Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
High Class B25 Cymbals zum günstigen Preis

Test: Zultan CS Cymbals

(Bild: Dieter Stork)

Als einer der wenigen Cymbal-Hersteller überhaupt präsentiert Zultan in seinem Programm mit den „CS“ Cymbals eine Serie von Cymbals aus einer so genannten „B25 Bronze“. Hierbei handelt es sich um Cymbals mit einem höheren Zinnanteil der Bronzelegierung, und zwar 25 im Gegensatz zu den ansonsten meist gebräuchlichen 20%  Zinnanteil in der Legierung für die meisten Cymbals traditioneller türkischer Fertigung.

Aus der Zultan CS-Cymbal-Serie erhielten wir das CS-Cymbal-Set (14″ Hi-Hat, 16″ Crash, 20″ Ride inkl. schwarzem Transport-Bag), das 22″ CS Ride Cymbal sowie ein 16″ CS China und ein 10″ CS Splash. Außerdem werden von Zultan in der CS Cymbal-Serie ein 8″ Splash, eine 13″ Hi-Hat, 14″, 16″ und 18″ Crash sowie das 18″ CS China angeboten.

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Technischer Exkurs: B25 Bronzelegierung

Widmen wir uns zunächst einmal dem Begriff der so genannten „B25“-Bronzelegierung, die in der Türkei und in China zur Herstellung von Cymbals und Gongs eigesetzt wird. Die Zahl bei solchen Legierungen bezeichnet nichts anderes, als das es sich hier um eine Bronzelegierung mit einem Anteil von 25% Zinn und somit 75 % Kupfer handelt. Über den Klangcharakter der Cymbals sagt dies erst einmal gar nichts aus.
Wichtig sind das jeweilige Mischungsverhältnis sowie auch der Schmelzprozess (Temperatur, Dauer) jeder Bronzelegierung für die Art der Weiterverarbeitung der einzelnen Cymbals/Gongs aus den individuellen Gussrohlingen. Je höher der Zinnanteil ist, desto kritischer ist der Herstellungsprozess, da die Bronzelegierung spröder wird und die Bearbeitung somit (noch) schwieriger wird als bei B20-Cymbals. Die ohnehin schon recht spröden Rohlingen von Legierungen mit hohem Zinnanteil erreichen hier einen Grenzwert, der eine Weiterbearbeitung zum fertigen Instrument recht schwierig macht, ohne dass es dabei zu hohen Ausschussraten kommt.
Ein weiterer Punkt: Viele der so genannten „B25“-Bronzen werden zwar in der Proportion mit 25% Zinnanteil in Gewichtsrelation zum Kupferanteil geschmolzen, doch am Ende dieses spezifischen Schmelzprozesses haben sich die Anteile meist so verändert, dass es sich eher um eine „B23“-Legierung mit einem tatsächlichen Zinnanteil im Bereich von 21,5%  bis 24, 5 % handelt, wie diverse Laboranalysen gezeigt haben. Dies liegt daran, wie lange die Schmelze jeweils bei einer bestimmten Temperatur (zwischen ca. 600 bis ca. 800 Grad) gehalten wird. Für den letztendlich resultierenden Klang ist demnach (ab einem gewissen Zinnanteil) eher die Weiterverarbeitung der Bronzelegierung verantwortlich.

Zultan CS Cymbal-Set: 14″ Hi-Hat, 16″ Crash, 20″ Ride (Bild: Dieter Stork)

Technisches: CS Cymbals

Gefertigt werden die Zultan CS Cymbals also aus jeweils einem individuell gegossenen Rohling aus B25-Bronze. Dabei kommen weitgehend die auch für konventionelle B20-Cymbals eingesetzten, traditionellen türkischen Fertigungsmethoden zum Einsatz. Nötig sind allerdings unterschiedliche Prozesse bei der Schmelze, beim Abkühlen sowie beim Auswalzen. Hämmerung und Abdrehvorgang sind dann weitestgehend gleich, lediglich in Sachen der Klangformung (z. B. Hämmerung über die gesamte Fläche inklusive der Kuppen) gibt es hier Unterschiede. Die Zultan CS Cymbals sind je nach Cymbal-Typ mit einem eher kleinen Hammerkopf unterschiedlich intensiv und stark gehämmert, am deutlichsten ist dies beim 20″ Ride-Cymbal  zu sehen, etwas weniger stark fällt es beim Hi-Hat-Top, beim Splash und beim China aus. In einem Bereich von ca. 1 bis 1, 5 cm (je nach Durchmesser) direkt unterhalb der Kuppe sind die Cymbals etwas dichter gehämmert; für die Kuppe kam ein noch kleinerer Hammer zum Einsatz.

