Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Drum Essentials: Hardware-Check

Tipps zum Kauf gebrauchter Hardware

(Bild: Dieter Stork)

Augen auf beim Hardware-Kauf! Es wird eine ganze Menge gebrauchter Hardware unterschiedlichster Preisklassen auf einschlägigen Online-Portalen und bei Musiker-Flohmärkten angeboten, so dass sich durchaus so manches Schnäppchen erjagen lässt.

Sicherlich gibt es aktuell auch jede Menge guter und preiswerter neuer Hardware im Fachhandel, doch gerade bei Vintage-Teilen oder den hochpreisigen Marken-Artikeln kann man durchaus auf dem Gebrauchtmarkt fündig werden bei der Jagd nach dem Objekt der Begierde. Vorausgesetzt man weiß, worauf man bei gebrauchter Hardware unbedingt achten sollte.

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Bei gebrauchter Hardware gibt schon der allgemeine Pflegezustand guten Aufschluss auf die Behandlung, die sie bislang erfahren hat. Verkratzt, verratzt, mit Gaffer-Tape verklebt, verbogene Stangen und krumme Schrauben? Da sollte man die Angelegenheit besser gleich wieder vergessen!

Tauchrohr, verkratzt und mit Dellen: Finger weg! (Bild: Dieter Stork)

Machen die gebrauchten Hardware-Teile hingegen einen recht ordentlichen Eindruck, so gilt es dennoch, die entscheidenden Bestandteile auf Vollständigkeit und Funktionstüchtigkeit zu prüfen. Gebrauchsspuren kann man durchaus auch mal in Kauf nehmen, wenn der Preis „stimmt“, d. h. gerechtfertigt ist. Vieles lässt sich zudem durch Putzen und Polieren wieder „auf Glanz“ bringen. Außerdem sind viele Hardware-Bestandteile auch als Ersatzteil erhältlich und lassen sich oft preiswert ersetzen. Hier ist dann halt von Fall zu Fall zu entscheiden, ob denn der Aufwand lohnt. Meistens ist das übrigens tatsächlich so. Nun zu den wichtigen Punkten, die unbedingt zu beachten sind, wenn man keine böse Überraschung erleben will.

Stative

Bei allen Stativen sollte man zuerst überprüfen, ob die Basis sich sicher arretieren lässt und die Beine sich locker aus- und einklappen lassen.

Kunststoffhülsen, Arretierung, Flügelschraube und Gewinde intakt! (Bild: Dieter Stork)

Dann sind die einzelnen Tauchrohre zu testen, diese sollten weder krumm sein noch Dellen haben, damit sie locker ineinander gleiten können. Checkt auch die Arretierungsmuffen darauf, dass euch die Kunststoffhülsen nicht entgegenkommen und alle Flügelschrauben zuverlässig arretieren.

kompletter, funktionstüchtiger Cymbal-Halter und Schrägsteller (Tilter) (Bild: Dieter Stork)

Die Cymbal-Halter sollten nicht krumm sein. Die Flügelschraube für die Cymbal-Fixierung sollte nicht nur vorhanden sondern auch gängig sein. Der Tilter (Schrägsteller) sollte sich frei positionieren und sicher fixieren lassen. Der Teller für die Auflage des unteren Cymbal-Filzes sollte nicht fehlen und funktionstüchtig sein. Die Filze und der Kantenschutz für das Kuppenloch des Cymbals sollten in gutem Zustand sein; allerdings lassen sich diese Verschleißteile auch leicht und ohne allzu hohe Kosten ersetzen.

Beim Snaredrum-Stativ sollte man zudem sicherstellen, dass die Kunststoffenden (Auflagen) an den drei Auslegern des Korbs vorhanden und funktionstüchtig sind. Weiterhin sollte man testen, ob der Korb sich einwandfrei schräg stellen und sicher in Position arretieren lässt.

Bassdrum-Pedale

Pedale(Bild: Dieter Stork)

Ein guter allgemeiner Pflegezustand lässt auf Gutes hoffen, und dies bestätigt in der Regel schon ein kurzes Anspielen. Falls es dabei etwas klappert oder klackert: Finger weg! Gerade letzteres lässt auf einen Lagerschaden schließen. Reparaturen sind meist aufwändig und erfordern einiges an handwerklichem Geschick. Auch wenn das Pedal in gutem Zustand ist, so sollte man dennoch checken, ob die Lager noch okay sind: Einfach mal die Feder aushängen oder komplett entspannen und dann vorsichtig versuchen, ob die Achse sich in der Horizontalen im Lager bewegen lässt. Ein minimales Spiel wird allerdings immer vorhanden sein und stellt keinen Grund zur Sorge dar. Lassen sich die Trittplatte und die Feder leicht und ohne Aufwand vom Antrieb trennen, so kann man die entlastete Achse auch einfach mal drehen und wird so schnell sehen, ob sie gleichmäßig und ohne Höhenschlag läuft.
Auch die Aufnahme des Schlägels bedarf einer Begutachtung, der sollte nämlich ohne zu viel Spiel in die Führung gleiten und dort sicher arretiert werden können. Den Zustand der Verbindung des Fersenteils kann man testen, indem man an der Trittplattenspitze versucht, diese hin und her zu bewegen. Geht das leicht, sollte man schauen, wo das Spiel entsteht! Eine lockere Befestigungsschraube vom Fersenteil an der Bodenplatte hat schon so manchen auf das berühmte Glatteis geführt. Entsteht das Spiel im Scharnier, ist Vorsicht geboten, denn bei manchem Modell lässt sich diese Verbindung nicht ohne weiteres ersetzen.

Doppel-Bassdrum-Pedale: Hier kann man beide Maschinen auf die gleiche Art wie ein Single-Pedal prüfen. Außerdem ist hier natürlich ein Augenmerk auf die beide Pedale verbindende Kardanwelle und eine genaue Prüfung unbedingt wichtig! Die Kreuzgelenke sollten nicht zu viel Spiel haben, bei hochwertigen Pedalen am besten gar kein merkbares. Und die Schrauben (meist vier Stück) an der Kardanwelle zur Fixierung dieser an den Pedalen sollten vollständig vorhanden und natürlich funktionstüchtig sein. Die Kardanwelle muss fest und sicher und möglichst ohne merkliches Spiel auf beiden Seiten (Haupt- und Slave-Pedal) arretiert werden können, andernfalls  kann gar kein direktes Spielgefühl des Slave-Pedals zustande kommen.

Hi-Hat-Maschine

In Grundzügen kann man die wichtigsten Funktionen wie bei den Stativen überprüfen. Unbedingt sollte man hier die Zugstange kontrollieren: Die darf nicht krumm sein oder beim sensiblen Treten des Pedals in der Hi-Hat-Maschine haken. Reparaturen sind auch hier meist recht aufwändig und erfordern handwerkliches Geschick. Bei vielen, aber leider nicht allen Modellen der diversen Hersteller sind Zugstangen (auch unterschiedlicher Längen) allerdings als recht preiswertes Ersatzteil zu bekommen.
Die Trittplatte sollte nicht zu viel Spiel haben. Lässt man die getretene Hi-Hat einfach mal nach oben „schnacken“, so sollte der Anschlag kein allzu lautes Geräusch verursachen. Das kommt gegebenenfalls beim schnellen Wechsel von der Hi-Hat-Maschine auf ein Doppel-Bassdrum-Pedal ganz schlecht an! Klanglich gesehen! 😉

Hi-Hat-Cymbal-Halter: auf Vollständigkeit und Aussparung im Gewindegang achten! (Bild: Dieter Stork)

Wer seine Cymbals liebt, achtet auf die Kupplung für das Top-Hi-Hat-Cymbal. Diese sollte nicht nur sicher auf der Zugstange arretieren, sondern auch im Auflagebereich des Cymbals eine Aussparung im Gewindegang besitzen! Warum? Weil sonst im Spielbetrieb das Gewinde wie eine Schlüsselfeile wirkt, dadurch das Kuppenloch des Cymbals beschädigt und in eine Art „Schlüsselloch“-Form ausfräst – und wer will das schon?! Für das Botttom-Cymbal sollte ebenfalls eine solide Auflage (Metall- oder Kunststoffteller, ausreichend dimensionierter Filz) mit Schrägsteller und Einstellschraube vorhanden sein.

Noch ein Tipp zum guten Schluss

Übrigens: Hardware leidet meist beim Transport mehr als beim Spielen der Drums! Transportiert man seine Hardware also des Öfteren, so ist ratsam, sich ein gutes Hardware-Case zuzulegen und für dieses auch adäquates Polstermaterial, um die Stativrohre, Pedale, Trittplatten, Zugstangen etc. voneinander zu trennen und somit gegen Verkratzen oder Dellen oder gar Verbiegen zu schützen und funktionsfähig zu halten. Für Bassdrum-Pedale empfiehlt sich für den, der wirklich auf „Nummer Sicher“ gehen will, sogar ein separates Case (das man dann eventuell im größeren Hardware-Case verstauen kann). So wird man an seiner geliebten Hardware lange seine Freude haben.

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Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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