Tuning-Workshop aus dem STICKS-Archiv

Bassdrum stimmen: Darauf musst du achten!

Du willst deine Bassdrum passend zur Musik stimmen? Die meist gewünschten Klangeigenschaften sind: wuchtig, tief und satt. Allerdings gibt es für jeden Musikstil ein passendes Tuning. Ralf Mikolajczak erklärt hier, worauf du achten solltest.

| Ralf Mikolajczak


Big & Black Bassdrum

Bassdrum stimmen: Auf den richtigen Sound kommt es an!

Von einem »guten« Bassdrum-Sound kann dann die Rede sein, wenn dieser zum musikalischen Kontext passt und das nötige Fundament für den Bassbereich liefert. Daher wird wohl kaum jemand auf den Gedanken kommen, in einer Heavy-Metal-Band eine offen gestimmte 18" x 14"-Bassdrum einzusetzen oder in einem Bebop-Jazztrio eine 26" x 18"-Bassdrum zu spielen.

In der Regel verwendet man für Bassdrums recht tiefe Stimmungen (eher geringe Fellspannungen). Einen resonanten Klang erzielt man dabei durch die Verwendung eines geschlossenen Resonanzfells sowie durch den gezielten Einsatz von möglichst wenig Dämpfung oder den völligen Verzicht darauf. Wer allerdings einen wuchtigen, offen klingenden Rock-Bassdum-Sound mit viel Resonanz sucht, der sollte dem Beispiel des legendären Drummers John Bonham von Led Zeppelin folgen und Schlag- und Resonanzfell höher stimmen.

Einen satteren und kürzeren Klang erzielt man durch ein »Ventilieren« des Resonanzfells – dazu wird in das Resonanzfell ein 6“ bis 10“ großes Loch eingeschnitten; eine etwas stärkere Dämpfung der Bassdrum tut ein Übriges. Durch Variieren der Dämpfungsmenge kann der Klang weiter verkürzt werden; gleichzeitig werden die Obertöne verringert, wodurch sich ein satterer Klang ergibt.

Bassdrum stimmen: Verschiedene Klänge erzeugen

Den trockensten und kürzesten Klang erzielt man, indem ganz auf das Resonanzfell verzichtet wird, oder indem man dieses soweit ausschneidet, dass nur ein ca. 2,5 cm breiter Rand stehenbleibt. Durch das Variieren der Dämpfungsmenge wird hierbei hauptsächlich der Obertoncharakter des Schlagfellsounds bestimmt.

Ausgehend von diesen drei grundsätzlich verschiedenen Klängen, bietet ein »ventiliertes« Frontfell sowie eine entsprechende Variation der Menge und Beschaffenheit des Dämpfungsmaterials ein Maximum an Klangvielfalt. Weiterhin entscheidend für den Bassdrum-Sound sind natürlich auch die jeweils verwendeten Schlägel des Bassdrum-Pedals. Hierzu bieten viele Hersteller Schlägel mit unterschiedlichsten Oberflächenmaterialien an, wie beispielsweise weicher und harter Filz, Gummi, Kunststoff, Hartplastik und Holz. Von einigen Herstellern gibt es außerdem Schlägel mit zwei oder vier unterschiedlichen Oberflächen, die durch einfaches Umdrehen variiert werden können.

Der Attack-Sound lässt sich zudem durch das Aufbringen sogenannter »Patches« (beispielsweise Remo »Falam Slam«, Evans »EQ Patch«, Danmar »Kickpad«) im Schlägelanschlagsbereich verstärken und variieren. Je nach Material und Stärke dieses Patches kann der Anschlagsklang mitten- oder höhenbetonter werden. Manche Patches bestehen lediglich aus einer stärkeren Kunststoff-Folie (etwa aus Kevlar); in anderen Patches sind Metallscheiben eingearbeitet, die einen sehr prägnanten hohen »Kick«-Sound liefern und sich besonders bei Metal- bzw. Highspeed-Drummern großer Beliebtheit erfreuen.

Bassdrum stimmen: Soundbeispiele


  1. Moderner Pop-/Rock-Sound

Dieser Sound zeichnet sich im Wesentlichen durch einen satten Attack und ein tiefes, kurzes Sustain aus. Als Resonanzfell wird ein einlagiges Fell verwendet, als Schlagfell kann entweder ein Fell gleichen Typs oder auch ein sogenanntes vorgedämpftes Fell (etwa mit eingearbeitetem Dämpfungsring, wie Remo »Powerstroke 3«- oder Evans »EMAD«-Felle oder auch Aquarian »Super Kick«-Modelle) verwendet werden.
Ein vorgedämpftes Fell wird einen etwas satteren Attack und tieferen Grundsound produzieren, die Bassdrum benötigt daher weniger weitere Dämpfung als bei konventionellen Fellen.

