Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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Eine Legende kehrt zurück

Test: Rogers Dyna-Sonic Wood Snaredrums

rogers dyna-sonic wood snaredrums(Bild: Dieter Stork)

Rogers-Drums und speziell die Dyna-Sonic-Snaredrums sind für Vintage-Drum-Enthusiasten gesuchte Objekte der Begierde. Ein äußerst dynamischer, sensibler Sound durch das spezielle „Floating Snare Rail System“ sind die markanten Merkmale dieser Instrumente. In einer Neuauflage werden diese besonderen Snaredrums nun wieder gefertigt, mit viel Liebe zu Details und in originalgetreuer Anmutung.

Verantwortlich für die Wiederbelebung von Rogers-Drums ist die Firma Reliance Musical als Inhaber der Marke. Der Pate für das Projekt ist Ken Fredenberg (Director of Brands/Reliance). Er holte für die Entwicklung und Sound-Bestimmung der neuen Rogers Dyna-Sonic Wood Shell Snaredrums Bill Detamore von Pork Pie Custom Drums ins Boot. Außer der akribischen Entwicklungsarbeit hat Pork Pie auch einen wichtigen Anteil an der Herstellung der Rogers-Snares: Die Rohkessel bekommen ihre Gratungen, Bohrungen, Lackierungen der Innenseiten und das Außenfinish bei Pork Pie!

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Vieles wird in manuellen Arbeitsschritten umgesetzt, weil Mr. Detamore bekanntlich die Handarbeit liebt und es bevorzugt, wenn ein geschulter Mitarbeiter – eben – Hand anlegt. Insofern liegt also doch der Hauptanteil an der Fertigung in den USA.

Erhältlich sind von Rogers zwei Modelle in den Größen 14″ x 6,5″ und 14″ x 5″. Die Kessel werden aus Ahornund Pappel-Furnieren gefertigt und besitzen Verstärkungsringe. Die Modellvariante „B&B“ besitzt die etwas schlichteren „Bread-and-Butter“-Spannböckchen und ist in den Folien-Finishes White Marine Pearl, Diamond Pearl und Silver Sparkle erhältlich. Die mit den aufwendiger gestalteten „Beavertail“-Spannböcken ausgestattete Modellvariante gibt es dann in den Farben White Marine Pearl, Black Diamond, Red Oynx und Blue Onyx. Aktuell gibt es auch eine Limited-Edition mit lackierter Außenseite wahlweise in Gold Sparkle oder Polished Black.

Neben einem Rogers-Sticker, Stimmschlüssel und Schlüsselanhänger in Form eines ovalen Dyna-Sonic-Badge ist jeder Snaredrum ein Blatt mit nützlichen Tuning und Justierungs-Hinweisen zum Floating-Snare-Rail-System beigelegt.

rogers dyna-sonic wood snaredrums
Floating Snare Rail System Vorder- und Rückseite (Bild: Dieter Stork)
rogers dyna-sonic wood snaredrums(Bild: Dieter Stork)

Technisches & Praktisches

Kessel: Um es vorwegzunehmen: Die Verarbeitung der Kessel ist 1A. Konstante Durchmesser und Wandstärken mit geringsten Toleranzen sind hier selbstverständlich. Die ca. 1 mm starke Folie wird wie eine Furnierlage behandelt und ist entsprechend sauber bis zum Rand der Gratung hin verarbeitet. Sie wird mit dem Gegenschnitt der Gratung sauber beschnitten, so dass ein glatter Übergang vom Kessel zur Folie entsteht. Im ca. 1″ breiten Überlappungsbereich sitzt die Folie perfekt formschlüssig aufeinander und trägt in der Folge natürlich auch nicht zu stark auf. Der freischwimmende Sitz der Felle ist gewährleistet. Optisch gelungen umgesetzt, versteckt sich die Naht natürlich unter einem Spannböckchen. Der Kessel besteht aus fünf Lagen, allerdings zählt Rogers hier die aus zwei Lagen bestehenden Verstärkungsringe mit. Der eigentliche Resonanzkörper besteht also aus drei Lagen. Den Kern bildet eine Furnierlage aus Pappel die von einer inneren und einer äußeren Lage Ahorn umschlossen wird.

rogers dyna-sonic wood snaredrums
Ein klassischer Immendämpfer mit präziser Mechanik (Bild: Dieter Stork)

