Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals
Kreative Klanggestaltung

Test: Istanbul Agop Xist Dry Dark Cymbals

(Bild: Dieter Stork)

Die Cymbal-Schmiede des traditionsreichen türkischen Herstellers Istanbul Agop zeigen sich erneut experimentierfreudig und erweitern die „Xist“-Serie um die „Dry Dark“-Linie. Eine ungewöhnliche Hämmerung und sehr spezielle Größen sind die spannenden Zutaten für ungewöhnliche Sounds. Doch weit mehr als der Name allein schon nahe legt, liefern sie zudem auch einige exotischere Effectsounds als die allgemein üblichen.

Test: Ralf Mikolajczak
Fotos: Dieter Stork

Anzeige

Die Hi-Hat-Cymbals der „Xist Dry Dark“-Linie werden nur in den Größen  in 10″, 13″  und 17″ angeboten und allein das zeigt schon mal den Verzicht auf Konventionelles. Dieses hinsichtlich der Cymbal-Größen ungewöhnliche Programmgestaltung setzt sich mit den Crash-Cymbals in den angebotenen Größen von 13″, 17″, 20″ und 22″ fort. 19″ und 22″ Ride sowie ein 20″ Flat Ride und auch ein 10″ Splash runden den ungewöhnlichen Reigen der „Xist Dry Dark“-Cymbals ab.  Die dunkle, raue Färbung und der Verzicht auf ein Abdrehmuster und eine Hämmerung, die in der Hauptsache von der Cymbal-Rückseite ausgeführt wurde, unterstreichen technisch wie auch optisch den Anspruch des Ungewöhnlichen.  Zum Test erhielten wie vom Istanbul-Agop-Vertrieb Fentex Percussion (bis auf das 22″ Crash und das 22″ Ride) alle lieferbaren Cymbals der „Xist Dry Dark“-Linie.

Technisches

Auch für die Herstellung der „Xist Dry Dark“-Cymbals wendet Istanbul Agop als Basis zunächst einmal die bekannten traditionellen Herstellungsmethoden an. Jedes Cymbals entsteht also aus einem individuellen Gussrohling der B20-Bronze und wird in überwiegend manuell ausgeführten Bearbeitungsschritten in Form gebracht. Damit endet allerdings auch schon das bekannte Prozedere, denn die „Xist Dry Dark“-Cymbals werden nicht abgedreht und besitzen eine von der Rückseite ausgeführte, extreme Hämmerung. Diese besteht aus ca. 1,7 cm durchmessenden Hammereinschlägen. Die Setztiefe liegt bei ca. 1 mm und mitunter gern auch noch ein wenig mehr. Diese markanten  Einschläge sind auf dem Profil in deutlichen Abständen zueinander ausgeprägt. In den Zwischenräumen befinden sich kleinere, von der Spielseite herausgeführte Einschläge mit geringerer Setztiefe und ca. 5 mm Durchmesser. Die relativ kleinen Kuppen sind nicht gehämmert.

Zwei extreme Hämmerungsen mit markanten, großen Einschlägen von der Rückseite her und kleineren von der Spielseite her. (Bild: Dieter Stork)

Alle Cymbals sind trotz dieser partiell hohen Materialverdichtung durch die extreme Hämmerung mechanisch erstaunlich flexibel. Extrem ist dies beim Flat Ride Cymbal, dem man beim Transport sowie bei Auf/Abbau ein noch höheres Augenmerk zukommen lassen sollte.  Besonders hier gilt: möglichst eben/flach lagern, nicht auf der Kante abstellen. Kurz: Alles was die Form mechanisch verändern könnte, sollte man tunlichst vermeiden.

Auf eine extra Hämmerung der Kuppen sowie eine abdrehen der Cymbals wurde verzichtet. (Bild: Dieter Stork)

Die Crash-Cymbals sind ebenfalls recht flexibel im äußeren Profilbereich. Da bei den Crash-Cymbals die Materialstärke etwas höher als beim Flat Ride gewählt ist, sind diese ein wenig steifer. Die Top-Cymbals der drei Hi-Hat-Modelle sind den Crash-Cymbals hinsichtlich Materialstärke und Bearbeitung äußerst ähnlich, die Bottom-Cymbals sind schwerer und folglich stärker und mechanisch deutlich starrer. Was das Gewicht allgemein angeht, so erweisen sich alle „Xist Dry Dark“-Modelle als sehr leichte Cymbals.

Spiel- und Rückseiten präsentieren sich mit der rau-belassenen, „gebrannten“ Optik eines Cymbal-Rohlings mit braun/schwarzen Flächen und in Ansätzen durchscheinender Cymbal-Bronze oder auch mal mit eine so richtig „rostigen“ Optik wie z. B. das Top-Cymbals der 10″ Hi-Hat.

