Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Percussion-Sound-Hybrid

Test: Schlag­werk La Olá Drum

schlagwerk la olá drum(Bild: Tom Schäfer/Dieter Stork)

Diese Trommel sprengt nicht nur optisch den Rahmen jeglicher traditioneller Formen. Auch vom Sound her gibt es kaum Erfahrungswerte, die man zu einem Vergleich heranziehen könnte. Die La Olá Drum ist weder Cajon, noch Conga, Bata oder Bongo. Und doch vereint sie alle vier Trommeln in Personalunion!

Dies gelingt mit einem Design, das rein äußerlich an einen schwungvollen Luigi Colani erinnert, während die innere Architektur ein klares Bauhausprinzip walten lässt. Nichts ist dem Zufall überlassen, sondern ausgecheckt konstruiert. Die Handschrift der renommierten Schlagwerk-Manufaktur ist mehr als deutlich zu lesen. So versteht sich die La Olá Drum als innovativer Hybrid, der eine zukunftsweisende Pionierarbeit zeigt.

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Prolog

Ideen waren bei Schlagwerk noch nie Mangelware. Man denke nur an die Entwicklung der Schlitztrommeln, an die ersten serienreifen Cajons oder an die frühen Wood- Drums, noch bevor überhaupt jemand das Wort Cajon kannte – die Liste ließe sich fortsetzen. Jetzt hat die schwäbische Manufaktur ein Instrument auf den Markt gebracht, dessen eigenwillige Optik sicherlich so manche Fragezeichen in den Köpfen hervorrufen wird. Denn eine Trommel mit einer Schlagfläche in Wellenform hat es bislang nicht gegeben. Ebenso wenig einen Korpus, dessen biomorphes Design einen Vergleich zu traditionellen Trommeln kaum zulässt. Ergo: alles ist neu! Die Entdeckungsreise führt uns in ein Territorium inspirierender Trommelklänge bei der Begegnung mit einem Instrument, das mit geradezu intuitiver Spieltechnik lockt. Wer bereits Spielerfahrung auf Cajon, Rahmentrommel, Bongos etc. hat, ist sicherlich im Vorteil. Denn hier greifen bekannte Schlagmuster und Handspieltechniken durchaus zu einer spannenden Fusion ineinander.

Konstruktion

Das Chassis basiert auf einem Korpus, der anscheinend rechte Winkel zu vermeiden versucht. Wie eine Welle liegt die Birkenholzspielfläche über dem geschwungenen Profil der Seitenflanken. Hier ist nichts verschraubt, alle Teile sind miteinander verleimt. So auch die deutlich unterschiedlich großen Stirnplatten, die zudem als Ankerpunkte für den Gurt dienen. Die La Olá Drum wird nämlich im Sitzen gespielt, während ein Gurt zur Sicherung um die Oberschenkel geführt wird. Für das bequeme Spielgefühl ist auch die Unterseite des Trommelkorpus wellig geformt, und das ergonomische Profil kann sich wunderbar anschmiegen. Aufgeklebte Gummisteifen dienen als Rutschbremsen und helfen, dass die Trommel sicher in Position bleibt.

Auf der Unterseite ebenfalls integriert ist ein großzügiges Resonanzloch, das den Blick ins Innenleben der La Olá freigibt. Zu sehen sind zwei Stege, die einerseits als Stabilisierung wirken und zugleich die Spielfläche in drei Zonen unterteilen: den mittleren „Wellenbereich“ und die beiden äußeren Zonen (rechts/links), die aufgrund der unterschiedlichen Körpervolumen entsprechend verschiedene Klangcharaktere hervorrufen. Zu entdecken gibt es noch eine versteckte vierte Spielzone, die von der breiten Stirnplatte zur Verfügung gestellt wird. Von innen ist diese Stirnfläche oval ausgearbeitet (dicke Rahmenplatte mit dünnen Holzdeckel), um einen knackig hellen Ton zu ermöglichen.

Die gesamte Verarbeitung der Trommel ist unschlagbar gut und zeigt Sorgfalt bis ins Detail. Besonders die Auflage der geschwungenen Birkenholzspielfläche und die Übergänge zwischen Schlagdecke und Korpus sind handwerklich sauberst ausgeführt und optisch brillant inszeniert.

Zur Ausstattung der La Olá Drum gehört zudem ein Buzz Board (Snare-Traverse), das über Klett wahlweise an den Spielflächenrändern oder den seitlichen Stirnplatten fixiert wird. Auch ein Multiclap der Größe #2 (70 mm) ist mit dabei und erweitert das ohnehin multiple Klangspektrum der La Olá um weitere perkussive Akzente. Nicht zu vergessen ist außerdem eine solide Transporttasche im Backpacker-Style, die das wertige „La Olá“-Paket komplettiert.

