Kleiner Aufwand – große Wirkung

Test: Yamaha EAD10 Electronic Acoustic Drum Module

Was das „E“ in „E-Drum-Modul“ bedeutet, liegt auf der Hand: elektronisch. Aber was bitte macht das Wörtchen „acoustic“ im Untertitel des brandneuen Yamaha Drum-Moduls EAD10?

amaha EAD10 Electronic Acoustic Drum Module
FOTO: Dieter Stork

Die Lösung ist simpel: Das EAD10 besitzt nicht nur Trigger- Eingänge und hält zahlreiche Sounds, die man triggern kann, parat, sondern im dazu gehörenden, so genannten „Sensor“ ist auch ein Stereo-Mikrofon integriert, welches das gesamte akustische Drum-Set abnimmt. Aha!

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Und was kann man damit machen? Zunächst einmal kann man damit sein komplettes Drum-Set auf simple Weise ab- bzw. aufnehmen. Die Ausgabe der Signale erfolgt zum einen ganz profan über die Klinkenausgänge, kann aber per USB auch direkt in einen Computer mit entsprechender Aufnahme- Software (z. B. Cubase) gehen. Und dann kann man den Gesamt-Sound noch mit drei verschiedenen Zutaten würzen. Die erste Zutat ist eines von elf Hall-Programmen, die das gebräuchliche Spektrum meines Erachtens komplett abdecken. Hier geht die Auswahl von einer Halle über verschiedene Räumlichkeiten wie Studio, Zimmer oder Bühne bis hin zu künstlichem Hall einer Hallplatte und verschiedenen Gate-Reverbs inklusive Early Refections und Reverse-Hall.

Yamaha EAD10 Electronic Acoustic Drum Module
FOTO: Dieter Stork
Der Sensor wird oben an den Bassdrum- Spannreifen angeklemmt.

Die zweite Zutat ist einer von 21 Effekten. Darunter befinden sich verschiedene Delays, ein Kompressor, Distortion sowie zahlreiche Modulationseffekte von Chorus bis Ringmodulator, die zum Teil anschlagsdynamisch reagieren und im Handumdrehen abgedrehte Sounds hervorzaubern. Die dritte Zutat ist ein Trigger-Sound für die Bassdrum, der über den integrierten Kick-Trigger des Sensors angesteuert wird. Dieser kann – wie die anderen beiden Zutaten – dem Gesamt-Sound zugemischt und überdies auch noch mit einem eigenen Effekt belegt werden. Hiervon stehen zehn zur Auswahl, darunter Doubling, OverDrive, Chorus, Phaser, Flanger und Auto Wah.

Ausstattung

Das Modul selber ist weder besonders groß noch schwer und besitzt erstaunlich wenige Bedienelemente. Dank des ausgelagerten Netzteils wiegt es nur ca. 650 Gramm, und mit den Maßen von ca. 26 x 14 x 6,5 cm (BxTxH) lässt es sich relativ unauffällig ins Drum-Set integrieren. Dank des geringen Gewichts und einer mitgelieferten Modulhalterung, die einen Schrägsteller schon beinhaltet, kann es beispielsweise unauffällig am Hi-Hat-Stativ platziert werden, sofern man sich noch eine Klemme besorgt, die am Hi-Hat- Rohr befestigt wird und die Modulhalterung aufnimmt. Die Bedienoberfläche ist grob in zwei Hälften unterteilt. Links befinden sich sechs recht große und griffige Potis im Vintage-Style, die an die Knöpfe der ersten Moog-Synthesizer erinnern. Die oberen drei regeln die Gesamtlautstärke, den Anteil eines eingespeisten Audiosignals bzw. des Clicks, und das dritte Poti dieser Reihe ist größer als alle anderen, damit man es leichter findet – mit ihm werden die Programme angewählt, die in diesem Fall „Scenes“ heißen, wovon es 50 Presets und 200 (!) User-Speicherplätze gibt. Die drei Potis in der unteren Reihe regeln den Anteil des Halls, des Effekts und des (Bassdrum-) Trigger-Sounds.

Die rechte Hälfte birgt ein nicht besonders großes Display, das sich aber trotzdem gut ablesen lässt, darunter drei runde Funktionstaster, die je nach Menü andere Funktionen übernehmen, und zwei rechteckige Werteingabe-Taster, die von den runden Tastern „Store“ und „Exit“ flankiert werden. Ganz rechts finden sich dann der Ein/Aus- Taster sowie die vier Taster Menu, Sensor (als Symbol dargestellt), Recorder und Click (ebenfalls als Symbol).

