Kleine Snares, starke Sounds

Test: Gretsch Blackhawk Mighty Mini Snaredrums

Gretsch Blackhawk Mighty Mini Snaredrums(Bild: Dieter Stork)

Mit den Blackhawk Mighty Mini Snaredrums bietet Gretsch zwei Snaredrums in den Größen 10″ x 5,5″ und 12″ x 5,5″ an. Folierte Pappelkessel und eine konsequente „No Nonsense“-Ausstattung sorgen für einen wahrlich günstigen Preis.

Das wiederum macht diese Instrumente attraktiv für den kostenbewussten Drummer auf der Suche nach klassischen, knackigen FX- bzw. Side-Snare-Sounds. Wir haben ausprobiert, welche Klangqualität ihr dafür bekommt.

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Technisches

Die Kessel der Mighty Mini Snaredrums werden aus sieben Lagen Pappel gefertigt und präsentieren sich mit einer sehr guten Verarbeitungsqualität. Die Wandstärken liegen konstant bei ca. 6,4 mm und auch die Toleranzen im Durchmesser liegen bei +/- einem Millimeter. Die Gratungen sind leicht verrundet gestaltet und in einem flachen Winkel von etwa 30 Grad nach innen abgeschrägt.

Die Auflagefläche für die Felle ist dank eines guten Feinschliffs in Kombination mit der ordentlichen Holzqualität geschmeidig, so dass diese sich gut anpassen können. Hier legt Gretsch den Fokus wohl weniger auf das optische Erscheinungsbild der Furniere, dafür aber auf eine Qualität, die eine saubere technische Verarbeitung ermöglicht. Die Snarebeds sind schmal gestaltet und ca. 2,7 mm tief geschnitten. Dabei verbreitert sich die Auflage auf die volle Kesselbreite.

Die nur ca. 0,4 mm starke schwarze Folie ist um den Kessel gespannt und im Überlappungsbereich sauber verklebt. Zu den Kesselrändern lässt man ausreichend Platz. An der Überlappungsstelle gibt es einen horizontalen Versatz, allerdings nicht im sichtbaren Bereich. Ansonsten ist technisch alles in Ordnung. Die Folie hat kaum dämpfende Auswirkungen auf den Klang, und das schicke Schwarz macht optisch was her.

Gretsch Blackhawk Mighty Mini Snaredrums(Bild: Dieter Stork)

Die Hardware ist mit Gummiunterlagen am Kessel verschraubt. Sechs Stimmböckchen, Spannreifen mit 1,6 mm, eine einseitig einstellbare Abhebung und ein Tom- Halteböckchen – geeignet für L-Arme mit bis zu 1/2″ Durchmesser – komplettieren die Ausstattung. Alles ist funktional und solide verarbeitet, und auch die verchromten Oberflächen sind ansprechend gestaltet. Die Stimmschrauben laufen sauber in den Gewinden und ermöglichen gute Ergebnisse. Die Auflagen der Schraubenköpfe an den Spannreifen sind nicht zu einhundert Prozent eben, aber man kann ein paar Cent in zusätzliche Kunststoffunterlegscheiben investieren, die den sauberen Ausgleich schaffen und die Stimmstabilität noch erhöhen.

Der Snareteppich ist mit Plastikband an der Abhebung fixiert. Das geht in Ordnung und klanglich macht das für knackig, kernige Sounds keinen echten Unterschied. Wer mehr klangliche Möglichkeiten haben will, investiert einfach in einen höherwertigen Snareteppich mit reißfester Schnur oder Gewebeband als Befestigungsmaterial. Gleiches gilt natürlich auch für die „No Name“-Felle, die hier als Grundausstattung ab Werk aufgezogen sind.

Klangliches

Diese kleinen Snaredrums sind aufgrund ihrer Maße natürlich für eher hohe Stimmungen prädestiniert. Und mit der Werksausstattung kommt man bei entsprechend hohem Tuning auch schnell in die richtigen Gefilde. Hell und knallig wirken sie, mit crispen Attacks und gar nicht mal wenig Body, und die Obertöne zeigen sich als gut präsent und gar nicht harsch. Feine Sache!

Gretsch Blackhawk Mighty Mini Snaredrums
Die Snaretepich-Abhebung ist schlicht und funktional (Bild: Dieter Stork)

Der Attack ist – wohl auch bedingt durch die dünnen Spannreifen – eher luftig als brachial, dennoch zeigen sie eine gute Projektion. Im Sustain wirken sie erstaunlich kompakt, betonen eher die wärmeren Mittenanteile und wirken daher auch nicht blutarm. Dank der klassischen Konstruktion des Snarebeds ist die Ansprache bei beiden Modellen trocken und kompakt.Gretsch Blackhawk Mighty Mini Snaredrums(Bild: Dieter Stork)

Eine straffe Einstellung des Snareteppichs vermeidet Nachrascheln. Man muss dann etwas um die saubere Artikulation bei schnellen Rolls und Ghost Notes kämpfen (z. B. bei Breakbeat-Patterns), kann sich daran aber schnell gewöhnen. Bei abgeschalteten Snareteppichen funktionieren die beiden Snares auch als Traumpaar beim „Timbales Fake“ mit durchaus respektablen Sounds. Mit der werkseitigen Ausstattung bekommt man also durchaus typische Sounds und nuancierte Varianten hin. Sind die Felle einmal abgenutzt, erschließt man sich durch den Wechsel auf höherwertige durchaus noch ein paar Möglichkeiten mehr. Auch der Wechsel des Snareteppichs lohnt sich dann. Solange kann man allerdings erst mal viel Spaß an Sound- und Groove-Experimenten haben.

Fazit

Mit den Blackhawk Mighty Mini Snaredrums bietet Gretsch in der „Full Range“-Serie zwei wahrhaft günstige Effekt- bzw. Side-Snaredrums an. Beide Modelle liefern typische knallighelle Sounds und erfüllen damit schon einmal die Erwartungen an Instrumente einer solchen Größenordnung. Zwar sollte man nicht den Anspruch an eine extrem weite Tuning Range stellen, das wäre auch vermessen, allein angesichts des Materialwertes.

Wer jedoch einmal mit FX-Sounds experimentieren möchte und nach einer – hier im wahrsten Wortsinne „preis-werten“ – Ergänzung seines Instrumentenfuhrparks sucht, findet hier einen guten Startpunkt. Zumal diese Trömmelchen solide und gut verarbeitet sind, ist ein persönlicher Test jedenfalls sehr empfehlenswert. // [7375]

Facts

Hersteller

Gretsch

Herkunftsland

China

Serie/Modell

Full Range / Black Hawk Mighty Mini

Kessel

Pappel; sieben Lagen, ca. 6,4 mm, rundliche Gratung mit 30-Grad- Abschrägung, platziert auf ca. 2./3. Lage von außen, schmales und mit ca. 2,7 mm recht tiefes Snarebed

Größen

12″ x 5,5″ und 10″ x 5,5″

Oberfläche

foliert, schwarz

Hardware

verchromt, 1,6 mm Spannreifen, einseitig justierbare Snareteppich- Abhebung, sechs Spannböckchen, Tom-Halte-Rosette

Vertrieb

Gewa

Internet

gretschdrums.com; gewamusic.com

Preise (UvP)

10″ x 5,5″: ca. € 84,–

12″ x 5,5″: ca. € 88,50


(aus STICKS 01/02:2019)

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