Die Lagen sind natürlich mit kreuzverleimter Maserung angeordnet. Die Furnierlagen sind absichtlich etwas dicker gehalten, damit auch die neuen Dyna-Sonic Wood Shell Snaredrums den authentischen Vintage-Sound-Charakter liefern können. Die drei Lagen des Kessels weisen schon eine Wandstärke von ca. 7 mm auf. Die am Rand eingearbeiteten Verstärkungsringe sind ca. 1″ breit, bestehen aus zwei Lagen und bringen es auf eine Stärke von ca. 3 mm, so dass im Randbereich eine Gesamtwandstärke von ca. 1 cm für den Snaredrum Kessel erreicht wird. Die Gratung besteht aus einer Abschrägung nach Innen im 45 Grad Winkel und einem soliden, stark verrundeten Gegenschnitt.

Daraus ergibt sich eine äußerst runde und breite Auflagekante. Dies ist im besten Vintage-Style umgesetzt und dabei super glatt und geschmeidig. Das Snarebed ist mit einer Breite von ca. 12 cm eher schmal gestaltet und nur ca. 1,4 mm (!) tief gesetzt. Das ist bedingt durch das Floating-Snare-Rail-System machbar und bedeutet natürlich ein leichteres Stimmen für eine gleichmäßige Resonanzfellspannung. Mit leichtem Verlauf bewegt sich das Snarebed auf den ca. 10 cm weiten Nutzbereich zu, die Auflagekante wir etwas flacher und verbreitert sich. Die Innenseite ist mit einem Honig farbigen Finish versiegelt, die Struktur des Holzes scheint hier noch hindurch und offenbart fein gemasertes Ahorn.

Floating Snare Rail System: Herausragendes Merkmal ist dieses besondere System zur Snare-Teppich-Aufhängung. Dieser wird auf einem Trägerrahmen montiert und während eine Seite fixiert ist, lässt sich die andere Seite über eine Rändelschraube einstellen. Somit kann die Spannung der Teppich-Spiralen getrennt von Andruck gegen das Resonanzfell justiert werden. Den Andruck des Systems stellt man konventionell an der Snare-Teppich-Abhebung ein. Das System ist mittels Schnur aufgehängt.

Der praktische Vorteil dieser Konstruktion ist, dass man den Andruck z. B. so wählen kann, dass das Resonanzfell in seiner möglichen Schwingung kaum behindert wird. In der Folge ist die dynamische Bandbreite, in der die Trommel mit einer präzisen Snare-Teppich-Ansprache agieren kann, mal so richtig groß. Dieses Verhalten ändert sich auch nicht, wenn man die Spannung der Spiralen verändert.

Es rauscht halt etwas mehr oder weniger, je nach gewählter Einstellung. Interessanterweise muss man hier auch nicht großartig „rumkurbeln“, die Einstellung ist sehr feinfühlig umzusetzen. Zudem bietet dies den Vorteil, dass man unerwünschte Nebengeräusche des Snare-Teppichs durch Schwingungsanregung von z. B. Toms gegebenenfalls leichter in den Griff bekommt, ohne die Stimmung von Tom/Snaredrum variieren zu müssen.

rogers dyna-sonic wood snaredrums
Das Floating-Snare-Rail-System mit den Möglichkeiten die Spannungen von Spiralen und Andruck unabhängig voneinander zu justieren. (Bild: Dieter Stork)

Tipp: Einstellungen FSRS: Hilfreich ist es, die Grundeinstellung für das Floating-Snare-Rail-System mittels der Justierungshinweise von Rogers vorzunehmen und von dort ausgehend eigene Experimente zu wagen. In meinen praktischen Versuchen habe ich auch eine Möglichkeit für eine Grundeinstellung der Spiralen-Spannung bei ausgebautem Floating-Snare-Rail-System gefunden: Den Rahmen habe ich mit nach oben zeigenden Spiralen auf einen Tisch gelegt und mit dem Finger locker auf die Spiralen getippt, damit sie schwingen. Es braucht etwas Gefühl für die „richtige“ Stärke des Anschlags, der soll ja den Auswirkungen(!) eines Anschlags auf die Snaredrum entsprechen. Also sollte man nicht zu heftig zu Werke gehen.

