Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Der Klang des Jazz

Zultan Heritage Cymbals im Test: Hommage an klassische Jazz-Sounds

Zultan Heritage Cymbals(Bild: Dieter Stork)

Mit den Cymbals der Heritage-Serie widmet sich Zultan den klassischen türkischen Cymbal-Sounds der Jazz-Ära, speziell jener Klänge, die bei den Bebop- und Hard-Bop-Drummern der 50er-Jahre beliebt waren.

Somit sind die Heritage Cymbals auch eine Widmung an die türkischen Cymbal-Schmiede dieser Zeit und deren Handwerkskunst. Noch heute sind alte türkische Vintage-Cymbals stark gefragt, wenn auch mittlerweile viele Companies neue Versionen anbieten. Viele dieser Cymbal-Serien treffen zwar sehr gut bestimmte Klangcharakteristiken dieser Ära, erhalten allerdings durch unterschiedliche Oberflächenbearbeitungen eine damals nicht unbedingt übliche Optik.

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Die Zultan Heritage Cymbals hingegen präsentieren sich im klassischen 50s-Vintage-Look, mit starker Hämmerung und einem unregelmäßigen Abdrehmuster mit teils recht breit gesetzten Tonal Grooves, so wie es damals tastsächlich auch üblich war. Die Heritage Cymbals stellen eine Oberklasse der ZutanCymbals. Aus der Zultan-Heritage-Cymbal-Serie erhielten wir das Heritage-Cymbal-Set (14″ Hi-Hat, 16″ Heritage Crash, 20″ Heritage Ride), das Heritage Grand Cymbal Set mit einer 15″ Hi-Hat, 18″ Crash und 22″ Ride Cymbal sowie außerdem eine 16″ Heritage Hi-Hat, ein 17″ Heritage Crash, 9″ und 12″ Heritage Splash. Die Cymbal-Sets werden inklusive einer schwarzen Transporttasche mit Zultan & Heritage-H-Logos geliefert.

Die Heritage Cymbal-Serie von Zultan umfasst außerdem ein 10″ Heritage Splash, eine 13″ Heritage Hi-Hat, 17″ und 19″ Heritage China, 19″, 20″ und 22″ Heritage Crash sowie 21″ und 24″ Heritage Ride.

Technisches

Alle Zultan Heritage Cymbals werden mit traditionellen türkischen Fertigungsmethoden aus B20-Bronze hergestellt und weisen auf der Spielseite und der Rückseite gleiche Oberflächenbearbeitungen auf. Bemerkenswert ist, dass diese Cymbals auch für solcher Art „traditioneller“ Modelle erstaunlich leicht sind, Crashes und Ride-Cymbals lassen sich in etwa den „Thin“- bis „Medium Thin“-Kategorien zuordnen, bei den Hi-Hats finden wir „Thin“-Top-Cymbals gepaart mit einem Bottom-Cymbal der „Medium“-Kategorie.

Auffallend ist bei den Hi-Hats, Crash- und Ride-Cymbals sofort die sehr starke Hämmerung mit zahlreichen Hammermarkierungen mittlerer Größe. Bei den beiden Splash-Cymbals kommen kleinere Hämmer zum Einsatz, hier ist die Setztiefe der Einschläge auch geringer. Durch die starke Hämmerung wird das Bronzematerial stark komprimiert, was selbstverständlich große Auswirkungen nicht nur auf die Flexibilität der Cymbals hat, sondern ganz besonders auch auf die Klangeigenschaften.

Ein für die Ära der 40er- bis 50er-Jahre typisches Abdrehmuster mit unregelmäßig breiten und tiefen Tonal Grooves sorgt hier ebenfalls für den besonderen Look und Sound der Zultan Heritage Cymbals. Bei den Originalen dieser Zeit kam dies übrigens ganz einfach auch dadurch zustande, dass der zum Abdrehen verwendete Drehmeißel länger als eigentlich vorgesehen eingesetzt wurde und somit seinen Anteil an der Unregelmäßigkeit des Abdrehvorgangs hatte. Heutzutage ist es geradezu eine Kunst des Handwerkers, dies beim Abdrehen nachzuempfinden und somit vor allem den Klangcharakter mit zu formen.

