Frequenzoptimiert für dezente Sounds

Test: Sabian präsentiert innovative FRX-Cymbals

Sabian FRX-Cymbals(Bild: Dieter Stork)

Bestimmte Frequenzen oder Frequenzbereiche zu reduzieren bzw. zu minimieren war schon immer ein probates Mittel, ein Klangspektrum subjektiv „leiser“ erscheinen zu lassen. Diese Idee nutzt der kanadische Cymbal-Hersteller für seine neuen FRX-Cymbals.

Und Bedarf an dezenteren bzw. „leiseren“ Cymbal-Sounds ist offensichtlich vorhanden. Denn nicht jeder möchte oder kann ad hoc seine Spielweise anpassen und entsprechend mit feineren Cymbals oder leichteren Sticks spielen, wenn es mal leiser sein muss. Und genau an dieser Stelle setzten die Sabian FRX-Cymbals an: Bestimmte Frequenzen reduzieren, um so dezentere Sounds zu generieren, so dass man mit den FRX-Cymbals auch durchaus wie gewohnt „etwas kräftiger“ spielen kann.

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Technisches

Das Programm ist mit einer 14″ Hi-Hat, drei Crash- Cymbals in den Größen 16″, 17″ und 18″ und zwei Ride- Cymbals in den Größen 20″ und 21″ zunächst einmal recht übersichtlich gestaltet. Sabian fertigt die FRX-Cymbals wie gewohnt in Kanada und aus B20-Bronze. Das Besondere sind die Lochmuster, die individuell für jedes Cymbal gestaltet sind. So besitzt nur das Hi-Hat Top-Cymbal einen einzelnen Lochkranz, der in unteren Bereich der Kuppe platziert ist. Der Durchmesser der Löcher liegt bei ca. 3 mm.

Bei den Crash-Cymbals wurden schon deutlich mehr Lochkreise eingestanzt. Die finden sich sowohl an der Kuppe als auch auf dem Profil direkt unterhalb der Kuppen. Die Muster zwischen dem 16″ und 17″ Crash variieren deutlich, so besitzt z. B. das 16″ Crash drei Lochkreise an der Kuppe, während das 17″ interessanterweise dort nur zwei Lochkreise besitzt. Sabian hat hier offensichtlich einiges an Experimenten durchgeführt, um das passende Muster für das jeweilige Cymbal zu finden. Die beiden Ride-Cymbals sind zusätzlich zu den Lochkreisen im Bereich von Kuppe und oberem Profil auch noch mit drei Kreisen im Randbereich ausgestattet.

Die Profile sind im Seidenmatten-Finish gehalten und zeigen ein sehr feines Abdrehmuster. Die Hämmerung ist dezent, aber noch gut zu erkennen. Die Kuppen sind weder abgedreht noch zusätzlich gehämmert und im rauen „Natural Finish“ belassen. Gewisse Ähnlichkeiten zu Cymbals der AAX- und HHX-Serien von Sabian sind hier also vorhanden.

Crash-Cymbals und Hi-Hat sind eher flach gehalten, und die Profile beschreiben nur einen sanften Bogen. Dieser ist bei den Ride-Cymbals etwas stärker ausgeprägt, somit ist das Profil etwas höher gestaltet. Die Kuppen zeigen hinsichtlich ihrer Form keine ungewöhnlichen Merkmale, sie besitzen also durchaus normale Proportionen.

Für jeden FRX Cymbal-Typ gibt es ein individuelles Lochmuster.

Die Verarbeitung ist wie von Sabian gewohnt ausgezeichnet. Befürchtungen, dass durch die Lochkreise Materialschwächungen entstehen, sind sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen, ob das allerdings auch dauerhaft zu Brüchen führen wird, kann wohl nur ein Langzeittest ergründen. Meiner Einschätzung nach dürfte das bei normalem Gebrauch nicht zu erwarten sein. Wie ein Berserker in diese Cymbals reinhalten, das ist ja wohl mit dem Hintergrund eines angestrebten dezenten Cymbals-Sounds mehr als absurd! Erhöhtes Augenmerk sollte allerdings dem Transport gelten, die FRX-Cymbals stehend im leichten Softbag zu transportieren ist keine so wirklich gute Idee – eigentlich gilt es, dies ja auch generell bei allen Cymbals zu vermeiden.

