Neue Generation der Recording Custom Drums

Yamaha Recording Custom Snaredrums im Test

Yamaha hat mit der neuen Generation der Recording Custom Drums auch passende Snaredrums mit Metallkessel aufgelegt. Dabei gibt man sich betont klassisch mit Messing, Aluminium und Stahl als Materialien und – erstmals für Yamaha – mit einer nach außen gewölbten Sicke in der Kesselmitte.

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Auch diese neuen Snaredrums sind wie die Recording Custom Drums mit viel Input von Master-Drummer Steve Gadd entwickelt worden. Die 14″ x 5,5″ Version steht dabei in allen drei Kesselmaterialien zur Verfü- gung. Als besondere Option gibt es für diese Modelle zusätzlich zur Serienausstattung mit einem Snareteppich mit 20 Spiralen auch den speziellen „Steve Gadd“- Snareteppich mit nur 10 Spiralen. Die 6,5″ tiefen Modelle sind mit Messing- oder Aluminium-Kessel erhältlich, die „Stainless Steel“-Variante legt da noch ein halbes Zoll zu und ist damit im berühmten YamahaFormat von 14″ x 7″ zu haben. Eine „heilige Dreifaltigkeit“ in Messing wird durch das Snaredrum-Modell in der Größe 13″ x 6,5″ komplettiert.

DIE KONSTRUKTION
Gefertigt werden die Kessel der neuen Recording Custom Metall-Snaredrums in Taiwan. Erstmals setzt Yamaha bei diesen Modellen eine in der Kesselmitte nach außen gewölbte Sicke und damit ein klassisches Design ein. Dass man von der für Yamaha typischen Wölbung nach innen abrückt, hat dabei klangliche Gründe. Die Klangcharakteristik sollte – nach Vorgaben von Steve Gadd – etwas obertonreicher und zugleich fokussierter werden. Insofern ist die Klangausrichtung recht eindeutig, doch ein gewisser Touch des typischen Yamaha-Sounds gehört eben auch dazu. Bei den Kesselstärken setzt Yamaha daher weiter konsequent auf eine Dicke von 1,2 mm. Die Messingkessel sind verlötet, die Stahlkessel geschweißt. Dabei wurde höchste Präzision an den Tag gelegt, denn die gerade und parallel zur Kesselsäule verlaufenden Nähte sind nur auf der Innenseite zu erkennen und zeigen eine gleichmäßige Breite. In den kritischen Bereichen der Gratungen sind sie perfekt und ohne fühlbare oder erkennbare Unebenheiten ausgeführt.

Trotz dieser untrüglichen Qualitätsmerkmale haben wir die Hardware abmontiert und die Kessel mal abgeklopft. Zu hören waren hier äußerst sauber ausschwingende Sounds, was zweifelsfrei beweist, dass die Kessel spannungsfrei verlötet respektive verschweißt wurden. Die Aluminiumkessel sind als einzige nahtlos gezogen. Auch sie zeigen eine perfekte Verarbeitung und ein entsprechend sauberes Klangbild. Die Gratungen sind präzise geformt, und den Fellen bietet sich eine schmale, leicht verrundete Auflagefläche. Die Snarebeds weisen einen sanften Verlauf zum Nutzbereich auf, und ganz klassisch verbreitert sich hier die Auflagefläche ein wenig, es bleibt aber bei einer rundlichen Form. Die perfekt verchromten, neuen „Recording Custom“-Böckchen liegen nicht an der Sicke an. Sie sind um einiges schwerer als die alten Versionen, was klanglich zu einem fokussierteren Sound führt. Die Stimmschrauben und Gewindehülsen laufen mit großer Präzision ineinander. Die Stimmschrauben sind mit Metallunterlegscheiben ausgestattet, und sowohl an den „Dyna Hoop“- als auch an den Aluminium-Guss-Spannreifen sind die Auflageflächen plan.

