Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470
Mikrofone für Drum-Recording

Test: SE Electronics V-Kick, V-Beat, V7X & SE8 Stereo Set

(Bild: Dieter Stork)

SE Electronics aus China fertigt schon seit fast 20 Jahren Mikrofone, die sich auch sehr gut für den Einsatz an Drums eignen. Für diesen Test erhielten wir die aktuellen, speziell für den Einsatz an Drums konzipierten Drum-Mikrofone V-Kick und V-Beat (inkl. der V-Clamp), das Instrumenten-Mikrofon V7X sowie ein abgestimmtes Stereo-Paar der SE8 (Overhead-) Kleinmembran-Mikrofone. 

Test: Axel Mikolajczak
Fotos: Dieter Stork

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SE V-KICK

(Bild: Dieter Stork)

Das V-Kick macht mit seinem Ganzmetallgehäuse und immerhin 486 Gramm Gewicht einen robusten Eindruck und ist sehr gut verarbeitet. Durch die geringen Abmessungen von gerade mal 60 mm Durchmesser und 135 mm Länge lässt sich das Mikrofon leicht auch durch ein nur kleines Loch im Resonanzfell der Bassdrum sehr gut platzieren und ausrichten. Unter dem Mikrofonkorb befindet sich außer der Kapsel mit Supernierencharakteristik ein integrierter Shock Mount für die Kapsel sowie ebenfalls ein integrierter Windschutz. Die Halterung für ein Mikrofonstativ sowie eine XLR-Buchse befinden sich in einem integrierten, schwenkbaren Teil des Mikrofonkorpus.

(Bild: Dieter Stork)
Auf der Rückseite des Korpus-Teils in dem sich die Kapsel befindet, sind zwei Schalter integriert, die zwischen je zwei „Classic“ und „Modern“ Pre-EQ-Einstellungen wählen lassen. Mit dem rechten Schalter lässt sich ein leichter Peak um 5 kHz mit relativ starkem Roll-off ab dem oberen Präsenzbereich um ca. 8 kHz einstellen, mit dem linken Schalter eine Absenkung des Mittenbereichs zwischen ca. 2,5 bis heran an 4 kHz vornehmen. Eine allgemeine Signalabschwächung durch einen Pad-Schalter ist hier nicht vorgesehen, ebenso wenig ein Roll-off im Bassbereich.
Auffällig ist zunächst, dass dieses Mikrofon sehr saubere Signale liefert, was für die Wirksamkeit des integrierten Shock Mount spricht, der die Kapsel effektiv von Vibrationen und Erschütterungen entkoppelt. Das dürfte sich vor allem bei Live-anwendungen im Bühnenbetrieb positiv bemerkbar machen. Der vom V-Kick aufgenommene Bassdrum-Sound kann durch die vier Schaltereinstellungen je nach Geschmack „pre-equed“ werden, wobei die beiden „Classic“-Einstellungen jeweils etwas dunkler, doch glücklicherweise nicht dumpf ausfallen. In den „Modern“-Einstellungen wird rechts der Präsenzbereich etwas stärker angehoben und der Roll-off setzt etwas höher ein. Mit dem linken Schalter findet in der „Modern-Einstellung eine geringere Absenkung des Mittenbereichs statt. Vereinfacht könnte man sagen, dass die „Classic“-Einstellungen eher den fundamentalen Ton als den Attack favorisieren, während die „Modern“-Einstellungen einen gewissen Fokus auf den Kicksound legen, was sich durch die Formel „Classic = Bassdrum, Modern = Kickdrum“ ausdrücken lässt. Alle vier Einstellungen liefern bereits eine sehr gute Grundlage, die sich mittels Nachbearbeitung per Equalizer und Kompressor noch beliebig formen lässt, falls man das denn noch möchte.

SE V-BEAT

(Bild: Dieter Stork)

Auch beim V-Beat finden wir wieder den „zweigeteilten“ Ganzmetall-Mikrofonkorpus wie beim V-Kick. Im Kapselbereich (Superniere, 30 hz bis 19 kHz) findet sich ebenfalls integrierter Shock Mount und Windschutz. Im schwenkbaren Bereich stehen dann auch wieder das Gewinde für ein Mikrofonstativ sowie der XLR-Anschluss zur Verfügung. Schalter für eine freuquenzmäßige Pre-EQ-Voreinstellung gibt es hier nicht, wahrscheinlich wie das Mikrofon für den Einsatz an Toms, Snare und Percussion gedacht ist und hier zu zahlreiche Voreinstellungen den unterschiedlichen Geschmäckern entsprechend zur Verfügung gestellt werden müssten.

(Bild: Dieter Stork)
An den Toms macht das V-Beat einen recht ordentlichen Eindruck und liefert einen guten Attacksound und klaren Punch. 10″ bis 14″ Toms werden somit gut in Szene gesetzt. Lediglich bei Floor-Toms ist der Bassbereich etwas unterrepräsentiert, dafür dröhnt aber auch nichts in den Tiefmitten rum. Auch hier sind die insgesamt sehr sauberen Signale dank des integrierten Shock Mount wieder ein Plus. Sollte man ein wenig Fülle bei größeren Toms vermissen (was wohl eher beim Einsatz im Studio denn live der Fall sein dürfte), so lässt sich dies weitgehend mit wohldosiertem EQ und Kompressor ausbügeln.
An der Snare konnte uns das V-Beat nicht so ganz überzeugen. Zwar war der Sound vordergründig sehr klar, allerdings fehlte der gewisse Punch und auch der Snareteppich-Klang war etwas unterrepräsentiert. Sicherlich kann man mit entsprechender Nachbearbeitung aus den wie erwähnt sehr sauberen Signalen noch einiges herausholen, doch wie sich im weiteren Verlauf dieses Test noch zeigen wird, bietet hier SE Electronics noch eine viel bessere Lösung an.

SE V-CLAMP

(Bild: Dieter Stork)

Zur direkten Montage des V-Beat-Mikrofons an den Spannreifen der Toms bietet SE Electronics die V-Clamp an. Hierbei handelt es sich um eine Kunststoffklemme mit einem integreren, kurzen Mikrofonstativrohr mit Gewinde und Rändelschraube zur Mikrobefestigung. Die Kunststoffklemme wird am Spannreifen fixiert (was recht einfach geht) Die Klemme sitzt dann allerdings sehr „spack“. Eigentlich lässt sich nur die am nächsten zum Spannreifen gelegene der drei Aussparungen zur Positionierung wirklich nutzen, denn für die beiden weiteren ist das Ganze einfach zu starr. Problematisch wird es beim Lösen der V-Clamp vom Spannreifen, hier ist zumindest bei den ersten An-und Ab-Montagen schon ordentliches Zupacken angesagt.
Die V-Clamp funktioniert bezüglich der Mikrofonpositionierung recht ordentlich bei Mikrofonen mit integrierter schwenkbarer Halterung (wie eben dem V-Beat), denn nur so ist eine Positionierung der Kapsel im gewünschten Winkel zum Fell möglich. Die Höheneinstellung (Abstand über dem Fell) durch Verschieben des Mikrofonstativrohrs ist wohl für nahezu alle Anwendungen ausreichend. Probleme könnte es bei allerdings bei kleinen Toms (8″ und 10″) geben, denn obwohl das V-Beat gar nicht mal so groß ist, ragt es bei Befestigung mit der V-Clamp schon ein wenig weit in das Tom hinein.

SE V7X

(Bild: Dieter Stork)

Das so genannte „Instrumenten“-Mikrofon ist unser Geheimtipp für die Snaredrum! Technisch betrachtet ist dieses Mikrofon mit Supernierencharakteristik ein wenig kleiner und entsprechend auch etwas leichter als das V7 („Vocal-“) Mikrofon von SE, außerdem weist es einen um 10dB erweiterten Frequenzgang bis auf 30 Hz hinunter auf und bleibt bis rauf nach 19 kHz relativ linear, mit einer leichten Absenkung in den Mitten zwischen 3 bis 4 kHz. Auch bei diesem Mikrofon ist die Kapsel mit einem integrierten Shock Mount versehen. Zusammen mit der starken Richtwirkung der Superniere ergibt sich ein sehr sauberes und klares Eingangssignal ohne Störgeräusche und mit wenig Übersprechungen.
Um es kurz zu machen: Die unbearbeiteten Basic Sounds dieses Mikrofons bei allen „handelsüblichen“ Positionierungen an der Snaredrum machen das V7X allen uns bekannten Mikrofonen in seiner Preisklasse und vielen in der darüber liegenden überlegen, teils sogar sehr deutlich. Insgesamt liefert das V7X mit sehr gutem Pegel mehr Punch und Brillanz im Attack, fokussierten und klaren Ton und eine deutlich höhere Ausprägung des Snareteppich-Klangs. Und weil es so schön war, haben wir das Mikrofon an diversen Snaredrums unterschiedlicher Größen Materialien und mit unterschiedlichen Fellen getestet, mit dem erstaunlichen Fazit, dass die – wohlbemerkt unbearbeiteten – Sounds dieses Mikrofon in dem meisten Fällen sowohl den Drummern als auch den Toningenieuren sehr gut gefielen.

SE 8 STEREO SET

(Bild: Dieter Stork)

Die SE8 Mikrofone gibt es nicht nur einzeln, sondern auch als abgestimmtes Paar, das dann auch gleich mit einem schicken Koffer geliefert wird, der die beiden Mikros sowie die mitgelieferten Halterungen, Windschutz und auch gleich noch eine ca. 30 cm lange Schiene enthält, über die beide Mikros an nur einem Mikrofonstativ befestigt werden können, was für einige Aufbaukonstellationen bei Stereoaufnahmen sehr hilfreich sein kann. Wie alle Kondensatormikrofone benötigen diese eine 48V-Phantomspeisung vom Mischpult.

(Bild: Dieter Stork)
Das SE8 Kleinmenbran-Mikrofon in typischer Stift-Form überzeugt mit einem robusten Metallgehäuse, in das zwei Schalter integriert sind. Zum einen handelt es sich um einen Eingangssignal-Pad-Schalter zur Einstellung/Abschwächung des Eingangspegels in drei Stufen (+/- o dB, -10 dB und -20 dB) und einen Schalter für zweistufigen Low Cut Frequenz-Roll-off (unter 160 Hz und unter 80 Hz, jeweils 6dB/Oktave). Durch die Abschwächung des Eingangssignals kann so ein Grenzschalldruckpegel von immerhin 159 dB/SPL bei -20 dB erreicht werden, was diese Mikrofone absolut schlagzeugtauglich macht.
Das SE8 ist als „Kleinmembraner“ mit seiner entsprechend schnellen Ansprache beim Einsatz am Drumset natürlich für die Abnahme der Cymbals prädestiniert, doch auch den Gesamtsound des Drumsets können sie mit klaren Attacks und sauberen Präsenzen sehr gut in Szene setzen. Sehr gut lassen sich – je nach EQ/Kompressions-Einstellungen – die Attacksounds der Snaredrum sowie der Toms/Floor-Toms die Close-Mics unterstützend im Gesamtmix einsetzen. Cymbals und Hi-Hat werden von den SE8 Mikrofonen im Stereobild fein aufgelöst abgebildet. Favorisiert man einen „natürlichen“, akustischen Drumsound bei nicht allzu hohen Lautstärken, so lässt sich mit einem SE8 Mikrofonpaar plus einem unterstützenden Bassdrum-Mikro das komplette Drumset schon fast so aufzeichnen, wie es „au naturel“ tatsächlich klingt.

FAZIT

(Bild: Dieter Stork)

Mit V-Kick und V-Beat bietet SE Electronics zwei gute Mikrofontypen für den Einsatz an Bassdrum bzw. Toms an. Beim V Kick gefallen die vier voreinstellbaren Klangcharakteristiken, bei beiden Mikrofonen zudem die einfache Handhabung bezüglich Positionierung und die durch die integrierten Shock Mounts sehr sauberen Signale. Dies gilt auch für das V7X Instrumental-Mikrofon, das sich als unser Geheimtipp und Favorit für den Einsatz an der Snaredrum herausstellte. Bitte unbedingt ausprobieren, das könnte eine echte Überraschung sein!
Überzeugen konnten uns auch die SE8 Stereo Set Mikrofone im Overhead-Einsatz. Je nach EQ- und Kompressionseinstellungen lassen sich hier sehr gut die Cymbals herausstellen oder ein schön integrierter Gesamtmix des Drumsets zu den Close Mics addieren oder in Verbindung mit einem Bassdrum-Mikro ein schöner Akustik-Set-Sound realisieren. Die besonderen Features (wie z. B. integrierter Shock Mount) sowie die Material- und Verarbeitungs-Qualität aller Test-Mikrofone zeigte sich als sehr gut, vor allem in Anbetracht der jeweiligen Preisklasse. Da kann man nur eins empfehlen: Ausprobieren!

FACTS

Hersteller: SE Electronics
Herkunftsland: China

Vertrieb: Mega Audio
Internet: megaaudio.de

Preise (UvP)
V-Kick: € 219,–
V-Beat: € 166,–
V-Clamp: € 39,–
V7X: € 99,–
SE8 Stereo-Set: € 379,–

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Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

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