Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
Satte Sounds einer Power-Cajon

Test: Soundcorner OktaJon

(Bild: Dieter Stork)

Auch wenn der Mainstream lange schon Einzug in die Cajon-Fertigung gehalten hat, so lassen sich kreative Geister nicht davon abhalten, die ursprüngliche Cajon mit inspirierten Ideen weiter zu entwickeln. Unter diesem Aspekt tritt ein neues Modell in den Fokus, das alle bisherigen klang- und fertigungs-tradierten Formate des konventionellen Flamenco Quaders regelrecht aus den Angeln hebt. Die OktaJon kommt aus deutscher Herstellung und entsteht in der kleinen Soundcorner-Manufaktur nach den Konzepten ihres geistigen Schöpfers Uli Abbenhaus.

Test: Tom Schäfer
Fotos: Dieter Stork

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KREATIVZELLE SOUNDCORNER

Die Liebe zum Holz und von Hand gefertigte Einzelmodelle bestimmen die Philosophie der Soundcorner-Manufaktur, die konzeptionell nicht auf Massenproduktion setzt, sondern alle Energie in die Fertigung unikater Einzelstücke investiert. Zwei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in der OktaJon. Und man kann durchaus von einer Weltneuheit reden, denn weder in der Formgestaltung noch vom Sound-Potenzial hat es vorher eine Cajon gegeben, die ein derartig schubkräftiges Bassfundament liefert. Mit der OktaJon begegnet man einem Schlagzeug-affinen Groove-Monster, das neben Kickpunch und fetten Snarebeats ein überraschendes Spektrum an Wood-Drumsounds in multipler Personalunion vereint.

ACHTECKIGES CHASSIS

Wie aus der Bezeichnung OktaJon hervorgeht, sattelt der Korpus auf einer achteckigen Konstruktion. Dabei erinnert die volumige Wood Drum im ersten Moment an eine aufrechte „Pow Wow Drum“, während der Blick über die Achteck-Symmetrie und die feine Zusammensetzung verschiedener Holzsegmente schweift. So ist der hohe Korpus aus kräftigen Birken-Schichtholz-Segmenten zusammengesetzt, die mit satter Verleimung einen soliden Body zur Verfügung stellen. Und hier macht sich auch schon die erste Besonderheit bemerkbar.
Denn die OktaJon misst 52 cm Höhe und sorgt damit für ein angenehmes Sitzgefühl, dessen Komfort zudem noch von einem Sitz-Pad unterstützt wird. Letzteres besteht aus einer anschmiegsamen Zellgummiverbindung, die gleichsam schmutzabweisende und wärmeisolierende Eigenschaften liefert. Der gesamte Korpus ist mit Schellack überzogen und veredelt die feinen Zeichnungen der Naturoberfläche.
Ein zweites Novum findet sich in der zweifachen Schlagflächenbestückung vorne und hinten. Erwartungsgemäß werden hier unterschiedliche Sounds zur Verfügung gestellt, die mittels konstruktiver Tricks ein spannendes Spektrum an perkussiven Klangmöglichkeiten liefern (doch dazu später mehr).

Vordere Beech Black Spielfläche: Die 5-lagige Buche ist auf des Birkenholz-Chassis aufgeschraubt. (Bild: Dieter Stork)

Bei der OktaJon hat die klassische Quader-Front-Platte ausgedient und stellt als Eyecatcher eine Okto-Symmetrie in den Fokus. Die vordere Spielfläche zeigt eine schlanke 5-ply Buchenholzplatte, die ringsum auf den Body mit versenkten und brünierten Schrauben aufgesetzt ist. Eine dunkle Hydro-Beize sorgt für Kontraststärke zwischen der „Beech Black“-Optik und dem hellen Ton des Birken-Polygons.

Die rückseitige, verleimte Buchenplatte ist ideal für Pedal-Beats. (Bild: Dieter Stork)

Eine zweite Spielfläche findet sich auf der Rückseite in Form einer aufgeleimten 5-ply Buchenholzplatte in Naturoptik. Sie dient als alternative Spielfläche für Handspielweisen und ist als starke Buchenplatte zusätzlich auf Fußmaschinen-Beats ausgerichtet. An die OktaJon kann nämlich jedes handelsübliche Cajon-Pedal angedockt werden, so dass die Groove-Kiste eine regelrechte hybride Funktion aus Schlagzeug und handgespielter Cajon bietet. Die gesamte Verarbeitung ist großartig und zeigt ein bis ins Detail feines Handwerk des Cajon-erfahrenen Kreativ-Workers Christoph Franzen.