Herausgefunden habe ich bei der Übung folgendes: Sind die Spiralen für eine gute Allround-Einstellung zu locker, schwingen die Spiralen auch in einer leichten Drehbewegung um die eigene Achse, und zum Teil berühren sie sich gegenseitig. Justiert man die Spiralspannung vorab so, dass sie kaum in der Drehbewegung schwingen, hat man eine sehr gute Grundeinstellung für weitere Experimente gefunden.

rogers dyna-sonic wood snaredrums
Eine perfekte Gratung im rundlichen Vintage-Style (Bild: Dieter Stork)

Hardware: Die Hardware-Komponenten präsentieren sich in ausgezeichnetem Chrom-Finish und sorgen für ein rundes, elegantes und wertiges Bild der Dyna-Sonic Snaredrums. Sowohl die „Beavertail“ als auch die „B&B“-Spannböckchen sind mit dünnen Gummiunterlagen am Kessel verschraubt.

Sie machen einen solideren Eindruck als die in den 60er-Jahren verbauten Varianten. Dementsprechend muss man sich auch bei höheren Stimmungen keine Sorgen um die Haltbarkeit machen. Die Gewinde in den Hülsen und die der Stimmschrauben sind sauber geschnitten und gut gefettet, so dass hier alles geschmeidig ineinanderläuft und präzise gestimmt werden kann. Dafür sorgen auch die planen Auflageflächen an den 1,6 mm Stahlspannreifen.

Metall- und Kunststoffunterlegscheiben an den Stimmschrauben sorgen für einen guten Sitz, die Stimmstabilität geht bis vollkommen in Ordnung. Nur wer außergewöhnlich heavy spielt, sollte zusätzliche Stimmsicherungen verwenden. Die einseitig justierbare Abhebung ist eine Nachbildung der historisch korrekten „Clock Face“-Abhebung, die schon in den 60er-Jahren gern als Zubehör an anderen Snaredrums verbaut wurde. Sie arbeitet zuverlässig, leicht und in Kombination mit dem Floating-Snare-Rail-System sehr leise.

rogers dyna-sonic wood snaredrums
Machbar dank Floating Snare-Rail-System: ein schmales, nicht allzu tiefes Snarebed. (Bild: Dieter Stork)

Ein weiteres „historisches Element“ ist der Innendämpfer, der jetzt mechanisch etwas aufwändiger gestaltet wurde. Somit lässt er sich feinfühliger einstellen, und der Filz sitzt sauber parallel zum Resonanzfell. Schon bei leichtem Andruck bietet er einen guten Dämpfereffekt. Und auf „Aus“ gestellt klappert die Konstruktion auch nicht.

Klangliches

Die Dyna-Sonic Snaredrums liefern bedingt durch die Konstruktion und die spezielle, rundliche Gratung einen sehr angenehmen Attack mit feinen Obertönen und viel Kontur. Der Attack bietet eine subtile Projektion, ohne dabei zu offensiv zu wirken. Bedingt durch die dünnen Spannreifen wirkt das Ganze auch luftig und crisp. Im Sustain entsteht ein gesundes Mittenspektrum, das die Anmutung eines leichten Pre-EQ hat, der im oberen Bereich etwas die Härte nimmt, trotzdem den Glanz leben lässt und im unteren Bereich eine aufgeräumte Klangfülle bietet. Im Bass wirken sie solide und auch kompakt genug, so dass es bei tiefen, fetten Sounds dann wuchtigdruckvoll sein kann, aber eben auch nicht diffus wird. So kann man mit der werkseitigen Remo-„Ambassador“-Fellkombination schon eine Menge an verschiedenen Sounds generieren. Überzeugend ist auch die direkte und sehr dynamische Ansprache von beiden Modellen – sie klingen leise angespielt sehr luftig, bauen dann mit zunehmender Lautstärke mehr Druck und Punch auf. Spielt man sie sehr kräftig an, ergibt sich ein gewisser Kompressionseffekt, der sich harmonisch anhört und anfühlt.

rogers dyna-sonic wood snaredrums
Retro: Rogers-Schriftzug aus Metall (Bild: Dieter Stork)

