Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Tama S.L.P. Metall Snaredrums im Test

Frisch von der NAMM-Show erreichten uns die neuen Tama S.L.P. Snaredrums. „S.L.P.“ steht für Sound Lab Project, und das „Klanglabor“ der R&D-Abteilung bei Tama hat sich auf verschiedene charaktervolle Snaredrum-Sounds konzentriert. Insgesamt acht Modelle mit besonderen Spezifikationen wurden entworfen. Für diesen Test haben wir uns zunächst die vier Modelle mit Metallkesseln genauer angesehen und angehört.

Drumset
(Bild: Archiv)

 

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Vintage Steel, Super Aluminum, Black Brass und Sonic Steel – so heißen diese vier Schönheiten aus chinesischer Fertigung in der dortigen Tama-Factory. Verschiedene Materialien, Konstruktionsmerkmale und Hardware-Ausstattungen formen die Sounds dieser neuen Tama Snaredrums, und das stellt sich im Einzelnen wie folgt dar:

Kesselkonstruktion 14″ X 5,5″ Vintage Steel

Tama SLP Vintage Steel 1
(Bild: Archiv)

Der ca. 1,2 mm starke Stahlkessel dieser Snaredrum besitzt eine klassische, nach außen geprägte Sicke zur Versteifung in der Kesselmitte. Nicht, dass diese aus Stabilitätsgründen nötig wäre, sie hat hier rein akustische Hintergründe. Die Kesselnaht ist extrem sauber geschweißt, im Gratungsbereich ist nur ein sehr schmaler Streifen Material herumgezogen (ca. 1 cm breit) und formt eine leicht rundliche Auflage – kante für die Felle. Das Snarebed ist sehr weit gestaltet und mit sanftem Verlauf ausgestattet, die maximale Tiefe liegt bei ca. 2,3 mm. Die Oberfläche des Kessels ist vernickelt, und die Hardware besitzt verchromte Oberflächen, was hier einen reizvollen Kontrast ergibt.

Tama SLP Vintage Steel 2
(Bild: Archiv)

Eine Besonderheit sind die ca. 2 mm starken „Sound Arc Hoops“ – Spannreifen, die statt einem harten oberen Flansch nach außen eine verrundete, nach innen umgezogene Auftreffkante bieten; insofern gibt es also gewisse Parallelen zur Spannreifenform der Tama Starphonic  Snaredrums. Die einseitig justierbare Snareteppich-Abhebung funktioniert gewohnt prima. Der Snareteppich mit seinen 20 Spiralen ist mit reißfestem, dünnem Gewebeband befestigt. Inklusive der Brass Tube Lugs und Snareteppich-Abhebung bringt der Kessel des „Vintage Steel“-Modells satte 2,5 kg auf die Waage und erweist sich als solide verarbeitetet.

Kesselkonstruktion 14″ X 5″ Super Aluminum

Tama SLP Super Aluminium 1
(Bild: Archiv)

Auf den ersten Blick ist die Super Aluminum identisch zur Vintage Steel aufgebaut, schließlich sorgen hier die Tube Lugs, die Sicke, die Snareteppich-Abhebung und auch die Sound Arc Hoops für Ähnlichkeiten. Der Kessel ist allerdings ca. 1,6 mm stark und satte 1,9 cm sind zur Umbördelung der Ränder verwendet worden. Die Naht ist nicht mehr zu erkennen und auch im Gratungsbereich nicht zu ertasten. Die Gratung ist klassisch im 45-GradWinkel für die Innenabschrägung und mit einer zwar schmalen Auflagekante, aber deutlich rundlich umgezogenem „Gegenschnitt“ ausgestattet. Mit einer Weite von ca. 20 cm für das Snarebed wird es hier etwas schmaler, dafür ist man mit ca. 2,5 mm etwas tiefer gegangen.

Tama SLP Super Aluminium 2
(Bild: Archiv)

Die Form der Gratung bleibt hier erhalten. Mit ca. 1 mm Toleranz im Durchmesser erreicht man einen sehr guten Wert. Diese gute Verarbeitung wird durch die sehr schön glänzende Oberfläche eindrucksvoll unterstrichen. Inklusive Snareteppich-Abhebung und Tube Lugs bringt der Kessel der Super Aluminum ca. 1,6 kg auf die Waage.

