Multifunctional!

Top 5: Crash/Ride Cymbals

In dieser Folge der STICKS Top 5 widmen wir uns den so genannten Crash/Ride- oder Multifunktions-Cymbals. Von manchen Ignoranten als „nichts Halbes und nichts Ganzes“ verschrien, so haben sie sich doch schon immer bei Cymbal-Kennern der Beliebtheit erfreut, und unter dem  Begriff „Multifunktional“ erleben sie in den letzten Jahren sogar wieder eine regelrechte Renaissance.

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Gehen wir mal so richtig „back in time“ so sehen wir, dass es mit dem Aufkommen der ersten für das damals neuartige Drumset konzipierten Cymbals in den 1920er Jahren noch gar keine speziellen Bezeichnungen für die Einsatzart der Cymbals und auch keine Gewichtsklassifizierung. Diese war dann das erste, was zumindest in den Katalogen bzw. Flyern der Hersteller für den Musikalienhandel aufgeführt wurde und als Stempel „Thin“, „Medium“ oder „Heavy“auf den Cymbals zu sehen war.

Im Laufe der Zeit erst zeigte es sich in der Praxis, dass große und schwere Cymbals für die Ride-Pattern im Jazz eingesetzt wurden, während kleinere Cymbals die „Accent“- bzw. „Crash“-Cymbals darstellten. Bis in die 50er-Jahre hinein waren praktisch alle Cymbals „multifuctional“ und wurden sowohl als Crash als auch als Ride eingesetzt. Ride-Patterns kamen ja auch erst mit Swing und Bop als tragende Timekeeping-Funktion im Jazz zum Einsatz.

Etwa zu Beginn der 1950er-Jahre begannen Cymbal-Hersteller die ersten speziellen Bezeichnungen für Cymbals einzuführen, um den Drummern eine einfachere Orientierung bezüglich der Cymbal-Eigenschaften zu ermöglichen und die Cymbals nach Typen wie Crash, Ride, Splash, Swish und Pang zu klassifizieren.
Es waren dann vornehmlich die Drummer der kleinen Jazz Bands, die hauptsächlich nach Crash/Ride-Modellen verlangten, um so mit wenigen Cymbals eine möglichst große Bandbreite an Klängen erzeugen zu können. Seitdem sind Crash/Ride Cymbal-Modelle im Programm fast jeden Herstellers  und zumindest in allen populären Cymbal-Serien zu finden.
Paiste war dann der erste Hersteller, der 1967 seine aus B8-Bronze (CuSN8) gefertigten Giant Beat Cymbals ohne nähere Bezeichnung (außer der Größe) als „multi purpose“ Modelle auf den Markt brachte.

Istanbul Agop 19″ Mel Lewis Signature Crash/Ride Cymbal

Der 1929 geborene und 1990 verstorbene Mel Lewis war bekannt als Drummer der Band von Stan Kenton und als Sidemann zahlreicher Jazz-Größen sowie auch des Thad Jones/Mel Lewis Orchestra, der Big Band und des Quartetts. Berühmt war er bei vielen seiner renommierten Kollegen vor allem für seinen erlesenen Cymbal-Sound.
Zu seinem Cymbal-Setup gehörte auch stets ein 19″ Crash/Ride. Sein Signature-Modell entwickelte er mit Istanbul Cymbals als ein für ihn typisches, eher leichtgewichtiges Cymbal mit schneller Ansprache, großer Dynamik und dunklem Klangcharakter. Während es sowohl leichte wie auch schon recht kräftige Crash-Akzente ermöglicht, liefern Ride-Patterns einen mittig-rauschenden Sound und einen gut abgesetzten, mitten-präsenten Kuppenklang.
Das Istanbul Agop 19″ Mel Lewis Signature Crash/Ride ist nicht nur eine ausgezeichnete Ergänzung zu einem größeren (und eventuell schwererem) Ride, sondern macht auch als Haupt-Cymbal in einem kleinen Cymbal-Set eine ausgezeichnete Figur. Dabei muss es nicht unbedingt Jazz sein, auch in anderen Styles wie z.B. modernem R&B kann es bis zu mittleren Lautstärken sehr gut eingesetzt werden.

Paiste 20″ Giant Beat Multifunctional Cymbal

Mit der Einführung der aus B8-Bronzelegierung (CuSN8) gefertigten Giant Beat Cymbals ging Paiste 1967 betreffend der Legierung einen Schritt in die Zukunft und zugleich allgemein auch irgendwie „back to the roots“, denn es gab für die Giant Beats damals keine Klassifizierung nach Crash, Crash/Ride oder Ride. Hier tauchte auch zum ersten Mal die Beschreibung als „Multi“ bzw. „multi purpose“ für die 18″, 20″ und 24″ Cymbals auf. Diese drei Cymbal-Typen und Größen sind seit der Neuauflage der Serie 2005 auch heute noch erhältlich. Während das 18″ Modell wohl hauptsächlich als Crash und das 24″ Cymbal als Ride ihren Einsatz finden ist das Paiste 20″ Giant Beat Cymbal das echte „Multifunction“ Mehrzweck-Instrument, das beide Klangeigenschaften ausgezeichnet in sich vereint.
Grundsätzlich kann man das Giant Beat Cymbal als klassisches Rocksound-Cymbal bezeichnen, denn genau für diesen Einsatz wurden die Giant Beat Cymbals in 60er-Jahren konzipiert. Und so ist es kaum erstaunlich, dass Giant Beats auch heute wieder in vielen Rock Styles und vor allem Retro-orientierten Bands sehr gerne eingesetzt werden.
Interessant ist es, dass das Paiste 20″ Giant Beat Cymbal bei Crash-Akzenten gar nicht mal so aggressiv im Attack wirkt, sondern eher angenehm offensiv-präsent. Bei Ride-Pattern liefert es einen klaren Ping-Sound mit einem schönen Obertonschimmer im Sustain bei leichtem Grundrauschen. Bei forcierter Spielweise bietet es ordentlich Druck, doch man kann auch durchaus sensibler zur Sache gehen um volle Sounds zu erzeugen. Und mit transparentem, klaren Sound überzeugt auch die Kuppe dieses feinen Rock-Cymbals.

Sabian 19″ HHX Omni Jojo Mayer Signature Cymbal

Mit den Sabian HHX Omni Cymbals stellt der kanadische Cymbal-Hersteller erneut die fruchtbare Kooperation mit seinem Endorser Jojo Mayer unter Beweis. Hier ging man klanglich noch einen Schritt weiter, als es konventionelle Crash/Ride-Cymbals bieten. Die Kombination unterschiedlicher Bearbeitungstechniken der diversen Cymbal-Bereiche auch bezüglich der Oberflächengestaltung, machen eine Vielzahl charakterstarker Sounds in einem Cymbal abrufbar. Das Sabian 19″ HHX Omni ist dabei das von Jojo als „go anywhere, play anything“ Cymbal titulierte Instrument.
Der Grundklangcharakter kann als dunkel und erdig bezeichnet werden, wobei der Attack auf dem naturbelassenen Ride-Bereich mit einer besonderen „holzigen“ Klangnote besticht Die kontrollierten Obertöne ermöglich eine saubere Artikulation auch sehr schnell gespielter Patterns. Im brillanten Randbereich ist der Attack nicht mehr ganz so trocken und es addiert sich eine leichtes, schimmerndes Rauschen. Die Kuppen liefern einen klaren, mittigen Attack mit guter Projektion.  Als Crash klingt das 19″ HHX Omni eher leicht und luftig, mit einer im Attack leicht trashigen Note. Der Dynamikbereich ist recht hoch, das Cymbal spricht schnell an und liefert bei forciertem Spiel guten Druck und Präsenz.
Das Sabian 19″ HHX Omni bietet sehr gute Crash- und Ride-Sounds in nur einem Cymbal vereint, die sich in einer Vielzahl von Styles wie Jazz, Funk und Modern Pop einsetzen lassen.

Zildjian 21″ K Brillant Crash/Ride Cymbal

Zildjian bietet in vielen Serien Crash/Ride Cymbals an, natürlich auch in der K Zildjian Serie und dabei nimmt gerade das Zildian 21″ K Brilliant Crash Ride eine gewisse Sonderstellung ein. Das in Zusammenarbeit mit Drummer Zak Starkey entwickelte Cymbal ist im Gegensatz zum 18″ und 20″ K Cras Ride nur im Brillant Finish erhältlich. Auch die Obeflächenbearbeitung ist etwas anders gestaltet, denn hier fällt das Abdrehmuster der Tonal Grooves deutlich stärker aus und die Hämmerung ist zwar intensiv aber etwas leichter ausgeführt. Das alles resultiert auf Wunsch von Zak Starkey in einer Art „Wall of Sound“, wie er sie für sein Drumming bei der renommierten britischen Beat-Combo The Who benötigt und mit der er auch das Klangbild der ebenfalls recht bekannten britischen Beat-Band Oasis geprägt hat.
Das Zildjian 21″ K Brilliant Crash Ride liefert mächtige, breite Crash-Akzente, drückende Crash/Ride-Patterns (die sich gut zur erwähnten Klangmauer entwickeln lassen) und präsente, kernige Stickattacks über einem satten Grundklang bei Ride-Figuren. Hinzu kommt eine klare, helle Kuppe, der man gerne mal was voll auf die Glocke hauen mag. Dies ist eindeutig ein R.O.C.K.-Cymbal für alle Freunde der lauten Beat-Musik.

Zultan 19″ Caz Crash/Ride Cymbal

Im Vergleich zu old style Jazz Cymbals der türkischen Tradition orientiert Zultan sich mit den Caz-Cymbals eher an einer moderneren Variante dieses klassischen Sounds, die sich schon seit den späten 80er-Jahren auch großer Beliebtheit bei Drummern außerhalb des Jazz-Genres erfreut und selbst schon geradezu „klassisch“ geworden ist. Und genau diese modern classic Klangkomponente macht die Caz-Cymbals auch zu mehr als reinen Jazz-Cymbals, was auch auf das Crash Ride Cymbal zutrifft.
Das Zultan 19″ Caz Crash/Ride zeigt neben einem satten Crash-Akzent mit ausgeprägten Obertönen im oberen Mittenbereich gute Durchsetzungsfähigkeit auch im schon etwas lauteren musikalischen Umfeld. Die Ride-Qualitäten tendieren hier eher in Richtung genagelter Crash-Ride-Patterns denn filigraner Ride-Cymbal-Figuren. Auf dem Profil gespielte Ride-Patterns können jedenfalls etwas unkonkret wirken, da sich schnell ein zu starkes Grundrauschen ausbilden kann. Bei reinen Ride-Figuren ist also eine weniger forcierte Spielweise angesagt. Bell-Sounds und Patterns hingegen entwickeln wiederum gute Mittenpräsenz und erinnern ein wenig an typische Latin-Music-Figuren, wie sie z. B. von einem Timabalero eigesetzt werden. So etwas kann durchaus auch in Rock/Pop eine sehr gute Figur machen.

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