Das Resonanzfell (mit oder ohne Dämpfungsring) sollte in diesem Fall ein min. ca. 4" bis max. ca. 8" Zoll großes Luftausgleichsloch besitzen. Solche Felle sind von verschiedenen Herstellern vorgefertigt erhältlich. Ein nicht mit Luftausgleichsloch versehenes Bassdrum-Resonanzfell kann mithilfe eines 8“ Splash-Cymbals oder eines Tellers und eines scharfen Teppichmessers entsprechend bearbeitet werden. Das Loch sollte ca. 2,5 cm vom Rand entfernt eingeschnitten werden und wird meist entweder links oder rechts im unteren Drittel der Bassdrum positioniert. Eine Spezialität, die eher Minderheiten bevorzugen, ist die Positionierung in der Fellmitte. Damit es richtig schick aussieht, gibt es von der amerikanischen Firma Holz in diese Luftausgleichslöcher einsetzbare Ringe in Schwarz und Weiß sowie in Chrom- oder Gold-Optik.


Beispiel: Ventilieren des Resonanzfells (der Autor hatte leider kein kleineres Cymbal zur Verfügung)

Wer den Bassanteil fokussieren und deutlicher machen möchte, kann in das Resonanzloch auch einen sogenannten Kickport einsetzen – eine kleine Röhre, die nach dem Prinzip ähnlich einer Resonanzröhre bei einem Lautsprecher funktioniert und Bassfrequenzen verstärken soll.

Die Stimmung dieser Fellkombination ist zunächst so tief wie möglich anzulegen – und es wird am besten mit der Stimmung des Resonanzfells begonnen. Anschließend wird das Schlagfell möglichst in die gleiche Stimmung gebracht. Danach wird das Resonanzfell dann etwas höher gestimmt. Dadurch erzielt man ein schnelles Überblenden vom Attack-Sound in die Sustain-Phase, der Attack wirkt präsent und der Sound insgesamt voluminös.

Zuletzt wird die Dämpfung angebracht. Sie sollte beide Felle bedämpfen und möglichst nicht mehr als ca. ein Fünftel der Fellfläche abdecken, eher weniger. Es kann dazu ein passendes Kissen mit Daunen-oder Zellstoff-Füllung verwendet werden, oder eine gefaltete, leichte Decke oder die entsprechende Menge Molton-Stoff sowie auch je zwei gestackte Evans »EQ-Pads« oder Dämpfungskissen von DW. Für einen noch stärkeren Attack kann ein Patch auf das Schlagfell aufgeklebt werden.

Für diese Soundvariante, die sich in der Praxis als sehr gute Basisstimmung sowohl live als auch bei Aufnahmen für eine Vielzahl musikalischer Styles in Pop und Rock erwiesen hat, sind als Bassdrum-Beater-Modelle solche mit Kunststoff-Kopf oder hartem Filzkopf zu empfehlen.

Bestens geeignet für diesen Sound sind 22"-Bassdrums in den Tiefen 14", 16" oder 18" sowie auch 20" x 16" Bassdrums, die bei einer Mikrofonierung erstaunlich satte Bassanteile und einen sehr konkreten Punch liefern.


  1. Klassischer Hardrock-Sound

Hierunter ist ein resonanter Sound mit deutlichem, »knackigem« Attack sowie tiefem und im Vergleich zu Sound-Variante 1 etwas längerem Sustain zu verstehen, mit nicht allzu hellen Obertönen.

Als Frontfell wird ein einlagiges, mit eingearbeitetem Dämpfungsring und Luftausgleichsloch ausgestattetes Fell eingesetzt. Als Schlagfell wird ein durchsichtiges, doppellagiges Fell verwendet. Im Bereich des Schlägelanschlagspunktes kann ein zusätzliches Patch aufgeklebt werden; dies erhöht die Haltbarkeit des Fells und fördert den Obertoncharakter des Anschlagssounds. Ausschließlich das Schlagfell wird zusätzlich im unteren Bereich des Fells gedämpft. Die Dämpfung sollte maximal eine Fellfläche von ca. 7 cm Breite und ca. 45 cm Länge abdecken. Verwendet werden kann etwa ein zusammengerolltes Handtuch, das mit Gewebeklebeband (Gaffertape) oder mit selbstklebendem Klettband an Fell und Kessel fixiert wird, oder auch zwei gestackte »EQ-Pads« der Firma Evans, welche ebenfalls mit Klettband im Kessel fixiert werden, oder ein »Muff’l« der Firma Remo.


Verschiedene Methoden zur Dämpfung der Bassdrum

Das Resonanzfell wird im Verhältnis zum so tief wie möglich zu stimmenden Schlagfell (sodass der Rand gerade keine Falten mehr wirft) um mindestens ein Terz-Intervall höher gestimmt. Wenn das Schlagfell korrekt eingestimmt ist, wird die Bassdrum mit dem Pedal angespielt; die Stimmung wird noch einmal überprüft und eventuell auftretende Dissonanzen sollten beseitigt werden. Dann erst wird die Dämpfung angebracht. Für gutes Durchsetzungsvermögen des Anschlags empfiehlt es sich, als Schlägel ein Modell mit Holz- oder hartem Kunststoff-Kopf zu verwenden.

Diese Fellkombination und Stimmung kann natürlich bei Bassdrums jeder Größe angewendet werden, jedoch unterstützen beispielsweise besonders die mächtigen 24“ x 16“- bzw. 24“ x 18“-Bassdrums einen solchen Klang mit entschieden mehr Bassanteil und Lautstärke aufgrund ihrer größeren Dimensionen und damit größerer Membranfläche.


  1. Typischer Metal-Kicksound

Dieser kann sowohl aus dem Pop/Rock-Sound als auch aus dem klassischen Hardrock-Sound abgeleitet werden. Fellkombination und Dämpfung sind Geschmackssache – und die Entscheidung, ob eine etwas höhere oder tiefere Stimmung, ebenso (wobei man, je schneller es wird, eher die höhere Stimmung favorisieren sollte). Was aber unbestritten wichtig ist, ist der Kicksound. Gerade beim Highspeed-Drumming in Regionen ab etwa 180 bpm/Viertel muss dieser unbedingt glasklar und konkret mit guter Präsenz rüberkommen – sonst nutzt die ganz Überei schneller Doublebassdrum-Tempi gar nichts, und es endet im Soundmatsch. Also, wie bereits erwähnt, beide Felle auf eine solches Tuning hoch bringen, sodass sie sich noch gut und ohne zu starken Rückprall oder gar ein Nachflattern der Beater spielen lassen.

Um den Attack wirklich prägnant zu machen, kann man ein spezielles Patch mit Metalleinlage im Schlägelanschlagsbereich auf das Schlagfell kleben. Diese gibt es auch in Versionen und passender Größe für ein Doppelpedal, wenn man nur mit einer Kick spielen möchte. Empfehlenswert sind außerdem Beater aus Hartplastik oder Holz; bitte aufgrund der zu erzielenden Geschwindigkeiten darauf achten, dass diese nicht zu schwer sind. Es gibt im Zubehörbereich mittlerweile eine sehr gute Auswahl an Patches und Beatern, die speziell für diesen Zweck sehr gut geeignet sind.

Aus Gründen der Optik sind im Metal natürlich eher große Bassdrums angesagt. Hier aber mal ein Tipp: Versucht das Ganze mal mit einer 20"-Bassdrum. Diese lässt sich mit jeder Fellkombination auf sehr kompakte und erstaunlich bassige Sounds stimmen, die zudem einen knackigen und gerade auch bei hohen Geschwindigkeiten noch sehr konkreten Attack liefern.

Wer erfolgreich Doublebassdrum spielen möchte, der kommt allerdings um harte Arbeit, Fleiß und gute körperliche Fitness nicht herum. Mit schnellen Füßen wird man schließlich nicht geboren – man muss sie sich erarbeiten. Mit der »drums & percussion«-Workshopreihe »Doublebassdrum & Beyond« (Dirk Brand, s. Archiv) wirst auch du zu einem Doublebassdrum-Spezialisten!

Alle in den oben genannten, typischen Soundbeispielen angegebenen Dämpfungsmethoden haben übrigens eines gemeinsam: Alle Dämpfungsmaterialien geben der Fellbewegung etwas nach. Dämpfungsmethoden, bei denen das Material zu stark zwischen die Felle geklemmt wird und damit eine gleichmäßige mechanische Auslenkung der Felle verhindert, sollten besser vermieden werden und sind höchstens für Klangexperimente geeignet.

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