Auf der Rückseite finden sich nicht nur erwartungsgemäß die beiden Klinkenbuchsen für den Stereo-Ausgang und die Stereo-Klinkenbuchsen für die Verbindung zum Sensor (ein besonderes Kabel mit zwei Stereo- Leitungen wird mitgeliefert), sondern auch noch einige Extras. Als Erstes sollten da die beiden USB-Anschlüsse genannt werden (to Host und to Device). An der To-Host-Buchse kann, wie eingangs schon erwähnt, ein Rechner angeschlossen werden, um den Gesamtsound dort aufzunehmen. Aufnehmen kann man aber auch auf einen USB-Stick, der in die To-Device-Buchse gesteckt wird. Dann lassen sich darauf bis zu 30 Minuten Audio aufnehmen. Ohne USBStick kann man auch direkt im EAD10 aufnehmen, aber dann nur 1:30 Minuten, und die Aufnahme geht auch flöten, wenn man das EAD10 ausschaltet. Sie lässt sich allerdings vorher exportieren, z. B. auf einen USB-Stick … ähh … also dann doch besser direkt auf dem Stick aufnehmen, wenn man die Aufnahme behalten möchte. 😉

Yamaha EAD10 Electronic Acoustic Drum Module
FOTO: Dieter Stork

Das nächste Extra ist die Foot-Switch-Buchse, an die man auch beispielsweise ein Hi-Hat-Kontrollpedal anschließen kann; wenn man berücksichtigt, dass das EAD10 auch noch weitere sechs Trigger-Eingänge besitzt und dass man am Sensor-Eingang statt des Sensors auch einen Kick-Trigger anschließen kann, zeigt sich, dass sich das EAD10 auch zu einem kleinen E-Drum-Set ausbauen lässt. Die entsprechenden Sounds für Snare, Toms, Cymbals, Percussion etc. sind im EAD10 vorhanden; insgesamt stehen 757, Yamaha-typisch „Voices“ genannte Sounds zur Verfügung, die dann – wiederum Yamaha-typisch – zu „Instruments“ kombiniert werden. Wie kommen die sieben Trigger aber nun an die nur fünf Buchsen (inkl. Foot SW)? Ganz einfach: An den Kick- und Snare-Eingängen (namens 1/2 bzw. 3/4) können über ein so genanntes Y-Kabel zwei Mono-Pads angeschlossen werden. An den beiden weiteren Eingängen (5 und 6) geht das wohl nicht, dafür können diese aber Signale der Drei-Zonen-Pads von Yamaha verarbeiten. Erwähnt werden sollte auch, dass der Snare-Trigger-Eingang auch mit dem Dual-Trigger DT50S von Yamaha belegt werden kann. Was in diesem Zusammenhang alles geht oder nicht, steht in einem Compatibility-PDF, das man bei Yamaha herunterladen kann.

Der Sensor liegt schwer in der Hand, denn er besitzt im Gegensatz zum Modul ein Metallgehäuse. Er ist mit ca. 8 x 8 x 9 cm nahezu quaderförmig, allerdings mit Aussparungen, damit er oben an der Bassdrum mittels Rändelschraube an den Spannreifen geklemmt werden kann – für Metallspannreifen mit Aussparung legt Yamaha Gummiteile dazu, die man oben in den Reifen legen kann, damit der Sensor dann auch fest sitzt. Dem Spieler zugewandt ist oben im Sensor ein Metallgitter, hinter dem sich das Stereo-Mikrofon verbirgt. Auf der abgewandten Seite befinden sich oben wieder ein Gitter, die genannte Schraube sowie die beiden Anschlussbuchsen – das war’s.

Facts

Hersteller

Yamaha

Herkunftsland

China

EAD10-Modul

50 Preset-Scenes, 200 User- Scenes, 64 Stimmen, 647 Instruments, 757 Voices, 11 Hall-Programme, 21 Effekt- Programme plus 10 Effektprogramme für die Trigger-Eingänge, Metronom-Funktion, graphisches LC-Display (128 x 64 Pixel), Kopfhörerausgang (6,3-mm-Stereoklinke), Aux-In (3,5-mm-Stereoklinke), zwei USB-Buchsen (USB to Host und USB to Device), Summen- Stereo-Out, 7 Trigger-Eingänge

EAD10-Sensor

integriertes Stereo-Mikrofon, zwei Anschlussbuchsen (6,3- mm-Stereoklinke)

Vertrieb

Yamaha

Internet

de.yamaha.com

Preis (UVP)

€ 599,–

Praxis

Erwartungsgemäß ging die Erstinstallation flott und problemlos vonstatten: EAD10- Modul neben das Drum-Set gestellt und an den Strom angeschlossen, Sensor an die Bassdrum geklemmt, die beiden mit dem mitgelieferten Kabel verbunden, Kopfhörer ins Modul gesteckt und mit der ersten Preset- Scene „Arena“ losgespielt. In dieser Scene sind nur zwei von drei Zutaten aktiv: der Hall und der Kick-Tigger-Sound. Mein Set stand in einer großen Arena und klang sehr mächtig – es macht doch immer Spaß, im eigenen Saft zu baden! Richtig gut gefallen hat mir der Bassdrum-Sound, der Trigger- Sound schien da doch einen guten Anteil zu haben. Als ich diesen aber abdrehte, war ich verblüfft: Es war tatsächlich in der Hauptsache meine Bassdrum, die über die Sensor-Mikros so gut klang – der Trigger- Sound-Anteil war eher gering. Oho! Dann mal schnell den Hall abgedreht und gehört, was die Mikros aus meinem Drum- Set machen. Erneute Überraschung: Alles wurde gut und in einem recht ausgewogenen Verhältnis eingefangen; nur mein zweites Floor-Tom war einen Hauch leiser als der Rest – kein Wunder, es ist ja auch weiter vom Stereomikro entfernt als das übrige Kit. Die Hi-Hat und Cymbals kamen auch richtig gut rüber. Für eine Demo- oder Proberaum- Aufnahme reicht dieser Sound allemal. Respekt!

