Exklusives Design trifft unikates Klanguniversum

Test: Tres Lados 4 Professional Custom Cajones

Tres Lados 4 Professional Custom Cajones(Bild: Dieter Stork)

Da kommt nichts von der Stange! Alle Tres Lados Cajones sind Einzelanfertigungen, und in jedem Modell steckt eine Vision. Von der ersten Idee über den handwerklichen Fertigungsablauf bis hin zum Design tragen Tres Lados Cajones die Handschrift des Kreativ-Workers Stefan Emmerich.

Stefan taufte seine Cajon-Produktion auf den Namen Tres Lados, denn die allerersten Modelle seiner Schöpfung waren mit drei Schlagflächen ausgestattet („tres“ heißt im Spanischen „drei“ und „lados“ folglich „Seite“). In limitierten Stückzahlen und ausschließlich von Hand hergestellt, präsentiert Tres Lados edle Cajon-Modelle, die mit technischen Features überraschen und zugleich durch unikate Designs ins Auge springen.

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Brandaktuell haben die „4 Professional Custom“-Modelle das Licht der Welt erblickt. Hier beweist Tres Lados nicht nur Stilsicherheit durch aufwendige Eyecatcher-Finishes, sondern auch technisches Know-how hinsichtlich eines intelligenten Klangkonzepts.

Das Geheimnis der 4

Während traditionelle Flamenco Cajones über eine klassische Front-Schlagfläche verfügen, bietet die „4 Professional Custom“- Baureihe ganze vier (!) Spielflächen. Nicht nur die Rückseite ist als „Conga“ spielbar – in diesem Fall ein trockener Wood-Sound – auch beide Seiten der Cajon sind mit Sound-Flächen ausgestattet.

Und gerade diese überraschen besonders, weil hier beidseitig Bongo-artige Klänge nach Macho/Hembra- Manier erzeugt werden können. In Summe sind es also zwei Bongo-Spielseiten sowie die klassische Front-Fläche plus „Conga“-Rückwand, die eine 360°-Spielweise erlauben und diesen Modellen das Prädikat einer multiplen Sound-Cajon verleihen.

Konstruktion und Technik

Der Korpus sattelt auf einem soliden Multiply Birkenkorpus, dessen Form und Größe sich der klassischen Tradition verpflichtet. Setzt man sich einmal auf die Cajon, fallen die großzügig gestalteten Rundungen aller Kantenbereiche auf. Als Spielfläche dient eine dünne Birkenholzmembran mit aufgelegtem Design-Furnier. Die Schlagfläche ist ringsum auf den Body aufgeschraubt und wird von dicht gesetzten Torx- Schrauben fixiert. Bei genauer Betrachtung der Frontplatte sieht man ihre leicht konkave Wölbung. Die Platte ist sowohl auf vertikaler als auch auf horizontaler Ebene minimal nach innen gedehnt. Dieses technisch gewollte Prinzip erhöht zum einen die Spannkraft der Wood-Membran und dient gleichzeitig einer besseren Saitenauflage, da die Guitar Strings sich stramm an die Spielflächenrückwand anschmiegen. Das Resultat macht sich in einem kontrollierten Saiteneffekt bemerkbar.

Tres Lados 4 Professional Custom Cajones
(Bild: Dieter Stork)

Insgesamt gibt es acht Gitarrensaiten (vier rechts und vier links), die an den äußeren Eckflanken senkrecht verlaufen und von unten mittels Inbusschlüssel gespannt bzw. gestimmt werden können. Auch bei der Platzierung und Anbringung der Saiten hat man Know-how walten lassen, weil die Strings an ihren oberen Aufhängungspunkten nicht einfach gegen die Frontplatte gequetscht sind, sondern in kleinen Ausfräsungen sitzen. Dies schont die Saiten an den neuralgischen „Sollbruch“-Stellen.

Rückseitig verfügt die Cajon über eine weitere, aufgeschraubte Spielfläche, die jedoch etwas stärker ausfällt und ohne Saitenbestückung auskommt. Jene „trockene“ Wood-Membran ist zudem mit dem „Tres Lados“-Logo-Resonanzloch ausgestattet, das im Inneren durch eine Holzaufdoppelung verstärkt wurde. Interessanterweise ist die Platzierung der Resonanzöffnung recht tief angelegt. Da der Cajon-Spielbereich oben und die Reso-Öffnung unten ist, wirken bei einer Mikrofonierung die durch die Schläge erzeugten Luftdruckimpulse nicht unmittelbar auf die Mikrofonkapsel.

