Extreme Hämmerung für komplexe Sounds

Test: Istanbul Mehmet Hamer Cymbals

Istanbul Mehmet Hamer Cymbals(Bild: Dieter Stork)

Den Begriff „Hamer“ als Ableitung von „Hammer“ zu verstehen ist hier naheliegend, denn die Cymbals von Istanbul Mehmet tragen ihren Namen zu Recht: Eine zusätzliche extreme Hämmerung mit vereinzelten, großen und tiefen Einschlägen verleiht ihnen sehr spezielle, dynamische Sounds.

Mit „Classic“, „Split“ und „Flange“ stehen in der „Hamer“- Serie drei unterschiedliche Varianten von Crash-Cymbals zur Verfügung. Erhältlich sind diese in den Größen von 14″ bis 20″. Mit „Warm“ und „Dry“ sind zwei unterschiedliche Ride-Cymbal-Versionen erhältlich, jeweils in den Größen 20″, 21″ und 22″. Hi-Hat-Cymbals gibt es in den Größen von 10″ bis 16″, hier bietet Istanbul Mehmet lediglich einen Typ an, der in der Konstruktion in etwa den „Warm Ride“- und „Split Crash“-Cymbals entspricht. Zusätzlich wird das Programm der „Hamer“-Cymbals durch Splash- und China- Modelle abgerundet. Aus diesem umfangreichen Sortiment haben wir zum Test eine große Auswahl erhalten.

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Technisches

Gefertigt wird mittels traditioneller Methoden in Handarbeit in der Türkei. Das Ausgangsmaterial ist die B20-Bronzelegierung, und jedes Cymbals entsteht aus einem individuellen Gussrohling – ein bewährtes System, das viele Möglichkeiten der Klangbearbeitung zulässt. Um die gewünschten komplexen Sounds erzielen zu können, hat Istanbul Mehmet für die „Hamer“-Cymbals bei allen Modellen eine markante zusätzliche Hämmerung verwendet. Diese besteht aus vereinzelten, daumendicken und tief gesetzten Hammereinschlägen, die in erster Linie auf dem Profil aufgebracht werden.

Eine Ausnahme bilden die „Flange“ Crash-Cymbals: Die Hämmerung wird im Randbereich intensiviert, dichter gesetzt und so ausgeführt, dass dieser Bereich im Verhältnis zum sanft verlaufenden Bogen des Profils etwas „gerader“ wird. Damit entsteht zwar noch kein typisches China-Cymbal mit umgebogener Krempe, aber immerhin ein durchaus bemerkenswerter und unkonventioneller Verlauf des Profils. Dieser Teil ist wie auch die Rückseite der Cymbals mit einem feinen Abdrehmuster versehen. Der restliche Bereich des Profils sowie auch die Kuppe sind auf der Spielseite naturbelassen. Während das Profil eine Basis- Hämmerung aus kleinen, dicht gesetzten Einschlägen aufweist, ist die Kuppe nicht gehämmert.

Die „Split“ Crash-Cymbals zeigen auf der Spielseite ebenfalls die zwei unterschiedlichen Bearbeitungstechniken, lediglich auf die intensive Bearbeitung des Randbereichs wie bei den „Flange“ Crash-Cymbals wurde logischerweise verzichtet.

Die dritte Variante, die „Classic“ Crash- Cymbals, sind auf beiden Seiten vollständig bis über die Kuppe hin abgedreht und natürlich findet sich auch hier die für alle „Hamer“-Cymbals typische, besondere Zusatzhämmerung auf dem Profil.

Die „Warm“ Ride-Cymbals, alle Hi-Hats und das Splash-Cymbal sind prinzipiell wie die „Split“ Crash-Cymbals bearbeitet. Das jeweilige Hi-Hat Bottom-Cymbal ist bei allen Modellen deutlich schwerer und fällt durchaus in die „Heavy“-Kategorie, während die Top-Cymbals eher als „Medium Thin“ einzustufen sind.

Ganz im traditionellen Stil der nicht abgedrehten Oberflächen präsentieren sich die „Dry“ Ride-Cymbals mit einer extrem dichten Hämmerung der Profile mit nicht allzu tief gesetzten Einschlägen. Darüber finden wir dann wieder die vereinzelten, daumendicken und tief gesetzten Einschläge der zusätzlichen Hämmerung. Auch diese Cymbals sind recht leicht und dünn, dennoch erweisen sie sich aufgrund der starken Hämmerung als relativ verwindungssteif. Die Kuppen sind kleiner und flacher gehalten, als man das bei diesen Größen erwarten würde.