Kessel-Konstruktion 14″ X 6,5″ Black Brass

Tama SLP Black Brass 1
(Bild: Archiv)

Mit ca. 4 kg Gewicht (inklusive Snareteppich-Abhebung und zwanzig Einzelspannböckchen) ist diese Snaredrum ein echtes Schwergewicht und zeigt eindrucksvoll, dass ein schwarzer Messing-Kessel nicht immer gleich eine „Black Beauty“- Imitation sein muss. Der schwere Kessel ist glattwandig, ca. 1,5 mm stark und sorgsam verlötet. Von der Naht ist kaum etwas zu erkennen, und im Gratungsbereich ist auch nichts zu ertasten. Bei diesem Modell wurde wieder nur ein ca. 1 cm breiter Streifen Material im 45-Grad-Winkel umgezogen und eine relativ rundliche Auflagekante hergestellt.

Tama SLP Black Brass 2
(Bild: Archiv)

Das Snarebed ist wieder ca. 20 weit gestaltet und ca. 2,3 mm tief gesetzt. Die Toleranz im Durchmesser liegt erneut bei ca. 1 mm, was wirklich für die Fertigungsqualität spricht. Das schwarze Nickel-Finish ist außen hochglänzend und innen matt ausgeführt. Die Hardware inklusive der Stimmschrauben ist ebenfalls im Black Nickel Finish gehalten. Die Einzelspannböckchen entstammen der Tama „Starclassic“-Serie, und als Spannreifen werden die dreifach geflanschten Steel Mighty Hoops mit ca. 2,3 mm Stärke verwendet. Ein besonderes Schmankerl ist der Snareteppich mit 42 Spiralen.

Kesselkonstruktion 13″ X 6,5″ Sonic  Steel

Tama SLP Sonic Steel 1
(Bild: Archiv)

Mit ca. 2,7 kg Gewicht (inklusive Spannböckchen und Abhebung) ist die 13″ Sonic Steel schwerer an die 14″ Vintage Steel. Der Kessel ist klasse verarbeitet, die Toleranz im Durchmesser liegt erneut bei nur ca. 1 mm. Die Naht ist sehr ordentlich ausgeführt und im Gratungsbereich kaum noch zu erkennen. Ein ca. 1,2 cm breiter Streifen wurde umgezogen und bildet die um 45 Grad abgeschrägte Auflagekante, die recht rundlich ausfällt.

Tama SLP Sonic Steel 2
(Bild: Archiv)

Das Snarebed ist ca. 18 cm weit und maximal 2,3 mm tief. Der ca. 1,2 mm starke Kessel besitzt eine mittige Sicke. Das Brushed Nickel Finish ist elegant und bildet einen sanften Kontrast zu den acht verchromten High-Tension-Spannböckchen und der einseitig einstellbaren Snareteppich-Abhebung. Auch hier kommen Steel-Mighty-Spannreifen zum Einsatz, allerdings als verchromte Version.

Soundkonzepte

Zweifelsfrei gibt es charaktervolle Snaredrum-Sounds, die sich in den verschiedenen Musikstilen etabliert haben und dementsprechenden Wiedererkennungswert haben. Die entscheidenden Klangparameter wurden früher viel stärker von der Spielweise des Schlagwerkers und seiner Instrumenten-Auswahl sowie Stimmung/Dämpfung geprägt; heutzutage sind viele Sounds aus früheren Zeiten adaptiert, angepasst und stärker produziert, dazu haben Samples und Sound-Libraries ja nicht unerheblich beigetragen. Und so will man diese Dinge heute auch schon rein akustisch hören.

Es sind eben bestimmte klangformende Parameter, die immer wieder in einem bestimmten Genre zu hören sind und den Snaredrum-Sound ausmachen. So ist der eine Metallkesselklang eben etwas trockener oder offener, schärfer oder wärmer als der andere. Und diese Klangcharaktere hat das Tama R&D-Department als Vorgabe für die S.L.P. Snaredrums verwendet. Das ist nach unserer Einschätzung auch sehr gut gelungen. Wer z. B. einen offenen Snaredum-Klang sucht, der ungedämpft einen hell singenden Attack produziert, einen guten Druck entwickelt, aber dabei im Bass nicht zu wuchtig und breit wird, ist mit der 14″ x 5,5″ Vintage Steel bestens bedient.

