Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals
Großer Sound auch im kleinen Club

Yamaha Club Custom Drums im Test

Hinter den neuen Club Custom Drums steckt keine Neuauflage der Drums aus den 80er-Jahren, sondern eine von Grund auf völlig neu entwickelte Drum-Serie, bei der zum ersten Mal die Kessel aus der neu für den Trommelbau entdeckten Holzart Kapur gefertigt werden.

Yamaha-Club-Custom-DrumKit
(Bild: Archiv)

 

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Yamaha bietet zudem mit zwei eleganten Matt-Finishes und den ungewöhnlichen, lackierten Swirl-Patterns auch optisch einiges Neues. Letztere Versionen scheinen wohl im aktuellen Trend des japanischen Humors zu liegen, während die konservative Fraktion das kleine Matt-Schwarze doch wohl mehr begeistern dürfte – fast schon ein „Böse, Böse“-Outfit. Mit den erwähnten Kesseln aus Kapur und einigen interessanten technischen Details, wie beispielsweise der extrem runden Kesselgratung, verspricht Yamaha einen optimalen akustischen Sound für Club-Gigs. Machen also die Club Custom Drums ihrem Namen alle Ehre?

Konzept

Wer viel in kleinen Clubs spielt, benötigt einen Drum-Sound, der auch ohne PA-Abnahme gut über die Rampe kommt, dabei den Gesang nicht zuballert und doch druckvoll ist. Aber das bitteschön nicht all zu laut und vor allem nicht, wenn der Trommler dann noch mal was kräftiger spielen möchte (muss, soll), um ein bestimmtes Rock-Feel auch authentisch wirken zu lassen. Na klar, die „eierlegende Wollmilchsau“ wird mal wieder durchs Dorf getrieben – und wenn es nicht klappt, dann sitzt man als Drummer schneller auf einer Cajon, als man „Rods“ sagen kann, kloppt einen reduzierten bis blöden Beat, und das Ganze wird dann „Entstöpselt“ genannt. Dabei kann eine Cajon so ein schönes Instrument sein, zumindest in den Händen eines guten Percussionisten.

Dabei ist die Lösung für ein club-taugliches Drumset doch recht einfach: Reduziert die Mitten und Präsenzen, und geht das Ganze vom Grund-Sound her mal nicht so digital und vordergründig aufdringlich an! Und genau das hat Yamaha mit den Club Custom Drums probiert. Kapur scheint dabei eine gute Wahl zu sein, da es in der Dichte ähnliche Eigenschaften wie beispielsweise Eiche besitzt und – klanglich ebenfalls ähnlich – kompakt klingt und auf eine bestimmte Art und Weise auch über eine subtile Präsenz verfügt.

Sounds

Doch frequenzmäßig liegt man hier in Ganz anderen Bereichen. Das Knöcherne bis Trockene in den Mittenfrequenzen der Yamaha Oak Custom Drums ist hier nicht wirklich gegeben, dafür präsentieren sich die Kapur-Kessel der Club-Custom-Serie mit einem tiefen, leicht pumpenden und sehr kurz aufblendenden Bass, einer extrem schnellen Ansprache und sofortiger Entfaltung der vollen Resonanz. Der Attack ist dabei eher sanft und punchy, setzt sich aber über dem Kesselton sauber ab. Das verspricht schon mal einiges, und bereits mit der werkseitigen Fellkombination kann man vieles erreichen. Die „Ambassador“-Kombination auf den Toms haben wir zunächst einmal versucht, so tief wie möglich zu stimmen, um in dieser Extremsituation Resonanz- und Dynamik-Verhalten zu checken.

Und das brachte Überraschendes zutage: Bei extrem leisem Spiel mit z. B. 7A-Sticks entstand immer noch der statte Bassdruck der Kessel – wenn auch sehr leise –, und auch der Attack war klar zu orten. Wir sprechen hier von einer Lautstärke, die in etwa dem Trommeln mit Fingern auf der Tischplatte gleichkommt. Für eine noch etwas differenziertere Ortung des Attacks war eine minimale (!) Dämpfung der Schlagfelle sinnvoll. Gerade dieses untere Dynamik-Level mit einem derart runden und ausgewogenen, kontrollierten Klang bedienen zu können, ist doch recht selten zu finden. Also bewährt sich hier die Konstruktion aus sechs Lagen und extrem verrundeter Kesselgratung mit 60-Grad-Abschrägung.

Kessel von innen

Zu dieser Klangentfaltung trägt auch das Konzept der leichten Hardware mit 1,6-mm-Metallspannreifen, den leichten Stimmböckchen der „Oak Custom“-Serie und natürlich Y.E.S.S.-Halterungen für das Tom sowie die von Gummifuß auf Metalldorn umstellbaren Floor-Tom-Beine maßgeblich bei. Wer nun diese Beschreibung liest und dann auf Yamahas Website das Steve-Jordan-Video sieht bzw. hört, fragt sich sicher, was dieser Sound mit meiner Beschreibung zu tun hat. Die Antwort ist einfach: Nix! Gut, so einen Pappkarton-Klang kann man mit dem Club Custom auch herstellen, aber wer will das schon? Der Mann spielt exzellent, aber Wohlklang ist doch wohl etwas anderes, das Audiophile, was mit den Club Custom Drums durchaus zu erreichen ist, kommt da jedenfalls zu kurz.

