zehen rutscht er leicht in das Pedal und schiebt die Ferse dabei nach unten auf die Trittplatte, die so den nächsten Schlag ausführt. Damit setzt er sehr schnelle Bassdrum-Beats äußerst komfortabel um.

Schlagzeuger wie z. B. Steve Gadd und Vinnie Colaiuta sowie auch Metal-Drummer wie Chris Adler und Dave MacKintosh machen sich diese Art Spieltechnik als weitere Ausdrucksform zunutze und gestalten diese dabei individuell. Wann das erste Mal diese Spieltechnik bewusst eingesetzt und gegebenenfalls gelehrt wurde, ist nur schwer zu sagen. Vermutlich wurde sie aber in Anlehnung an Techniken der Stepptänzer entwickelt.

Zusammenfalten auf Knopfdruck

So, nun kommt es! Bei all der Schlichtheit und dem Vintage-Charakter gibt es etwas, dass noch eins drauf setzt: Der Mechanismus zum Zusammenfalten! Eigentlich ganz schön, dass hier mal nicht ein markiges Kunstwort dafür geschaffen wurde. Jedenfalls lässt sich auf Knopfdruck im unteren Bereich die Säule umklappen und das Pedal auf eine Höhe von nur ca. 11 cm zusammenfalten, in die schicke mitgelieferte Tasche packen, und zwar ohne den Schlägel zu demontieren oder die eingestellte Federspannung zu verlieren. Wie das geht?

Einfach! Erst wird die Feder ausgehängt und der Bügel an einem Magneten an der Säule angeklippt, dann ein Knopf unten am Rahmen gedrückt, und die Säule klappt in Richtung Fersenteil, der Schlägel in die andere Richtung und liegt am Ende auf der Trittplattenspitze. Ach ja, Doppelfunktion der Gummidämpfung des Antriebsrades: Denn das liegt nun darauf auf der Trittplatte, die somit nicht verkratzt. Und bei dieser Aktion öffnet/schließt sich auch noch die Klemme für den Bassdrum-Spannreifen automatisch. Natürlich lässt sich die Klemmweite einstellen – von maximal ca. 1,5 cm bis minimal ca. 4 mm, damit kann das Pedal wohl mit allen am Markt befindlichen akustischen Bassdrums sowie den gängigen E-Drum-Pads verwendet werden. Mechanisch ist das Ganze einfach ausgezeichnet umgesetzt und dürfte auch den härtesten Anforderungen on the road standhalten.

Eins noch: Klappt man das Pedal auf und hat es nicht an die Bassdrum angeschlossen, lässt sich die Rahmensäule etwas bewegen. Davon darf man sich nicht irritieren lassen, bei richtig eingestellter Klemme und an die Bassdrum angeschlossen, steht der Rahmen bombenfest!

Praxis

Die Handhabung des Pedals, die übrigens in der Bedienungsanleitung klasse beschrieben ist (also bitte lesen!), ist kinderleicht, und ebenso kinderleicht bewegt sich das Pedal schon in der Werkseinstellung am Fuß. Direkte Ansprache und eine präzise Rückmeldung über den ganzen Schlägelweg ist gegeben, und das tatsächlich in einem ausgewogenen Verhältnis auf dem Vor- und Rückweg. Was bedeutet das? Das Spielgefühl ist extrem leicht, und man erschreckt sich im ersten Moment darüber, wie wenig Kraftaufwand man eigentlich braucht, um einen kraftvollen Schlag hinzubekommen.

Gerade wenn man sehr energetisch spielt und es auch gewohnt ist, viel Kraft in den Schlag zu legen, staunt man, wie physisch entspannt man mit diesem Pedal zu Werke gehen kann, um damit schnell und kraftvoll spielen zu können. Für die extremen PowerDrummer mag das vielleicht nicht das Richtige sein, aber selbst für den harten Rocker bedeutet es nur eine sehr kurze Gewöhnungsphase, um mit dem Perfect Balance Pedal super klarzukommen.

Dieses Gefühl, in keinster Weise gegen das Pedal arbeiten zu müssen, ist wirklich etwas Besonderes und dürfte gerade auch für den Anfänger ein echter Segen sein. Dass es für den Profi nicht minder bedeutsam ist, versteht sich hier ja wohl von selbst!

Sonor Perfect Balance Bassdrum-Pedal_08
FOTO: Archiv

Jojo Zum Pedal

„Über die letzten zwei Jahrzehnte besaß und spielte ich so ziemlich jedes Pedal, das auf dem Markt erhältlich war. Aber leider habe ich nie ein Pedal gefunden, auf dem ich mich wirklich zu Hause fühlte. Mir fiel auf dass im Vergleich zu einigen legendären Pedalen aus den 50er-Jahren die meisten Pedale heutzutage zwar viel Geschwindigkeit und Druck nach vorne erzeugen, aber dafür eine trägere Reaktionszeit in der Retourbewegung haben.

Die perfekte Balance der ursprünglichen Pedale ging verloren, und dies brachte einige Nachteile für viele meiner Pedaltechniken mit sich, da ein schnelles, müheloses Spielen ohne erheblichen Verlust von Lautstärke kaum möglich war. Aus diesen Erfahrungen heraus stellte ich mich der Herausforderung, ein perfekt ausbalanciertes Pedal zu entwickeln, dabei experimentierte ich etwa sechs Jahre mit verschiedenen Teilen wie Antriebssystemen und Trittplatten. Neben der Spielbarkeit waren mir auch die Transportierbarkeit und der schnelle Aufbau ein wichtiges Anliegen. An diesem Punkt schloss sich Sonor dem Projekt an und trug, nebst deutscher Präzision in der Konstruktion, die Entwicklung des innovativen Mechanismus bei, der auch diese Aspekte berücksichtigt.

Das Perfect Balance Pedal ist ein sorgfältig kalibriertes System, das die Bewegungen des Fußes linear und optimal übersetzt, was viele aufwendige Justiermöglichkeiten erübrigt. Es wurde nach einer Philosophie entwickelt, die für mich die ultimative Form der Perfektion widerspiegelt: Einfachheit! Im Grunde könnte das Pedal als die Reinkarnation des Spielgefühls eines Vintage-Pedals im Körper der Technologie des 21. Jahrhunderts beschrieben werden.“

Fazit

Das von Jojo Mayer gemeinsam mit Sonor entwickelte Perfect Balance Bassdrum-Pedal verdient seinen Namen zu recht. Man hat niemals das Gefühl, gegen das Pedal arbeiten zu müssen, um schnell oder kraftvoll zu spielen. Die perfekte Balance im Ablauf des Schlägelwegs zum und vom Fell zeichnet dieses Pedal aus und unterscheidet es auch von allen Mitbewerbern. Die ausgefuchste Konstruktion verdient großen Respekt. Der gut durchdachte Mechanismus, mit dem sich das Pedal zusammenfalten lässt und gleichzeitig noch die Klemmung am Bassdrum-Spannreifen bedient, ist wirklich intelligent und souverän umgesetzt. Für mich zählt das Pedal zu den technischen Highlights in diesem Jahr und ist somit eine absolute Empfehlung wert – sowohl für Profis als vor allem auch für ambitionierte Einsteiger.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: