Modern History

Zildjian Kerope Cymbals im Test

Die Mythen um alte K Zildjian Cymbals sind zahlreich und so verschieden wie ihre Sounds. Mit den neuen Kerope Cymbals bietet Zildjian eine moderne Adaption von K Zildjian Cymbals aus den 1940er- bis 1960er-Jahren, wie sie von stilprägenden Jazz-Drummern dieser Ära gespielt wurden.

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(Bild: Archiv)

Benannt sind sie nach und zu Ehren von Kerope Zildjian II., der die K Zildjian & Cie. Cymbal-Schmiede in Konstantinopel (heute Istanbul) von 1865 bis 1909 leitete und dem für seine Marching- und Orchester-Cymbals zahlreiche Preise auf internationalen Messen verliehen wurden, unter anderem in Chicago, USA 1873 und 1893 sowie Wien und Bologna (1888). Wie sich die “adligen” Cymbals in Aktion anhören, erfahrt ihr in unserem Videotest.

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Konzept

Zildjian geht mit den Kerope Cymbals allerdings nicht völlig auf den klanglichen Nostalgie-Trip. Bereits die seit den 1980er-Jahren in den USA gefertigten K Zildjian Cymbals verfolgten ebenfalls einen moderneren Ansatz in der Klangcharakteristik der berühm ten türkischen K Zildjian Cymbals. Die neuen Kerope Cymbals treten nun in die Fußstapfen der türkischen K Zildjian Cymbals, wie sie in etwa ab den 1940er-Jahren hergestellt wurden. Ihre besondere Bearbeitung und die damit verbundene Optik unterstreichen dies. Der „moderne“ Faktor besteht bei den Kero pe Cymbals darin, dass diese von der Klangcharakteristik her so gestaltet sind, dass sie nicht nur zu traditionellen Jazz-Styles sehr gut passen, sondern prinzipiell zu allen Musik- stilen, die eine eher moderate Dynamik und Spielweise erfordern. Die Dynamikbandbrei te der Kerope Cymbals liegt also eher im leisen bis mittel-lauten Bereich. Eine weitere Besonderheit: Nur die 14″ und 15″ Hi-Hats haben eine designierte Typenbezeichnung, die 18″, 19″, 20″ und 22″ Cymbals sind nicht als Crash oder Ride gekennzeichnet, da sie universell einsetzbar sind. Bei allen Cymbals findet sich lediglich eine Gewichtsangabe auf der Innenseite der Kuppe sowie ebenfalls dort eine Unterschrift des Cymbal-Schmieds.

Konstruktion

Für die Klanggestaltung der Kerope Cymbals hat Zildjian einige Jahre intensiver Forschung betrieben. Dazu wurden selektierte Cymbals der 1950er-Jahre aus dem Zildjian-Archiv herangezogen und hinsichtlich ihrer Formgebung (Kuppe, Profil) und Bearbeitung (Abdreh- und Hämmerungsmuster) sowie ihres Gewichts analysiert. In Zusammen arbeit mit dem New Yorker Drummer Zach Danziger hat das Zildjian Sound Lab unter der Leitung von Paul Francis aufgrund dieser Analysen die neuen Kerope Cymbals gestaltet, die bezüglich Optik, Klangcharakteristik und Spielgefühl zwar durchaus den alten K Cymbals nahe kommen, klanglich allerdings auch für modernere Musikstile eingesetzt werden können. Markant sind hier die sehr flachen Profile und ebenfalls extrem flach gehaltenen Kuppen der Cymbals, auch wenn diese durchaus normale Proportionen im Kuppen-Durchmesser aufweisen. Das Finish besitzt eine gewisse Patina, die durch einige dunkle, bräunliche Farbtöne entsteht. Die Abdrehmuster auf den Profilen zeigen eher feinere, nicht allzu tief gesetzte Tonal Grooves, während die Kuppen breitere Grooves mit größerem Abstand zueinander aufweisen. Die Hämmerung ist durchweg intensiv und dicht mit verschieden großen Einschlägen ausgeführt. Diese sind allerdings nur selten tief gesetzt.

Sounds

Die Klangcharakteristik der Kerope Cymbals lässt sich als dunkel und satt mit einem in ein soliden Grundklang eingebetteten, mittigen und stockbetonten „hölzernen“ Attack-Sound be schreiben. Auch der Kuppenklang erweist sich eher als in den Gesamtklang integriert denn durch zu starke Obertöne separiert. Die Obertoncharakteristik ist mit warm und dunkel treffend beschrieben. Die Ansprache der Cymbals zeigt sich als sehr sensibel, so dass sie sich auch sehr gut z. B. mit Besen oder Rods spielen lassen.

Was die Ride-Qualitäten angeht, so sind das 18″ und 19″ Modell transparenter, während die größeren Exemplare schon ein stärkeres Grundrauschen und zusätzlich in den Obertönen einen feinen Glanz liefern. Auch der Wechsel zwischen Ride-Figuren und Crash-Akzenten gelingt super, gerade dann, wenn man sehr flach das Cymbal auf dem Profil mit dem Stockschaft ancrasht, bekommt man einen dunklen, kehligen Akzent innerhalb der Ride-Figur sehr gut hin, ohne deren Klanggefüge zu stören. Es ist fast so, als ob man doch zwei Cymbals spielt. Für die breiteren Crash-Akzente ist natürlich das Anspielen am Rand als Silde entscheidend, und je nach Spielweise (Intensität) bekommt man auch noch einen leicht orientalischen Touch als Klangfärbung hinzu.

Ein versierter Spieler dürfte hier also eine Menge an Soundoptionen nutzen können. Bei den beiden Hi-Hat-Modellen begeistert vor allem der „hölzerne“ (den Stocksound betonende) und leicht schmatzende Attack, der auch bei geschäftigeren Figuren immer auf subtile Art präsent ist. Dieser erdige, dunkle Klang, der beim 15″ Modell vom Frequenzgemisch her einen Tick breiter wirkt, hat einfach was Besonderes. Damit lässt sich von Jazz über Soul und Blues bis zu moderneren Styles so einiges bedienen. Auch HipHop- und House-Beats sind mit diesen Sounds recht gut vorstellbar, denn dieser dunkle, erdige Klangcharakter bringt genug „Schmutz“ für eigenwillige Sounds mit, die eine wirklich „andere“ klangliche Note liefern.

Fazit

Auf der Spurensuche nach alten türkischen K-Zildjian-Sounds ist der amerikanische Hersteller wieder einmal erfolgreich: Die Kerope Cymbals bereichern das Zildjian-Programm um ein tolles Klangspektrum, das so variantenreich sein kann, wie es die Versiertheit des Spielers zulässt. Dunkel, warm, erdig und im Attack hölzern stockbetont sind die klanglichen Attribute, welche die Kerope Cymbals von Zildjian schmücken. Die Bearbeitung und Formgebung ist stark an K-Zildjian-Cymbals der späteren 1940er- bis frühen 1960er-Jahre angelegt, und doch hat Zildjian es geschafft, diesen Cymbals mit ihren grundsätzlich traditionellen Soundqualitäten und Spieleigenschaften einen gewissen „modernen“ Faktor einzuhauchen, so dass sowohl Jazz-Styles als auch einige moderne Musikstile bedient werden können, die eine eher moderate Dynamik erforderlich machen.

Damit steht in der „K“-Familie neben den „K Zildjian“-, „K Custom“- und „K Constantinople-Cymbals ein viertes Klangspektrum zur Verfügung, das professionelle Musiker und Klangästheten zu schätzen wissen werden. Ähnlich wie die Sounds haben allerdings auch die aufgerufenen Preise einen gewissen Wow-Faktor. Übrigens: Auch unter dem Aspekt, dass es immer noch einige Musikproduzenten gibt, die solche feinen Klangwelten auch mal wieder über die Rampe bringen können und wollen, sollten Drummer sich die neuen Zil djian Kerope Cymbals unbedingt einmal anhören.

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