Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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Ein neuer Stern von Tama

Tama Star Drums Drumset im Test

„Star Drums“ nennt sich die neue Ultra-High-End-Drum-Linie von Tama und hebt das ohnehin hohe Niveau des japanischen Traditions-Herstellers auf ein neues Level.

Drumset
(Bild: Archiv)

Tama zeigt mit den Star Drums, was echte japanische Handwerkskunst ist. Doch hört und seht selbst in unserem Videotest des Tama Star Drums Drumsets in voller Aktion.

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Konzept

Die klangliche Basis wird bestimmt durch die neuen dünnen Kessel, wahlweise aus Bubinga oder Ahorn, und bis ins letzte konstruktive Detail hat man die Star Drums auf maximale Resonanz getrimmt. Aufwändige Finishes – glänzend oder seidenmatt – schicke Intarsienarbeiten auf den Außenseiten und feinst geschliffene und von Hand geölte Oberflächen der Innenseiten sprechen optisch eine sehr deutliche Sprache. Klanglich setzt man auf sehr dünne Kessel in spezieller Sandwichkonstruktion und mit Verstärkungsringen sowie einer neuen Gratungsform für eine maximale Resonanz, vollen Ton und transparente Projektion.

Zudem wurde eine neue Kessel-Hardware entworfen, die dieses Konzept durch flexible Aufhängung und Lagerung sowie minimalen Kesselkontakt bei allen Instrumenten perfekt unterstützt. Vorkonfigurierte Sets der Tama Star Drums werden nicht angeboten; hier ist Individualität angesagt, und so kann man aus einer Vielzahl von Einzeltrommeln und Finishsowie Ausstattungsvarianten sein persönliches Dream-Set zusammenstellen. Viel Auswahl hat man bei den Größen, und dabei findet man für 20″, 22″ und 24″ Bassdrums neben den bekannten Tiefen von 14″, 16″ und 18″ als ungewöhnliches Maß auch eine Tiefe von 17″.

Eine 18″ x 15″ Bassdrum als Alternative zu den beiden konventionellen Tiefen gibt es ebenfalls. Bei der 26″ Bassdrum bleibt man mit 14″ und 16″ Tiefe konventionell. Das Snaredrum-Programm ist mit einer 13″ x 6″ Version und 14″ Modellen in den Tiefen 5,5″, 6,5″ und 8″ überschaubar, doch variantenreich genug. Und bei den Toms/Floor-Toms findet man mit Hyper-Drive, Traditional Regular, Accel Size, Deep, X-tra Deep und Ultra Deep so ziemlich jedes denkbare Größenverhältnis. Für unseren Praxistest wurde uns eine Set-Kombination mit Maple-Kesseln zur Verfügung gestellt.

Konstruktion

Die Ahornkessel besitzen einen Kern aus einer starken 2 mm Lage, und an diese sind sowohl zur Innenseite hin als auch zur Außenseite hin je zwei dünne kreuzverleimte Lagen Ahorn angebracht, die eine Gesamtstärke von ca. 1,5 mm aufweisen. Durch diese spezielle Konstruktion sucht Tama, die charakteristischen Merkmale von Solid-Shells und dünnen Plywood-Shells miteinander zu kombinieren. Die Sound-Focus-Rings bestehen aus fünf konventionell kreuzverleimten Lagen Ahorn und sind perfekt eingepasst. Bei der Gratung setzt Tama auf eine stärker verrundete Gratungsform, die zudem weiter zum Kesselinneren hin platziert ist, dabei aber den wesentlichen Kontaktpunkt am Ende der starken 2-mm-Lage des Kessels setzt.

Kessel von innen; Gratung
(Bild: Archiv)

Diese Konstruktion ist für alle Instrumente der Star Drums identisch. Sie ist formstabil und perfekt rund ausgeführt. Alle Kessel des Testsets weisen kaum eine Toleranz im Durchmesser auf und besitzen perfekt plane und parallel gesetzte Gratungen. Eine optimale Fertigungsqualität! Sehr speziell ist auch die Form des Snarebed gewählt: Mit einer gesamten Weite von jeweils ca. 30 cm wartet man auf. Dabei fällt es links und rechts über je ca. 5 cm sowie unter Beibehaltung der Gratungeform auf den Nutzbereich ab. Diese erstreckt sich über ca. 10 cm bei einer Tiefe von ca. 2,7 mm. Das ergibt nicht nur einen perfekten Sitz für den werkseitigen Snareteppich, man könnte hier auch locker viel breitere Modelle montieren.

