Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Salsa goes Rockmonster!

Test: Stainless Steel Snaredrum vom Percussion-Hersteller LP

Stainless Steel Snaredrum vom Percussion-Hersteller LP(Bild: Dieter Stork)

Ein 14 x 8,5-Zöller Kessel aus Stainless Steel, vierundzwanzig (24!) Spannböckchen, ein 42-spiraliger Snare-Teppich und gut 5 Kilo auf der Waage: Das alles ist die LP Banda Snare. Ein fettes Modell, das vor spiegelnden Chromflächen nur so strotzt und dessen klare Felle den Blick auf den tiefen Monsterkessel akzentuieren. Die Frage ist nur: Wieso baut ein prominenter Percussion-Hersteller eine solche Snaredrum?

Laut LP beruht die Idee auf verschiedenen Aspekten. Zum einen kann die nach Concert-Snare anmutende Trommel als Ergänzung zu Timbales eingesetzt werden. Andererseits findet das klanglich kräftige Modell im Kontext der lebhaften Banda-Musik ein Zuhause – was sogleich den Begriff „Banda“ in den Raum stellt. Also: „Banda“ bezeichnet im Prinzip eine Band im Sinne einer „Musikkapelle“. Jedoch ist der Begriff kulturell recht ausgedehnt und findet sich bei traditionellen kubanischen Timba-Bands genauso wie in der mexikanisch populären Volksmusik oder bei konzertanten Blasmusik-Kapellen in Spanien und ebenso im American Salsa. „Banda“ ist also ein Begriff für eine im größeren Musikerverbund gespielte Musik, die einen volkstümlich traditionellen Bezug hat.

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Vor diesem Hintergrund erscheint die LP Banda Snare allerdings wie ein hochmodernes Future-Objekt. Und der spontane Eindruck des elegant designten Modells transportiert so viel Potenzial, dass diese Trommel mühelos den traditionellen Kontext durchbricht und sich als Monster- Snare ebenso ins Rampenlicht der Pop- und Rock-Musik schiebt.

Konstruktion

Die Banda Snare verlockt mit einer technisch überaus schicken Ästhetik. Viel Chrom sorgt für ein edles Finish, das vom Design matter Alu-Böckchen akzentuiert wird. Der Stainless-Steel-Body verfügt über zwei nach außen gepresste Kesselsicken und umgebördelte Kesselränder. So erhält der nach LP-Timbales-Manier gebaute Kessel seine Stabilität. Eine hauchfeine Schweißnaht ist nur innen zu erkennen. Zudem gibt es ein schlankes Snare- Bed für eine verbesserte Auflage des Spiralteppichs. Und hier erhält der Begriff „Teppich“ dann auch eine adäquate Bedeutung, denn mit 42 Spiralen ist dieser wirklich ein echter „Breitläufer“ – „geknüpft und verdrahtet“ in Taiwan. Bei der Abhebung handelt es sich um eine funktionale Lö- sung mit breiter Kipphebelmechanik und Rändelschraube zur Einstellung der Teppichspannung. Das System stammt aus dem Fundus der DW-Schlagzeug- Herstellung und findet hier eine sinnvolle Zweitverwertung. In vielen Details zeigt die Banda Snare eine saubere Verarbeitung und stellt damit unter Beweis, dass man durchdachte Lösungen für ein gutes Musikinstrument umgesetzt hat. So gibt es schlank designte Vollmaterial-Alu-Böckchen, die auf Kunststoffprofilen lagern. Auch die Stimmschrauben verfügen über Metall- sowie Kunststoff-Unterlegscheiben und lassen sich geschmeidig in die Böckchengewinde drehen. Serienmäßig kommt die Banda Snare mit dreifach geflanschten Spannreifen sowie einem doppelschichtigen, transparenten Schlagfell. Die blitzende Chrom-Snare bietet bautechnisch und optisch keinerlei Anlass einer Kritik.

Konzept

Schon die Vielzahl der 24 Stimmschrauben (12 oben, 12 auf der Resonanzseite) deutet darauf hin, dass diese Snare im konzertanten Fine- Tuning-Bereich agieren möchte. Für Orchesteraufführungen oder Aufnahmen mag das durchaus Sinn machen – im Rock’n’Roll oder in der unterhaltenden Banda- Musik scheint diese Ausstattung etwas overdressed. Zudem ist sie aufgrund ihrer Größe und des Gewichts an eine Stativposition gebunden. Fakt aber ist, dass diese Snare extrem unterschiedliche Tunings zwischen low- und high-pitched verträgt und damit über eine Bandbreite an Klangmöglichkeiten verfügt, die sich vom traditionellen Banda-Einsatz über Latin- Optionen bis hin zum gerockten Backbeat erstrecken.

