Mini-Set mit Maxi-Sound

Tama Silverstar Metro-Jam Kit im Test

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Set zu Gig anreisen? Ja, das könnte bei der Größe des neuen Silverstar Metro Jam Shellset durchaus machbar sein. So kann man dann locker den Club-Gig bestreiten, denn die kleine Kiste verspricht tatsächlich einen großen Klang.

Drumkit
(Bild: Archiv)

Ob aber auch die kompakte Bauform einen großen Sound liefert und überzeugt, hörst und siehst du in unserem Videotest des Tama Silverstar Metro Jam-Kits.

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Konstruktion & Verarbeitung

Tama hat die Kesselkonstruktion für das „Metro Jam Kit“ der „Silverstar“-Serie nicht extra geändert, und so präsentieren sich uns die bekannten, gut verarbeiteten „Silverstar“- Kessel aus Birkenholz. Unser Test-Set besitzt allerdings Kessel in ungewöhnlich kompakten Maßen, und alle zeigen sorgfältig gearbeitete, plane Gratungen mit leicht abgerundeter, aber insgesamt doch spitzer Auflagekante. Platziert ist diese in etwa auf der dritten Lage. Es ließ sich eine geringe Toleranz im Kesseldurchmesser um einem Millimeter ermitteln, so dass die nur leicht unterdimensionierten Kessel eine perfekte Fellauflage möglich machen. Auch bei den Wandstärken zeigt man sich erfreulich konstant mit ca. 6 mm für alle Trommeln – auch für die 16″ Bassdrum.

Die Innenseiten ziert das dunkle, seidenmatte Vintage-Finish, und die Außenseite ist tadellos im „Antique Brown Birch“- Finish seidenmatt lackiert. Somit macht das Set in Sachen Holzverarbeitung einen tadellosen Eindruck. Die wesentliche Veränderung bei der Hardware ist die Ausstattung der Drums der „Silverstar“-Serie mit den „Sound Arc Hoops“, Spanreifen, deren oberer Flansch nach innen statt außen und rundlich umgezogen ist.

Damit entsteht eine verrundete Auftreffkante der ca. 1,6 mm starken Spannreifen. Das schont in gewissem Maße die Sticks, zumindest für die eher seltenen Fälle, bei denen man Rimshots auf den Toms spielt. Und es soll auch zu einer Verbesserung des Klangs führen – dazu später mehr. Die Spannreifen sind gut verarbeitet, wenn auch einige Aufnahmen für die Stimmschrauben etwas stärker eingestanzt waren. Das kompensiert allerdings die Metallunterlegscheibe unter den tadellos in den Gewindehülsen laufenden Stimmschrauben. Die 16″ Bassdrum des Metro Jam Kits ist mit einem klappbaren Lifter ausgestattet, der die Bassdrum um ca. 10 cm vom Boden anhebt. Damit muss man ein Bassdrum-Pedal, welches man für eine größere Bassdrum benutzt, beim Einsatz mit dem Metro Jam Kit nicht unbedingt anders einstellen.

Bassdrum-Lifter
(Bild: Archiv)

Die Grundplatte des Lifters lässt sich auch noch in der Längsachse der Bassdrum verschieben, so dass auch die Pedale anderer Hersteller optimal zur Bassdrum hin eingestellt werden können. Die Tom-Halterung ist auf der Bassdrum angebracht, und dazu gehört ein schicker Einzel-Tom-Halter mit Omni-Ball-Klemme und L-Arm. Mittels „StarCast“-Tom-Halter wird das Tom in Position gebracht. Vielleicht wären für das Floor-Tom noch etwas längere Beine eine Option, zumindest für Schlagwerker, die gern etwas höher sitzen. Bei voll ausgefahrenen Beinen ist nämlich bei gemessener Oberkante von ca. 66 cm Schluss.

Sounds

Die Tama „Silverstar“-Kessel klingen typisch für Birkenholz in klassischer Konstruktion, mit einem druckvollen Punch im Attack und kontrolliertem Sustain. Mit der werkseitigen Fellkombination und in tiefer Stimmung kommt man diesem Charakter schon recht nahe, aber den preiswerten Fellen fehlt es eben doch etwas an Klangfülle und Resonanz. Folglich liegt man mit dem Attack immer etwas mehr auf der knackigen Seite. Das ist zwar auch nicht schlecht, stellt aber nicht das ganze zur Verfügung stehende Klang – potenzial dar. Die Toms liefern mit transparenten, ein – lagigen Fellen (z. B. Evans G1 o. Ä.) einen prägnanten Punch im Attack und das charakteristische satte und doch kontrollierte Sustain.

