Neue Cymbals für den Vintage-Rock-Sound

Neue Cymbals der Paiste Giant Beat Serie im Test

Die Paiste Giant Beat Cymbals haben Rockmusik- Geschichte geschrieben, nicht zuletzt durch den legendären Led-Zeppelin-Drummer John Bonham, der diese in den späten 1960er- und frühen 70er-Jahren bevorzugt spielte. Nach der Wiedereinführung der klassischen „Giant Beat“-Cymbal-Modelle vor einigen Jahren hat Paiste nun das bestehende Programm um eine 16″ Hi-Hat sowie ein 19″ und ein 22″ Cymbal erweitert.

Paiste Giant Beat Serie Cymbals
FOTO: Dieter Stork

Mit Vintage-Rock-Sounds werden in Bezug auf Hi-Hats meist die typisch satten Sounds der 15″ Modelle assoziiert. Da heutzutage oft noch größere Hi-Hat-Cymbals gespielt werden, macht ein 16″ Modell in dieser Serie mehr denn je Sinn. Und bei den als „Singles“ statt „Crash“ oder „Ride“ bezeichneten Cymbals der „Giant Beat“-Serie sind die neuen Modelle keineswegs Lückenbüßer, obwohl sie vermeintliche Lücken schließen.

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Technisches

Gefertigt werden alle Giant Beat Cymbals in der Paiste Cymbal Factory in der Schweiz – und natürlich aus eben jener legendären B8-Bronze, welche die Giant Beat Cymbals als mächtige Rock-Cymbals in den 60er- Jahren als Vorläufer der „2002“-Cymbals erstmals bekannt machte. Durch den Temperierungsprozess und den Schutzlack entsteht die für die Cymbals der „Giant Beat“-Serie so markante, leicht grünlich schimmernde Färbung. Wie gewohnt sind Abdrehmuster und Hämmerung fein und dezent ausgeführt. Die Single Cymbals sind als „Medium Thin“ kategorisiert.

Die Hi-Hat kombiniert ein Medium- Thin Top- mit einem Medium-Heavy Bottom-Cymbal. Trotz der Größe von 16″ zählt sie damit zu den eher leichten Modellen. Die Verarbeitung ist wie gewohnt hochwertig, und auch bei den ersten Klangtests zeigen die Cymbals saubere mechanische Schwingungen und eine exakt ausgewogene Balance.

Klangliches

Der Klang der „Giant Beat“-Cymbals wird bestimmt von einem Attack mit guter Präsenz. Die Ansprache ist auch bei größeren Cymbal-Modellen schnell und direkt. Das dunkle Sustain, dessen Grundrauschen je nach Anschlagsstärke variiert, doch auch bei hoher Intensität nicht zu verwaschen wird, sorgt für den entsprechenden Druck. Diese Klangcharakteristik findet man auch bei den neuen Modellen.

Die 16″ Hi-Hat klingt sehr satt und warm. Beim Anschlag der geschlossenen Hi-Hat mit der Stockspitze entsteht ein mittig schimmernder Attack mit einem hintergründig leicht holzigen Stick-Sound-Charakter. Der Anschlag setzt sich sauber über dem satten, warmen Sustain ab. Bei stärkerem Anschlag bildet sich ein solider Zisch-Sound im Sustain ab, so dass die Hi-Hat sehr kräftig klingt. Allerdings sollte man beachten, die Cymbals nicht zu extrem zuzutreten, sie braucht Luft zum Atmen. Da es keine „Sound Edge“ Hi-Hat ist, ist der Chick-Sound etwas weniger prägnant.

Für etwas mehr tonale Fülle ist es ratsam, das Bottom- Cymbal etwas schrägzustellen. Leicht geöffnet angespielt liefert die 16″ Hi-Hat ein sattes, tiefes Rauschen, doch bleibt der Sticksound gut ortbar. In Patterns gespielte Aufzieher zeigen eine gute Präsenz in den Mitten. Dynamisch kann man hier von sehr relaxed bis kräftig zu Werke gehen. Im Trio der 14″, 15″ und 16″ Giant Beat Hi-Hats liefert dieses Modell den sattesten, allerdings auch dunkelsten Sound und könnte für echten Hardrock fast schon zu „sanft“ sein. Dafür funktioniert sie sicherlich exzellent in Roots- Rock-Styles.

Die schnelle Ansprache beschert dem 22″ Giant Beat solide Crash- Eigenschaften, auch wenn es sich aufgrund der Größe schon eher als Ride präsentiert. Auf dem Profil angespielt, steht der Stick- Sound immer in einem gesunden Verhältnis über dem Sustain. Es lassen sich viele Klangvariationen in den unterschiedlichen Spielpositionen finden. So bietet sich das äußere Drittel der Spielfläche sehr gut für Sixties Beat an, da das schimmernde Sustain unter dem dunklen, aber nicht überbordenden Attack genau die aus dieser Ära bekannten Sounds bietet.