ZWEI SNARES & DIE WELT DES POLYGON-GEWÖLBES

Der Blick ins Innere gelingt durch das seitlich (!) integrierte Resonanzloch, das auf „19-Uhr-Position“ (Sicht von vorne) schräg Richtung Boden ausgerichtet ist. Innen drin begegnet das Auge einer großen achteckigen Gewölbekammer, die in erster Linie der Klangentfaltung dient und dank des volumigen Korpus auch eine gewisse Affinität für spürbaren Schalldruck aufweist. Die Geräumigkeit des Hohlkörpers wird lediglich durch zwei unscheinbar wirkende Elemente akzentuiert.

Die zwei eingebauten Snare-Traversen: Mittels Schieber kann die Ansprache des Effekts justiert werden. (Bild: Dieter Stork)

So sind rechts und links in den äußeren Eckflanken zwei senkrecht verlaufende Snare-Traversen verbaut. Eingeklinkte Holzleisten dienen als Befestigung der beiden 20-spiraligen Snare-Teppiche. Diese drücken vorgespannt gegen die äußeren Zonen der Schlagflächenrückwand. Das ganze System kann mit einem Handgriff ein- und ausgeklinkt werden. Die Traverse ist nicht nur clever gemacht, sondern zeigt auch Know-how hinsichtlich ihrer individuellen Justierbarkeit. So kann ein mit Filz beschichteter Schieber bewegt werden, der wie ein Schlitten zwischen Holztraverse und Spiralteppich wandert, um den Snare-Effekt in seiner Ansprache/Intensität einzustellen. Bringt man beide Dämpfer in Mittelstellung, so ist der Snare-Effekt nahezu ausgeschaltet. Durch die Stereo-Anordnung der Snares lassen sich unterschiedliche Effekte rechts und links einstellen. Klasse gemacht!
Ein zweites unscheinbares Element sind zwei kleine Holzplättchen, die im Verlauf der Mittelachse auf der vorderen Spielflächenrückwand aufgesetzt sind. Diese „Tune-Hölzchen“ dienen (laut Hersteller) der klanglichen Feinjustierung der „Beech Black“-Front.

SOUND

Schon der erste Schlag sorgt für große Überraschung! Was hier an Bassvolumen rauskommt, ist im Vergleich zu klassischen Flamenco-Modellen außerordentlich stark. Warme und raumfüllende Bässe pulsieren aus dem Schallloch und versorgen die OktaJon mit mächtigem Tiefenfundament. Dieser Bass-gesättigte Sound ist ein signifikantes Charakteristikum der OktaJon, die aufgrund ihres Klangmerkmals als wahrscheinlich einzige (Sitz)-Cajon mit derart ausgeprägtem Tiefenbereich bezeichnet werden kann. Dabei scheint der Cajon-Kessel regelrecht zu summen, während die Vibration der Spielfläche – fast wie bei einer großen Felltrommel – auch in den Händen spürbar ist. Dabei kommt der Bass kontrolliert daher und schwingt nicht allzu lange, so dass die Klarheit einzelner Schläge aber auch die Transparenz im Spielfluss erhalten bleibt.

Ein nach unten abstrahlendes Resonanzloch pumpt satte Bässe nach außen. (Bild: Dieter Stork)

Je weiter man von der mittigen Spielposition mit den Händen nach außen wandert, desto trockener und perkussiver wird der Klang. Jetzt kommen die gewohnten klassischen Cajon-Snaresounds zum Ausdruck, während der tiefenbetonte Bassgehalt abnimmt. Ganz oben können zudem knackige Clapcorner Attacks gespielt werden.
Die Snares reagieren insgesamt spontan und schenken dem durchweg warmtönenden Sound crispe Nuancen, die insbesondere Schlagzeug-verwandte Grooves kontraststark inszenieren. Dabei sirren die Saiten dezent und kontrolliert mit seidiger Note. Sie klingen weder spitz noch aufdringlich, sondern fügen sich der dunkleren Schattierung des tiefen Kisten-Sounds. Wer es trocken vom Sound her mag, der bringt die Snare-Dämpfer ganz einfach in Mittelposition und schon ist der Snare-Effekt auf „off“ geschaltet. Das funktioniert im Handumdrehen und 1A. Sehr praktisch!
Die OktaJon liebt auch das intuitive Spiel und es ist überaus ratsam, die verschiedenen Zonen der Spielfläche zu erkunden, um nuancenreiche Variationen an perkussivem Klangmaterial zwischen akzentstarken Clapcorner-Beats, knackigen Attacks, trockenen Woodsounds und „pumpenden“ Bässen zu entdecken.
Vom Charakter ähnlich, aber vom Ton etwas höher angelegt produziert die Buchenholz-Membran der Rückseite eine ebenso ausgeprägt trocken pulsierende Bassaktivität. Rückseitig hat man auf die Snare verzichtet, insofern der Sound eher in Richtung „Peruvian Style“ tendiert. Dabei verhält sich die große Spielfläche variabel und übersetzt die verschiedene Schlagvarianten unmittelbar in Sound. Je nach Anspielzone sind Conga- oder auch Bongo-verwandte Klänge zu hören. Zudem fällt die extrem gute Trennung zur Snare auf, die ausschließlich auf der vorderen Spielfläche aktiv ist.

