China-Sounds im Gleichgewicht

Test: Meinl Byzance Vintage 20“ Equilibrium China

Meinl Byzance Vintage 20“ Equilibrium China
(Bild: Dieter Stork)

Equilibrium (Substantiv, Neutrum [das]) bedeutet „Gleichgewicht“, und treffender kann man das von Meinl in Zusammenarbeit mit Drummer Matt Garstka designte Cymbal kaum bezeichnen. Ziel war es, in einem China-Cymbal die charakteristischen Sounds eines kraftvollen China-Crash mit typischen Klangfarben für ein nuanciertes Spiel zu vereinigen.

Das ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, doch lässt sich durchaus bestätigen, dass Meinl dies mit dem 20″ Byzance Vintage Equilibrium China gelungen ist.

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Technisches

Wie alle Byzance-Cymbals wird auch das 20″ Equilibrium China der „Byzance Vintage“-Serie in der Meinl-Factory in der Türkei in traditionellen Herstellungsverfahren aus B20- Bronze gefertigt und im Werk in Gutenstetten weiterbearbeitet. Dort erhält es dann seine sandgestrahlte Oberfläche sowie die Laser-Gravuren von Logos, Seriennummer und Typenbezeichnung.

Auffällig sind zunächst einmal vier Löcher mit ca. 4,5 cm sowie wietere vier Löcher mit ca. 2 cm Durchmesser. Diese sind jeweils im Quadrat angeordnet, die vier großen Löcher markieren dabei die Eckpunkte, in denen die vier kleinen Löcher als ein um 45 Grad gekipptes Quadrat angeordnet sind. Über das Mittelloch in der Kuppe ergibt sich dadurch jeweils eine Kreuzlinie von Eckpunkt zu Eckpunkt. Das Ganze ist also nicht zufällig, sondern sehr systematisch angeordnet, so dass das Cymbal gut ausbalanciert bleibt.

Weiterhin interessant ist die Gestaltung der sehr kleinen Kuppe mit einem Durchmesser von gerade einmal 8 cm bei einer Kuppenhöhe von knapp 1 cm (!). Auf der Kuppenunterseite findet sich ein Bereich von ca. 15 cm Durchmesser, der nicht sandgestrahlt ist, was so schon fast ein „Brilliant“-Finish ergibt. Die mit leichter Verrundung versehene Krempe findet sich ca. 6,5 cm vom Rand, auffällig ist hier auch die starke Wölbung des Cymbals von der Kuppe zur Krempe. Mit einem Gewicht von 1.435 g liegt unser Testmodell im oberen Bereich der „Medium“-Kategorie.

Meinl Byzance Vintage 20“ Equilibrium China
(Bild: Dieter Stork)

Klangliches

Das Zusammenwirken der unterschiedlichen Konstruktionsdetails führt tatsächlich zu den von Matt Garstka gewünschten Klangeigenschaften des „Equilibrium“-China, mit einem dunklen Timbre, trockenem Sound mit leichtem Trash-Anteil ohne allzu viele Obertöne und kurzem Sustain. Beim Ancrashen auf der Krempe bzw. am Rand ergibt sich ein erstaunlich gefälliger Crash- Akzent ohne Aggressivität oder „Gong“-ähnlichen Klanganteile, sehr breit wirkend, mit leichtem Trash-Charakter und sehr angenehmen, kurz aufblitzenden, präsenten Obertönen und einem rasch verklingenden Nachklang.

Sehr schön und vor allem auch sehr eigenständig. Das dürfte ein China-Crash-Sound sein, wie ihn sich schon viele Drummer gewünscht haben. Natürlich kann dieses Cymbal nicht so laut und aggressiv wie andere China-Typen, doch es liegt in der Absicht von Matt Garstka, hier ein eher in mittleren bis niedrigen Lautstärken ausgezeichnet einsetzbares Cymbal zu haben, dass durch einen eher feinen, nuancierten und warmen Klangcharakter besticht. Schneller Attack und kurzes Sustain sind hier über einen weiten Dynamikbereich im Gleichgewicht von Präsenz und Tonalität mit leichtem Trash-Faktor.

Fazit

Mit dem 20″ Byzance Vintage „Equilibrium“ China ist es Meinl mittels des Konzepts von Matt Garstka gelungen, ein vom Klangcharakter her einzigartiges und alternatives China-Cymbal zu kreieren, auf das wohl schon viele Drummer gewartet haben. Besonders die Crash-Akzent-Sounds sind hier bestechend in ihrer Wärme, dem angenehmen Oberton-Charakter und einer gefälligen Präsenz mit leichten Trash-Akzent. Dieses Cymbal eignet sich hervorragend für nuanciertes Spiel in mittleren bis leisen Lautstärkebereichen für eine Vielzahl von Styles zwischen Jazz, Fusion, Progressive, Rock und Pop. Ein persönlicher Klangtest beim Händler des Vertrauens sei hiermit empfohlen.

Preis (UvP)

€ 419,–


(aus STICKS 11/12:2018)

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