Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470
Nicht für ein Jazzer-Fest!

Test: Ludwig Jazz Fest Snaredrum

ludwig jazz fest snaredrum(Bild: Dieter Stork)

Mit viel Liebe zum Detail lässt Ludwig unter dem Namen „Jazz Fest“ eine legendäre Snaredrum wiederaufleben. Anfang 1960 als „Buddy Rich Model“ erstmals vorgestellt, erlangte ab 1963 die 14″ x 5,5″ „Jazz Festival“-Snaredrum in der Farbe „Oyster Black Pearl“ durch Ringo Starr, den Drummer der Beatles, weltweit Berühmtheit. Die Neuauflage unter dem Namen „Jazz Fest“ tritt also in große Fußstapfen.

Korrekterweise setzt Ludwig für die „Jazz Fest“-Snaredrum auf die ursprüngliche Kesselkonstruktion aus drei Lagen Mahagoni/Pappel/Mahagoni mit eingeleimten Verstärkungsringen aus Ahorn in der Kesseldimension 14″ x 5,5″. Die erhältlichen Folien-Finishes heißen heute „Black Galaxy“, „Mod Orange“, „Vintage Blue Oyster“ und natürlich „Vintage Black Oyster“. Der klassische Look wird durch die acht Spannböckchen und den „Baseball Bat“-Innendämpfer sowie ein „Krönchen-Logo“ unterstrichen. Als moderne Features halten die P88AC Abhebung und Butt-Plate sowie die 2,3 mm starken Stahlspannreifen Einzug.

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Technik

Die Kesselkonstruktion ist die heute von Ludwig als „Legacy Mahogany“ bezeichnete. Je eine Lage Mahagoni umschließt einen Kern aus Pappel. Die Mahagoni-Lagen sind ca. 1,3 mm stark, die Pappellage mit ca. 3,4 mm deutlich stärker. Hinzu kommen ca. 5,5 mm und ca. 2,54 cm hohe, einlagige Verstärkungsringe aus Ahorn an den Kesselrändern hinzu. Die Gesamtwandstärke liegt also inklusive der Verstärkungsringe bei ca. 11,5 mm. Der Kessel zeigt im Durchmesser gerade einmal Toleranzen von ca. 0,15 mm, und insofern ist die Verarbeitung ausgezeichnet.

Auch die Gratungen sind sauber planparallel gesetzt, dafür ebenfalls großes Lob. Die Form ist stark verrundet und die satte Auflagekante trifft die innere Mahagoni-Lage und zum Teil den Verstärkungsring. Die Abschrägung nach Innen beträgt 30 Grad. Die Qualität ist auch hier ausgezeichnet, die Gratungen sind glatt wie der berühmte Kinderpopo.

ludwig jazz fest snaredrum
Die stark rundliche Gratung entspricht der originalen Form von ca. 1960. (Bild: Dieter Stork)

Ein echter, historisch korrekter Hit sind die beiden Snarebeds! Auf den ersten Blick sehen sie aus, also ob sie mit der „groben Kelle“ geschnitzt wurden. Das stimmt natürlich nicht, denn das Ganze ist sehr exakt ausgeführt, aber die Form ist schon sehr drastisch: Sie sind nur ca. 8,3 cm schmal mit extrem steilen und kurzem Verlauf auf die Nutzbreite von ca. 5 cm, und dabei erreichen sie eine maximale Tiefe von ca. 4,5 mm! Die rundliche Gratungsform verschwindet vollständig, somit liegt das Fell also auf der gesamten Kesselbreite auf. Es gibt sehr schöne Fotos von der Unterseite von Ringos originaler Snaredrum, welche genau diese Konstruktion zeigen.

Die Kesselinnseite ziert das matt-weiße „Reso Coat“. Die äußere Folie ist ca. 1 mm dünn und ist überlappend verarbeitet. Bei der Konstruktion aus den 60er-Jahren wurde sie auf eine Furnierlage aufgeleimt, die erst dann zum Kessel zusammengesetzt wurde. Daher wurde die Folie früher also mit in die Kesselkonstruktion eingezogen. Bei der heutigen Konstruktion überlappt die Folie in einem Bereich von ca. 6 cm und ist formschlüssig verarbeitet. Auch zu den Rändern ist sehr viel Platz vorhanden, so dass die Felle sauber ohne Folienkontakt aufliegen können.