In der Mitte des Profils angespielt, ist das Grundrauschen kompakter und heller, der Stick-Sound rückt etwas stärker in den Vordergrund und gewinnt an Präsenz. Knapp unterhalb der Kuppe angespielt, wird es im Sustain deutlich transparenter, und der Stick-Sound wird auch etwas härter. Getoppt wird das Ganze von einem äußerst transparenten, glockigen Kuppen- Sound. Die Obertöne sind kräftig, klar und hell, das Sustain wirkt sanft singend. Wer mit dem Stockschaft zu Werke geht, kann hier treibende, harte Rockbeats etablieren. Alles in allem ist das 22″ etwas luftiger und feiner als das 24″ und somit eine sinnvolle Ergänzung im Sinne der eher für einen Einsatz als Ride-Cymbal prädestinierten Modelle dieser Serie.

Paiste Giant Beat Cymbals
FOTO: Dieter Stork
Typisch für die Giant Beat Cymbals: das sehr feine Abdrehmuster und die dezente, doch dichte Hämmerung

Das 19″ Giant Beat könnte bei relativ leichter Spielweise durchaus auch als Ride durchgehen. Der Anschlag auf dem Profil ist fein und elegant, das Sustain gestaltet sich sanft rauschend. Bezüglich Lautstärke ist hier allerdings schnell das Ende der berühmten Fahnenstange erreicht, und das Cymbal baut sich schnell mit sattem Rauschen auf. Also doch eher ein Crash? Na klar! Die Ansprache ist direkt, und es entsteht als Attack ein crisper Sound, der im Anstieg an Tiefe und Fülle gewinnt. Der Obertonanteil verleiht eine solide Präsenz. Aggressivität steht hier nicht auf dem Programm, unaufdringliche Durchsetzung schon, und daher kann man mit diesem durchaus kräftigen Crash-Sound auch problemlos in etwas kleineren Locations zu Werke gehen, ohne die Ohren übermäßig zu strapazieren.


PAISTE GIANT BEAT HISTORY

Die 1960er-Jahre brachten turbulente Entwicklungen und Veränderungen in die Musik. Vor allem die steigende Lautstärke forderte die Instrumentenhersteller heraus, und Paiste experimentierte mit einer neuen Bronzelegierung mit nur 8% Kupferanteil. Mit dieser CuSn8-Bronze sollte der Klang durchsetzungsstärker und präsenter werden. Auch sollten diese Cymbals haltbarer sein, denn die Schlagzeuger waren schließlich gefordert, lauter zu spielen, weil es noch keine adäquaten PA-Systeme gab. Aus den ersten Experimenten entstanden die Paiste Stambul 65 Cymbals, und 1967 präsentierte man die Giant Beat Cymbals.

Diese Cymbals lieferten erstmals die gewünschten kräftigen Sounds für Rockmusik, boten allerdings auch die Sensibilität, leiser gespielt gut zu klingen. Somit konnte man also Musik von Blues über Beat bis Rock mit guten, neuen Sounds bedienen. Unbestreitbar ist John Bonham von Led Zeppelin wohl der bekannteste Spieler der Giant Beat Cymbals. Er nutzte diese definitiv von 1968 bis 1971 und spielte damit die Alben Led Zeppelin I bis IV ein. Nicht vergessen sollte man aber auch den „Meister des Big Beat“ Carmine Appice (Vanilla Fudge) oder Nick Mason von Pink Floyd, die Paiste Giant Beat Cymbals in den 60er/70er-Jahren intensiv nutzten.

Die Ära der Giant Beat endete dann 1971, als Paiste die ebenfalls aus CuSn8-Bronze hergestellten Cymbals der Serie 2002 vorstellte. Es sollte 2005 werden, bis sich Paiste erfreulicherweise des legendären „Giant Beat“ dieser Cymbals erinnerte und die Modellpalette wiederaufleben ließ. 2012 präsentierte man zusätzlich die 18″ und 20″ Thin und vermied also weiterhin die Bezeichnungen „Crash“ oder „Ride“ für die „Giant Beat“- Serie. 2016 schickte Paiste das 26″ Giant Beat ins Rennen. Mit der 16″ Hi-Hat stehen nun drei Modelle in dieser Serie zur Verfügung, und die 19″ und 22″ Cymbals runden die Palette der „Singles“ ab.


Fazit

Paiste hat die „Giant Beat“-Serie mit den drei neuen Modellen sinnvoll ergänzt. Die 16″ Hi-Hat erweitert das Spektrum in Sachen sattem Rock- Sound in bester Manier. Das 22″ Giant Beat (Single) übernimmt den Job als drittes „Ride“-Cymbal mit zudem mächtigen „Crash“-Eigenschaften, und das 19″ Giant Beat sortiert sich nicht nur von der Größe her passend zwischen die beiden Singles in 18″ und 20″: Es ist klanglich das vorbestimmte dritte Crash. Aus dem aktuellen Angebot könnte man also drei Sätze aus drei Cymbals (Hi-Hat, kleines Single, großes Single) passend für kleinen Club bis große Halle zusammenstellen oder auch alles wild miteinander kombinieren. Wie auch immer man es betrachten mag: Vollständiger kann das Programm des legendären „Giant Beat“-Vintage-Rock-Sounds kaum sein.

Facts

Hersteller

Paiste

Herkunftsland

Schweiz

Serie

Giant Beat

Bronze

B8/CuSn8-Legierung (92 % Kupfer, 8 % Zinn)

Vertrieb

Gewa

Internet

www.paiste.com

www.gewamusic.com

Preise (UvP)

16″ Giant Beat Hi-Hat: ca. € 580,–

19″ Giant Beat: ca. € 376,–

22″ Giant Beat: ca. € 480,–

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