Produkt: Sticks Digital 07-08/2019
Sticks Digital 07-08/2019
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Bell Brass & Cast Aluminum Snaredrums

Top 5: Solid/Cast Speciality Snaredrums

 

Tama Bell Brass Original 1980s Snare Drum (Sammlung Drum Doctor Ross Garfield)

In dieser „Top 5“-Folge der „Specialty“-Snaredrums widmen wir uns den „Cast“ Snare Drums mit gegossenen Metallkesseln. Derzeit sind fast ausschließlich Snaredrums mit gegossenen Aluminium-Kesseln oder den so genannten „Bell Brass“-Kesseln aus Glockenbronze erhältlich, die Auswahl ist relativ begrenzt.

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„Bell Brass“ ist übrigens ein Begriff, der sich für Glockenbronze eingebürgert hat und hat eigentlich nichts mit „Brass“ = Messing zu tun. Diese Bronze ist ähnlich der für B20 Cymbals verwendeten Bronzelegierung und weist ein Mischungsverhältnis von etwa 4:1 der Kupfer- zu Zinn-Anteile auf (hier etwa 78% Kupfer und 22% Zinn). Dies trifft sowohl für die als „Bell Brass“ oder als (seltener)  „Bell Bronze“ bezeichneten Snaredrums zu. Für als „Cast Bronze“ bezeichnete Snaredrums könnten auch durchaus Bronzelegierungen mit anderen Mischungsverhältnissen eingesetzt werden.

Tama Bell Brass Original 1980s Snare Drum (Sammlung Drum Doctor Ross Garfield)

Etabliert hat sich die erstmals von Tama etwa 1980 für die originale Bell Brass Snaredrums (im Natural Patina Finish) verwendete Kesselstärke von ca. 3mm, übrigens auch für die so genannten „Cast“-Snaredrums aus anderen Materialien, meistens Aluminium. Somit handeltes sich vor allem bei den Glockenbronze-Snaredrums zwar immer noch um echte Schwergewichte (meist um ca. 4,5 kg), doch offensichtlich erzeugen die Kessel dieser Stärke den gefragten klassischen Sound, wie er z.B. auf den Recordings von „The Black Album“ von Metallica (Drummer Lars Ulrich) oder „Nevermind“ von Nirvana (Drummer Dave Grohl) zu hören ist, um nur die bekanntesten Rock-Recordings zu nennen. In den 80er Jahre setzten allerdings auch Fusion- bzw. Studo-Drummer wie Simon Phillips oder Jazz-Drummer wie Elvin Jones gerne die Tama Bell Brass Snaredrums ein, die in Größen von 14″ x 6,5″ und 14″ x 5,5″ erhältlich waren, später auch mit poliertem Bronze-Finish.

Von Tama ist derzeit eine Bell Brass Snaredrum in der „Starphonic“-Serie erhältlich, mit der wir unsere Top 5 dieses Mal eröffnen wollen.

TAMA Starphonic PBB146 14″ × 6″ Bell Brass Snaredrum

Von den klassischen Tama Bell Brass Snaredrums unterscheidet sich dieses Modell zum einen durch die Kesseltiefe von 6″ statt 6,5″, doch hauptsächlich durch die moderne „Starphonic“-Hardware. Gleich geblieben ist der ca. 3mm starke Glockenbronze-Kessel, hier in einem dunklen, nicht abgedrehten allerdings polierten Patina-Finish.
Zu den bemerkenswerte Hardware-Features gehören die „Grooved Hoops“-Spannreifen, die durchgehenden „Freedom“-Lugs mit nur zwei auflagepunkten am Kessel und der Möglichkeit, die Stimmschraubenaufnahmen nach leichten Lösen der Schrauben abzuklappen, wobei die Schrauben in der Aufnahme verbleiben. Weiteres Feature ist die „Linear Drive“-Snareteppichabhebung, mit der sich die Snareteppichspannung des 20-spiraligen High Carbon Snareteppichs beidseitig sehr fein justieren lässt.
Geblieben ist der typische Grundklangcharakter des Glockenbronzekessels. Klangliche Unterschiede zu den 6,5″ tiefen originalen Modellen gibt es nur in Nuancen, die sich allerdings durch die ausgezeichneten Hardware-Features bezüglich der Feinfühligkeit hinsichtlich Stimmung und Snareteppich-Einstellungen leicht ausgleichen lassen.  Hinzu kommt die hochwertige und technisch exzellente Fertigungsqualität, die diese Snaredrum zu einem absoluten High Class Instrument machen.

GRETSCH USA 14″ × 6,5″ Bell Brass Snaredrum

Eine hinsichtlich der Hardware etwas einfachere, preislich günstigere Version einer „Bell Brass“-Snaredrum bietet Gretsch an. Auch hier finden wir einen 3mm starken Glockenbronzekessel, ausgestattet mit den für Gretsch USA Drums typischen Guss-Spannreifen (Die Cast Hoops) sowie den markanten Gretsch Single Lugs (Spannböckchen), hier pro Fellseite 10 an der Zahl. Als Abhebung für den 42-spiraligen Snareteppich kommt die modere „Lightning“-Version zum Einsatz. Ab Werk wird die Snaredrum mit Remo USA Fellen ausgestattet, als Schlagfell kommt ein CS Snare Fell (Ambassador-Stärke, mit von unten aufgeklebtem Center Dot) zum Einsatz, als Resonanzfell ein Ambassador Snare Typ. Eine Schutzlackierung versiegelt die Innen- wie Außenseite und erhält so den schönen Glanz des goldfarbenen Gusskessels mit 3mm Wandstärke und einem Gewicht von ca. 4,5 kg.
Klanglich wartet sie mit prägnantem Attack mit immenser Projektionauf, ist im Sustain wuchtig, doch kontrolliert in den Obertönen, mit sauberem, kurzem Ausklang. Je nach Stimmung (und evtl. anderer Schlagfell-Bestückung) lässt sie sich für markante Rock/Funk-Backbeats sehr gut einsetzen und ist ausreichend sensibel für artikulierte Ghost-Notes.

Mit drei so genannten „Cast Aluminum“-Snaredrums setzen wir unser Top 5 dieses Mal fort. Ausgewählt haben wir hier drei Snaredrums mit unterschiedlichen Kesseldimensionen und Hardware-Ausstattungen. Alle die Snaredrum-Modelle verfügen allerdings über einen gegossenen, 3mm starken „Cast Aluminum“ Kessel.

DW Collector’s Series 13″ × 5,5″ Aluminum Snaredrum

Eine Besonderheit dieser Snaredrum aus der DW Collector’s Serie ist neben dem Kesseldurchmesser von nur 13″ als einzige unserer Top5-Auswahl die Gestaltung des Kessels mit „Verstärkungsringen“. Hier wird beim computergesteuerten Abdrehen des Kessels auf seine endgültige Kesselstärke von knapp 3mm im oberen und unteren Bereich auf einer Höhe von ca. 7/16″ etwas weniger Material weggenommen, so dass er in diesen Bereichen am Kesselrand eine höhere Materialstärke aufweist.
Zur Hardware-Ausstattung zählen die DW Mag Throw Off Snareteppichabhebung für den True Tone Snareteppich sowie True Tune Stimmschrauben mit Feingewinde und die DW True Hoop Spannreifen. Die Kesseloberfläche ist geriffelt gestaltet, die Hardware im Satin Chrome Finish ausgeführt.
Der solide, gegossene Alukessel liefert einen hellen, ausdrucksstarken Attack und einen obertoneichen Kesselton, bei hohen Stimmungen ideal für knallige Funk/Rock-Sounds à la Red Hot Chili Peppers (Chad Smith). Bei tieferen Stimmungen wird der Kesselton erwartungsgemäß etwas voller, insgesamt etwas trockener im Attack und satter im Ton. So lässt sie sich sowol als alternative Snare zu einem größeren Modell oder auch sehr gut als Main Snare im Funk/Modern R&B Kontext einsetzen.

GRETSCH 14″ × 6,5″ Solid Aluminum Snaredrum

Das wohl „konventionellste“ Snaredrum-Modell dieser Top 5 ist diese Gretsch Solid Aluminum Snare Drum in der Kesselgröße 14″ x 6,5″. Auch hier finden wir einen 3mm starken, gegossenen Aluminiumkessel (allerdings ohne Verstärkungen oben und unten wie bei den DW Cast Cluminum Snaredrums). Ausgestattet ist diese Snaredrum mit den für Gretsch USA Drums typischen Guss-Spannreifen (Die Cast Hoops) sowie 10 durchgehenden Spannböckchen im typischen Gretsch Style. Als Abhebung für den 42-spiraligen Snareteppich kommt die modere „Lightning“-Version zum Einsatz. Ab Werk wird die Snaredrum mit Remo USA Fellen ausgestattet, als Schlagfell kommt ein CS Snare Fell (Ambassador-Stärke, mit von unten aufgeklebtem Center Dot) zum Einsatz, als Resonanzfell ein Ambassador Snare Typ. Der Kessel im Satin-Finish hat innen wie außen eine leichte, klare Schutzlackierung.
Im Vergleich zu den eher trocken klingenden Alukesseln aus gebogenen und verschweißten Blechen oder auch nahtlos gezogenen Aluminiumplatten hergestellten, ist dieser Grundklangcharakter hier noch stärker ausgeprägt. Neben einem kernigen, präsenten Attacksound liefert der Kessel guten Punch und artikulierten, recht vollen  Ton. Das Obertonspektrum wirkt dabei sehr kontrolliert. Diese Snaredrum ist sehr gut geeignet, wenn hohe Präzision in der Ansprache auch bei dynamisch komplexen und schnell gespielten Patterns gefragt ist.

PEARL Philharmonic PHA1450 14″ × 5″ Snaredrum

Die hinsichtlich Pop/Rock/Funk-Sounds wohl ausgefallenste Snaredrum dieser Top 5 ist zugleich ein Geheimtipp für alternative Sounds und klangliche Experimente in diesen Styles. Wie der Name schon nahelegt, stammt dieses Snaredrum-Modell aus dem für den Orchester-Einsatz gedachten Bereich der Philharmonic Snaredrums von Pearl.
Diese Pearl Philharmonic Snaredrums sind für einen enorm weiten Dynamikbereich ausgelegt sowie für einen äußerst sensible Snareteppich-Ansprache und Artikulation.
Und damit sind wir neben dem gegossenen Alukessel von 3mm Stärke auch gleich beim wesentlichen Feature der mit Guss-Spannreifen und 10 speziell gestalteten Tube Lugs mit minimaler Kesselauflage ausgestatteten Snaredrum: den drei individuell justierbaren und schaltbaren Snareteppichen aus unterschiedlichen Materialien! Nur einer davon ist ein Spiralsaiten-Teppich, und dieser verfügt auch nur über vier Spiralen. Zwei weitere Snaretppiche bestehen aus je acht Kabeln, davon einer mit beschichteten Versionen. Hinzu kommen klassisch gestylte Vintage Snarebeds, bei dem die Spiralteppich-Schnur-Befestigung sowie die Kabelstränge über die Kesselgratung und einen auf dem Spannreifen angebrachten Bügel geführt werden. Das alles ergibt größtmögliche Kontrolle über die individuelle Ansprache aller Snares und zudem eine Vielfalt unterschiedlicher Klangmöglichkeiten.
Und diese teils filigranen Snaresounds werden hier von einem satten Kesselton unterstützt und einer saubersten Artikulation aller gespielten Noten über einen größtmöglichen Dynamikbereich. Und warum sollte man eine Orchester-Snaredrum, die solch vielfältige Klangmöglichkeiten bietet, nicht einfach auch mal in (moderner) Pop/Rockmusik einsetzen? Vor allem bei Studio Recordings dürften Klangexperimenten aufgeschlossene Drummer mit einem solchen Instrument den Sound-Jackpot knacken können. //

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Produkt: Sticks Digital 11-12/2019
Sticks Digital 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470

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