Lars Ulrich, Mike Portnoy & Stewart Copeland

TAMA Signature Palette Snaredrums im Test

„Ring frei zur zweiten Runde“ zur Testrunde der „Signature Palette“-Snaredrum-Modelle: Je zwei Modelle der Endorser Lars Ulrich und Mike Portnoy sowie eine „Stewart Copeland“-Signature-Snaredrum präsentierte der japanische Hersteller Tama zur NAMM-Show 2001 in LA.

Tama Signature Modelle
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Interessant ist die Tatsache, dass in dieser Snaredrum-Serie ganz besonders den speziellen, zum Teil innovativen, zum Teil retrospektiven und zum Teil auch ausgefallenen Wünschen der Endorser Rechnung getragen wird – es sind also Instrumente exakt nach den Vorstellungen der an der Entwicklung maßgeblich beteiligten Künstler. Die charakteristischen Sounds ihrer Snaredrums stehen somit weitgehend zur Verfügung, wenn man einmal davon absieht, dass diese Drummer natürlich auch ihre jeweils eigene Stimmung der Instrumente und eventuell auch andere Fellkombinationen verwenden.

Nicht zu vergessen außerdem, dass selbstverständlich ihre Spielweise und Spieltechnik den größten Anteil an ihren charakteristischen Sounds hat. Und diese kann man sich für alles Geld der Welt nicht kaufen. Somit sollte also klar sein, dass man mit diesen Snaredrums lediglich eine Basis für entsprechende Sounds hat. Ein nettes Detail ist es, dass sich in jeder Tama „Signature Palette“-Snaredrum ein Aufkleber mit Logo, Seriennummer und Original-Signatur des jeweiligen Künstlers findet – handgeschriebenes Autogramm also inklusive. Konstruktions- und Ausstattungs-Merkmale können der tabellarischen Übersicht entnommen werden; im Folgenden die wesentlichen Details sowie die klanglichen Charakteristiken.

LARS ULRICH LU1465BB

Beginnen wir mit dem teuersten und exklusivsten Modell, der „Lars Ulrich Bell Brass“-Snaredrum mit gegossenem Glockenbronze-Kessel. Die Unterschiede zur regulären Tama „Bell Brass“- Snaredrum sind – außer dem exotischen, rau belassenen „Scortched Earth“-Finish – vor allem die „normalen“ verchromten Guss-Spannreifen im Gegensatz zu den speziellen „Bell Brass“-Modellen des bekannten Serien-Modells von Tama, das Lars Ulrich ja sehr gerne eingesetzt hat. Ansonsten entsprechen sich Konstruktion und Ausstattung in Bezug auf Böckchen, Snareteppich und Abhebung, Stimmschrauben mit Nylon- und Metall-Unterlegscheiben, Messing-Gewindehülsen, Kesselgratung, Snarebed-Verlauf und auch der Kesselstärke von 3 mm.

Auch das „Lars Ulrich Signature“-Modell liefert den gleichen, unvergleichlich satten und lauten Kesselton. Das Obertonspektrum ist dabei harmonisch sehr ausgewogen, die Snaredrum bietet sehr feine Präsenzen, ist in den Höhen allerdings klar abgegrenzt und wirkt dadurch bei allem Volumen recht trocken und kontrolliert. Dabei bewältigt sie ein immenses Dynamikspektrum von extremen Lautstärken bis zu filigransten Rolls mit Bravour. Ein ideales Instrument für alle Stile von laut bis leise, von Klassik über Pop bis Metal, wenn ein Optimum an Ton, Präsenz und Lautstärke gefordert ist.