Hämmerung und Abdrehmuster im Kuppenbereich (Bild: Dieter Stork)

Das Abdrehnuster ist bei allen Test-Cymbals gleich fein und zeigt sich auch im Kuppenbereich. Von der Gewichtsklasse her lassen sich bis auf die Ride-Cymbals und natürlich das Splash alle der „Medium“-Kategorie zuordnen. Die Ride-Cymbals sind hingegen schon eher „Medium Heavy“. Die Gewichtsunterschiede zwischen Top und Bottom der Hi-Hat ist ausreichend unterschiedlich, hie kann man von einem Medium-Thin-Top und einem Medium-Bottom sprechen.
Alle Zultan CS Cymbals präsentieren sich in einem leicht glänzenden „Traditional“-Finish und mit makelloser Verarbeitung. Sie sind sehr gut ausbalanciert und liegen allesamt mit den Rändern plan auf. Weder an den Rändern noch im Bereich der Kuppenlöcher gibt es scharfe Kanten oder Grate.

Klangliches: CS Cymbals

Über den Sound von Cymbals aus den diversen Bronzelegierungen wird schon immer viel diskutiert und spekuliert. Generell kann man feststellen, dass die diversen Legierungen wie B8, B12, B20 auch eigene Grundklangcharaktere aufweisen. Während solche mit geringerem Zinnanteil etwas fokussierter in den Obertönen und insgesamt heller klingen, sind die Obertonstrukturen bei solchen mit höherem Zinnanteil reicher und der Grundklang meist tiefer.
Was den Klang der Zultan CS Cymbals angeht, so zeigt sich, dass diese B25-Cymbals interessanterweise neben dem dunklen Grundklang ein recht helles Obertonspektrum im Attack aufweisen. Die Anschlagssounds kommen bei unseren Test-Cymbals bis auf die Hi-Hat und das Splash-Cymbal deutlich brillanter als man zunächst erwarten mag, gleichsam fokussiert und sehr klar definiert über einen recht weiten Dynamikbereich bis zu mittleren Lautstärken. Dies stellt sich im Einzelnen wie folgt dar.

Bei den 14″ CS Hi-Hat-Cymbals finden wir eine klangliche Mischung von Top- und Bottom-Cymbal, die sowohl für trocken-artikulierte Attacksounds als auch eine gewisse klangliche Tiefe und Fülle sorgt. Dabei präsentiert sich das Hi-Hat-Paar als eine klanglich recht „leichte“ und luftige Angelegenheit und spielt seine Vorzüge bei leiser bis mittlerer Dynamik aus. Auch Aufzieher und Chick-Sound beim Pedalspiel sind eher fein-präsent als zu dominant im Mix. Bei Recordings macht diese Hi-Hat eine sehr gute Figur, da hier die Präsenzen sehr angenehm integriert sind. Live ist diese Hi-Hat sicherlich im (akustischen) musikalischen Kontext ein angenehmes Instrument, das – obwohl genügend präsent – den Sound nicht dominiert, sondern den Groove gut dosiert unterstützen kann. Dies ist z. B. für alle Drummer ein ideales Instrument, die Sänger/innen bei ihrer Performance zur Geltung bringen möchten.

Das 10″ CS Splash liefert einen typisch schnellen Attack, dazu ein kurzes Sustain, so wie man es von einem leichten Cymbal dieser Größe auch erwartet. Bemerkenswert ist allerdings der mittig-präsente Frequenzanteil, der diesem Cymbal zugleich etwas Fülle und eine recht gute Projektion verleiht.

 

Zultan CS 16″ China und 10″ Splash (Bild: Dieter Stork)

Das 16″ CS China fällt in Sachen „dunkler Grundklang“ deutlich aus dem Rahmen – es liefert einen sehr hellen, klaren Attacksound, der zudem im unteren Dynamikbereich auch kaum für China-Cymbals typische Trash-Anteile aufweist. Diese entwickeln sich erst bei etwas stärkeren Anschlägen mit der Stockschulter im Bereich der Cymbal-Krempe, sind allerdings auch dann nicht sehr stark. Das Sustain bleibt dabei kurz und kontrolliert, so dass sich dieses Cymbal für helle, punktuierte Effekt-Akzente mit einer „etwas anderen“ chinesischen Note empfiehlt – das kann man durchaus als Gegensatz zu den gerade im Neo-Soul/Urban R&B beliebten Trash-Stack-Effects sehen.

