Sticks mit Finesse

Vic Firth Modern Jazz Collection im Test

Vic Firth präsentiert mit der Modern Jazz Collection fünf spezielle Drumsticks, die fast nicht das Licht der Welt erblickt hätten. In Zusammenarbeit mit renommierten Jazz-Drummern entstanden über viele Jahre die verschiedensten Modelle. Aus diesen hat das R&D-Team von Vic Firth die aktuelle „Modern Jazz Collection“ zusammengestellt.

Vic Firth Modern Jazz Collection
Jede der fünf unterschiedlichen Spitzen formt in Kombination mit dem speziellen Schaftverlauf einen eigenen Klangcharakter und ein individuelles Spielgefühl. (Bild: Dieter Stork)

Zu den Drummern, die an der Entwicklung diverser Stock- Modelle dieser Kollektion beteiligt waren, gehören u. a. Jeff Ballard, Lewis Nash, Joe McCarthy und Greg Hutchinson. Durchnummeriert von MJC1 bis MJC5 haben diese Sticks eines gemeinsam: Sie sind prädestiniert für ein leichtes, lockeres und sensibles Spiel mit viel Finesse. Dies assoziiert man durchaus sofort mit Jazz, doch sind selbstverständlich auch andere musikalische Einsatzbereiche, wie zum Beispiel dezente Sounds für akustisch orientierte Musikstile oder einfach mal für eine Recording-Session, bei der die Antithese eines Power-Rock-Sounds gefragt ist.

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Technisches & Praktisches

Gefertigt werden die Sticks der „Modern Jazz Collection“ von Vic Firth in den USA. Amerikanisches Hickory ist das Grundmaterial, bis auf das Modell MJC4, das aus Ahorn hergestellt wird. Prinzipiell könnte man als „Paten“ für die MJC1- und MJC2-Modelle einen 5A-Stick, für MJC3 und MJC5 den klassischen 8D-Stick und für den MJC4 einen 5B-Stick von Vic Firth benennen, doch „entfernte Verwandte“ wäre hier wohl der treffendere Ausdruck.

MJC1 Dieser Stick ist mit ca. 41 cm Länge und ca. 14,7 mm Durchmesser ein leicht verlängertes und etwas kräftigeres 5A-Modell. Durch den etwas verkürzten und kräftigeren Schaft sowie die ovale Stockspitze bekommt er eine besondere Note. Die Kombination ergibt eine ausgewogene Balance mit nur dezentem Zug nach vorn. Gute Rebound- Eigenschaften ermöglichen schnelles, artikuliertes Spiel, wahlweise dezent oder auch mal etwas kraftvoller. Im Quintett dieser Kollektion ist der MJC1 auch der kräftigste Stick. Der Klang auf einem Ride-Cymbal ist prägnant, und auch ein gutes Kontingent an Obertönen wird entwickelt. Extrem dünne Ride Cymbals können durch die Masse des Sticks schnell aufrauschen, insofern wurde dieser Stick klanglich nicht für das ultraleise Spiel entwickelt. Hiermit kann sich also auch ein Pop-Musiker durchaus zu Hause fühlen.

MJC2 Mit ca. 13,8 mm Durchmesser ist dieser Stick einen Hauch dünner als ein 5A-Modell, trifft aber mit ca. 40,6 cm Länge genau die des 5A von Vic Firth. Das Besondere ist hier der sehr lange Schaftverlauf, der sich auf einer Länge von ca. 11 cm bis zu einem Durchmesser von ca. 6 mm verjüngt. Dann mündet er in eine langgestreckte, pfeilförmige Spitze. Daraus ergibt sich eine Balance, die keinerlei Kopflastigkeit aufweist, dafür lässt sich dieser Stick bei einer „Finger Controlled“-Spielweise sehr flott beschleunigen. Zudem ist er durch den sich stark verjüngenden Schaft mechanisch flexibel und bietet ein sehr interessantes Spielgefühl mit federndem Rebound. Klanglich ergeben sich auf dem Ride-Cymbal feine, elegante Sounds, die durch die langgestreckte Spitze auch eine gewisse Präsenz entwickeln.

MJC3 13,7 mm Durchmesser und eine Länge von ca. 41,4 cm sind die Eckdaten dieses Modells. Damit ist dieser Stick etwas länger als der MJC2. Der Schaft ist ca. 8 cm lang und verjüngt sich auf ca. 6 mm im Durchmesser. Er mündet in eine relativ kleine, ovale Spitze. Diese technischen Details verleihen ihm eine leichte Kopflastigkeit, ohne den Stick dabei „langsam“ zu machen. Auch mit dem MJC3 lassen sich auf dem Ride-Cymbal feine Sounds mit luftigem Obertoncharakter erzielen, die Sounds wirken vom Attack her tonal etwas dunkler als beim MJC2.

MJC4 Hier gibt es was in die Hand: Mit ca. 15,1 mm Griffdurchmesser und einer Gesamtlänge von 41,6 cm ist das ein 5B-ähnlicher Stick, wären da nicht die kleine, fassförmige Spitze mit nur ca. 9 mm Durchmesser und der sich stark verjüngende Schaft. Da dieser Stick aus Ahorn gefertigt wird, ist er sehr leicht und passt somit ausgezeichnet in das generelle Konzept des leichten Spielgefühls dieser Stick-Kollektion. Aufgrund seiner geringen Kopflastigkeit ist der MJC4 für schnelle, kontrollierte Patterns sehr gut geeignet. Klanglich liefert dieser Stick einen kernigen Attack- Sound mit leicht trockener Note.

MJC5 Die Nummer fünf in diesem Quintett ist mit ca. 13,7 mm Durchmesser wieder einen Hauch dünner als ein Vic Firth 5AStick, allerdings mit 40,6 cm genauso lang. Der hier etwas längere Schaftverlauf, der sich auch noch stärker als bei einem 5AModell verjüngt, sorgt hier für einen etwas anderen Rebound, auch wenn seine Kopflastigkeit auf den ersten Eindruck stark an den klassischen 5A erinnert. Seine besondere Note bekommt der MJC5 durch eine Nylonspitze, die einen Mix aus ovaler und runder Form bietet. Die Sounds auf Ride-Cymbals sind sehr fokussiert, transparent und im Attack sehr brillant und somit präsent.


Facts

Hersteller

Vic Firth

Herkunftsland

USA

Serie

Modern Jazz Collection

Vertrieb

Musik & Technik

Internet

vicfirth.com

musikundtechnik.de

Preise (UvP)

MJC1, 2, 3 und 4: ca. € 14,88

MJC5: ca. € 15,35


Fazit

Mit der „Modern Jazz Collection“ bietet Vic Firth fünf Stockmodelle an, die jeweils einen eigenen Charakter besitzen. Verbindet man mit dem Begriff „Jazz“ ein akkurates Spiel mit viel Finesse und Kontrolle, so vermitteln die Sticks der „Modern Jazz Collection“ genau das entsprechende Spielgefühl. Das betrifft auch die Sound-Aspekte speziell bezüglich der unterschiedlichen Ride- Cymbal-Sounds. Das individuelle Spielgefühl, mit dem jedes der fünf Modelle aufwartet, zeigt, dass das Feintuning der einzelnen Modelle rundum gelungen ist. Die Verarbeitungsqualität ist wie immer ausgezeichnet. Und nicht nur für Jazzer sind die Modelle der „Modern Jazz Collection“ von Vic Firth eine gute Wahl für fein abgestimmte Sounds und filigrane Spielweise.

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