Eine wirkliche Überraschung entsteht durch das Floating-Snare-Rail-System: Beim dynamisch schönen Verhalten der Snaredrums ist die Ansprache des Snare-Teppichs äußerst sensibel und direkt, der Sound crisp und kontrolliert. Mit den beiden Einstellmöglichkeiten des Systems Feinjustierungen vorzunehmen macht eine Menge Spaß. Ein wenig straffere Spannung der Spiralen und schon wird das Ganze funky, etwas lockerer gestellt und es entsteht ein satter Rock-Sound. Soll der etwas tighter sein, aber doch den fetten klatschenden Spiralen-Sound bieten, dann erhöht man etwas den Andruck. Erhöht man beides marginal, kann man auch schon die für Marching-Bands typischen, tighten und leicht brettigen Snare-Teppich-Sounds bei dennoch sensibler Ansprache generieren. Und dabei haben wir ja jetzt nur mit dem Sound-Charakter des Teppichs agiert. Kombiniert man das mit entsprechenden Stimmungen und Dämpfungen, hat man zwei charakterstarke und doch klanglich äußerst variabel einsetzbare Instrumente vor sich.

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„Bread & Butter“ – Spannböckchen und leichte 1,6 mm Spannreifen (Bild: Dieter Stork)

Bemerkenswert ist zudem, dass man bei offen gestimmten Sounds nicht wirklich eine Dämpfung benötigt, in den Obertönen bieten beide Modelle ein schönes und kontrolliertes Singen, was man wirklich genießen kann. Auf der anderen Seite ist man bei einer stärkeren Dämpfung positiv überrascht, wie dynamisch und sensibel sich beide Instrumente noch bei fett pumpenden Sounds bespielen lassen. Was den Hubraum angeht unterscheiden sie sich natürlich, und wer die breiteren, tieferen Sound-Spektren bevorzugt wird sicherlich zum 6,5″ tiefen Modell tendieren. Für alles was eher crisp und knackig sein soll ist dann die 5″ tiefe Dynasonic die richtige Wahl.

Fazit

Die Rogers-Dyna-Sonic-Snaredrums ausgiebig zu testen war ein wahres Vergnügen. Die Dynamik und das Anspracheverhalten der Kessel in allen Facetten zu erkunden hat richtig Spaß gemacht. In der Folge dann weitere Klangdetails auszuloten, die durch das Floating-Snare-Rail-System möglich sind, war ebenfalls ein spannendes Aha-Erlebnis. Das Rogers-System ermöglicht einen nuancierten Klang-Eingriff im Detail, was besonders bei Recordings hilfreich sein kann und auch das entscheidende Plus für das Spielgefühl im Live-Betrieb bedeuten mag.

Allein deshalb ist ein persönlicher Check dieser charaktervoll klingenden Instrumente absolut empfehlenswert. Mit ihnen kann man authentische Vintage-Sounds in der Bandbreite von jazzigen Big-Band bis Be-Bop-Sounds anbieten, sowie auch funky Pop/Rock mit leicht spielbaren Ghost-Notes bei knackigem Backbeat abliefern. Die Verarbeitung der neuen Rogers-Dynasonic-Snaredrums ist ausgezeichnet umgesetzt, und die Liebe zur klassischen Vintage-Optik bis in die Details rührt mein Herz. Diese feinen Instrumente werden allen professionellsten Ansprüchen gerecht.

rogers dyna-sonic wood snaredrums
Nützliche Hinweise zur Justierung des Floating- Snare-Rail-Systems und ein paar nette Goodies (Bild: Dieter Stork)

Facts

Hersteller

Rogers

Herkunftsland

USA (Kessel: Taiwan)

Serie/Modelle

Dynasonic Snaredrum

Kessel

Ahorn/Pappel /Ahorn plus zwei Lagen Verstärkungsringe, Wandstärke gesamt ca. 1 cm, Snarebed ca. 1,8 mm tief und 12 cm weit, Gratung mit 45-Grad-Innenabschrägung und rundem Gegenschnitt sowie runder und breiter Auflagekante

Hardware

Zehn Stimmschrauben pro Fellseite, 1,6 mm Stahlspanreifen (dreifach geflanscht), „Clock-Face“-Abhebung, Floating Snare Rail System, Innendämpfer

Vertrieb

Musik Wein

Internet

rogersdrumsusa.com

musikwein.de

Preise (UvP)

14″ x 5″ (Beavertail-Böckchen Red Onyx): € 890,–

14″ x 6,5″ (B&B-Böckchen White Marine Pearl): ca. € 950,–


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Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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