Optisch ist die Seidenmatt-Lackierung in „Antique Brown“ schon allein eine Schau, wird allerdings noch durch die feine Intarsienarbeit in der Kesselmitte getoppt. Auch nur die kleinsten Unebenheiten im Bereich der äußeren Kesselnähte zu erfühlen, war mir bei keiner der Testtrommeln möglich – Hut ab vor so viel Liebe zum Detail. Die von Hand geölten Innenseiten der Kessel sind ebenfalls ein Genuss. Und der Gipfel des Luxus’ ist die Option, eine weitere Intarsienarbeit im Kesselinneren (!) auf den SoundFocus-Rings einlegen zu lassen.

Kessel-Hardware

Das gesamte Konzept der Hardware besteht darin, so wenig Kontakt wie möglich zum Kessel herzustellen und für alle Halterungen flexible Aufhängepunkte zu generieren.

Quick Lock Brackets: Toms und Floor-Toms haben eine schicke Gemeinsamkeit: die Quick Lock Brackets! Diese bestehen aus einer übergroßen Memory-Klammer, die mittels Flügelschraube auf dem L-Arm oder Floor-Tom-Bein befestigt wird. Die Klemme besitzt an der Oberseite einen Zapfen, der in die Aufnahme gleitet, also in die Tom-Halterosette oder die Floor-Tom-Bein-Rosette. Die jeweilige Aufnahme besitzt eine flexible Gummilagerung und einen Quick Lock (Schnellverschluss) aus solidem Kunststoff, der den Zapfen arretiert. Das Ganze lässt sich mit einem Finger bedienen und ist trotz flexibler Lagerung super solide.

Tama Star Drums Drumset_08
(Bild: Archiv)

Floor-Tom-Beine: Schon allein dies sorgt für eine fein schwingende Lagerung der Floor-Toms, doch die Gummifüße besitzen auch noch eine Hohlkammer, so dass ein weiterer Faktor dafür sorgt, dass alle Energie, die in das Floor-Tom gesetzt wird, auch für die Resonanzanregung genutzt wird und nicht über die Beine in den Boden abfließt. Zwar mag es zunächst irritieren, dass, wenn man das Floor-Tom anstößt, es mechanisch flexibel hin und her schwingt, aber in der Spielpraxis ist das selbst bei harter Gangart und/oder schrägem Aufbau kaum zu merken. Eventuell könnten sehr actionreich genutzte Bühnen und schwingende Drum-Riser enge Aufbauten von Floor-Toms mit diesem System aufgrund eventuellen Wanderns oder Aneinander-Schlagens grenzwertig machen, doch das würde für Aufbauten mit konventionellen Systemen in gewissem Maße ebenfalls gelten.

Tama Star Drums Drumset_05
(Bild: Archiv)

Super Resonant Mounting System: Die beschriebenen Quick Lock Brackets sind auch integraler Bestandteil des neuen Super Resonant Mounting Systems für die Toms, auch wenn dieses auf den ersten Blick dem bekannten Star Cast System von Tama nicht unähnlich ist. Beim neuen System der Star Drums hängt das Tom nun an zwei Punkten statt dreien am Guss-Spannreifen und stützt sich stattdessen am ResonanzfellSpannreifen als drittem Punkt über eine frei einstellbare Stütze ab. Diese drei Punkte bilden ein Dreieck mit maximaler Weite und verteilen so das Gewicht sehr gleichmäßig auf die Halterung. Auch hier sind alle Punkte gummigelagert, und im Stützpunkt lässt sich der Gummipuffer einstellen, so dass das Tom für jeden Aufbauwinkel maximal flexibel freischwingend eingestellt werden kann. Neigt man das Tom zu stark, so kann es sich nicht mehr am unteren Punkt abstützen, doch ein zusätzlicher Gummipuffer am oberen Spannreifen übernimmt dann die Funktion – clever ausgedacht! Bei unseren Versuchen war allerdings ein Winkel mit einer Neigung von mehr als 45 Grad nötig, und da spielt man dann schon „am Hang“ oder „gegen die Wand“.

Beim Super Resonant Mounting System hängt das Tom nun an zwei Punkten und stützt am Resonanzfell-Spannreifen über eine frei einstellbare Stütze ab.

 

 

Bassdrum-Spitzen: Auch für die Bassdrum-Spitzen hat sich Tama etwas Neues einfallen lassen, um den mechanischen Stress von extrem dünnen Kessel zu nehmen. Am Ende der frei verschiebbaren Schiene für die individuelle Höheneinstellung befindet sich ein solider Gummifuß, und in diesem ist der Metalldorn eingelassen. Dieser hat also keinen direkten Metallkontakt zur Schiene, und daher ist auch diese Konstruktion in gewissem Maße flexibel gelagert. Selbst bei einem extrem harten Anschlag gerät die Bassdrum nicht aus der Position oder schwingt extrem weit, dafür hat man dann auch nicht das Gefühl, gegen eine Betonwand zu treten. Ein solider Kompromiss aus sehr angenehmem Spielgefühl und flexibler Bewegung, bei dem die eingesetzte Power in der Bassdrum bleibt. Nach alter Rock’n’Roll-Show-Manier auf die Bassdrum zu springen ist hier nicht drin, denn das geht bei einem so dünnen Kessel nun gar nicht und ist somit Sängern und Gitarristen bei Todesstrafe verboten.

