Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
AE Acoustic/Electric Cymbal System

Zildjian GEN16 AE Cymbals

Was uns Zildjian da mit dem neuen GEN16-System präsentiert, erschließt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Cymbals mit Löchern? E-Drum-Pads? Show-Effekt-Cymbals? Nun, es ist ein bisschen von allem, aber die Wahrheit geht dann doch wesentlich tiefer. Und so viel sei vorweg gesagt: Die vollmundige Ankündigung seitens des Herstellers einer „Revolution“ im Cymbal-Sektor ist nicht vollkommen übertrieben. Also werfen wir doch mal einen zweiten Blick auf das Ganze.

E-Cymbals
(Bild: Archiv)

Was ist das Zildjian GEN16-System? Cymbals mit Löchern? E-Drum-Pads? Show-Effekt-Cymbals? Ein bisschen von allem! Aber die Wahrheit geht dann doch wesentlich tiefer – so tief, dass wir gleich 2 Testteile für euch haben. Und so viel vorweg: Die vollmundige Ankündigung des Herstellers einer “Revolution” im Cymbal-Sektor ist nicht vollkommen übertrieben.

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Für den Test hat man uns das Paket AE 480 geliefert. Es enthält zwei Cymbals 18″ Crash und 20″ Ride, ein Paar 14″ Hi-Hat-Cymbals, drei Pick – ups, ein Steuermodul namens DCP (Digital Cymbal Processor) inklusive externem Netzteil und Halteplatte, eine Kabelpeitsche mit fünf Kabeln, diverses Befestigungsmaterial für die Cymbals inklusive speziellem Halter für das obere Hi-Hat-Cymbal sowie zwei Kunststoff-Cases – eins für das Modul und Netzteil sowie eines für bis zu fünf Pickups.

Zudem gibt es eine Kurzanleitung in verschiedenen Sprachen, darunter auch Deutsch. Außer diesem Paket gibt es noch zwei weitere: das AE 38 mit 13″ Hi-Hat und 18″ Ride sowie das AE 368 mit einer 14″ Hi-Hat, einem 16″ Crash und einem 18″ Ride. Weil an das Steuermodul DCP bis zu fünf Cymbals angeschlossen werden können, kann man sich einzelne Cymbals (immer inklusive Pickup) dazukaufen, um sich ein individuelles Set zusammenzustellen. Welche Modelle noch zu haben sind, steht im Profil.

Kondensatormikrofon
Jeder Pickup ist mit zwei Kondensatormikrofonen bestückt. (Bild: Archiv)

Cymbals

Zunächst ein paar klärende Worte zu den Cymbals. Sie sind ganz normal geformt und haben auch die übliche Stärke, aber ihre komplette Oberfläche – bis auf den Rand – ist mit einer Unzahl kleiner Löcher übersät. Das Material ist eine spezielle NickelLegierung, die so stark poliert wurde, dass die Oberfläche so schön glänzt, als ob sie verchromt wäre – was sie aber nicht ist. Über die genaue Zusammensetzung schweigt man sich aus, aber das ist ja auch verständlich. Hat man die Cymbals auf entsprechende Cymbal- und Hi-Hat-Stative – die nicht im Lieferumfang enthalten sind – montiert und spielt sie zum ersten Mal mit Sticks an, präsentiert sich ein relativ „normaler“ Cymbal-Sound, der jedoch nicht nur ungewöhnlich leise ist, sondern dem auch fast jegliche tiefen Klanganteile fehlen, die man sonst von Cymbals gewohnt ist.

Des Weiteren gesellt sich eine Komponente zum Klang hinzu, die ich am ehesten mit dem Geräusch assoziiere, welches ein feiner Maschendrahtzaun beim Dagegenschlagen produziert. Stichwort „Anspielen“: Der Rebound ist nur einen Hauch schlechter als auf normalen Cymbals, denn sie sind – wohl nicht zuletzt aufgrund der vielen Löcher – ein wenig flexibler. Zwischenfazit: Die Cymbals klingen und spielen sich fast normal, sie sind nur eben viel, viel leiser als gewohnt.

Pickups

Unter die Kuppen der beiden Cymbals und des Top-Hi-Hat-Cymbals wird jeweils einer der in etwa kegelförmigen Pickups montiert, die nun für die Klangübertragung zum DCP zuständig sind. Jeder Pickup enthält zwei Kondensatormikrofone, die links und rechts (bzw. oben und unten – je nachdem, wie man ihn ausgerichtet hat), im Pickup-Gehäuse untergebracht sind. Und spätestens jetzt wird klar, dass wir es hier nicht mit den üblichen E-Drum-Cymbals-Pads zu tun haben, sondern mit einem System, bei dem (spezielle) Cymbals mit Mikrofonen abgenommen werden. Man kann die GEN16-Cymbals also beispielsweise nicht an ein normales E-Drum-Soundmodul anschließen, um mit ihnen dessen interne Sounds zu triggern.

Ebenso ist es nicht dafür gedacht, normale Cymbals zu verstärken; Zildjian weist ausdrücklich darauf hin, dass die Pickups speziell für die Cymbals des GEN16 Acoustic Electric Systems konzipiert sind. Am unteren Rand des Pickup-Kegels ist ein Lichtring eingelassen, der auf Wunsch blau leuchtet – was im Zusammenspiel mit den silbern glänzenden Cymbals für einen sehr schön abgefahrenen Effekt sorgt und mit Sicherheit ein Hingucker auf der Bühne ist. Die Stromversorgung übernimmt das DCP über spezielle Anschlusskabel. Deren Mini-Klinkenstecker sehen zunächst völlig normal aus, sieht man aber genauer hin, entdeckt man gegenüber einem Stereo-Mini-Klinkenstecker noch einen zweiten Ring, sodass also insgesamt vier Kontaktflächen vorhanden sind: Spitze, zwei Ringe und Schaft. Vermutlich wird diese zusätzliche Leitung für die Beleuchtung verwendet, was eigentlich ganz clever gelöst ist.

Steuermodul
Das Steuermodul DCP ist erfrischend einfach zu bedienen und nahezu selbsterklärend. (Bild: Archiv)

Ein kleiner Nachteil ist, dass diese speziellen Kabel im normalen Handel nicht gerade leicht zu bekommen sind – natürlich sind sie einzeln (in der Länge von ca. 1,8 m) bei Zildjian zu haben. Selbst wenn man auf die Beleuchtung verzichten möchte, empfiehlt es sich nicht, hier normale Stereo-Miniklinken einzusetzen, weil dadurch ja irgendetwas kurzgeschlossen würde, was ich bei unserem Testmodell auch gar nicht erst ausprobiert habe. Wer gleich mehrere Ersatzkabel haben möchte, sollte vielleicht einfach die ganze Kabelpeitsche mit fünf Kabeln zusätzlich kaufen, denn deren Kabel laufen nebeneinander und ergeben zusammen quasi ein Flachbandkabel. Die einzelnen Kabel lassen sich aber auch einfach „abziehen“.

Weil die Kabel der Peitsche unterschiedlich lang sind (damit man sie optimal zu den verschiedenen Pickups verlegen kann), bekommt man so gleich fünf Kabel für alle Gelegenheiten, von denen das kürzeste schon 2 m lang ist. Es gibt im Übrigen keine speziellen Pickups für einen Cymbal-Typ – hier gilt: „Einer für alle.“ Wenn man hier also von „E-Cymbals“ sprechen möchte, müsste das „E“ in diesem Fall für „elektrisch“, und nicht für „elektronisch“ stehen, denn das Ganze funktioniert zunächst einmal ähnlich wie bei einer E-Gitarre, die ja unverstärkt völlig anders klingt als eine akustische. Man könnte also auch sagen: Die Cymbals wurden ihres Bodys beraubt, und sie müssen nun mithilfe eines Verstärkers wieder „aufgeblasen“ werden. Der Verstärker ist in unserem Fall das …

…Steuermodul DCP

Das DCP ist mit seinen Abmessungen von 17 cm Tiefe x 13 cm Breite x 6 cm Höhe (an der hinteren Seite des leicht abgeschrägten Gehäuses) verhältnismäßig kompakt und sehr leicht. An einer Unter – seite kann eine Halterung zum Montieren auf einem Stativ oder an einem Rack eingeklinkt werden, die dann von einem Magneten gehalten wird – so lässt sich die Halterung schnell wieder entfernen, wenn man das DCP beispielsweise auf einem Tisch abstellen möchte.

Auf der Rückseite befinden sich die meisten Anschlüsse, so etwa für die Pickups, die beiden Audioausgänge oder zwei Klinkeneingänge, in die man die Signale von einem E-Drum-Soundmodul leiten kann – das Lautstärkeverhältnis zwischen DCP und diesen Eingängen wird dann mit dem MixRegler auf der Bedienoberfläche eingestellt. Auf der Vorderseite finden sich zwei Stereo-Miniklinken-Buchsen: ein Aux-Eingang für einen zusätzlichen Zuspieler wie etwa einen MP3-Player und ein Kopfhörerausgang. Über Aux könnte auch ein zweites DCP eingespeist werden, wenn man mehr als vier Cymbals plus Hi-Hat haben möchte.