Erstaunlich ist die gute Dynamik, die hier nicht nur eine moderate Spielweise möglich macht, man kann und darf auch schon richtig losrocken. Einen Arena-Sound bekommt man nicht hin, da gilt dann doch das Prinzip: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum! Aber wenn man hier beim Club-Gig ordentlich zur Sache geht, und E-Gitarre und E-Bass amtliche Sounds in angepasster Lautstärke abliefern, dann darf man bei dem Metro Jam Kit schon von druckvollen Tom-Sounds mit überzeugenden Klangqualitäten reden.

Tom-Halterung
(Bild: Archiv)

Stimmt man das Ganze etwas höher, also eher offen, dann kann man auch mit den neuen „Sound Arc Hoops“ mit der verrundeten Kante eine klanglich interessante Komponente erzielen: Der leichte Rimshot wirkt hier eher „holzigweich“ und in den Obertönen fein singend, so dass sich hier interessante Akzente deutlich setzen lassen. Was die Klangformung durch die „Sound Arc Hoops“ angeht, so lässt sich feststellen, dass graduell auch die Resonanz bzw. das Obertonverhalten etwas kontrollierter als bei den bisher verwendeten, konventionellen 1,6-mm-Spannreifen erscheinen mag. Der Überraschungsgast ist hier allerdings die kleine Bassdrum, die selbst mit einem mittig platzierten Loch im Frontfell immer noch ein ordentliches Pfund abliefert und eine prima Ortung des markanten Attacks abliefert. Auch hier empfiehlt sich allerdings ebenfalls die Verwendung eines höherwertigen Fells, um das erstaunliche Klangpotenzial dieses kleinen Monsters auch wirklich voll ausnutzen zu können.

Auch der Einsatz eines Filzschlägels ist empfehlenswert, damit der Attack ein wenig gemildert und im Verhältnis zum Sustain nicht zu dominant wird. Die Membranfläche ist nun einmal nicht so groß und daher ist der Attack in der Regel vordergründiger. Der Sound passt dann auch gut für den Clubgig mit Gesangsanlage statt PA. In klassischer Version mit leichter Filzstreifen-Dämpfung und geschlossenem Frontfell kann das kleine Ding übrigens auch mit erstaunlich tiefem Sustain überzeugen. Somit lässt sich das Kit durchaus variabel gestalten und spielt liefert beim Clubgig den Eindruck eines viel größeren Kits. Hat man dann noch den Luxus einer PA und eines Bassdrum-Mikros, so ist die klangliche Illusion nahezu perfekt.

 

Auf einen Blick: guter Punch im Attack, warmer Grundton mit singendem Sustain

Bassdrum: bietet erstaunlich hohe Bandbreite von kurz, satt und punchy bis hin zu für diese Größe sattem Ton und Sustain zu gestalten.

Tom/Floor-Tom: gute Dynamik, mit einlagig transparenten Fellen druckvoll rockig, mit coated Fellen in tiefer Stimmung bluesy oder hoch gestimmt jazzig, offen; bietet gute Klangoption bei Rimshots durch die neuen Sound Arc Hoops.

 

Fazit

Das Tama Silverstar Metro Jam Kit ist ein cooles Instrument in kompakter Bauform mit prima Klangoptionen. Der warme Klang der Birke und die sauber verarbeiteten Kessel sorgen hier für eine schöne Illusion eines „großen“ Sounds im kleinen Veranstaltungsort. Mit geschickter Fellauswahl lassen sich noch weitere Soundoptionen ziehen, und so kann man von Besetzungen für rein akustische Musik bis hin zu elektrifizierten Pop- und Rock-Stilen im moderate Setting alles glaubhaft bedienen. Nicht jeder Schlagzeuger muss sich also mit einer Cajon quälen! Und abgesehen davon ist ein solches Kit natürlich auch für die B-Stage bei größeren Produktionen eine interessante Möglichkeit. Das Preisniveau passt, und das Tama Silverstar Metro Jam Kit ist somit eine Empfehlung wert.

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