Das „Oyster Black Pearl“-Finish hat viele Veränderungen im Laufe der Jahre erfahren. Daher ist es schön zu sehen, dass Ludwig eine optisch historisch korrekte Version verwendet. Neben den Farbschattierungen in Schwarz, Weiß und Grau sind auch wieder transparente Stellen zu sehen, welche die rötlichbraune Färbung der äußeren Mahagoni-Holzlage des Kessels hindurch scheinen lassen.

ludwig jazz fest snaredrum
Die transparenten Anteile in der neuen Folie lassen wie das Original die rötlich braune Mahagoni-Lage hindurchscheinen. (Bild: Dieter Stork)

Auch die Hardware präsentiert sich mit einer ausgezeichneten Verarbeitung. Die Verchromung aller Komponenten ist ausgezeichnet ausgeführt. Der rechteckige Innendämpfer wird über den „Baseball Bat“-Hebel bedient und rastet in zwei Positionen ein. Dabei stellt man ihn auf zwei verschieden starke Dämpfungsgrade. Mit der roten Filz-Dämpfung zeigt Ludwig erneut Liebe zum historischen Detail. Statt der ursprünglich in den 1960er-Jahren verwendeten Spannreifen aus Messing, nutzt man heute allerdings konventionelle Stahlspannreifen. Die bieten den präzise in den Gewindehülsen laufenden Stimmschrauben eine plane Oberfläche. Somit ist also für Präzision und Stabilität bei der Stimmung gesorgt. Auch auf die „historische“ und recht „schwindelige“ P83-Blechabhebung wurde verzichtet und stattdessen die moderne P88AC-Snare-Teppich-Abhebung verbaut. Diese gleitet sanft, geräuschlos und ohne zu haken in den An-/Abschaltmodus und lässt sich gefühlvoll justieren.

ludwig jazz fest snaredrum
Die extreme Form des Snarebed wurde ebenfalls vom originalen 60er Jahre-Modell übernommen. (Bild: Dieter Stork)

Zudem sind die Klemmblöcke mittels Stimmschlüssel zu bedienen. Der Snare-Teppich besitzt 18 Spiralen auf ist mittels Schnur an der Abhebung befestigt. Diese ist leider sehr dünn und scheuerte in den Durchführungen der Blech-Enden innerhalb einer Probe durch. Da sollte Ludwig unbedingt nachbessern – oder man legt selbst Hand an. Der Snare-Teppich ist recht lang und schmal, weil er auf das spezielle Snarebed angepasst ist. Das sollte man berücksichtigen, wenn man ein anderes Modell verwenden will. Mehr dazu unter der Rubrik „Klang“.

Klang

Der bei dieser Snaredrum eingesetzten Kesselkonstruktion schreibt man einen warmen, holzigen Grundton zu, der bedingt durch die Verstärkungsringe auch einen satten Attack aufweist. Dieser ist durch die extrem runde Gratung fokussiert und eher punchy und warm gefärbt. Das extrem geformte Snarebed sorgt zudem für deutlich reduziertes Oberton-Singen des Resonanzfells.

In Kombination mit dem langen, schmalen Snare-Teppich entsteht hier eine präzise Ansprache, und bei Akzenten wirkt der Snare-Teppich klatschend und fett, aber eben nicht zu raschelnd. Dafür muss man allerdings in Kauf nehmen, dass sich das Resonanzfell nicht ganz so einfach stimmen lässt. Gerade in unseren modernen Zeiten von Tune Bot und ähnlichen Hilfsmitteln ist hierfür wieder mehr das Ohr und Gespür für Rebound und Action gefragt. Also: Laborkittel aus und „ready for that Ringo swing“!

ludwig jazz fest snaredrum(Bild: Dieter Stork)
ludwig jazz fest snaredrum
Historisch korrekt, aber technisch überarbeitet: der Innendämpfer mit „Baseball Bat“-Hebel. (Bild: Dieter Stork)

Auch mit nur acht Stimmschrauben kann man die Untiefen des Snarebeds ausgleichen, leichte Verformung des Spannreifens ist allerdings billigend in Kauf zu nehmen. Grundsätzlich sind es eher etwas höhere Stimmungen, die den crispen und doch eher trockenen Sound produzieren, bei denen dieser Snare-Teppich so richtig gut seinen Dienst tut. Bedingt durch die Länge des Teppichs braucht es auch etwas Feinarbeit für die korrekte, mittige Justierung. Dann wird man allerdings mit einer wirklich ausgezeichneten dynamischen Ansprache belohnt.