Der etwas stärkere Stahlkessel mit seiner Sicke bietet genügend Oberton, der allerdings nicht zu weit ausufert. Auch der Bassbereich bleibt relativ schlank, wenn auch der kompakte Druck entsteht, den es für z. B. Mainstream-Rock, oder Modern Funk Rock braucht. Dass die Obertöne auch bei Rimshots nicht zu scharf werden, ist den neu designten Sound-Arc-Spannreifen geschuldet. Mit der 14″ x 5″ Super Aluminum wird der Attack feiner und das Sustain etwas trockener und etwas kürzer. Gerade ohne Dämpfung bekommt man hier einen fein singenden, offenen Jazz-Sound hin. Mit etwas Dämpfung ist man für Pop und R&B sowie auch Fusion prima gerüstet, zumal hier die äußerst direkte und sensible Ansprache geschäftige Patterns und Ghost-Notes locker ermöglicht und die Snaredrum dabei einen sehr definierten und leicht zu kontrollierenden Klang des Snareteppichs präsentiert.

Für einen kräftigen und leicht aggressiven Klang eignet sich die 14″ x 6,5″ Black Brass bestens. Der starke Messingkessel ist hier nicht so sanft in den Obertönen, wie man es von Messingkesseln in der Regel erwartet. Der Attack ist schmatzend und sehr präsent, gefolgt von subtilem Druck des Kessels. Der liefert ein ordentliches Bassfundament, das pumpt ganz prima bei harter Spielweise, wird aber nicht matschig. Der Snareteppich mit 42 Spiralen verleiht dem Attack einen gewissen Glanz und eine ordentliche Breite. Dieser leichte Noise-Faktor trägt aber keinesfalls zu einem verwaschenen Sound bei, denn auch hier können Ghost-Notes prima und definiert angeboten werden.

Von Metal bis Hardrock und Prog-Rock kann man auch hier mit geschickter Stimmung und ein wenig Dämpfung authentische Sounds anbieten. HipHop-Sounds, Modern Funk, Fun-Punk, Reggae – kurz, alles was einen scharfen und kurzen, giftigen Attack vertragen kann –, lassen sich mit der 13″ x 6,5″ Sonic Steel prima bedienen. Dank des 6,5″ tiefen Kessels klingt das Ding offen und in hoher Stimmung dann immer noch nicht so schmal wie ein Zündplättchen. Doch sieht man mal von extrem hoher Stimmung ab, lassen sich bei etwas tieferer Stimmung und ein wenig Dämpfung sowie etwas schlafferer Snaretepich-Spannung auch R’n’B und Soul mit gut passendem Sound spielen. Der ist im Attack dann recht kurz und crisp und hat im Sustain genug Druck in den Tiefmitten, wenn der Sound auch insgesamt auch schlanker ist, als er es bei einer 14″ Snaredrum wäre.

Sound

14″ x 5,5″ Vintage Steel: hell singender Attack, guter Druck, trotz eher schlankem Bass im Sustain
14″ x 5″ Super Aluminum: feine Obertöne im kurz-prägnanten Attack, im Sustain trocken, mit fast schon „holzigem“ Charakter
14″ x 6,5″ Black Brass: erstaunlich crisper Attack, schmatzend und sehr präsent, Sustain mit ordentlichem Bassfundament und soliden Tiefmitten. Pumpt sehr schön bei harter Spielweise
13″ x 6,5″ Sonic Steel: kurzer, scharfer Attack, leicht singendes Sustain mit betonten Mitten bei hoher Stimmung, in etwas tieferer Stimmung mit sehr respektablem Bassdruck

Profil

Fazit

Mit den S.L.P. Snaredrums hat Tama dem Budgetbewusten Kunden einen riesigen Gefallen getan. Er bekommt prima verarbeitete Instrumente, die klanglich auf bestimmte Charaktere zugeschnitten sind. Zudem sind diese Snaredrums auch optisch sehr ansprechend und stilistisch passend gestaltet: Wer eher im Metal und Hardrock unterwegs ist, wird die Black Brass Snaredrum wohl nicht nur klanglich, sondern auch optisch einem Tube-Lug-Modell in Chrom vorziehen. Dafür darf sich der Vintage-Freund dann am Nickel Finish der Vintage Steel erfreuen. So findet hier jedes Tierchen sein Pläsierchen. Zu äußerst attraktiven Preisen stehen hier zeitgemäße und authentische Sounds zur Verfügung, die man unbedingt anchecken sollte.

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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