Persönlich würde ich zusätzliche Kunststoffunterlegscheiben installieren, allein damit sich die Unterlegscheiben auf Dauer nicht in die Spannreifen „einarbeiten“ können. Beide Varianten an Spannreifen sind äußerst präzise gefertigt, so dass Felle hier saubere, plane Auflagen vorfinden und nicht in den Spannreifen klemmen. Die Aluminium-Guss-Spannreifen sehen im Vergleich zu den „Dyna Hoops“ zwar schwerer aus, sind aber tatsächlich leichter, übrigens auch als übliche ZinkDruckguss-Spannreifen. Die Snareteppiche werden mit Schnur befestigt. Diese hat eine gewisse Flexibilität, so dass das Resonanzfell nicht in seiner Bewegung bzw. Schwingung eingeschränkt wird. Interessant sind auch die äußerst geschmeidigen Oberflächen am „Q-Type Strainer“ und „Butt End“ (Klemmböckchen) der Snareteppich-Abhebung, zudem sind hier kleine Kanäle eingearbeitet, so dass die Schnur bei jedem Anschalten der Abhebung sauber geführt wird und der Snareteppich sich optimal anlegt. Das zeugt von großer Liebe zum Detail bei Entwicklung, Konstruktion und Fertigung.

DIE SOUNDS
Alle Testkandidaten bieten eine akkurate, schnelle und direkte Ansprache, und dies in einer unglaublich weiten dynamischen Bandbreite. Attack, SnareteppichAnsprache und Klangentwicklung sind absolut überzeugend. Und dann kommt noch ein äußerst sauber und resonant klingendes Sustain, so dass man jedes SnaredrumModell auch gern ohne jedwede Dämpfung spielt, allein um jeweils das für das entsprechende Material typische harmonische Obertonspektrum in vollen Zügen zu genießen. Hinzu kommt, dass sich die jeweils zur Fellstimmung passende Snareteppich-Spannung feinfühlig und präzise justieren lässt. Alle Trommeln lassen sich schnell und exakt einstimmen. Auch ohne mechanische oder elektronische Stimmhilfen kommt man leicht zu tonal sauberen Ergebnissen, die Stimmschrauben arbeiten bemerkenswert direkt. Das alles zeigt, dass die Yamaha Recording Custom Metallkessel-Snaredrums für den professionellen Einsatz live und im Studio bestens geeignet sind.

Die 14″ x 5,5″ Modelle bieten sich für einen Vergleich betreffend der Klangcharakteristik des jeweiligen Kesselmaterials perfekt an. Die Aluminium-Snaredrum besticht durch ihren für Metall-Snaredrums recht trockenen und tonal fokussierten Klangcharakter. Die Aluminium-Guss-Spannreifen verleihen gute Präsenz bei Rimshots und Rimclicks. Somit finden wir hier einen klassischen Vintage-Snaresound im besten Sinne. Damit lassen sich die trockenen, tiefen Sounds à la Steve Gadd ebenso hinbekommen wie kernige Funk- oder Pop/RockSounds.

Wer es lieber etwas heller und singender in den Obertönen mag und ein offener klingendes Sustain bevorzugt, wird die Stahlkessel-Snaredrum mögen. Diese Snaredrum kann je nach Stimmung durchaus bissig sein, dennoch haben ihre Obertöne keinen allzu schneidenden Charakter, sondern wirken eher kernig-crisp und frech. Zudem wartet diese Snaredrum mit einem guten tonalen Body auf, so dass sie für ihre Tiefe auch recht druckvoll und satt wirkt. Modern Funk und Pop, Indie und Alternative Rock sind da sicher gute Einsatzfelder.

Die Messing-Snaredrum wirkt etwas wärmer und weniger aggressiv als das Stahlkessel- Modell. Durch den 1,2-mm-Kessel wirkt sie zudem etwas fokussierter in den Obertönen als so manches Vintage-Brass-Modell. Auch wenn sie durchaus satt wirkt, erweist sie sich definitiv als etwas crisper. Hier ist deutlich etwas von den kernigen Sounds der legendären MessingkesselSnaredrums vorhanden, was mit sehr gut gefällt. Ausgestattet mit dem speziellen „Steve Gadd“- Snareteppich bleibt die Ansprache bei allen drei Snaredrums weiterhin direkt und präzise, der Klang ist allerdings perkusssiver und tonal kontrollierter – eine feine Option auf einen eigenständigen Klangaspekt.