Mit den werkseitig montierten Ludwig-Fellen und einer mittel-hohen Stimmung des Schlagfells, lässt sich schnell eine Idee eines typischer Ringo-Retro-Sounds herstellen. Hier hilft der Innendämpfer, der das Schlagfell sogar leicht nach außen ausbeult – also eigentlich ein „no go“! – aber dadurch kommt eben das gewisse Abdämpfen der Snaredrum zustande, was zu dieser merkwürdigen Klangqualität beiträgt. Dennoch ist man gut beraten, die originalen Ludwig-Felle gegen etwas Anderes zu tauschen. Man muss ja nicht ein Kalbfell wie Ringo verwenden, doch eine Kombination aus z. B. Remo Vintage Ambassador und Diplomat-Snare-Resonanzfell schafft mehr Transparenz und klangliche Möglichkeiten, so dass die Ringo- Snaredrum-Sounds (ab z. B. „A Hard Days Night“, Song-Beispiel: „Can’t Buy Me Love“) auch detailliert nachempfunden werden können. Insofern ist die neue Ludwig-„Jazz Fest“-Snaredrum durchaus etwas für den Ringo-Fan.

ludwig jazz fest snaredrum
Die schmale und tiefe Absenkung im Resonanzfell durch das Snarebed fordert diesen recht langen Snare-Teppich. (Bild: Dieter Stork)

Doch die „Jazz Fest“-Snaredrum kann noch so einiges mehr: Ausgestattet z. B. mit einem „Remo CS Controlled Sound“-Schlagfell lässt sie sich recht variabel gestalten, und so kann man ihr Sixties-Soul- und Seventies-Funk-Sounds entlocken, sowie auch fettere und/oder leicht überdämpfte moderne Pop-Sounds herstellen. Immer bietet sie eine gute Dynamik und kompakte, präzise Snare-Teppich-Ansprache.

Allerdings muss man hier etwas mehr Aufwand und Geduld für die Feinabstimmung der Felle und des Teppichs aufwenden, doch das lohnt sich!

Mit z. B. einem Remo-Fiberskyn-Ambassador- oder Classic-Fit-Schlagfell lässt sich ein hoher, offener Sound generieren, der warme, singende und präsente Obertöne zusammen mit einer crispen, kontrollierten Snare-Teppich-Ansprache bietet. Somit hat man auch die Optionen für eher jazzige Sounds im Sixties-Retro-Style.

ludwig jazz fest snaredrum(Bild: Dieter Stork)
ludwig jazz fest snaredrum
Elegant und hochwertig: die neue P88AC-Abhebung. (Bild: Dieter Stork)

Fazit

Ludwigs neue „Jazz Fest“-Snaredrum ist eine gelungene Überraschung! Mir persönlich gefällt zudem das Understatement, dass für dieses Instrument mal nicht mit Ringo geworben wird, auch wenn er wohl einen richtig großen Anteil daran hat, dass das Original bei Sammlern so hoch im Kurs steht. Doch lassen wir mal die Attitüde von Sammlern außen vor. Die Ludwig-„Jazz Fest“-Snaredrum ist klanglich sicherlich genau das richtige Instrument für den Spieler, der weitestgehend an die Sound-Vorbilder von Ringo Starr gelangen will. Doch da dieses Instrument trotz (oder wegen?) des sehr eigenen Charakters sich variabel in verschiedenen Musik-Genres verwenden lässt, ist sie auch eine Empfehlung für all diejenigen, die einen warmen, holzigen Grundton suchen, dessen trockener Attack dafür sorgt, dass sie präsent im Song „sitzen“ kann.

Meine Sound-Experimente für diesen Test haben jedenfalls sehr viel Spaß bereitet. Mir gefällt zudem die historisch korrekte Bauweise und Optik gepaart mit modernen Features wie z. B. der Snare-Teppich-Abhebung. Da alles auch hochwertig verarbeitet wurde, ist der Preis gerechtfertigt, und man sollte sich diese schicke Trommel mal beim Fachhändler des Vertrauens zu Gemüte führen.

Facts

Hersteller

Ludwig

Herkunftsland

USA

Serie/Modell

Jazz Fest

Kessel

14″ x 5,5″, Mahagoni/Pappel/Mahagoni plus Verstärkungsringe aus Ahorn (Gesamtstärke ca. 11,5 mm), Snarebed ca. 8 cm schmal, ca. 4,5 mm tief, Gratung ca. 30 Grad, Auflagekante stark verrundet

Oberfläche

Folie, Vintage Black Oyster

Hardware

acht „Bowtie“-Spannböckchen, 2,3 mm Stahl-Spannreifen, P88AC Snare-Teppich-Abhebung, Ludwig-Felle

Vertrieb

Fentex Percussion

Internet

ludwig-drums.com

fentex-percussion.com

Preis (UvP)

€ 1.095,–


// [11297]

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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