Klangliches

Interessanterweise fällt der Sound-Effekt in der Solo-Performance der Cymbals gar nicht so stark auf. Klar, sie sind dezent, besitzen einen deutlichen, allerdings eher sanften Attack und ein warm klingendes, teils eher dezentes Sustain. Die Ansprache ist recht schnell, das kurze und frequenzmäßig tatsächlich nicht sehr voluminöse Sustain verklingt recht zügig.

Erst wenn man etwas dynamischer zur Sache geht, bekommt man eine Idee davon, was die Frequenzreduktion bedeutet. Die Hi-Hat z. B. bleibt artikuliert, bildet aber keine spitzen Obertöne aus, in den Mitten entsteht kein breites Aufrauschen, der Gesamtklang ist lebendig und doch gleichzeitig leicht komprimiert und kompakt. Die Crash-Cymbals wirken keinesfalls so trashy, wie man es von anderen gelochten FX-Cymbals (z. B. Sabian AAX Aero Crashes oder HHX Evolution O-Zone Crash-Cymbals) kennt. Trotzdem gibt es gewisse Ähnlichkeiten im Klangverhalten: Die FRX Crash-Cymbals reagieren ähnlich spritzig im Aufbau des Attack, und der Klang blendet im Sustain ähnlich schnell aus, alles mit dem Charakter eines warm klingenden Crash-Cymbals.

Auch bei den Ride-Cymbals gefällt mir der Umstand, dass man sich nicht wirklich zurückhalten muss, um zu viel des guten Sounds zu produzieren: auf dem Profil mittig angespielt entsteht ein dezentes Grundrauschen, und auch dies verklingt sehr flott. Die Kuppen liefern einen schimmernd glockigen Sound, dieser ist allerdings nicht so dominant, wie man es von „normalen“ Cymbals gewohnt ist. Hier prägen ein eher seidiger Schimmer und feiner Bell-Sound den Klangcharakter.

Sabian FRX-Cymbals
Die dezente Hämmerung lässt sich im Gegenlicht gut erkennen. (Bild: Dieter Stork)

Wirklich spannend wird das FRX-Erlebnis allerdings erst im musikalischen Kontext: Die Cymbal-Sounds sind durchaus präsent, weil sie immer noch genug wichtige Frequenzen für eine gute Ortung im musikalischen Mix ausbilden, anderseits sind die Obertöne im Attack so schön reduziert, das eine weittragenden Projektion nicht wirklich stattfindet. Das ist bei Konzerten in einem kleinen Club durchaus ein unbestreitbarer Vorteil: Die Musiker haben im Nahbereich eine gute Groove- und Time-Orientierung, das Publikum wird nicht mit lästigen, nagelnden Attacks malträtiert.

Da sich auch im Sustain nicht zu viele Mittenfrequenzen breitmachen und die Cymbals hier gerade genug aufbieten, um auch eine adäquate Klangfülle zu liefern und dann schnell zu verklingen, wirkt das Klangerlebnis mit den Sabian FRX-Cymbals sehr aufgeräumt und durchweg homogen.

Fazit

Das Konzept, bestimmte Frequenzen in Cymbals zu reduzieren und sie so dezenter und subjektiv „leiser“ wirken zu lassen, geht mit den Sabian FRX-Cymbals gut auf. Gerade in sehr kleinen Locations sind Cymbals in der Regel sehr prominent, egal wie sehr man sich hier in Sachen Spielweise nun auch bemüht. Die FRX-Cymbals erlauben zumindest eine halbwegs normale Performance, ohne dass man gleich alles mit Cymbals-Sounds erschlägt. Reduziert doch mal die Lautstärke an eurer Stereo-Anlage, und drückt dann die Loudness-Taste (falls ihr noch wisst, was das ist), denn das beschreibt in etwa den Effekt der FRX-Cymbals innerhalb der Musik. Wer nach einer Lösung für solche Spezialaufgaben der Lautstärkereduzierung sucht, der ist gut beraten, die Sabian FRX-Cymbals persönlich auszuprobieren.

Facts

Hersteller

Sabian

Herkunftsland

Kanada

Serie

FRX

Bronze

B20

Vertrieb

Pearl Music Europe

Internet

sabian.com

Preise (UvP)

  • 14″ FRX Hi-Hat: ca. € 495, –
  • 16″ FRX Crash: ca. € 299, –
  • 17″ FRX Crash: ca. € ,325 –
  • 20″ FRX Ride: ca. € ,405 –
  • 21″ FRX Ride: ca. € 445, –

(aus STICKS 11:12/2018)

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