Die 14″ x 6,5″ Snaredrums in Messing und Aluminium erfüllen alle Erwartungen, die ihre Materialien nahelegen. Doch diese beiden Instrumente können noch viel mehr. So kann z. B. die Messingkessel-Snaredrum sehr gut die typischen britischen New Wave/New Romantics/ Pop-Sounds der 80er-Jahre mit dem kernigen Attack und dem satten Druck in den Tiefmitten abliefern und genau so gut auch fette 70s-Vintage-Sounds über die Rampe bringen. Das ist alles lediglich eine Frage von Fellauswahl, Stimmung und Dämpfung.

Die Aluminiumkessel-Snaredrum überzeugt mit satten, trocken-crispen „Classic Rock“- Klangvarianten. Höher gestimmt kann sie auch sehr knallig wirken und zeitgemäße Rocksounds sehr gut bedienen.

Wer es crisper und bissiger mag, setzt auf die 14″ x 7″ Stahlkessel-Snaredrum, das 1/2″ mehr an Kesseltiefe sorgt für mächtigen Druck. In hoher Stimmung kann man damit metal- mäßig mit krachenden Attacks und sattem Body sehr gut abgehen. Diese Snaredrum vermag allerdings auch das andere Extrem zu bedienen.

Ausgestattet mit einem vorgedämpften Schlagfell, so tief wie möglich gestimmt und wohl dosierter Dämpfung, wird es dann so richtig satt und tonal bassig. Diese Snaredrum reagiert trotz der extremen Stimmung nicht zu träge, und auch die Snareteppich-Ansprache ist tatsächlich noch respektabel.

Die 13″ x 6,5″ Messingkessel-Snaredrum ist in dieser Kollektion ein weiteres klanglich interessantes Modell. In mittlerer Stimmung liefert sie einen sehr prägnanten Attack, und aufgrund der Tiefe von immerhin 6,5″ ist der Klang warm/ satt oder kernig/druckvoll, je nachdem, ob man sich eher im oberen oder unteren Bereich dieses Tuning-Segments bewegt. So lässt sich dieses Instrument präzise an die Erfordernisse des Klangspektrums des jeweiligen Musikstils anpassen. Auch wer eher helle, obertonreiche Sounds mit genügend Klangfülle favorisiert, kann mit dieser Snaredrum in einem höheren Tuning gut beraten sein. Ein cooles Instrument für moderne Pop-, Funk- oder Urban R&B-sounds.

FAZIT
Die neuen Yamaha Recording Custom Metallkessel Snaredrums präsentieren sich optisch so richtig Vintage-gemäß. Erstmals verwendet Yamaha die nach außen gewölbte Sicke in der Kesselmitte und setzt (weiterhin) auf die klassischen Materialien Messing, Aluminium und Stahl. Und es steckt noch viel YamahaIdentität im Programm, wie z. B. der optionale „Steve Gadd“-Snareteppich, die Aluminium-Guss-Spannreifen für die Aluminiumkessel-Snaredrums oder die 7″ Tiefe bei der Stahlkessel-Snaredrum.

Yamaha hat an vielen konstruktiven Stellschrauben gedreht und den Spagat geschafft, Trommeln anzubieten, die authentische, klassische Vintage-Sounds und zudem auch modernere Klangvarianten diverser Music Styles ebenso überzeugend liefern können. Dies ist auch der herausragenden Verarbeitungsqualität geschuldet, die für eine äußerst direkte Ansprache, ein blitzsauberes Klangverhalten im Sustain, eine große dynamische Bandbreite und eine weite TuningRange sorgt. Das Preisniveau erscheint gemessen am technisch wie klanglich Gebotenen geradezu günstig. Ein persönlicher Test bereitet sicherlich nicht nur Yamaha-Fans eine schöne Zeit mit ausgezeichneten Instrumenten.

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