Die Verarbeitungsqualität der recht exotisch anmutenden „Xist Dry Dark“-Cymbals lässt sich natürlich nicht nach den üblich angewendeten Kriterien beurteilen. Erkennbar so gewollt sind natürlich die ungewöhnliche Optik sowie auch die Fertigungsart, die hier mal nicht plan aufliegende Cymbals generiert. Die Kanten sind allerdings sauber entgratet und glatt und werden somit also nicht zur Stockfräse. Das ist alles sehr ordentlich gemacht.

Klangliches

Crash-Cymbals

Überraschend weich ist zunächst einmal das allgemeine Spielgefühl, das sich bei den „Xist Dry Dark“-Cymbals ergibt. Bei den Crash-Cymbals ist z. B. der Widerstand beim Anspiel deutlich geringer als erwartet, mit der Folge, dass man da auch gar nicht so wirklich rein halten mag. Das kann man zwar, und es ist sicherlich auch eine denkbare Klangfacette, aber eine lockere Gangart ist hier doch  viel schöner und resultiert in sehr interessanten, facettenreichen Sounds. Diese erweisen sich im Attack als leicht trashig, vom Frequenzbereich her nicht allzu breit. Der Stickattack wirkt holzig-trocken mit einem Hauch kehlig-orientalischer Note. Das Sustain ist dunkel und erwartungsgemäß trocken mit kurzer Klangdauer, so dass die Sounds schön kompakt sind. Die Abstufung zueinander ist schon allein schon durch die recht weit auseinander liegenden Größen natürlich tonal sehr deutlich. Die Feinabstimmung der Cymbals zueinander erweist sich allerdings als durchaus „charmant: So ist das 13″ Crash im Attack sehr direkt und crispy, das 20″ Crash hingegen im Attack etwas träger und dunkler und wirkt insgesamt natürlich voluminöser. Das 17″ Crash verbindet beide klanglichen Charaktere in etwas abgemilderter Form und somit den klanglich ausgewogenen Ankerpunkt im Dreier-Set.

Hi-Hats

Die drei Xist Dark Dry Hi-Hats in 10″, 13″ und 17″ Größen. (Bild: Dieter Stork)

Ganz ähnlich verhält es sich bei den drei „Xist Dry Dark“ Hi-Hats. Aufgrund des dunkel angelegten Klangcharakters dieser Cymbals wirkt schon die kleine 10″ Hi-Hat erstaunlich kraftvoll. Es dominiert ein kurz zischender Attack mit kehlig-crispem Sound. Das wird bei Aufziehern noch deutlicher und erinnert ein wenig an historische Jazz/Swing-Recordings der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dazu passt dann in diesem Zusammenhang übrigens auch das 10″ Splash und das 13″ Crash auch wie die Faust aufs Auge für die typischen Trap Set Sounds“ dieser Ära. Zudem kann die 10″ Hi-Hat auch für FX-Sounds als zweite Hi-Hat im Set oder sogar als Main-Hi-Hat für diverse Hip-Hop-ähnliche oder moderne Urban Styles eingesetzt werden. Sie ist klanglich allerdings nicht ganz so Elektro-Sound oder Trash-Sound mäßig orientiert. Auch lohnt es sich, in Kombination mit dem 10″  Splash Stack-Kombinationen für  Crasher-Stacks aus der Hi-Hat zu bauen. Der leicht kehlig und etwas trashige Charakter des Splash ist das ein willkommenes Ad-On. Der Phantasie kann man hier feien Lauf lassen und amüsante Sound-Facetten generieren.
Die 13″ Hi-Hat wirkt für diese Größe recht druckvoll. Sie liefert einen definierten Attack, der trotz des dunkel-kompakten Klangcharakters einige präsente Spitzen aufweist. Hier gehen also sowohl geschäftige Patterns als auch knackige Achtel- und Viertel-Beats. Wer eine frequenzmäßig große Trennung zwischen sehr tiefer Bassdrum, kerniger Snaredrum und kurz klingender Hi-Hat sucht, der könnte hier fündig werden. Die 13″ Hi-Hat hat die nötige Präsenz und ist auch satt genug als insgesamt dunkel-trocken klingende Main Hi-Hat eine gute Figur zu machen.
Die 17″ Hi-Hat klingt allerdings schon sehr speziell: Der Attack wirkt fast schon etwas hintergründig in den Gesamtklang integriert,  obwohl man die Anschläge doch schon wahrnimmt. Das ist dem sehr schnell aufgehenden, kurz und tief zischelnden Rauschen geschuldet. Dominierend ist im Gesamtklang das tiefe, satte und dabei trocken-kurze Sustain. Die 17 ” Hi-Hat wirkt insgesamt allerdings nicht zu washy, dafür ist sie einfach zu trocken und auch nicht wirklich trashy. Sie liefert einen äußerst interessanten, sehr eigenen Klangcharakter.