Eine Besonderheit ist das China Cymbal mit seiner extrem breiten und stark aufgerichteten Krempe. Auf der Rückseite ist es in traditioneller Weise mit einem vollflächigen Abdrehmuster versehen, und auf der Spielseite folgt es dem Bearbeitungsmuster der „Split“ Crash-Cymbals. Natürlich findet sich auch bei diesem Cymbal auf dem Profil die spezielle Zusatzhämmerung aller „Hamer“-Cymbals.

Die Verarbeitung aller uns zur Verfügung gestellten Test-Cymbals ist erstklassig, die Idee der zusätzlichen starken Überhämmerung ist konsequent umgesetzt, und alle Cymbals sind sauber ausbalanciert.

Klangliches

Die drei Varianten der Crash-Cymbals geben innerhalb der „Hamer“-Serie wohl die beste Idee vom zugrundeliegenden Sound-Konzept wieder. Die „Flange“ Crash-Cymbals bieten dabei die spannendsten Klangwelten, die stark vom dynamischen Spiel beeinflusst werden können. Bei einem eher sanften bis hin zu mittelstarkem Anschlag startet der Attack-Sound mit dunkel und breit mit sattem Aufrauschen. Dann klippt der Sound in etwas höhere Obertöne, die mit einem mit leichtem Trash-Faktor im Decay aufwarten. Das wirkt durch eine gewisse Modulation dann auch typisch „orientalisch“. Im Sustain schwingen die „Flange“-Crashes dann wieder in ein dunkles, gleichmäßiges Rauschen ein. Spielt man kräftiger, wirkt der Attack sogar etwas „verzerrt“, und die Cymbals zeigen dabei auch schnell, wo die dynamische Grenze ist. Die Abstimmung der drei Modelle zueinander ist gelungen, dennoch finde ich das 16″ und 18″ im Zusammenhang spannender, da die Tonhöhen hier weiter auseinanderliegen.

Hämmerung im Randbereich
Die intensive Hämmerung im Randbereich sorgt für spezielle Klangnuancen. (Bild: Dieter Stork)

Die „Split“ Crash-Cymbals bieten ebenfalls eine super Dynamik, wirken im Vergleich zu den „Flange“ Crash-Cymbals allerdings insgesamt trockner und somit kompakter. Der Trash-Effekt ist interessanterweise etwas betonter, was am etwas kompakteren Attack-Sound und kürzeren Sustain liegt.

Die „Classic“ Crash-Cymbals bieten die crispen Obertöne im Attack und den typisch warmen, dunklen Grundton klassisch gefertigter türkischer Cymbals. Hier sorgt die Extrahämmerung für milde Obertöne und einen feines und kontrolliertes Rauschen im Sustain. Damit stehen also drei grundverschiede Klangcharaktere bei den Crash-Cymbals der „Hamer“-Serie zur Verfügung, die sich tonal und von der Klangentwicklung sowie Sustain-Dauer her übrigens auch ganz prima miteinander mischen lassen.

Spielzonen in Kombination mit der Extra-Hämmerung
Zwei Spielzonen in Kombination mit der Extra-Hämmerung (Bild: Dieter Stork)

Die 15″ Hi-Hat bietet durch die beiden verschieden bearbeiteten Spielzonen interessante Möglichkeiten. Angespielt mit der Stockspitze im gehämmerten Bereich des Profils entsteht ein trockener und dunkler Attack mit „holziger“ Sticksound-Note. Das Sustain ist kompakt und kurz sowie ebenfalls trocken bis erdig, so dass auch schnelle Figuren sauber artikuliert dargeboten werden. Nutzt man den Stockschaft, entsteht ein kurzes Schmatzen, das dem Klang ein wenig mehr Breite verleiht. Angespielt am abgedrehten Rand, entsteht ein leichtes Zischen im Attack, und es entstehen feine Obertöne. Bei Aufziehern blenden sich crispe Klanganteile ein und füttern den Klang mit einer trashigen, rauschenden Note. Die kleine Kuppe überzeugt mit leicht knöchernen Bell-Sound und damit einer weiteren Klangoption.

Die 16″ Hi-Hat wirkt insgesamt fetter, ist allerdings in der Ansprache und auch vom Spielgefühl her gar nicht mal träger. Wer den fetten Sound einer 16″ Hi-Hat mit etwas Trash-Anteil und trotzdem guter Artikulation sowie dem Spielgefühl und der Ansprache einer gut eingespielten Vintage Hi-Hat sucht, wird hier fündig.

Extra-Hämmerung
Die Extra-Hämmerung über einer klassisch traditionellen Bearbeitung (Bild: Dieter Stork)

Auch das 22″ Warm Ride liefert eigene Klangnuancen. Am Rand soft angespielt, liefert es einen feinen, seidigen Attack und ein sattes Rauschen im Sustain. Spielt man es etwas stärker an, entsteht sofort ein explosiver, crisper und breiter Attack, den man prima für Crash/Ride-Patterns oder angecrashte Akzente nutzen kann. Wechselt man dann sofort auf den rau belassenen Teil des Profils, hat man sofort wieder den trocken-erdigen Attack und das dunkel-kompakte Sustain für kontrolliertes Ride-Spiel zur Verfügung.

