Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Tama Silverstar Jazz Kit im Test

Tama hat ein Herz für die Jazzer und bietet in der Silverstar-Serie ein Spezial-Set mit den typischen kleinen „Standard Jazz Kit“-Größen an. Wir erhielten ein schönes, in „Dark Mocha Fade“ lackiertes Set zum Praxistest.

Drumkit
(Bild: Archiv)

Für Freunde des Vintage-Klangs ohne entsprechend dicken Geldbeutel hat Tama jetzt in der Silverstar-Serie ein Spezial-Set entworfen, das den für die Bebop-Musik der 50er und 60er üblichen Sound mitbringt. Grundlegend sind hier die typischen kleinen „Standard Jazz Kit“-Größen. Wir haben das Tama Silverstar Jazz Kit in Dark Mocha Fade getestet.

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Konstruktion

Für die Kessel des Silverstar Jazz Kits verwendet Tama die Konstruktion aus 100% Birke, die wir bereits im ersten „Silverstar“-Test in STICKS 03: 2011 beschrieben haben. Ein genauer Blick auf die chinesische Fertigungsqualität zeigt eindrucksvoll einen hohen, anerkennenswerten Industriestandard. Sämtliche Kessel besitzen sorgfältig gearbeitete, plane Gratungen mit leicht abgerundeter, aber insgesamt doch spitzer Auflagekante, die in etwa auf der dritten Lage von außen platziert sind.

In Kombination mit den leicht unterdimensionierten und in der Durchmessertoleranz etwa bei knapp über einem Millimeter liegenden Kessel ist hier technisch schon einmal alles prima umgesetzt, optimale Fellschwingung und Stimmfähigkeit der Kessel sind also gewährleistet. Auch optisch ist das ganze schick in Szene gesetzt: Die Innenseiten ziert ein dunkles, seidenmattes Vintage-Finish, und die Außenseiten sind tadellos im mokkafarbenen Finish lackiert, dessen sehr dunkles Braun zu den Resonanzfellseiten hin etwas heller wird. In diesem Bereich kann man auch die schöne Maserungsstruktur erkennen. Edel sind diese Drums auf jeden Fall, und das Finish wirkt nicht nur unter Bühnenlicht, sondern ist auch absolut tageslichttauglich.

Die Hardware-Bestückung der Kessel ist konsequent schlicht und einfach, doch vor allem solide gehalten. Die dünnen, ca. 1,6 mm starken Stahlspannreifen bieten plane Auflageflächen für die Stimmschraubenköpfe und auch für die Trägerreifen der Felle. Allerdings gibt es hier bedingt durch das Verschweißen Toleranzen im Durchmesser von ca. 3 mm, was zwar nicht zum Klemmen des Fells führt, aber beim Handwarm-Anziehen der Stimmschrauben schon einen Blick auf eine gleichmäßige Positionierung des Spannreifens auf dem Fellkragen erfordert. Hier ist man also durchaus noch steigerungsfähig in der Verarbeitungsqualität.

Man sollte bei solchen Betrachtungen allerdings auch nicht vergessen, in welcher Preisliga das Tama Silverstar Set boxt. Außerdem wurden bei der Snaredrum wieder die recht weit gestalteten Snarebeds mit dem sehr sanften Verlauf umgesetzt, was den Höhenausgleich nicht so drastisch macht und den dünnen Spannreifen somit nicht so stark beansprucht bzw. verbiegt. Die Snareteppich-Abhebung funktioniert tadellos, genauso wie die Bassdrum-Spitzen, die hier für sicheren Halt sorgen. Mit dem Bassdrum-Riser (zum Transport umklappbar) gewinnt man für das Bassdrum-Pedal noch mal ca. 4 cm Höhe und rückt so den Schlägel mehr ins Zentrum.