Bleiben wir mal bei dem fetten Tom/Floor-Tom Sound und probieren mal, was mit z. B. 5A- und 5B-Sticks und entsprechend härterer Spielweise passiert. Erstaunlicherweise hat das Set auch hier besondere Qualitäten. Ab einem gewissen Punkt bei der Steigerung wird das Ganze einfach nicht mehr lauter statt in den sonst meist üblichen, pappigen Klang umzukippen, der ein zu hohes Input-Level signalisiert, bei dem man zu heftig für das jeweilige Tuning reinhaut. Hier werden die Grenzen sehr sauber aufgezeigt, und auf eine sehr gutmütige Art wird der Missbrauch auch bis zu einem Punkt toleriert. Somit kann man also auch durchaus Gas geben und mit fetten Toms einen Rock-Groove etablieren, ohne dabei klanglich zu offensiv zu werden. Interessanterweise geht das auch sehr überzeugend in etwas höheren Stimmungen, doch so richtig helle, jazzy Tom-Sounds sind nicht unbedingt die Stärke des Sets, da kommt man schon schnell in die Region des berüchtigten Jordan-Video-Sounds.

Auch die Snaredrum funktioniert sehr gut in etwas tieferer Stimmung und etwas stärkerer Dämpfung, denn die Snareteppich-Ansprache bleibt komfortabel und kontrollierbar. Was mit dieser Snaredrum auch sehr gut funktioniert sind etwas höhere und sehr offene Stimmungen, da hier nur ein sehr kurzer, hell singender Obertonbereich entsteht, der sich ganz prima nutzen lässt. Die Bassdrum liefert mit der werkseitigen Fellkombination und in tiefer Stimmung bereits ohne Dämpfung einen sehr kompakten, kurzen und tiefen Klang mit einem dezenten, fast schon weichen Attack, sofern man einen Filz-Beater oder die Filzseite des Schlägels nutzt. Klanglich lässt sich das Ganze mit etwas Feintuning und Variationen der Dämpfungsmenge für eine Vielzahl von Pop/RockSounds variieren, aber das Ding wirkt in der Spielerperspektive wie auch vor dem Instrument etwas leiser als der Rest.

Das Verhältnis der Instrumentenstimmen zueinander ist bei geringerem Lautstärke-Level durchaus ausgewogen, doch wenn man etwas mehr Gas gibt, ist die Bassrum subjektiv etwas zu dezent. Da hilft auch die Tiefe von 15″ nicht wirklich auf die Sprünge. Etwas Abhilfe schafft da ein Schlägel mit größerer Auftreff-Fläche, um den Attack etwas stärker in den Vordergrund zu stellen. In Kombination mit einem dünneren und vor allem nicht glatten Frontfell geht das Ganze dann in die richtige Richtung. Hier sollte der Hersteller vielleicht auf eine etwas andere werkseitige Fellkombination setzen.

Hardware

Auch das empfohlene Hardware-Angebot für dieses Club-Custom-Set geht vollkommen in Ordnung und zeigt die durchaus professionelle Ausrichtung dieses in Japan gefertigten Sets der oberen Mittelklasse. Die Hi-Hat-Maschine der Serie 1200 und das Bassdrum-Pedal 8500 mit Direct Drive sowie der 950 Snaredrum-Ständer bieten alle wichtigen technischen Features, die man als professioneller Musiker nutzt. Dafür sind die mit Einzelstreben ausgestatten Cymbal-Stative sehr leicht und dennoch stabil. Das Hardware-Paket inklusive Drummer-Sitz ist also ein gelungener Kompromiss aus Transportfreundlichkeit und professionellen, ausgezeichnet verarbeiteten Werkzeugen. Insofern ergibt sich hier ein stimmiges Gesamtbild, da auch die Kessel-Hardware mit z. B. den Bassdrum-Spitzen aus der Absolute- und Recording-Serie, den Y.E.S.S.-Halterungen sowie bewährtem DreifachTom-Halter ebenfalls ausgezeichnete Verarbeitungsqualitäten und Funktionalitäten aufweisen.

Verarbeitung

Auch bei der Kesselverarbeitung hat Yamaha wieder ganze Arbeit geleistet, und das ist bei dem langfaserigen Kapur-Holz sicherlich etwas anspruchsvoller. Die Gratungen sind jedenfalls alle sehr sauber und hier eben extrem rundlich ausgeführt. Zudem sind sie bei allen Instrumenten planparallel gesetzt, die Interaktion zwischen Schlag- und Resonanzfell ist optimal, da beide Felle parallel zueinander auf dem Zylinder sitzen. Die Auflagekanten sind glatt und fein geschliffen. Überzeugend sind auch die Toleranzen im Kesseldurchmesser: Die liegen bei allen Instrumenten konstant unter 1 Millimeter. Die Mattlackierung ist recht robust und gewinnt eine interessante Optik durch die recht grobe Struktur der Holzoberfläche.

Profil
(Bild: Archiv)

Fazit

Die Yamaha Club Custom Drums sind exzellent verarbeitete Drums der oberen Mittelklasse und überzeugen mit einem Sound, der optimal für den Club-Gig wie auch Studio-Situationen geeignet ist. Herausragend ist die dynamische Bandbreite – auch in sehr tiefer Stimmung –, die von extrem leiser Spielweise mit einem sehr vollen Klang bis hin zu einer rockigen Gangart reicht, die erfreulicherweise nicht mit aufdringlichem Sound einhergeht. Das Set – und hier speziell die Toms und die Snaredrum – entwickeln direkt nach dem Anschlag einen satten Druck, der allerdings nur sehr kurz aufblendet. Das hat schon fast den Effekt, den man auf elektronischem Weg mit einem geschickt eingesetzten Kompressor erzielt. Diese besondere Klangeigenschaft führt zu einen sehr gut beherrschbaren, nicht übertrieben aufdringlichen, aber eben druckvoll wirkendem Sound mit eigenem Charakter.

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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