Hybrid-Kessel und professionelle Hardware

Test: Pearl präsentiert die Session Studio Select Drums in der Mittelklasse

Pearl Session Studio Select Drums(Bild: Dieter Stork)

Pearl lässt die beliebte „Session“-Serie wieder aufleben! Diese Drums waren schon immer ein attraktives Angebot mit überraschend hohem Mehrwert. Auch die Drums der neuen „Session Studio Select“-Serie folgen dieser Tradition und haben auch wieder die bewährte Hybrid-Kesselkomposition aus Birke und African Mahogany. Allerdings sind die Kessel der aktuellen Session Studio Select Drums deutlich dünner gestaltet, als die der erstmals 1991 vorgestellten „Session“-Serie.

Damals wie heute werden die Sets durch professionelle Hardware-Features aufgepeppt. In der aktuellen Version stehen drei vorkonfigurierte Sets und ein Special Order Kit (ein BeBop-Set mit klassischen Kesselmaßen) zur Auswahl. Erhältlich sind sie wahlweise in zwei schicken Hochglanz-Lackierungen (Gloss Barnwood Brown, Piano Black) und einem hochwertigen „White Marine Pearl“ Folien-Finish von Delmar mit leicht vergilbt anmutendem Vintage-Touch.

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Technisches

Die nur ca. 5,4 mm starken Kessel unseres Testsets überzeugen mit einer ausgezeichneten Verarbeitung. Die Wandstärken sind äußerst konstant, und die Durchmesser weisen geringste Toleranzen auf. Die Kessel sind zwar dünn und natürlich deshalb flexibler als andere Konstruktionen mit höherer Wandstärke, dennoch hat selbst der Bassdrum-Kessel eine ordentliche Festigkeit. Hergestellt werden die Kessel mit Pearls SST-Verfahren, das heißt auch, diese Kessel besitzen den Scarf Joint und damit auch die gut zu erkennende Nahtstelle. Das langfaserige African Mahogany sorgt hier für eine zum Teil etwas rauere Struktur an der Naht, doch das liegt nun mal in der Natur der Sache. Mechanisch ist der Formschluss gelungen ausgeführt. Die Folie ist mit viel Liebe zum Detail aufgebracht, und die Kanten werden zum größten Teil schön durch Stimmböckchen verdeckt.

Pearl Session Studio Select Drums
Hochwertige Delmar Folien in Nicotine White Marine geben den Session Studio Select Drums einen feinen Vintage Touch. (Bild: Dieter Stork)

Zu den Kesselrändern wurde entsprechend Platz gelassen, so dass die Felle auch weiterhin auf den gut geschnittenen Gratungen freischwimmend aufliegen können. Durch den Gegenschnitt im 60-Grad-Winkel bleibt von den dünnen Kesseln mehr Material in den Kontaktbereichen stehen, so dass schmale, aber leicht rundliche Auflagekanten entstehen können. Die Snarebeds fallen über eine kurze Strecke steil zur maximalen Tiefe von ca. 2,7 mm ab. Im Nutzbereich verbreitert sich die Gratung etwas, so dass ein kompakter Klang des Snareteppichs mit sensibler Ansprache möglich ist. Der schmale Snareteppich ist mit Schnur an der funktionellen und einseitig einstellbaren Abhebung angeschlagen. Das ist betriebssicher und doch flexibel genug, so dass die Snaredrum ihre volle Sensibilität und Dynamik ausspielen kann.

Pearl Session Studio Select Drums
Sehr gut verarbeitete Kessel mit sorgsam geschnittenen Gratungen (Bild: Dieter Stork)

Die Verchromung der Hardware ist rundherum gelungen. Die „Session“-Stimmböckchen sehen wie die „Bridge Type“-Böckchen der Pearl „Masters“- Serien aus, liegen im Gegensatz zu diesen allerdings flächig am Kessel an. Insgesamt bringen sie aber nicht zu viel Gewicht auf den jeweiligen Kessel auf. Die SP-30 Bassdrum-Spitzen, die Floor-Tom-Beine und das „OptiMount“ Tom- Haltesystem sind allesamt ursprüngliche Versionen aus der „Masters“-Serie. Somit stehen hier also technische Features aus Top-Serien für die Session Studio Select Drums zur Verfügung.

Klangliches

Die dünnen Kessel reagieren auf jede Anregung sehr direkt und sensibel, entwickeln schnell einen vollen, resonanten Klang. Der Attack bietet viel Punch, ist präsent, wirkt allerdings eher satt als crisp. Das Sustain hat eine ordentliche Länge, trotzdem ist es nicht unkontrollierbar. Die Klangfärbung ist dunkel und bietet starke Tiefmitten. Das klingt alles sehr nach einem soliden Rock-Sound, und so lässt sich das Set auch schnell einrichten. Die werkseitige Fellbestückung macht das möglich, dennoch hat sie auch gewisse Limitierungen. So sind die Resonanzfelle der Toms und des Floor-Toms ein wenig zu dünn. Sie werden sehr leicht durch z. B. die Bassdrum zur Schwingung und damit auch zur Bildung eines fein singenden Obertons angeregt, so dass man sie halt etwas dämpfen sollte. Dann bleibt der Sound auch mit der werkseitigen Fellkombination satt, und die „PinStripe“- Schlagfelle (Made in China) sorgen für einen soliden Punch. Mit z. B. Remo Ambassador clear (Made in USA) auf der Resonanzfellseite lässt sich das Oberton-Problem nicht nur erledigen, die Toms klingen damit noch etwas kerniger und satter, das Sustain ist leichter zu kontrollieren.