LARS ULRICH LU1465

Die optisch ebenfalls markante Variante mit einem gerollten und verschweißten Kessel aus einer 3-mmStahplatte(!) mit sogenanntem „Diamond“- Oberflächenmuster (bei ansonsten identischer Konstruktion und Ausstattung) steht in Punkto Lautstärke dem „Bell Brass“-Modell in nichts nach. Ganz im Gegenteil: Durch das schärfere Obertonspektrum hat diese Snaredrum sogar noch mehr Durchsetzungsfähigkeit bei extremen Lautstärken. Auch der Kesselklang scheint tonal deutlich höher angesiedelt zu sein, so dass diese Snaredrum nicht ganz so satte Sounds liefert, wie ein „Bell Brass“-Modell. Bei tieferen Stimmungen wird es aber immer noch fett genug, vor allem bei ein klein wenig Dämpfung oder dem Einsatz bereits vorgedämpfter Felltypen.

Diese Snaredrum liefert wirklich einen „Lars Ulrich“-Signature-Sound, ebenso, wie man ihn von „Metallica“ kennt. Darüber hinaus sorgt sie durch das gute dynamische Anspracheverhalten dafür, dass sie durchaus auch für gemäßigtere Stilistiken einsetzbar ist, zumal der starke 3mm-Stahlkessel sie von vornherein recht „trocken“ macht, was Dämpfung kaum erfordert, da störende Obertöne („Kessel-Singen“) – wie oft bei dünneren Stahl-Snaredrums vorhanden – durch den massiven Kessel vermieden werden.

STEWART COPELAND SC145

Mit nur einem Signature-Modell gibt sich Stewart Copeland zufrieden, ein Drummer mit einem der markantesten Snaredrumsounds aller Zeiten. Auch bei seinem Snaredrum-Modell findet sich ein mit ca. 1,5 mm etwas stärkerer Messingkessel als normalerweise üblich. Dieser trägt zusammen mit dem Guss-Spannreifen ebenfalls zu einem relativ trockenen Klangcharakter bei. Und der für das Resonanzfell verwendete 2,3mm Stahlspannreifen (weniger starr als ein Guss-Spannreifen) sorgt dafür, dass diese Snaredrum auch bei harten Rimshots und hoher Anschlagsintensität nicht „abgewürgt“ klingt und genügend Obertöne für gute Durchsetzungsfähigkeit produziert.

Auch diese Snaredrum bietet ein sehr gutes Dynamikspektrum; perlige Rolls sind ebenso möglich wie knallharte Backbeats. Zwar reicht sie nicht ganz so tief in den „tonalen Keller“, aber da kann man sehr schön zum Trick mit der einen runtergedrehten Stimmschraube greifen (so lockern, dass sie gerade noch greift) und das Fell in deren Bereich mit etwas Gaffer-Tape oder einem Moongel-Pad dämpfen. Voila: schön fett und trocken. Und den typischen „Stewart Copeland Sound“ zu erzielen ist erst recht kein Problem: Dazu beide Felle recht hoch stimmen (Resonanzfell dabei etwas höher als das Schlagfell) und den Snareteppich ruhig mal etwas straffer spannen – eine dem Vorbild entsprechende, kräftige, aber auch artikulierte Spielweise mit guter Stick-Control setzen wir mal voraus.

MIKE PORTNOY MELODY MASTER MP1455 & 125

Herausragendes Merkmal beider „Mike Portnoy Melody Master“- Signature-Snaredrums ist der von Mike entwickelte „3-Way-Strainer“. Diese Snareteppich-Abhebung bietet die Möglichkeit mittels zweier Abhebmechanismen und Einstellschrauben zwei unterschiedliche Snareteppich-Spannungen zur Verfügung zu haben. Zunächst wird der rechte Teil der Doppelabhebung für eine relativ lockere Spannung eingestellt, anschließend ein zusätzlicher Anteil an Spannung über den linken Teil hinzugefügt. Schaltet man nun zunächst nur den linken Teil des geteilten Hebels an, erhält man die eine Sound-Variante; durch Zuschalten des rechten Teils erhält man die zweite Variante mit strafferem Snareteppich-Sound.