Stainless Steel Snaredrum vom Percussion-Hersteller LP(Bild: Dieter Stork)

Sound

Durch den 8 1/2″ tiefen Stainless-Steel-Kessel ist keine Flüstertrommel angesagt, sondern ein schweres Kaliber, das die Offensivität als charakteristisches Merkmal beansprucht. Dabei kann die Banda Snare sehr unterschiedlich agieren, je nachdem welches Tuning man ihr angedeihen lässt. In einer standardmäßigen Medium-High-Stimmung paart sie crispes Höhenrauschen der Teppichansprache mit dem kräftigem Druck des wuchtigen Kessels. Der Klang ist recht feinfühlig und auch die Snares reagieren sensibel – sowohl bei dezenten Schlägen am Fellrand wie auch satten Backbeats in der Fellmitte. Nicht zu leugnen ist die klare Präsenz der Trommel und ihre voluminöse Durchsetzungskraft, die mit einer leichten Kühle der Metallkessel-Charakteristik einhergeht. In dieser Stimmlage erzeugt die Banda einen guten Körperdruck im Sinne einer kräftigen Pop-/Rock-Snare.

Spannt man das Fell richtig hoch, so wird der Sound erwartungsgemäß trockener, ohne dass der Klangcharakter des Stahlkessels verloren geht. In diesem high-pitched Zustand mutiert die Snare (klanglich) zu einer akzentstarken Trommel im Sinne einer Timbale oder auch Repinique. Gerade mit abgespanntem Teppich entwickelt sie kernige Short-Attacks für effektvolle Fill-Ins oder akzentuierte Groove-Pattern im Kontext einer Banda-Session.

In der extremen „Tiefton“-Variante mit runtergestimmten Fellen (bis kurz vor dem Faltenwurf) überrascht die Banda Snare durch nahezu trockene Kraft- Beats, die Erinnerungen an die „Oomph“-Sounds der 80er-Jahre aufkommen lassen. Allerdings reagiert der Vielspiralen-Teppich hier recht aktiv – fast zu aktiv – so dass eine ausgeprägt bis übertriebene Felldämpfung zu einem funky Sound-Ergebnis führt.

Auch muss die Spannungs/Stimm-Korrespondenz zwischen doppelschichtigem Schlagfell und hauchfeinem Reso-Fell sowie die Teppichspannung aufeinander abgestimmt werden, um den trocken-matten 80s-Effekt in Form zu bringen. Als Pop- und Rock-Snare (medium/high) entfaltet die Banda Snare ihr größtes Potenzial. Dank des Kesselvolumens bietet sie eine intensive Backbeat-Power mit gutem Körperdruck. Zudem kann sie Rimshots regelrecht meißeln und bei Rimclicks einen deutlich definierten „Click“ hervorbringen.

Stainless Steel Snaredrum vom Percussion-Hersteller LP(Bild: Dieter Stork)

Fazit

Die Extravaganz steht ihr auf den Leib geschrieben. Ein 8,5″ tiefer Stainless-Steel-Kessel im spiegelnden Chrommantel, akzentuiert von 24 schick designten Alu-Single-Böckchen und einer kristallklaren Fellbestückung, erzeugt eine gewisse EyecatcherÄsthetik. Groß und viel scheint die konzeptionelle Ausrichtung dieser Snare zu sein, die auch klanglich eine Menge drauf hat. Mit forschem Ton kann sie den durchsetzungswilligen Beat einer klassischen Banda anführen. Auch Latin-affine Sounds stehen ihr gut, und je nach Tuning reicht ihr Talent von der sensiblen Concert-Snare bis hin zur rockigen Backbeat-Snare.

Die Banda ist eine Snare mit vielen Extravaganzen. Dazu zählt die gute Verarbeitung genauso wie die Klangvariabilität. Abseits der Percussion-affinen Timba-, Salsa- und Banda-Styles überrascht die Banda als prädestinierte Backbeat-Snare, die sich bei Bedarf auch als druckvolles Rockmonster entpuppt. Und zwar richtig laut!

Facts

Hersteller

LP

Herkunftsland

Thailand

Kessel

14″ x 8,5″ Stainless Steel, 5,2 kg

Oberfläche

Chrom

Hardware

24 Alu-Single-Lugs, dreifach geflanschte 3mm Spannreifen, Snare-Teppich-Abhebung (DW) einseitig justierbar, Snare-Teppich mit 42 Spiralen und Plastikstreifenbefestigung

Vertrieb

Gewa

Internet

lpmusic.com

gewamusic.com

Preis (UvP)

€ 262,–


(aus STICKS 05-06/2019)

// [8602]

Produkt: Sticks 07-08/2019
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