Mit Fug und Recht kann man hier also wirklich von einem so genannten „Traditional Finish“ sprechen, das an einigen Stellen bzw. Vertiefungen auch schon richtige Patina aufweist, die den Vintage-Charakter des Looks noch unterstreichen.

Die Kuppen sind ebenfalls abgedreht und gehämmert, allerdings leichter und mit nicht zu tief gesetzten Hammermarkierungen kleineren Durchmessers. und hochglanzpoliert (Brillant Finish). Im Übergangsbereich von der Kuppe zum Profil ist ein konzentrisches Hämmerungsmuster mit kleinen und tiefgesetzten Hammermarkierungen zu erkennen.

Die Kuppen entsprechen einer damals üblichen Standardgröße, sind recht hoch und ausgeprägt. Der Profilverlauf beschreibt von der Kuppe zum Rand einen ebenfalls deutlichen Bogen, was die Zultan Heritage Cymbals im Vergleich zu moderneren Cymbals mit meist eher flachem Bogenverlauf unterscheidet.

Klangliches

Es wird nach wie vor viel spekuliert über den Vintage-Sound der traditionellen alten türkischen Cymbals der Jazz-Ära. Nicht allzu viele heute aktive Drummer haben solche Cymbals tatsächlich mal gespielt, und wenn, dann weiß man schließlich dass sich der Sound im Laufe der Jahre mehr oder weniger stark verändert. Bleiben als klangliche Zeugnisse noch die Recordings der Jazz-Drummer der 50er-Jahre. Doch nur die Zeitzeugen, die solche Cymbals damals gespielt und/oder gehört oder auch gefertigt haben, können das tatsächlich wissen.

Was den Klang der Zultan Heritage Cymbals angeht, so hat man sehr viel Forschung betrieben, um den Vintage-Sounds auf die Spur zu kommen. Und man hat den Klangcharakter, den die historischen Aufnahmen liefern, tatsächlich ausgezeichnet getroffen.

Dieser kann mit trocken und mittig-präsent, allerdings ohne brillante Obertöne beschrieben werden. Bei den Hi-Hat-Cymbals geht es der Größe nach nicht nur tonal nach unten, auch die Klangfülle ist hier wirklich drastisch unterschiedlich. Während die 14″ Heritage Hi-Hat sehr mittig-kompakt klingt und im unteren Dynamikbereich kurz, klar und trocken kommt, neigt sie bei forcierter Anschlagsstärke leicht zum Übersteuern. Dies ist eine Hi-Hat für den eher filigran und sensibel zu Werke gehenden Drummer. Die 15″ Heritage Hi-Hat liefert einen etwas tieferen Grundton und kernigeren Attack plus etwas mehr Klangfülle auch im höheren Dynamikbereich. Hiermit kann man auch schon etwas kräftiger zu Werke gehen.

Dabei bleibt der mittig-trockene Klang dominant, es addieren sich keine weiteren Präsenzen, auch nicht bei Aufziehern. Und auch beim Ancrashen im halbgeschlossenen Zustand addieren sich nur wenige Obertöne zu einem leichten Rauschen. Das Klangbild der 16″ Hi-Hat liegt tonal noch etwas tiefer, dynamisch wirkt sie kräftiger mit gutem Body. Trotz ihrer Größe ist sie sehr gut kontrollierbar. Erstaunlicherweise erinnert gerade diese Hi-Hat am meisten an (gute) Recordings aus der legendären Jazz-Ära. Wer solch einen Sound sucht und auch gerne mal etwas forcierter spielen mag (à la Jazz-Drummer-Legende Elvin Jones), der sollte diese Hi-Hat unbedingt einmal ausprobieren!