Tama Star Drums Drumset_09
(Bild: Archiv)

Bridge Type Spannböckchen: Bleibt noch zu erwähnen, dass die neuen leichten Böckchen als „Bridge Type“ ausgeführt sind und damit auch den Kontakt zum Kessel auf zwei Punkte minimieren. Konsequent hat man daher auch für die Bassdrum neue zierliche, aber solide Klauen entworfen, die mit Kunststoff gepuffert nur auf der Vorderkante des Spannreifens Kontakt mit diesem haben.

Tama Star Drums Drumset_06
(Bild: Archiv)

Linear Drive Snareteppich-Abhebung: Die Snaredrum folgt ebenfalls dem angestrebten Konzept in der Hardware-Ausstattung und besitzt acht Spannböckchen, die auch als „Bridge Type“ ausgelegt sind. Die Linear Drive Snareteppich-Abhebung passt gut in das Konzept und funktioniert gewohnt prima und feinfühlig in der Justierung. Der praktische Vorteil ist das abnehmbare Klemmböckchen bei fixiertem Snareteppich, so dass das Resonanzfell ohne Neujustieren des Snareteppichs gewechselt werden kann.

Snaredrum
(Bild: Archiv)

Sounds

Bemerkenswert an den Tama Star Drums sind die schnelle Ansprache und das direkte Erreichen der vollen Kesselresonanz. Hinzu kommt der Fakt, dass dies in einer sehr weiten dynamischen Bandbreite möglich ist. Die Klangfärbung ist hier von transparenten Mitten geprägt und damit typisch für Ahorn-Kessel, jedoch gibt es in diesem Fall eine Erweiterung des Spektrums in den Tiefmitten und Bässen. Die Drums – speziell die Toms und Floor-Toms – entwickeln hier einen soliden Druck und sind dabei erstaunlich klar und fokussiert. Im Attack entwickelt sich kräftiger Punch. Hier bewährt sich also die Kesselkonstruktion mit der stärkeren Mittenlage, die ganz offensichtlich für diese Färbung im Attack sorgt. Das Obertonspektrum hat einen feinen, geradezu eleganten Touch. Dass sich alle Star Drums perfekt und easy einstimmen lassen, versteht sich von selbst.

Übrigens bedeutet Kesselresonanz hier nicht zwangsläufig ein endloses Sustain. Natürlich geht das dank der Konstruktion und des speziellen Hardware-Konzeptes problemlos, aber wenn man das nicht will, kann man mit geschickter Fellauswahl, Stimmung und Dämpfung auch kurze Sounds herstellen. Interessanterweise bleiben alle Trommeln auch bei dieser kurzen Klangdauer voll und satt klingend und entwickeln ordentlich Punch und Druck. Stellt sich die Frage, für welche Musik diese Drums denn bevorzugt einsetzbar sind? Antwort: Für alles, was einen eleganten und reichen Klang brauchen kann! Das kann der intime Kontext eines akustischen Jazztrios, Chanson, Singer/Songwriter-Musik sein, geht über Old-school-Soul und -Blues über die etwas knackigeren, elektrisch angehauchten modernen, urban R’n’B-Sounds, und selbstverständlich kann die große Bandbreite an Pop- und Rock-Musik (old school wie modern) solide bedient werden.

Logo
(Bild: Archiv)

Fazit

Die neuen Tama Star Drums sind schlicht und einfach eine Klasse für sich. Sie sind ein echtes Statement zur japanischen Handwerkskunst. Damit sind nicht nur die toll gemachten Intarsien und das elegante Finish gemeint, es ist auch die Liebe zur Erstklassigkeit in allen technisch relevanten Details, die das Bild eines perfekt gearbeiteten Drumsets ausmachen. Logisch und stringent bauen die Kesselkonstruktion und das Hardware-Konzept aufeinander auf. Das Ergebnis ist ein äußerst dynamischer und facettenreicher Klang, der sanft und fein singend bis warm und satt in der Färbung sein kann, dabei eine außerordentliche Tonlänge aufweisen, aber auch kompakt gestimmt werden kann. Das erlaubt vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Die Star Drums haben natürlich einen stolzen Preis, aber der ist für ein solches akustisches wie optisches Erlebnis und das ausgezeichnet ausgeführte Handwerk, das man bei diesen edlen Instrumenten vorfindet, durchaus gerecht gewählt

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Wenn man es genau nimmt, gab es die Star Drums schonmal in den 60er oder 70er, denn so hießen die drums bevor sie zu Tama wurden!

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