Pearl Session Studio Select Drums
Das markante Snarebed sorgt für eine sensible und kontrollierte Snareteppich-Ansprache. (Bild: Dieter Stork)

Die Bassdrum kann mit der werkseitigen Fellkombination, einem ca. 6″-Loch im Frontfell und etwas Dämpfung (z. B. mit Pearl Bassdrum- Dämpfungskissen) überzeugen: Ein Attack mit sattem Punch kommt schon mit einem Filzschlägel (Danmar Hard Felt Beater) angespielt gut über die Rampe. Das Sustain ist fett und kompakt. Das fühlt sich auch, in der Spielerperspektive gehört, gut an und erweist sich für eine Mikrofonabnahme als sehr dankbar. Der Vorteil einer Ausstattung mit Markenfellen gleicher Konstruktion (Made in USA) ist hier gar nicht mal ein wirklich anderer Klang, sondern eine erweiterte Tuning-Range, so dass man den Bassdrum-Klang leichter an die Musik oder den Bühnen-Sound anpassen kann.

Pearl Session Studio Select Drums
Der OptiMount Tom-Halter ist eines der professionellen Hardware-Features. (Bild: Dieter Stork)

Bei der Snaredrum ist erstaunlich, wie sensibel die Trommel schon mit der schlichten werkseitigen Fellausstattung reagiert: Ghost Notes sind kein Problem. Und auch das dynamische Verhalten ist schon recht prima. Übrigens erweist sich die Snaredrum als sehr stimmstabil. Mit einer höherwertigen Fellbestückung sind die Obertöne gefälliger und lassen sich auch bei einer sehr offenen und hohen Stimmung sehr gut für ein filigranes Sound-Design nutzen. Auch bei der Snaredrum lässt sich die Tuning-Range mit hochwertigen Fellen etwas erweitern. Die Session Studio Select Drums haben also reichlich Klangpotenzial, das sich bestens für einen satten Sound ausschöpfen lässt, der sich für viele Styles von Pop bis Rock bestens eignet.

Pearl Session Studio Select Drums
Die Hybrid-Kessel aus Birke und African Mahogany sind lediglich ca. 5,4 mm stark. (Bild: Dieter Stork)

Fazit

Mit den neuen Session Studio Select Drums bietet Pearl in der Mittelklasse ein fett klingendes Drumset mit professionellen Hardware-Features an. Technologie-Transfer ist diesbezüglich ein Stichwort, und so findet man „OptiMount“ Tom-Halter, das Resonanzverhalten optimierende Floor-Tom-Beine und noch einiges mehr aus Pearls Top-Serien in deren ursprünglichen Versionen. Zurückgekehrt ist man zu dem Hybrid-Kessel aus Birke und African Mahogany, allerdings in einer eher zeitgemäßen, dünneren Variante und damit einer noch mal sensibleren Ansprache. Somit steht hier reichlich Klangpotential zur Verfügung, für alles, was als satte Pop- bis Rock-Sounds gilt. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet ausgeführt und der Preis attraktiv. Es macht Spaß, das Set zu spielen, und auch für professionellen Drummer ist dieses Set eine echte Empfehlung. Anchecken lohnt sich!

African Mahogany

Sieben Arten zählen zur Gruppe des African Mahogany, und vier davon – allen voran das Khaya – werden in der holzverarbeitenden Industrie (Möbelbranche, Bootsbau, Furniere, Musikindustrie etc.) verwendet. Auch wenn African Mahogany botanisch zur gleichen Familie gehört wie das American Mahogany, zählt das hauptsächlich in Westafrika beheimatete Holz nicht zu den geschützten Arten. Aufgrund der typisch rötlich-brauen Färbung und der generellen Bearbeitungseigenschaften gilt es als besonders guter Ersatz für amerikanisches Mahogany.

Facts

Hersteller

Pearl

Herkunftsland

Taiwan

Serie

Session Studio Select

Kessel

Birke/African Mahogany, sechs Lagen, ca. 5,4 mm stark, Gratung ca. 60 Grad, Auflage schmal, leicht rundlich

Größen (Testset)

Bassdrum 22″ × 16″, Toms 10″ × 7″ und 12″ × 8″; Floor-Tom 16″ × 16″, Snaredrum 14″ × 5,5″

Oberfläche

Folie, Nicotine White Marine

Hardware

verchromt, ca. 2,3 mm starke Metallspannreifen, „Session“-Stimmböckchen, „Opti- Mount“ Tom-Halter, „Masters“ Floor-Tom- Beine und Rosetten

Vertrieb

Pearl Europe Music

Internet

pearleurope.com

Preise

  • Pearl Session Studio Select Shellset: ca. € 1.299,–
  • Pearl Session Studio Select Snaredrum 14″ × 5,5″ ca. € 245,–

(aus STICKS 11:12/2018)

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