Neue Drum-Pads für die E-Drum-Oberklasse

Yamaha DTX950K im Test

Yamaha stellte in der E-Drum-Oberklasse auf der Musikmesse 2010 die neuen Sets DTX900K und DTX950K vor. Was die neuen XP-Pads mit TCS-Schlagflächen an Spielkomfort bringen und wie das neue Spitzenmodell insgesamt abschneidet, erfahrt ihr in unserem Videotest des Yamaha DTX950K.

Drum-Kit

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Beide Sets unterscheiden sich nur unwesentlich in der Ausstattung: Das 900er-Modell wird mit drei Cymbal-Pads und einem Hi-Hat-Pad geliefert, hinzu kommen je ein 12″-Snare- und 12″-Kick-Pad, drei 10″-Tom-Pads sowie Snare-Ständer, Hi-Hat-Pedal, das Alu-Rack RS130 und natürlich das Soundmodul DTX900. Das größere DTX950K unterscheidet sich davon bezüglich der Pad-Bestückung und beim Rack: Hier gibt’s zwei kleine 10″- und zwei große 12″-Tom-Pads und mit dem HXR4LD ein größeres Rack mit Edelstahl-Stangen und Spritzguss-Klemmen. Zum Testen lieferte uns Yamaha das größere 950er-Set, das nur noch mit einem Bassdrum-Pedal (und natürlich Drummer-Sitz und Sticks) ergänzt werden muss, damit man sofort loslegen kann. Was alles in dem DTX950K von Yamaha steckt, seht und hört ihr hier…

Alte Bekannte

Bevor wir uns den „echten“ Neuerungen widmen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Dinge, die uns bekannt vorkommen. Das Rack kennen wir schon gut; es ist das gleiche, das auch beim Special-Set des DTXtreme III mitgeliefert wird. Eine knappe Beschreibung findet sich also schon im entsprechenden Testbericht in STICKS 09.2008, und noch genauer hat das Hexrack-System mein geschätzter Kollege Ralf Mikolajczak in STICKS 12.2008 unter die Lupe genommen. Ich möchte hier nur nochmals dazu sagen, dass es superstabil ist und mit seiner Sandstrahl-Chrom-Optik ebenso schick aussieht – und auch richtig viel wiegt.

Auch die Hi-Hat- und Cymbal-Pads sind mit den bereits getesteten identisch, und weitere Komponenten sind ebenfalls bekannt – so das einstrebige Hi-HatPedal HS740A, der Snare-Ständer SS662 für Snares mit 12″ Durchmesser sowie der praktische Kabelbaum mit dem spiralförmige Schlauch, bei dem man die Kabel an beliebiger Stelle herausführen kann, um sie so unauffällig wie möglich zu verlegen. Das Soundmodul DTX900 kannte ich vom Namen her bisher noch nicht, aber ein kurzer Rundgang um das Brain des DTX950K legt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Ableger des DTXT3-Moduls vom DTXtreme-III-Set handelt.

Ein Blick in Anleitung und Datenblatt klären auf: Das DTX900 ist mit dem DTXT3 fast identisch, es unterscheidet sich lediglich in einigen wenigen Details. Ganz offensichtlich ist das erste Detail: Das Gehäuse ist hier komplett tiefschwarz und besitzt einige weiße und viele schwarze Bedienelemente. Weitere Details stecken in der Software; dort gibt es zwei neue Trigger-Presets, die für die 900er- und 950er-Kits mit den neuen XP-Pads gedacht sind, inklusive entsprechender Presets auf den Trigger-Seiten. Au- ßerdem kommen einige neue Software-Features hinzu, wie beispielsweise neue „Choke“-Voices, Effekt-Bypass-Buttons auf der KIT-Seite oder eine Fernbedienungsfunktionalität für die mitgelieferte Software Cubase AI.

Wer nun traurig ist, dass sein „altes“ Soundmodul DTXT3 das alles nicht hat, sei getröstet: Per Firmware-Update kann man aus ihm quasi ein DTX900 machen – nur die Farbe bleibt die alte. Das Update gibt’s als kostenlosen Download auf der englischsprachigen Seite „dtxdrums.yamaha.com“ unter „Downloads“ -> „Driver and Software“ -> „DTXTREME III“ -> „Updater“.

XP-Pads

Komplett neu sind die neuen XP-Pads für Snare und Toms. Bei Ihnen ist Yamaha einen völlig neuen Weg gegangen, denn ihre Schlagflächen bestehen weder aus Gummi noch aus Gewebefellen, sondern aus dem eigens entwickelten Werkstoff namens „TCS“. Dieser Name steht für „Textured Cellular Silicone“, was übersetzt „strukturiertes zellförmiges Silikon“ heißt. Namen sind Schall und Rauch, und von mir aus hätte man es auch „Karlheinz“ nennen können, wichtig ist mir nur, wie sich darauf spielen lässt. Mein erster Kontakt geschieht zunächst über die Haut: Die weißen „Felle“ fühlen sich an wie fein gesprenkeltes Gummi und erinnert ein wenig an Naturfelle, sind aber wesentlich gleichmäßiger strukturiert.

Schlagfläche
Schlagfläche der XP-Pads bestehend aus dem neuen Werkstoff TCS

 

Optisch erinnert die Struktur von Weitem an weiße, aufgeraute „coated“ Felle, von Nahem sieht’s in etwa so aus wie plattgekloppter Milchreis. Von außen ist nicht genau zu sehen, wie dick diese Schicht ist. Da am Rand aber eine Art Fellkragen eingelassen ist, liegt die Vermutung nahe, dass es mindestens 1 cm sein müsste. Das vorsichtige Sezieren durch Aufschrauben eines 12″-Tom-Pads offenbart des Rätsels Lösung: Seine TCS-Spielfläche ist ca. 16 mm dick. Bevor man die neuen Pads anspielt, sollte man noch wissen, dass sie unterschiedlich straff „gespannt“ sind. Um den Originalen eines Akustik-Sets so gut wie möglich zu entsprechen, fallen die TCS-Schlagflächen verschieden aus: Das Snare-Pad ist relativ stramm, die 10″-Tom-Pads etwas weicher und die 12″- Tom-Pads noch etwas weicher.

Tom-Pad
Aufgeschraubtes 12″-Tom-Pad mit ca. 16 mm dicker TCS-Spielfläche

Yamaha erreicht diese Wirkung durch die jeweils unterschiedliche Dichte des TCS-Materials. Spielt man dann eine Weile auf den neuen Pads, so muss man ihnen einen sehr guten Rebound bescheinigen. Lässt man beispielsweise den Stick locker aufs Fell fallen und dann immer wieder abprallen, denkt man zunächst, dass er gegen Ende im Fell „versacken“ müsste – tut er aber nicht, sondern er „rollt“ gleichmäßig aus. Das kann sogar eine Akustiktrommel – wie etwa ein tief gestimmtes Floor-Tom – nicht so gut, denn bei ihr schwingt ja das Fell mit und wirkt gegen Ende dieser Übung dem Stick auch mal entgegen, wodurch das Abprallen ungleichmäßig wird.

Insgesamt ist das Spielgefühl also ein echter Fortschritt gegenüber den sonst bei Yamaha verwendeten Gummischlagflächen, und das Spielgeräusch der XP-Pads ist auch leiser als bei Gummi, allerdings nicht so leise wie bei Gewebefellen. Beim Aufbauen des Sets fiel mir auf, dass die neuen Pads recht schwer sind, was nur zum unwesentlichen Teil auf das verbaute TCS zurückzuführen sein dürfte. Ich halte vielmehr die „Kessel“ dafür verantwortlich, denn diese sind nicht nur genauso lackiert wie das Hexrack – also Chrom mit Sandstrahl-Finish –, sondern sie sind ebenfalls aus Metall, wobei ich auch hier auf Stahl tippe. Ihre Unterseiten sind dann wieder aus Kunststoff. Diese schließen allerdings nicht direkt an den Kessel an, sondern es gibt einen winzigen Spalt zwischen Abdeck – platte und Kessel; zudem ist die Abdeckplatte nicht völlig starr mit dem Kessel verbunden, sondern sitzt leicht gefedert.

Da die Halterungsrosette in der Abdeckplatte eingelassen ist, sind die Kessel also nicht nur besser gegen Übersprechen geschützt, sondern produzieren auch nicht so viel davon, weil die Verbindung der Schlagflächen zum Rack nicht mehr starr ist. Beim Zerlegen des 12er-Tom-Pads zeigte sich auch, wie Yamaha die „Federung“ bewerkstelligt: Die relativ langen Schrauben, mit denen Ober- und Unterteil verschraubt werden, stecken in sehr weich gummierten und dicken Hülsen, die als Trennelemente dienen und gleichzeitig wie eine Art Schockabsorber wirken. Das Snare-Pad XP120SN besitzt übrigens nicht nur eine strammere Schlagfläche als die Tom-Pads, sondern auch einen völlig anderen Unterbau. Abgesehen von der fehlenden Halterungsrosette unterscheidet es sich auch bezüglich der Unterseite, die hier viel tiefer ist.

Pad-Oberteil
Sechs Schraubenhülsen aus sehr weichem Gummi liegen lose auf den Gewinden des Pad-Oberteils

Die Abdeckplatte schließt nicht an den „Kessel“ an, sondern liegt knapp 3 cm tiefer und ist mit dem Gehäuse über sechs kleine Rohre verbunden, die ein wenig an Spannböckchen erinnern. Da aufgrund dieses Konstrukts die Arme des Snare-Ständers nun nicht mehr den „Kessel“, sondern ausschließlich den Unterbau berühren, ist auch das Snare-Pad vor Übersprechen beispielsweise von Trittschall besser geschützt. In der Praxis zeigt sich abermals, dass sich der Forschungsaufwand seitens Yamaha gelohnt hat.

Die Pads lassen sich nicht nur klasse spielen, sondern setzen auch die Sounds des DTX900-Soundmoduls sehr gut um. Selbst sehr, sehr leise Schläge werden noch erkannt, wenn man die Empfindlichkeit entsprechend ausreizt. Die gewohnten Extras sind natürlich auch an Bord. Alle Pads besitzen drei SpielZonen: die normale Schlagfläche, die dem Spieler zugewandten drei Fünftel des Rims und die zwei Fünftel des Rims auf der dem Spieler abgewandten Seite. Auch der Endlosdrehregler des Pad-Controllers fehlt hier nicht, der als Standard meist mit einer virtuellen Snareteppich-Abhebung beim Snare-Pad und bei den Toms mit der Möglichkeit, diese zu verstimmen, belegt ist – schickes Detail: Er ist nun nicht mehr leuchtend rot, sondern schön schwarz. Nicht so viel Neues gibt’s beim Kick-Pad KP125W zu vermelden; das „W“ steht wohl für „white“, also „weiß“.

Gegenüber dem KP125 ohne „W“ hat sich nur die Ausstattung und Farbe der Schlagflä- che geändert; Diese besteht nun aus einem (weißen) Gewebefell-ähnlichen Material und hat in der Mitte zusätzlich einen breiten Aufkleber, um die Schlagfläche auch für die beiden Schlägel eines Doppelpedals zu markieren, welches sich dank des Durchmessers von ca. 12″ problemlos verwenden lässt.

Yamaha DTX950K_04

Fazit

Der Forschungsaufwand hat sich gelohnt: Die neuen XP-Pads mit ihren TCS-Schlagflächen bieten einen bislang nicht gekannten Spielkomfort und unterdrücken das Übersprechen so gut wie nie zuvor. Aufgrund ihres hohen Gewichts ist das superstabile Hexrack sinnvoll, dennoch denke ich, dass es auch mit dem wesentlich leichteren RS130-Rack von Yamaha keine Probleme geben dürfte. Wer sich also mit den Gummi-Pads von Yamaha bislang nicht so recht anfreunden konnte, sollte die neuen XP-Pads unbedingt einmal ausprobieren. Sehr schön ist auch, dass die Besitzer des Soundmoduls DTXT3 vom DTXtreme-III-Kit nicht außen vor gelassen werden und per Firmware-Update an den Features des neuen Soundmoduls DTX900 teil – haben können.

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