EINSATZ EINES CAJON-PEDALS

Die Oktajon ist geradezu prädestiniert für den Einsatz eines Fußpedals, die man logischerweise von hinten arbeiten lässt (verleimte Schlagfläche). So ist die gesamte Spielflächen-Front dem freien und ungehinderten Spiel der Hände vorbehalten. Handelsübliche Cajon-Pedale (z.B. mit Schienenbefestigung) können problemlos angedockt werden. Je nach Schlägelart entwickelt die OktaJon ordentliche Kickbeats, die sich durchaus mit Kraft zu behaupten wissen. Dabei seien eher mittelfeste bis weiche Beater empfohlen (Kopf mit Filz, Schaumstoff o.ä.), um anstelle eines harten „Klopfgeräuschs“ mehr Milde und warme Kicks walten zu lassen.

OPTIONEN

Neben den erhältlichen „Beech Black“ und „Santos“ Furnier-Designs bietet Soundcorner auch individualisierte Gestaltungsmöglichkeiten an. So können Kundenwünsche in Sachen Farbvarianten, Furnier oder auch eigener Signatur berücksichtigt werden. Da jede OktaJon einzeln in Handarbeit gefertigt wird, sind entsprechende Lieferzeiten natürlich zu berücksichtigen. Zudem arbeitet man an Zubehörteilen wie Brusher, speziellen Sticks, Gigbags und Pedalen. Zukünftig darf man also sinnvolle Ergänzungen in der OktaJon-Welt erwarten.

(Bild: Dieter Stork)

FAZIT

Schnell gleitet einem das Wort „Bassteufel“ über die Lippen. In der Tat verfügt die OktaJon über einen ausgeprägten Tiefenbereich, der seine Macht ausspielt und diesem Beech Black Model Einzigartigkeit verleiht. Exklusiv ist auch das Okto-Design der in Deutschland handgefertigten Wood Drum, die mit zwei Snare-Traversen und zwei immens großen Spielflächen aufwartet.
Durch das weite Klangspektrum beider Spielflächen, die eine lebendige Interaktion zwischen Bassdrum-artigem Punch, Bongo-Sounds, Clapcorner-Attacks, trockenen peruvian style Beats und mild rauschenden Snare-Beats ermöglichen, wirkt die OkataJon wie eine hybride Cajon, die unterschiedliche Trommelsounds in sich vereint und damit über das klassische Klangformat der Flamenco-Cajon weit hinauswächst. Dies ist eine großartige Trommel für Schlagzeug-affine Spieler und solche, die den satten Groove-Zauber lieben.

FACTS

Hersteller:  Soundcorner
Herkunftsland: Deutschland
Modell: OktaJon

Korpus: Birkenschichtholz 12 mm, 53 × 52 × 32,5 (H × B × T)
Spielfläche vorne: Buche 5-lagig, verschraubt
Spielfläche hinten: Buche 5-lagig, verleimt
Snares: zwei 20-spiralige Traversen
Erhältliche Finishes: Beech Black und Santos Edelfurnier
Features: Achteck-Korpus, Schelllacküberzug, justierbare Snares, zwei Spielseiten, Rückseite für Cajon-Pedale geeignet, seitliches Resonanzloch nach unten abstrahlend, Sitz-Pad (Zellgummi, 12 mm)

Internet: oktajon.de
Preise (UvP)
OktaJon: ca. € 449,–
Sitz-Pad: ca. € 22,–

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Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470

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