Sound

Da es sich um ein völlig neues Design- und Sound-Konzept einer Trommel handelt, bleiben kaum Vergleichsmöglichkeiten, was eine Klangbeschreibung nicht gerade einfach macht. Aber gerade diese Tatsache weckt auch Neugierde, die gleichsam das intuitive Spiel- und Klangerlebnis antreibt. Der Grundcharakter des La-Olá-Sounds wird grundsätzlich vom Holz bestimmt. Und da es sich im weitesten Sinne auch um eine „Holzkiste“ handelt, ist man geneigt, die Nähe zur Cajon herzustellen.

Was man hört ist jedoch weit entfernt vom typischen Klang einer klassischen Flamenco-Cajon, die ja gerne auch mal mit druckvollen Bass-Beats und Snare-Attacks als Schlagzeug-Adaption fungiert. Die La Olá hingegen ist wesentlich facettenreicher ausgestattet und bietet eine Menge perkussive Nuancen, die zugleich tonale Formungen beinhalten. Übergreifend könnte man von hölzern-glockig-trockenen Klängen reden, die gewisse Assoziationen zu bekannten Trommeln freisetzen. Diese Orientierung könnte in Richtung Bongos gehen, aber auch Cajon ist dabei oder Bata und irgendwie hört man entfernt auch den Touch einer Conga.

Dabei ist die La Olá Drum keine Offensivtrommel von durchdringender Schwingungsgewalt. Sie verhält sich durchweg dezent und mag ausformuliertes Fingerspitzengefühl, obschon sie auch sehr knackig akzentuierte Ansagen machen kann. Spielt man eine Art Open Tone und wandert dabei über die Spielfläche, so entstehen unterschiedliche Klangschattierungen, die mit jeder Veränderung der Anspielposition immer wieder auch anders ausgeprägt sind. So tendiert der großvolumige Spielzonenbereich zu einem trocken kräftigen Ton, der am ehesten an eine Tumba oder Kpanlogo erinnerst. Der Wellenbereich offeriert kontraststarke hell-knackige und rein perkussive Sounds. Die schlanke Spielzone bringt hingegen mehr glockig-hölzerne Klänge hervor, was in Richtung Bongo tendiert. Interessant ist auch die seitliche Spielfläche an der Stirnseite. Hier entwickelt die La Olá einen akzentstark perkussiven „Peak“, der gut mit dem Slap auf eine Bata Drum mithalten kann.

schlagwerk la olá drum(Bild: Tom Schäfer/Dieter Stork)

Somit lädt die La Olá Drum geradezu zum fantasievollen Spiel ein, das insbesondere durch die Kombination von Schlagvarianten und Spielzonen ein besonderes Eigenleben entwickelt. Durchaus sind hybride Klang- und Groove-Mischungen aus Bata und Bongo oder Cajon und Conga denkbar. Das Ganze aber lässt sich nicht so einfach abrufen. Denn die La Olá Drum will entdeckt werden, man muss auf Tuchfühlung gehen, sich einlassen und der Fantasie freien Lauf gewähren. Dann wird man Schritt für Schritt das Geheimnis dieses einzigartigen Trommelwesens entdecken.

Hinzu kommen noch die Multiclap und Buzz Board Add-On-Effekte, die fast wie kleine akustische „Sprengsätze“ im exotischen La-Olá-Kosmos wirken. Delikat ist auch die Modulationsfähigkeit über das Resonanzloch. Beim Spielen kann der Oberschenkel das Loch schließen und öffnen (mehr oder weniger), was den Effekt einer Tonhöhenveränderung hervorbringt.

Fazit

Eine Trommel mit biomorpher Architektur und multiplen Klangspektren darf als innovative Bereicherung der Percussion-Szene gewertet werden. Somit ist Schlagwerk mal wieder Pionier im Bereich der Entwicklung von Wood-Drums und hat einen Hybrid designt, der Klang-Assoziationen von Bongos, Bata, Cajon und Conga in sich vereint. Dabei setzt die La Olá Drum auf fingerfertiges Spiel, fantasiegeprägte Schlagsequenzen und ebenso auf Intuition.

Mit einem klangvollen Spektrum aus hölzern-glockigen Sounds, trockenen Wood-Beats und perkussiven Attacks ist die La Olá eine inspirierende Entdeckungsreise wert. Die Preisempfehlung des Herstellers treibt einem vielleicht eine Schweißperle auf die Stirn, doch der Street-Preis liegt derzeit knapp unter 800 Euro. Für diese Investition erhält man ein innovatives Schlaginstrument, das die Messlatte an Sound- und Groove-Möglichkeiten neu definiert. Die La Olá Drum wird in der Percussion-Szene sicherlich Wellen schlagen.

Facts

Hersteller

Schlagwerk

Herstellungsland

Deutschland

Modell

La Olá Drum

Korpus

Birke 8-lagig

Schlagfläche

Birke

Maße

67 x 26 x 20 (L x B x H)

Features

Biomorphes Design, Hybrid-Instrument mit vier Spielzonen für multiple Sounds, inklusive Add-Ons (Buzz Board und Multiclap) und Transporttasche

Internet

schlagwerk.com

Preis (UvP)

€ 950,–


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Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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