Die 9″ und 12″ Heritage Splash Cymbals sehr mittig-kehlig und trockene klingende Instrumente. Die starken Mitten geben ihnen einerseits einen guten Body, doch lassen sie sich auch sehr sensibel anspielen und sprechen sofort an. Auch für Handspielweisen sind sie hervorragend geeignet.

Die leichten Heritage Crash Cymbals sprechen sehr schnell mit einem mittig-glockigen Attacksound an. Je nach Größe nehmen Klangfülle, Sustain-Dauer und Dynamik etwas zu. Das 16″ Heritage Crash ist (wie die 14″ Hi-Hat) eher etwas für filigranes Spiel und neigt bei stärkeren Anschlägen zu einer gewissen Schärfe. Hier bleibt man besser im unteren bis mittleren Dynamikbereich. Das 17″ Heritage Crash bietet einen etwas kernigeren Attacksound und etwas mehr Body, wobei der Grundton etwas dominant wirkt. Auch etwas kräftigerem Spiel addieren sich keine Obertonpräsenzen, das Cymbal bleibt mittig-trocken und kontrolliert.

Das 18″ Heritage Crash produziert nicht nur den tiefsten Attack-Sound, sondern liefert bei forcierter Spielweise interessanterweise auch einige zusätzliche hellere Obertöne, die sehr gute Präsenz verleihen. Alle drei Crash-Cymbals lassen sich aufgrund ihrer schnellen und direkten Ansprache auch sehr gut für das Spiel mit Mallets einsetzen und eigenen sich sogar auch für Handspielweisen (besonders das 16″-Modell).

Zultan Heritage Cymbals
Heritage Style: starke Hämmerung und unregelmäßiges Abdrehmuster (Bild: Dieter Stork)

Relativ unterschiedliche Klänge bieten die 20″ und 22″ Heritage Ride Cymbals. Während beim 20″-Modell auch im unteren Dynamikbereich schon ein relativ kräftiges Rauschen unter dem Ping-Sound des Stick-Patterns liegt, liefert das 22″ Modell bis zu mittleren Lautstärken ein eher trocken-Mittiges Klangbild, zu dem sich erst bei etwas kräftigerem Spiel ein Aufrauschen dazu addiert. Interessanterweise findet sich beim 22″-Cymbal auch ein etwas hellerer Grundton. Beim 20″-Modell liegt der Gesamtklang etwas tiefer, allerdings lässt es sich auch sehr gut für Crash/ Ride-Patterns einsetzen. Auch das 22″-Modell kann man innerhalb eines Ride-Patterns auch mal ancrashen, außerdem lässt sich mit diesem Cymbal auch ein gewisses Plus an Lautstärke erzielen.

Fazit

Mit den Heritage Cymbals hat es Zultan geschafft, Instrumente mit einem Klangcharakter zu entwickeln, der außerordentlich stark an die klassischen türkischen Cymbal-Sounds insbesondere der BebopÄra erinnert. Hier finden sich keine „modernen“ Klangaspekte, die Cymbals sind klangtechnisch den Instrumenten nachempfunden, die auf klassischen Jazz-Recordings der 40er- und 50er-Jahre zu hören sind. Die Sounds der Zultan Heritage Cymbals sind ein Fest für den Jazz-Liebhaber – und auch solche Drummer, welche diese Sounds auch gern mal in „artfremder“ Musik einsetzen wollen, um effektvolle Sounds zu kreieren.

Facts

Hersteller

Zultan

Herkunftsland

Türkei

Serie

Heritage

Legierung

B20 Bronze

Vertrieb

Thomann

Internet

zultancymbals.com

Preise (UvP)

  • 09″ Heritage Splash: € 95,–
  • 12″ Heritage Splash: € 109,–
  • 16″ Hi-Hat: € 329,–
  • 17″ Crash: € 199;–
  • Heritage-Cymbal-Set: € 649,–
  • Heritage-Grand-Cymbal-Set: € 659,–

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Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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