Die beiden Seitenflächen des Cajon-Bodys sind mit Bongospielflächen ausgestattet. Diese befinden sich (fast) unsichtbar im oberen Drittel und bieten eine Klangunterteilung in eine etwas tiefere (Hembra) und eine hellere Sektion (Macho). Das technische Prinzip wird erst durch den Blick ins Innere des Gehäuses sichtbar. Hier nämlich zeigt sich, dass an beiden Seiten (rechts/links) zusätzliche Seiten-Innenwände vorgebaut wurden. Zwischen Außen- und Innenwand sind somit schlanke Resonanzräume geschaffen, die der Klangentwicklung der Bongo-Sounds dienen. Die Resonanzräume haben wiederum eine Separation in kleine Resonanzkammern mit einzelnen Mini-Schalllöchern. So können sich die Macho/ Hembra-Bongoklänge kontrastreich und getrennt voneinander entfalten. Das ist alles durchdacht gemacht und bautechnisch prima umgesetzt.

Tres Lados 4 Professional Custom Cajones
Vollverschraubte Spielfläche: Die leichte Dehnung nach innen versorgt die Wood-Membran mit Spannkraft. (Bild: Dieter Stork)

Finish & Design

Beide Test-Modellen zeigen eine kunstvoll gestaltete Farbintensität durch unterschiedlich tief wirkende Beizen. Hinzu kommen dekorative Airbrush-Techniken, die eine effektvolle Wirkung erzielen. Das Gesicht einer Cajon wird vor allem vom Design der Frontplatte geprägt. Hier punkten die Professional Custom mit wunderbar gestalteten Furnierauflagen. Stellvertretend zeigt sich die optisch gespiegelte Riegel-Esche in dunkler Schattierung sowie die Alternative einer rot glühenden Furnierauflage. Beide Frontplatten verfügen zudem über eine dezente Strukturoberfläche, die der Spielhaptik zuträglich sein mag, aber auch dem Besenspiel mehr Griff schenkt. Das gesamte Erscheinungsbild hat Stil und trifft den Nerv mit geschmackvoll „lautem“ Design.

Sounds

Beide Modelle sind recht trocken und „woody“ angelegt. Die Bässe kommen mit solidem Tiefenspektrum daher und sorgen für gute Dynamik. Attacks und crispe Sounds entstehen über den Effekt der Saitenansprache. Diese lässt sich hervorragend justieren und der Spielweise anpassen, so dass nuancierte Klangschattierungen ebenso möglich sind wie ein kompletter Charakterwechsel zwischen peruanisch trocken und Flamenco-Style mit Biss. Auch die Trennung zwischen Bass und „Snare“ funktioniert erstklassig. Die rückseitige Spielfläche bietet Trockenheit pur und damit Eigenschaften, die im weiten Umfeld einer Conga-ähnlichen Effektart anzusiedeln sind.

Tres Lados 4 Professional Custom Cajones
Die Saitenansprache lässt sich nuanciert justieren und der persönlichen Vorliebe perfekt anpassen. (Bild: Dieter Stork)

Sehr frisch und verspielt gesellen sich die Bongo- Spielflächen hinzu. Macho und Hembra sind klanglich wunderbar getrennt und bieten hölzern prägnante High-Pitch-Klänge, die sich unter leichter Fingerspielweise besonders schön entfalten. Zudem sind die „Bongos“ der rechten und linken Seite auch unterschiedlich gestimmt. Vier Seiten = viel Klangpotenzial.

Fazit

Schon in Sachen Design punkten die 4 Professional Custom Cajones: Edle Furniere kontrastieren die intensive Farbgebung der gebeizten und Airbrush-gestylten Bodys. Und in Sachen Sound bringt Cajon-Maker Stefan Emmerich eine Modellreihe an den Start, die das klassische Klangbild einer Cajon mit voller Ladung durchbricht. Denn „4 Professional“ heißt auch vier Spielflächen! Mit einer technisch raffinierten Umsetzung offerieren die Custom- Modelle jede Menge Potenzial zwischen klassischem Flamenco mit String-Effekt über trockenen peruvian Wood-Style bis hin zu knackigen Bongo-Sounds. Vorder-, Rück- und Seitenflächen des Bodys sind mit Sound-Flächen ausgestattet, was eine intuitive 360°-Bespielbarkeit erlaubt = Premium Design trifft auf exklusives Klanguniversum!

Facts

Hersteller

Tres Lados (Stefan Emmerich)

Herkunftsland

Deutschland (Köln)

Serie/Modelle

4 Professional Custom

Body

Birke, 48 x 30 x 30 cm

Schlagfläche

Birke (Flugzeugsperrholz) mit Riegel-Esche

Features

  • vier bespielbare Cajon-Seiten
  • Flamenco-, Peruvian- & Bongo-Sounds
  • integrierte Resonanzkammern für Bongo-Spielflächen
  • separat stimmbare 1-mm-Gitarren-Stahlsaiten (4 rechts, 4 links)
  • Airbrush-Design

Internet

cajon-shop.de

Preise

je nach Aufwand ab € 700,–


(aus STICKS 11:12/2018)

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