Ride-Cymbals

Das 20 Xist Dry Dark Flat Ride, mit leicht gewelltem Profilrand. (Bild: Dieter Stork)

Das nächste eigenwillige Instrument ist das 20″ Flat Ride: Natürlich hat es bauart-typisch einen sehr ausgeprägten, kurzen Attack und da schimmert auch ein bisschen Oberton, der den extrem trockenen Anschlag ortbar macht, doch von einem Ping-Sound ist dieses Cymbal dann doch recht weit entfernt. Das typisch kurze Sustain besteht eigentlich nur aus sehr tiefen Frequenzen, die ein leichtes Bending in der Modulation aufweisen – je nach Anschlagstärke mehr oder minder deutlich. Auch das ist eigentlich erstaunlich, denn die Klangdauer ist extrem kurz, kompakt. Geradezu amüsant ist es, der Cymbal-Bewegung beim Anschlag zuzuschauen: Es schwingt recht schnell mit nur kleinen, doch sehr deutlichen Auslenkungen in sich auf, was natürlich das Tone-Bending sowie die kurze Klangdauer erklärt.

Dagegen wirkt das 19″ Ride ja schon fast gewöhnlich im Reigen dieser außergewöhnlichen Cymbals. Der Attacksound dieses Cymbals hat eine gute Definition und steht mit angenehmen Obertönen klar über dem Sustain, das zunächst tief und trocken wirkt, dann allerdings in eine feine, und erstaunlicherweise etwas hellere Modulation einschwingt. Innerhalb dieser Modellpalette bietet es die längste Klangdauer. Generell gesprochen sind allerdings die beim Spiel auf dem Profil generierbaren, insgesamt eher dunkel wirkenden Sound-Varianten immer noch recht kompakt gehalten. Die Kuppe bietet hingegen sogar glockig-präsente Attacks mit für diese Cymbal-Linie sogar relativ hellen Obertönen und somit recht hoher Projektion.

Die markante Hämmerung und die rau-belassene, vom Brand teils her rissig anmutende Oberfläche der Xist Dark Dry Cymbals. (Bild: Dieter Stork)

Fazit

Istanbul Agop bietet mit den „Xist Dry Dark“-Cymbals Instrumente mit sehr unkonventionellen Klangcharakteren an. Schon die aktuell angebotenen Größen dieser Cymbal-Linie lassen erahnen, dass man sich hier sehr experimentierfreudig zeigt. Kombiniert man das mit noch mit der außergewöhnlichen Fertigungsart, welche durch die extreme Hämmerung von der Rückseite her bestimmt wird, entsteht schon vor dem ersten Anschlag ein gewisser Aha-Effekt. Der mündet dann spätestens beim Anspielen z. B. des Flat-Ride Cymbals und den beiden Hi-Hat Modellen in 10″ und 17″ in echte Verblüffung. Das klingt nach weit mehr als nur klassischen Dry/Dark“-Sounds und nach etwas anderem als dem üblicher Mainstream-FX-Sound. Die Cymbals dieser Linie haben allesamt einen in den klanglichen Details ungewöhnlichen Charakter, wenn sie natürlich grundsätzlich auch den Erwartungen bzw. den mit der Bezeichnung Dry Dark assoziierten Sounds entsprechen.
Besonders diese etwas experimentelle Seite der Klangcharaktere dürften Musiker begeistern, die sich in einem neugierig-kreativen musikalischen Umfeld bewegen. Kreative Klanggestaltung der Cymbal-Schmiede von Istanbul Agop steht mit den „Xist Dry Dark“-Cymbals für die kreative Klanggestaltung der Musiker bereit!

Facts

Hersteller: Istanbul Agop
Herkunftsland: Türkei
Serie/Modelle: Xist Dry Dark

Bronze: B20-Legierung (80% Kupfer, 20% Zinn)

Vertrieb: Fentex
Internet: istanbul.com; fentex-percussion.com

Preise (UvP)
10″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Hi-Hat: ca. € 179,–
13″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Hi-Hat: ca. € 209,–
17″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Hi-Hat: ca. € 329,–

13″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Crash: ca. € 109,–
17″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Crash: ca. € 169,–
20″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Crash: ca. € 229,–

10″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Splash: ca. € 89,–
19″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Ride: ca. € 209,–
20″ Istanbul Agop Xist Dry Dark Flat Ride: ca. 229,–

// [12526]

 

 

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren