Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Roland

V-Drums TD-30KV E-Drums im Test

Beim E-Drum-Flaggschiff macht es uns Roland ganz einfach: Die erste Zahl in der Modellbezeichnung zeigt an, zu welcher Generation das Ganze gehört. TD-10 = 1. Generation, es folgte das TD-20, und mit dem TD-30 sind wir nun bei der dritten Auflage des Erfolgsmodells angekommen. Was Roland uns dieses Mal an Neuheiten präsentiert, soll dieser Test zeigen.

E-Drumkit
(Bild: Archiv)

Mit dem TD-30KV hat Roland die dritte Generation seines V-Drum-Flaggschiffs auf den Markt gebracht. Ob es in die großen Fußstapfen des TD-20 treten kann und wo die Stärken des neuen Modells liegen, zeigt der Videotest des Roland V-Drums TD-30KV.

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Roland schickte uns freundlicherweise das Topmodell der TD-30-Reihe, das TD-30KV, das sich vom etwas anders ausgestatteten TD-30K (ohne V) durch eine andere Pad- und Rack-Bestückung unterscheidet. Unser Testmodell ist also quasi das „top“ Topmodell, denn es besitzt nicht nur das neue Soundmodul TD-30, sondern auch neue Pads – was man äußerlich zunächst gar nicht so richtig bemerkt. Das Rack ist ja das gleiche wie vorher, nur die Drum- und Cymbal-Pads haben eine andere Farbe. Dahinter steckt aber nicht nur eine neue Farbgebung, sondern bei den Drum-Pads und dem Hi-Hat-Pad auch eine neue Funktionalität.

Beim Soundmodul hat Roland nun auch den Weg eingeschlagen, den man bei den Pianos und Synthesizer-Workstations schon seit geraumer Zeit geht. Das neue Schlagwort heißt „SuperNATURAL“, und stolz ziert dieser Begriff jetzt auch die Oberfläche des Soundmoduls TD-30. Dahinter verbirgt sich das Bestreben, dass die Instrumente auf die Spielweise des Musikers reagieren und die Sounds entsprechend umsetzen sollen. Beim TD-20X ist es beispielsweise schon so gewesen, dass es Cymbal-Rolls erkennt und die Attacks leicht glättet, damit die Illusion eines aufrauschenden Cymbals perfekt wird. Beim TD-30 wurde das Ganze noch weiter verfeinert und soll u. a. besonders schicke SnareRolls fabrizieren. Genug der Theorie, lassen wir die Tatsachen sprechen …

Das Rack

Das MDS-25 haben wir im Test des TD-20KX in STICKS 12:2009 ausführlich besprochen, daher hier nur kurz die Highlights. Das silberfarbene Rack steht auf solide auf vier Beinen und bietet Platz für mindestens vier Toms sowie etliche Cymbal-Arme. Mitgeliefert werden vier Tom-Halter und drei Cymbal-Ausleger, die über Galgen verfügen und ausreichend hoch eingestellt werden können. Die Tom- und Cymbal-Halter sind mit einer Omni-Ball-ähnlichen Konstruktion versehen und lassen sich daher problemlos in jeden gewünschten Aufhängungswinkel stellen. Das Ganze ist sehr robust und für eine langes Leben on the road ausgelegt.

Alle Schrauben, die öfters verstellt werden müssen, sind mit Flügeln ausgestattet, daher muss man nicht ständig den Stimmschlüssel suchen. Die Klemmen für alle Halterungen lassen sich aufklappen und daher schnell an beliebigen Stellen platzieren, ohne dass man dazu das Rack auseinanderbauen müsste. Der gesamte Kabelbaum ist innerhalb der Querrohre verlegt, und die Kabelenden kommen an den strategisch wichtigen Stellen aus den Rohren heraus. Da die Kabel durchsichtig sind, wodurch ihre ebenfalls silberne Abschirmung zu sehen ist, lassen sie sich optisch sehr unauffällig verlegen.

Cymbal-Pads und Hi-Hat

Die Cymbal-Pads haben eine neue Farbe und somit auch einen neuen Namenszusatz bekommen (MG: Metallic Grey), sie sind also nun dunkel- statt hellgrau – die hellen Pads sind aber nach wie vor im Programm. Bei den Crash- und Ride-Cymbal-Pads gibt es sonst nichts Neues zu vermelden, aber das neue Hi-Hat-Modell namens VH-13 wurde gegenüber der VH- 12, der es äußerlich ansonsten vollkommen gleicht, überarbeitet: Es ist mit einem verbesserten Bewegungs-Sensor ausgestattet, der für eine noch bessere Auflösung der Hi-Hat-Sounds sorgen soll.

Nach ausgiebigem Spiel komme ich zu der Überzeugung, dass die neue VH-13 tatsächlich besser reagiert als die VH-12, allerdings ist der Unterschied in meinen Augen nicht überirdisch, sondern eher marginal. Eines macht das TD-30 allerdings anders als vorher das TD-20; es gab nämlich eine Eigenschaft der Hi-Hat, die von Roland (m. E. zu Recht) als sehr realistisch angesehen wurde, die aber bei vielen E-Drummern offensichtlich auf wenig Gegenliebe stieß: Öffnet man die Hi-Hat sehr schnell mit dem Fuß, ohne sie anzuschlagen, erzeugt das TD-20 ein kleines Geräusch, das bei einer akustischen Hi-Hat entsteht, wenn dabei das obere Hi-Hat-Cymbal gegen die Aufhängung knallt.

Dieses macht das TD-30 nun nicht mehr – der Parameter „Noise Cancel“ ist zwar noch da und kann verstellt werden, bewirkt meines Erachtens aber nichts mehr.

Drum-Pads

Die Drum-Pads haben zunächst mal auch eine neue Farbe bekommen (BC: Black/Chrome) und eine neue Bezeichnung erhalten. Die „8“ am Ende der Zahlenfolge signalisiert, dass es auch innen Neuigkeiten gibt. Roland hat den Rim-Trigger neu entwickelt, und dieser sorgt tatsächlich für eine realistischere Ansprache, ohne dass man sich besonders konzentrieren müsste, um etwa einen Rimshot-Sound auszulösen – wie im richtigen Leben eben. Klasse! Viel mehr Neuigkeiten gibt es bei den Pads eigentlich nicht zu verkünden, denn ansonsten ist alles schon mehrfach an dieser Stelle gesagt worden:

Finish
(Bild: Archiv)

Die  Gewebefelle (Mesh Heads) sorgen für höchsten Spielkomfort, die Kesselfolien lassen sich austauschen, und die Pads sind sehr stabil und erzeugen gleichzeitig unglaublich wenige Geräusche. Einzige Ausnahme hier ist wieder das Kick-Pad, das ein leichtes „Bong“ beim Spielen produziert, was von dem Frontschild herrührt. Wen das stört, der sollte vielleicht eine kleines Stück Schaumstoff dahinterkleben. Die Farbe BC heißt übrigens zu Recht nicht einfach nur „Black“, denn je nach Lichteinfall wirkt sie auch schon mal dunkel- bis mittelgrau. Alles in allem sieht sie aber sehr edel aus.

Soundmodul

Das TD-30 sieht ebenfalls fast so aus wie der Vorgänger TD-20X. Als Farbe hat man dieses Mal ein schickes Schwarz mit dezentem Glitter-Effekt gewählt. Die Maße sind geblieben, allerdings hat sich beim Layout einiges getan. Die Taster für den internen Sequenzer sind nach oben links gewandert, und die Anzeige für Kit-Nummer und das Display sind zu einer optischen Einheit zusammengefasst worden. Alle kleinen Taster, die zuvor rund waren, sind jetzt eckig und in etwa gleich groß, während auf die Cursor-Taster nun Pfeile aufgedruckt sind. Außerdem werden die drei größten Taster „+“, „– “ und „Preview“ von einer gemeinsamen Metallplatte eingerahmt – ich schätze, damit die Bedienoberfläche nicht verkratzt, wenn man sie mal mit dem Stick bedient (was man natürlich erst gar nicht tun sollte ;-).

Modul Front
(Bild: Archiv)

Wer sich mit dem TD-20 auskennt, kommt hier problemlos sofort zurecht. Die Rückseite hat ebenfalls ein Neulayout erfahren, wobei die zehn Ausgangsbuchsen inkl. Digital-Out (koaxial) nach links gewandert sind, während Netzschalter und -anschlussbuchse nun rechts sitzen. Die Standard-MIDI-Buchsen gibt es ebenfalls noch, aber hinzugekommen sind zwei USB-Buchsen: eine, um das TD-30 mit dem Computer zu verbinden (Treiber gibt’s auf der mitgelieferten CD, die als Bonus 38 mp3-Songs und 22 wav-Loop-Patterns mitbringt), und eine zweite, in die man einen USB-Stick stecken kann, der hier gleich zwei Funktionen erfüllt.

Zum einen kann man hier seine eigenen Kits speichern – und zwar immer noch sensationelle 9.900 Kits von 99 Komplett-Backups, die sich auch ohne Laden vorhören und spielen lassen; außerdem passen hier auch noch 999 einzelne Kits und 999 einzelne Sequenzer-Patterns drauf –, zum zweiten kann man bis zu 100 mp3- oder wav-Files direkt vom Stick abspielen lassen. Eine einzelne Datei darf zwar nicht größer sein als 2 Gigabyte, aber das sollte zumindest bei mp3s völlig ausreichen.

Die zugehörige Abspielsektion kann darüber hinaus auch nur Ausschnitte dieser Files abspielen, sie loopen und sogar in einem anderen Tempo ohne Tonhöhenveränderung abspielen. Der Tempobereich lässt sich im Bereich von 50 bis 150% regeln, wobei es unterhalb von 90 und oberhalb von 110% allerdings zu leichten Artefakten kommt. Aber immerhin muss der mühsam zusammengestellte Percussion-Loop nicht noch mal komplett neu gebastelt werden, wenn er sich bei den Proben als nur ein wenig zu schnell oder zu langsam herausstellt. Insgesamt ein enormer Zuwachs an Flexibilität!

Modul Rückseite
(Bild: Archiv)

Ich denke, dass sich dann auch eventuelle SoftwareUpdates über den Stick abwickeln lassen. Leider lassen sich die Audio-Dateien auf einem USB-Stick nicht per Anschlag auf ein Pad starten, wie das bei den Patterns des internen Sequenzers möglich ist (Pad Pattern), sondern sie müssen zuvor manuell selektiert und dann mit dem Play-Taster gestartet werden. Schade, aber vielleicht kann man das noch mit einem Update nachliefern … Die Funktionalität der zweiten USB-Buchse zum Anschluss an den Rechner ist relativ unspektakulär, denn sie bietet vor allem die Möglichkeit, MIDI-Informationen zu empfangen und zu übertragen; man kann also direkt und ohne gesondertes MIDI-Interface in ein Sequenzer-Programm einspielen und das Gespielte wieder zurück zum TD-30 schicken.

Einen etwaigen Editor gibt es nicht – und den braucht man erst einmal auch nicht, denn das neu dimensionierte Display stellt alles so vernünftig wie nur möglich dar; und neuerdings kann man auch nicht nur den Display-Kontrast, sondern sogar dessen Helligkeit regeln, falls man es auf der Bühne gerne dunkel hat. Der Schacht des TD-20 für die CompactFlashKarte auf der Frontseite entfällt zwar beim TD- 30, aber hier kommt die wirklich gute Nachricht für alle Umsteiger: Das TD-30 ist aufwärtskompatibel zum TD-20 und TD-20X, denn es enthält all deren Sounds! Und natürlich auch viele neue, was die Gesamtzahl der Sounds auf 1.101 (plus „Off“-Sound) anwachsen lässt.

Hat man seine TD-20/X-Kits auf einer CF-Karte gespeichert, kann man sie mithilfe eines Rechners auf einen USB-Stick kopieren – natürlich nur, wenn der Rechner auch Anschlüsse dafür hat. Über die Import-Funktion des TD-30 lassen sich diese dann komplett in das Soundmodul kopieren, wobei die internen Kits dann zum Teil (TD-20) oder ganz (TD-20X) überschrieben werden. Hat man bereits wichtige Dinge im TD-30 geändert, sollte vorher also unbedingt ein Backup davon machen – einzelne TD-30-Kits lassen sich dann ja problemlos wieder laden. Was das TD-30 von den alten Daten nicht importiert, sind eventuelle Pattern-Zuordnungen samt den dazugehörenden Patterns sowie eigene Trigger-Einstellungen. Die neuen Sounds sind wie gewohnt sehr gut und ergänzen die bereits bekannten in idealer Weise.

Ambience
(Bild: Archiv)

Zur besseren Übersicht sind die Instrument-Kategorien weiter unterteilt worden. So finden sich etwa bei den Bassdrums die Kategorien Kick A, B, C, Processed und Electronic (wobei TD-20X-User ihre „alten“ Sounds unter Kick C wiederfinden), während es bei den Snaredrums A, B, C, D, Brush, XStick, Processed und Electronic gibt. Ähnlich sieht es dann auch bei den Toms, Cymbals, Hi-Hats, Effekt- und Percussion-Sounds aus. Zum Thema „SuperNATURAL“ gäbe es noch zu sagen, dass sich das TD-30 wirklich klasse spielen lässt: Die Übergänge der einzelnen Dynamikstufen sind nochmals glatter, und speziell bei den neuen Sounds hatte ich das Gefühl, dass hier bei jedem Schlag eine ganz leichte Sound-Variation abgerufen wird – bei Sample-Drum-Libraries nennt man das „Round Robin“, was besagt, dass bei trotz gleicher Anschlagsintensität immer ein leicht anders klingendes Sample abgespielt wird, um den berüchtigten Maschinengewehr-Effekt zu umschiffen.

Vereinfacht hat sich beim TD-30 der Umgang mit den Hall- und Raum-Effekten. Diese sind nun unter „Ambience“ zusammengefasst und ermöglichen auf einer Seite die Kontrolle über die Lautstärke der Overhead-Mikrofone, des Raums und eines speziellen (neuen) Halls, der das Kit mächtiger werden lässt. Das Lautstärkeverhältnis dieser drei lässt sich getrennt regeln, und komplett regelt man das Ganze über den neuen Fader „Ambience“ am integrierten kleinen Pult links unter dem Display. Das heißt … so neu ist der Fader nicht, denn er ist nicht zusätzlich vorhanden, sondern für ihn wurde die getrennte Regelung der beiden Crash-Kanäle geopfert; sie werden nun mit nur noch einem Fader gemeinsam eingestellt – was aber nicht so schlimm ist, denn die Toms werden ja auch mit einem einzigen Fader komplett geregelt.

Ambience
(Bild: Archiv)

Mit „Overhead“ regelt man übrigens nicht die Gesamtlautstärke aller Cymbals, wie das bei vielen Drum-Libraries der Fall ist, sondern hier wird mithilfe der beiden virtuellen Mikros zusätzlicher Sound gemacht. Ein Multi-Effektgerät ist natürlich nach wie vor an Bord, und hier gibt es auch wieder einen weiteren Hall, so dass man sein TD-30 dann mit insgesamt drei Hall-Effekten plus Overheads aufpeppen kann, wenn man dies möchte.

Fazit

Das TD-30KV ist die konsequente Weiterentwicklung der V-Drum-Flaggschiffe und bietet neue (und bereits bewährte) Sounds, bessere Bespielbarkeit durch neue Drum-Pads und die neue Hi-Hat VH-13 sowie die Möglichkeit, wav- oder mp3-Files von einem USB-Stick abzuspielen. Die Unterschiede zum Vorgänger TD-20/X sind jedoch nicht so gravierend, wie sie damals ausfielen, als das TD-20 das TD-10 ablöste. Dennoch werden die neuen Features und Sounds den V-Drum-Fan über eine Neuanschaffung zumindest nachdenken lassen, denn der Umstieg fällt dieses Mal besonders leicht. Ich zumindest verfalle alleine aufgrund des überaus praktischen Abspielens von Audio-Files, die auf einem USB-Stick gespeichert sind, in tiefes Grübeln über meine künftigen Anschaffungspläne …

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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