Das 16″ CS Crash Cymbal entspricht den Erwartungen, die wohl die meisten Drummer an ein handgehämmertes, türkisches Cymbal stellen. Es reagiert schon im unteren Dynamikbereich mit einer sehr direkten Ansprache und einem luftigem, feinen Sustain. Steigert man die Anschlagsintensität bis zu einer mittleren Lautstärke, so wird der Crash-Attack etwas heller, und es addieren sich zudem etwas tiefere Frequenzanteile im Sustain, die dem Cymbal eine sehr schöne Fülle und Tonalität mit einer ausgewogenen Mischung aus crispem Attack und fein-dunklem Sustain bescheren.

Das 20″ CS Ride war die klangliche Überraschung des Tests, denn einen solch klaren, hellen und artikulierten Ping-Sound des Stickattacks hatte man hier eigentlich eher nicht erwartet. Das Ganze ruht dann auf einem sehr schönen, dunklen und bis zu mittlerer Lautstärke im Mix sehr ausgewogenen und nicht dominierenden Rauschen, das dem Cymbals einen sehr gefälligen Klangcharakter mit äußerst eigener Note verleiht. Dieser spezielle Kontrast von sehr crispen und klaren Attacks und dem angenehmen, dunklen Charakter im Sustain in einem so gut abgestimmten Verhältnis ist schon sehr außergewöhnlich. Von so einem Klang hätten wohl viele „Fusionisten“ der 80er-Ära geträumt.

Das 22″ CS Ride hingegen gibt sich etwas „traditioneller“, denn hier ist der Attacksound dann doch etwas dunkler und den allgemeinen Erwartungen an ein traditionelles, türkisches hand-hammered Cymbal eher entsprechend. Auch aufgrund der Größe des Cymbals ist der Ping, obwohl immer noch genügend präsent, eher im Mix des dunklen Sustains integriert. Das mächtige Cymbal macht auch bei einer mittel-hohen Lautstärke und/oder mit mittelschweren Sticks eine sehr gute Figur, da sich der Klangteppiuch ab einer gewissen Dynamikstufe nicht mehr weiter aufbaut. Dieses Cymbal kann man allen Drummern empfehlen, die für Jazz/Fusion ein starkes Ride mit einem dunklen Klangcharakter, allerdings ohne die derzeit angesagte „Dryness“ suchen.

(Bild: Dieter Stork)

Fazit

Die Zultan CS Cymbals aus der B25-Bronzelegierung liefern sehr individuelle Klangcharaktere, die man teils von traditionell gefertigten, handgehämmerten türkischen Cymbals erwarten mag, teils allerdings auch eine gewisse Überraschung darstellen. Bei unseren Test-Cymbals war dies beim 20″ CS Ride der Fall, das mit einer einzigartigen Mischung von crispen, hellen Attacks und einem dunkel-warm klingenden Grundton aufwartete. Das 16″ China lieferte eine ungewöhnlich helle Klangnote mit eigenwilligem FX-Sound, während das 10″ Splash, das 16″ Crash und auch das 22″ Ride wenn auch auf jeweils individuelle Art und Weise eher den konventionellen Erwartungen entsprachen. Insgesamt überzeugen die Zultan CS Cymbals mit einer sehr gute Fertigung und Verarbeitung sowie klanglich mit charakterstarken Sounds abseits vom Mainstream, die sich hervorragend in den Mix nuancenreicher Musik integrieren lassen. Zieht man zudem die außerordentlich günstigen Preise für diese wertigen Cymbals in Betracht, so ist ein individueller Soundcheck sehr zu empfehlen.

Facts

Hersteller: Zultan
Herkunftsland: Türkei
Serie: CS
Legierung: B25 Bronze (75% Kupfer, 25% Zinn) 

Vertrieb: Thomann
Internet: zultancymbals.com
Preise (UvP)
10″ CS Splash: € 77,–
14″ CS Hi-Hat: € 189,–
16″ CS China: € 145,–
16″ CS Crash: € 159,–
20″ CS Ride: € 199,–
22″ CS Ride: € 229;–
CS Cymbal-Set: € 459,–

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Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

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