Beim Durchhören der weiteren Presets kamen dann auch die Effekte ins Spiel, und da gab’s richtig Interessantes und auch Abgefahrenes auf die Ohren. Auf Dauer mag eine stark effektbeladene Scene zwar ermüdend wirken, aber das gilt ja eigentlich für jeden Effekt, der betont im Vordergrund steht. Für den einen oder anderen Song hingegen ist manche Scene eine echte Bereicherung. Nicht nur die guten Hallprogramme, sondern auch die tollen Effekte machen beim EAD10 richtig Spaß!

Yamaha EAD10 Electronic Acoustic Drum Module
FOTO: Dieter Stork
An das Modul des EAD10 können bis zu sieben Pads bzw. Foot-Trigger angeschlossen werden. Links die beiden USB-Buchsen für USB-Sticks bzw. zum Anschluss an einen Rechner

Wer möchte, kann dann in die Untiefen der Yamaha-Menüs abtauchen und den Sound weiter verfeinern. Der Bassdrum-Trigger- Sound lässt sich natürlich stimmen, verlängern/ kürzen oder filtern etc. – was für alle internen Instrumente gilt –, und die Effekte inkl. Hall lassen sich in gewissem Rahmen feintunen. Eigene, als behaltenswert erachtete Kreationen sollte man in einem der 200 User-Speicherplätze abspeichern und sinnvoll benennen, was sehr leicht und schnell geht.

Wer möchte, kann wie bei einigen anderen Yamaha-Modulen auch eigene Samples importieren und dazumischen. Das macht bei der Kick zwar auch schon Sinn, aber so richtig interessant wird das dann in Verbindung mit weiteren Triggern oder Pads, die man zusätzlich am EAD10 anschließt. Wer schon ein gut abgemiketes Drum-Kit hat – also das Sensor-Mikro nicht unbedingt braucht – und nur die Effekte und den Hall dazumischen möchte, kann das Mikrofonsignal des Sensors innerhalb einer Scene auch abdrehen und dies in einer User-Scene abspeichern. Die Möglichkeiten, neue Sounds und solche mit eigener Note zu erzeugen, sind also äußerst zahlreich.

Wer einen Loop oder Backing-Track nicht als Sample ins EAD10 importieren möchte, kann dank des Aux-In-Eingangs (Stereo-Miniklinke) auch Tracks von einem MP3-Recorder oder Smartphone in den Sound einbinden, wobei sich das Ganze auch im EAD10 (oder besser auf einem USB-Stick, s. o.) aufnehmen lässt, um etwa sein eigenes Spiel zu checken.

Besitzer eines iPhones oder iPads können das EAD10-Modul sogar mit dem speziellen „Apple Camera Kit“-Kabel verbinden, welches aber zusätzlich erworben werden muss. Installiert man dann die Yamaha-App „Rec’n’Share“ auf dem iPhone bzw. iPad, lässt sich eine selbst gespielte Performance nicht nur mit den vom EAD10 ausgegebenen Sounds akustisch, sondern mit der iPhone/iPad- Kamera auch als Video festhalten – natürlich inklusive eines eventuell ins EAD10 eingespeisten Playbacks. Das Ganze lässt sich dann in der App editieren, und das Ergebnis kann sogar mit der App problemlos auf YouTube hochgeladen werden, um die Welt daran teilhaben zu lassen.

Fazit

Ich war zunächst skeptisch, ob ein solch kompaktes Modul mit so wenigen Bedienelementen richtig was kann, und bin nun vollends davon überzeugt, dass es dies tut. Das EAD10 plus Sensor eröffnet eine völlig neue Soundwelt, und der Begriff „Hybrid Drums“ bekommt eine neue Facette, weil er um den effektierten Sound des eigenen Drum-Sets bereichert wird. Was das interne Mikrofon des Sensors in Verbindung mit dem Modul leistet, ist schon sehr erstaunlich und verblüffend. Einziger Wermutstropfen: Der Trigger-Sound für die Bassdrum klingt zwar toll, spricht aber erst ab mittlerer Lautstärke an; leise Anschläge ließen sich auch bei höchster Sensitivity des Sensors nicht auslösen. Dafür klingt aber der vom Sensor-Mikro übertragende Bassdrum-Sound so gut, dass man meines Erachtens getrost auf ein zusätzliches Mikro im Kessel oder vor dem Frontfell verzichten kann. Das EAD10 ist nicht nur die schnelle Lösung für das Demo zwischendurch, sondern ein vollwertiges Instrument für den Drummer, der schon immer die volle Kontrolle über seinen Sound haben wollte. Beide Daumen hoch!

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