Die dritte Möglichkeit? Den Snareteppich einfach mit dem linken Teil des Hebels abschalten, dieser nimmt dabei den rechten Teil der Abhebung mit. Ein gut strukturiertes System, dass eine große Bandbreite an Snareteppich-Einstellungen von sehr locker bis sehr straff zulässt. Das 14″x5,5″ Modell MP1455 mit Kessel aus kanadischem Ahorn und Guss-Spannreifen bietet einen relativ offen klingenden Kesselton und knackigen, trockenen und „holzigen“ Attacksound, der recht präsent ist.

Zum offenen und präsenten Sound könnte auch die Ausstattung mit nur acht Stimmschrauben pro Fellseite (und somit also insgesamt nur 16 statt der üblichen 20 Einzel-Spannböckchen) beitragen. Ein guter Stimmkomfort bleibt durch die Guss-Spannreifen dabei absolut gewährleistet. Die klanglichen Stärken liegen im mittleren und hohen Stimmbereich; um einen „fetteren“ Sound zu erzielen sollte man eher etwas externe Dämpfung (Gaffer-Tape oder Moongel-Pad) oder ein vorgedämpftes Schlagfell verwenden, als zu tief zu stimmen.

Der schwarz beschichtete und stark gehämmerte Stahlkessel der 12″x5″ MP125 Snaredrum weist einen recht trockenen Klangcharakter auf. Dabei sind aufgrund Material und Kesseldimension genügend Präsenzen vorhanden, die eine hohe Durchsetzungsfähigkeit gewährleisten. Somit verfügt das MP125- Modell auch über eine bestimmte tonale Ausprägung, um sich einerseits von der größeren MP1455 Maple-Snaredrum vom Klangcharakter her abzusetzen, andererseits aber auch nicht zu weit auseinander zu liegen, so dass sich im Zusammenspiel zwar ein erforderlicher Kontrast ergibt, gleichzeitig sich die beiden klanglichen Charaktere im Wechselspiel gut ergänzen.

Tama Snares

Mit diesen beiden Snaredrums lassen sich aufgrund der unterschiedlichen Kesselmaterialien und natürlich der speziellen Snareteppich-Einstellvorrichtung insgesamt vier Snaresounds bzw. sechs Snaredrum-Sounds (man bemerke den feinen Unterschied) realisieren, die zueinander tonal und auch vom Klangcharakter her sehr schön komplementär sind. Eine wirklich gelungene Snaredrum-Kombination.

FAZIT

Mit den neuen „Signature Palette“- Snaredrums bietet Tama Instrumente an, die den Vorstellungen und Anforderungen der Endorser exakt entsprechen. Alle Tama „Signature Palette“-Snaredrums überzeugen durch eine tadellose, ausgezeichnete Verarbeitung und liefern typische Klangcharaktere. Geteilter Meinung könnte man im Falle des Lars Ulrich „Bell Brass“-Snaredrum eventuell bezüglich des Preises sein, der selbst für ein Glockenbronze-Modell doch recht hoch liegt. Die Preise der anderen Modelle liegen jedenfalls durchaus noch im Rahmen des für „Signature“-Instrumente üblichen. In jedem Fall erhält man charaktervoll klingende Instrumente mit interessanten Ausstattungsmerkmalen, wie z.B. der sehr sinnvoll einsetzbaren „3-Way“-Abhebevorrichtung der Mike Portnoy „Melody Master“-Modelle.

Und welcher Drummer wandelt nicht gerne auch mal auf den Spuren seiner Vorbilder? Mit den Snaredrums der Tama „Signature Palette“- Serie hat man jedenfalls die Möglichkeit, zumindest klanglich sehr stark an die „Originale“ heranzukommen. Somit sollte sich zumindest jeder Fan der entsprechenden Drummer einen persönlichen Check der Instrumente nicht vorenthalten – und sicherlich wird jeder Schlagzeuger, der charaktervoll klingende Instrumente zu schätzen weiß, Gefallen an den neuen Tama „Signature Palette“-Snaredrums finden.

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