Für den Kopfhörerausgang wäre mir eine 6,3-mmBuchse lieber. Über die USB-Buchse auf der Rückseite kann das DCP an einen Rechner angeschlossen werden, um beispielsweise ein Firmware-Update zu überspielen oder neue Sound-Presets zu importieren. Von Letzteren war aber bis zum Testzeitpunkt noch nichts auf der speziellen Website „gen-16.com“ zu sehen. Die Bedienoberfläche des DCP ist klar gegliedert und auch ohne Bedienungsanleitung leicht zu durchschauen.

Den größten Teil nehmen links die Bedienelemente für die fünf Pickup-Eingänge ein, die jeweils gleich aufgebaut sind: links ein zweistelliges Display zur Anzeige der Preset-Nummer, rechts daneben ein Up-/Down-Taster zur Preset-Anwahl, und rechts die beiden Regler für Panorama und Lautstärke des Kanals. Rechts auf der Bedienoberfläche befinden sich vier Potis: oben ein großes Master-Volume-Poti, darunter das eben erwähnte Mix-Poti, gefolgt von einem Poti, mit dem man den internen Hall dazumischen kann, und einem Poti für die Kopfhörerlautstärke. Für Hi-Hat und Ride gibt es 21 Sound-Presets, für die drei CymbalKanäle je 20. Preset 1 ist in jedem Kanal das von Zildjian ausgewiesene Standard-Preset, bei dem alle Cymbals sehr ausgewogen klingen. Das DCP ergänzt hier auf digitaler Ebene den fehlenden Body der AE-Cymbals, die dann auch ziemlich genauso voll klingen wie „echte“. Zildjian nennt diesen Prozess „Shaping“ (Formung), denn der von den Cymbals vorgegebene Klang wird nun um weitere Aspekte ergänzt.

Die ersten zehn Presets stellen dann meines Erachtens unterschiedliche EqualizerEinstellungen dar, die verschiedene Frequenzbereiche betonen oder abschwächen, um bestimmte Charaktere zu erzeugen. Die Presets 2 bis 6 sollen den Klang der Jahrzehnte von den 60ern bis ins neue Jahrtausend imitieren, die Presets 7 und 8 klingen sehr voll und dunkel, Preset 9 ist mit „Depth Bright“ betitelt, und Preset 10 mit „Reference“, was wohl einen Bezug zu den Cymbals in Zildjians Vault darstellt, wo die gleichnamigen Cymbals lagern (siehe auch Test in STICKS 02:2012, Zildjian Digital Vault). Ab Preset 11 kommen dann weitere digitale Helferlein ins Spiel, die die Basis-Sounds stark verbiegen. Zum Teil mithilfe von Pitch-Effekten, bei denen die Sounds nach oben oder unten transponiert werden, zum Teil sind diese gemischt mit Verzerrungs-Effekten, was sie schon mal sehr trashig klingen lässt. Schön und … mutig!

Die Sound-Presets 1 bis 10 klingen allesamt recht natürlich und haben unterschiedliche Klangcharakteristiken von warm bis brillant. Ab Preset 11 geht es dann mit den abgedrehteren Klängen los. Hier finden sich stark bearbeitete und verfremdete Sounds, wobei einige der Presets gleichzeitig die Tonhöhe der Cymbals nach oben oder unten verschieben sowie hier und da ein sehr kurzes Delay hinzufügen. Das ist auf jeden Fall interessant und erweitert das Klangspektrum nicht unerheblich. Grundsätzlich ist der ausgegebene Sound jedoch vom Grundklang der Cymbals selber abhängig: Wenn man hier größere oder kleinere Cymbals verwendet, ändert sich auch der Sound im Steuermodul. Wie groß die Serienstreuung der AE-Cymbals selber ist, können wir an dieser Stelle nicht beurteilen, da wir nur je ein Exemplar bekommen haben.