Allerdings muss man in Kauf nehmen, dass das Pedal durch den Riser auch ca. 2 cm nach hinten gerückt wird, was dann doch wieder eine leicht andere Action des Pedals bedeutet. Die Tom-Halterung ist auf der Bassdrum angebracht, was dem Ganzen einen gewissen oldschool Jazz-Look verleiht. Der in der Längsachse verschieb – bare Doppel-Tom-Halter ist dezent genug gestaltet und funktioniert gewohnt prima zusammen mit der neuen, leichteren „StarMount“-Halterung, bei dem das Tom Gummi-isoliert in vier Stimmschrauben hängt.

Die Stimmschrauben laufen bei allen Trommeln sehr sauber in den Gewindehülsen, und so lassen sie sich dann auch prima stimmen. Für das Floor-Tom würde ich mir aber doch wieder acht statt der sechs Stimmschrauben pro Fellseite wünschen, um hier in Bereichen des Feintunings noch dezidierter arbeiten zu können. Trotz dieser kleiner kritischen Anmerkungen ist das Gesamtbild des Tama Silverstar Jazz Kits bezüglich der Verarbeitungsqualität und Ausstattung absolut stimmig, und es kann auch klanglich überzeugen.

Sound

Bereits mit der werkseitigen Fellausstattung lassen sich bei Tom und Floor-Tom im mittelhohen Tuning ordentliche, offen klingende Sounds mit jazzigem Touch erzielen. Etwas kritischer muss man leider die Snaredrum betrachten, die eigentlich ein gutes Ansprache- und Klangpotenzial besitzt. Doch dies lässt sich wirklich nur mit einem höherwertigen Resonanzfell und Snareteppich erzielen, denn dann kommen Buzz-Rolls auch in verschiedenen Dynamikstufen gut rüber. Klasse ist wiederum die Bassdrum, die hier einen recht warmen Ton mit relativ weichem Attack bei einer durchaus guten Projektion bieten kann.

Gerade bei geschlossenem Resonanzfell überzeugt hier das volle Sustain mit reichem Bass, das eine gewisse Größe vorspielt. Bei harten Anschlägen hört sich das etwas anders an, da gewinnt der Attack an Härte, soll er dann ja wohl auch. Tauscht man die werkseitigen Schlagfelle gegen höherwertige Modelle, dann ist sogar noch mehr Klangpotenzial drin. Der warme und weiche Charakter lässt sich durch eine Bestückung mit z. B. Evans G Plus coated Fellen bei einer eher tiefen Stimmung sehr gut herausarbeiten. Man kann sich hier am satten, doch nicht zu hartem Attack und einem tief singenden Sustain erfreuen, und das Ganze wirkt – eine leichte Spielweise vorausgesetzt – wirklich sehr Bebop-mäßig.

Dies lässt sich natürlich durch höherwertige Resonanzfelle noch weiter steigern – oder gar noch durch die Ausstattung mit doppellagigen Schlagfellen weiter in Richtung patschiger Attack und sattes, kurzes Sustain treiben. Natürlich ist es auch möglich, Toms und Floor-Toms mehr in Richtung Pop-Sounds zu bringen (siehe ebenfalls Test in STICKS 03:2011), was das eigentliche Jazz-Kit auch für den „Unplugged“ Club-Gig im Bereich der Popmusik einsetzbar macht, oder auch aufgrund der Größe als kindgerechtes Drumset für den ambitionierten, musikalischen Nachwuchs prädestiniert.

Profil

Fazit

Das Tama Silverstar Jazz Kit ist eine gute Variante für Bebop-Fans, die auf die offenen und singenden Sounds dieser Ära stehen, allerdings nicht horrende Vintage-Drum-Preise für diesen schönen, warmen Klangcharakter zahlen wollen. Hier sind diese Klangeigenschaften nicht nur zu einem fairen Preis zu haben, sondern auch auf einem technisch coolen Niveau. Das volle Klangpotenzial lässt sich durch geschickte Fellauswahl noch dezidierter ausschöpfen. Wer sich also auf die Spuren der Bebop-Pioniere der 50er- und 60er-Jahre begeben will und eben nicht Unsummen in ein Vintage-Instrument investieren will oder kann, der sollte das Tama Silverstar Jazz Kit mal persönlich antesten.

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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