Die 21″ und 22″ Dry Ride-Cymbals machen ihrem Namen alle Ehre und sind typische Vertreter des knöchern-holzigen Attack-Sounds mit einem trocken-kompakten Sustain. Allerdings sind da noch diese leicht hintergründigen Trash- und Wash-Anteile, deren Anteile am Gesamtklang sich sehr schön durch die Anschlagstärke bestimmen lassen. Somit haben auch diese Cymbals schöne eigene Klangfacetten zu bieten.

Das 20″ Crash/Ride-Cymbal lässt sich als Ride nur bei sehr leisem Spiel wirklich effektiv nutzen. Dann bietet es einen gut definierten Attack-Sound über einem ordentlichen Grundrauschen. Der schnelle und durchaus explosive Attack beim Ancrashen wirkt recht breit und obertonreich, so dass der klangliche Fokus bei diesem Cymbal eindeutig auf dem Spiel von Crash/Ride-Patterns liegt.

Das Splash-Cymbal kombiniert ebenfalls die erwähnten Trash- und Wash-Anteile zu einem kehlig-mittigen Effekt-Sound, was es noch etwas spritziger und eigenwilliger erscheinen lässt, als man das von einem recht dünnen Splash ohnehin erwartet. Diese Sounds lassen sich übrigens auch prima mit der Hand abrufen, was das mögliche dynamische Verhalten im unteren Lautstärkebereich verdeutlicht und dieses Cymbal auch für Percusson/Cajon-Spieler sehr geeignet macht.

Stark gehämmertes Profil
Das stark gehämmerte Profil ist ideal für Ride-Patterns. Kräftige Akzente generiert man über die breite, steile Krempe. (Bild: Dieter Stork)

Spannendes hat auch das China-Cymbal zu bieten. Spielt man es mit nach oben zeigender Krempe auf dieser an, entsteht ein spritziger, obertonreicher Attack mit einer folgenden schnellen Modulation mit leichtem Trash-Faktor. Interessanterweise kippen dann die Obertöne nach oben um und werden sogar lauter – das ist doch mal was völlig anderes. Dreht man das China um und spielt es auf der Krempe an, hat der Attack einen spitzen Obertonanteil und bietet ein leicht scharfes Aufrauschen. Das Sustain besitzt ordentlich Wash und schnelle Modulation. Für Ride-Patterns kann man das nicht abgedrehte, gehämmerte Profil nutzen und wird dabei von einem knöchern-trockenen Attack überrascht, wobei das kurze, volle Sustain durch eine schnelle, kontrollierte Modulation bestimmt wird.

Fazit

Mit den „Hamer“-Cymbals hat Istanbul Mehmet einige neue, spannende Klangfacetten kreiert. Besonders deutlich wird dies bei den drei Varianten der Crash-Cymbals. Die Extrahämmerung sorgt hier für schöne Klangeffekte und haucht dem Klangcharakter nuanciert Trash- und Wash-Anteile ein. Die Sounds von „Flange“, „Split“ und „Classic“ Crash-Cymbals lassen sich zudem tonal und von der Klangdauer her sehr gut miteinander kombinieren. Ergänzend haben auch das Splash und speziell das China schöne eigene FX-Sounds zu bieten. Die Hi-Hats und Ride-Cymbals sind ebenfalls charakterstark und runden das Programm passend ab. Überzeugend ist die Dynamik der getesteten Modelle, im Rahmen von sehr leisem bis modert lautem Spiel. Von Jazz und Fusion bis Pop/Rock lässt sich mit den „Hamer“ Cymbals so einiges an diversen musikalischen Styles bedienen.

Facts

Hersteller

Istanbul Mehmet

Herkunftsland

Türkei

Serie

Hamer

Bronze

B20

Vertrieb

Musik Wein

Internet

musikwein.de

istanbulmehmet.com

Preise (UvP)

  • 15″ Hamer Hi-Hat: ca.€ 323,-
  • 16″ Hamer Hi-Hat: ca. € 369,-
  • 21″ Hamer Dry Ride: ca. € 318,-
  • 22″ Hamer Dry Ride: ca. € 343,-
  • 22″ Hamer Warm Ride: ca. € 343,-
  • 20″ Hamer Crash/Ride: ca. 292,-
  • 18″ Hamer China: ca. € 242,.–
  • 10″ Hamer Splash: ca.
  • 16″ Hamer Crash: ca. € 178,.–
  • 17″ Hamer Crash: ca. € 196,.–
  • 18″ Hamer Crash: ca. € 216,.–

(aus STICKS 09-10/2018)

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