Eine Kombination von unterschiedlichen Kanal-Presets lässt sich als Cymbal-Kit abspeichern; für diesen Zweck stehen bis zu 20 Speicherplätze bereit. Ein tiefergehendes Editieren lässt das DCP nicht zu, man kann also nicht etwa die Tonhöhe der Kanäle selber auf einen gewünschten Wert setzen – da muss man dann eben warten, bis Zildjian selber etwas anbietet. Einige Dinge kann man aber dennoch verstellen, so z. B. die Lautstärke des Aux-Eingangs oder die Helligkeit aller Displays. Die Up-/Down-Taster verfügen dazu über eine dritte Funktion, die aktiviert wird, wenn man die Taster in ihrer Mitte ca. eine Sekunde lang herunterdrückt. Je nachdem, in welchem Kanal man dies tut, gelangt man so zu diesen „versteckten“ Parametern und auch zu den Cymbal-Kits (Up-/DownTaster von Kanal 5). Drückt man Up- und Down-Taster des Ride-Kanals gleichzeitig ca. eine Sekunde lang, kommt man zu der Edit-Seite des internen Halls. Hier kann man eines von elf Programm auswählen, das man zu den Cymbals hinzumischen kann.

DCP
An ein DCP können bis zu fünf AD-Cymbals angeschlossen werden. Per USB lassen sich Firmware-Updates oder neue Presets vom Rechner ins DCP übertragen. (Bild: Archiv)

Ändern kann man die Presets nicht. Die Qualität der Hallprogramme ist allerdings nicht sehr berauschend. Sie klingen fast alle eher nach einem Echo, das durch viele Rückwürfe auf Hall getrimmt wurde – einige der elf Presets weisen sogar ein deutlich zu hörendes Delay auf, was dann wiederum sehr interessant klingt, aber natürlich nicht immer zu gebrauchen ist. Am besten hat mir noch das Preset 6 gefallen, das so etwas wie eine leichte, unauffällige Ambience zum Sound addiert. Insgesamt wird der interne Hall dem hohen Anspruch des GEN16 AE Cymbal Systems aber nicht gerecht. Bleibt noch die USB-Buchse. Wenn man zunächst einmal das „Gen-16 DCP Access Tool“ von der GEN16-Website herunterlädt und installiert und dann das DCP über USB mit einem Rechner verbindet, kann man mit dem Tool sehr einfach etwaige Software-Updates oder neue Presets (sobald es sie gibt) ins DCP überspielen und es zum Teil auch bedienen – wobei Letzteres eigentlich gar nicht nötig ist, denn das geht am DCP selbst auch sehr einfach.

Eine kleine Macke hat das Tool: Schaut man sich im „Virtual Front Panel“ die Regler-Stellungen des DCP an, wird man feststellen, dass sie nicht immer dem entsprechen, was am DCP eingestellt ist. Des Rätsels Lösung: Das DCP löst alle Werte von 0 bis 99 auf, das „Virtual Front Panel“ ist aber von 0 bis 127 skaliert. Deshalb wird beispielsweise ein Aux-Eingangs-Wert von „65“ am DCP in der Software als Wert „78“ angezeigt. Verwirrt mehr, als dass es hilft, also einfach ignorieren.

Fazit

Wenn man von dem Ausrutscher bezüglich des internen Halls einmal absieht, präsentiert Zildjian mit dem GEN16 AE Cymbal System eine hoch interessante Neuheit. Die Vorteile der für dieses System entwickelten Cymbals liegen auf der Hand, denn hier werden tatsächlich alle Nuancen, die man spielt, so umgesetzt, wie man es von normalen Cymbals her gewohnt ist – eben weil es sich hier um echte, wenn auch sehr spezielle, Cymbals handelt. Dazu gehören natürlich auch Schläge, die man mit dem Stockschaft im Winkel von 90 Grad gegen den Cymbal-Rand ausführt, um ihm diesen speziel – len, hohen „Ping“-Sound zu entlocken – ein Klang, den ich bislang weder in einem Soundmodul noch in einer Sample-Library gefunden habe.

Abgesehen davon ist der Spielkomfort natürlich ungemein gut, und es macht einfach Spaß, auf den AE-Cymbals zu spielen. Einen kleinen Wermutstropfen stellt dabei lediglich das obere Hi-Hat-Cymbal dar, das in der mitgelieferten Halterung ein wenig zu sehr herumzappelt und bei dem man auf dem Pedal schon kräftig zutreten muss, um ihr einen sehr kurzen Klang zu entlocken – größere Schaumstoffscheiben würden hier vielleicht helfen. Ohne Steuermodul betrieben sind die AE-Cymbals dabei so leise, dass sich mit ihnen bei sehr moderater Lautstärke üben lässt, sofern man dabei auf die gewohnte Klangfülle in den tieferen Frequenzen verzichten kann. Vom Preis her liegt das Ganze unbestritten, aber gerechtfertigt ebenfalls auf hohem Niveau. Wer jedoch bereit ist, diesen zu zahlen, wird dafür auch entsprechend belohnt.

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

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