Groove Workshop Ian Paice: Deep Purple - Smoke On The Water

»Smoke On The Water« ... kennt doch jeder, kann doch jeder mitspielen: Oft gehörte Sprüche oder vielmehr Vorurteile – denn nicht viele Musiker, die es vorgeben, kennen diesen Song wirklich. Er birgt so einige musikalische Kabinettstückchen und hat weitaus mehr zu bieten als nur das Gitarrenriff und nichts als das Riff.

| Diethard Stein

Bild: Matthias Mineur

Aufgenommen wurden die Backingtracks zu »Smoke on the Water« übrigens nicht im alten »Main Hotel« sondern in einer Halle der Stadt Montreux namens „The Pavilion“, und Deep Purple konnten auch nur zwei Takes einspielen, bevor die Polizei dem lärmigen Treiben ein Ende bereitete. Legendär, wie die Deep-Purple-Crew es geschafft hat, die Türen von innen so lange zu verbarrikadieren, bis der zweite Take im Kasten war!

Nach dem Umzug in das alte, leere und kalte Hotel entstanden dann die Overdubs zu diesem und zu den anderen Songs des Albums »Machine Head«. Auf vielen Fotos kann man die beengten Verhältnisse sehen, unter denen Ian Paice zu arbeiten hatte. Ian spielte ein »Silver Sparkle«-Ludwig-Kit (22" x 14" Bassdrum, 13" x 9" Tom, zwei 16" x 16" Floortoms plus 14" x 6.5" Supraphonic Snaredrum und Paiste 2002 Cymbals: 15" Sound Edge Hi-Hat, 22" Crash, 22" Ride, 24" Crash, und zwischen den Floor-Toms noch ein 18" Crash über einem 10" Bell).

Songstruktur

Der Song besteht mit dem Intro, der Strophe sowie dem Refrain im Prinzip aus insgesamt drei wesentlichen Teilen, bei denen jeweils spezielle Grooves gespielt werden. Für Drummer interessant ist zudem auch das Gitarrensolo, das Ian Paice sehr markant mit verschiedenen Grooves in Szene zu setzen und zum Höhepunkt zu treiben weiß.

Intro-Groove

Das insgesamt 24-taktige Intro basiert auf dem legendären, markanten Gitarrenriff, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Die Drums setzen ab Takt 9 ein; der Intro-Basisgroove besteht aus auf der Hihat durchlaufend mit einer Viertelnotenpuls-Akzentuierung gespielten Sechzehntelnoten (Variation 1).

Dieser Rhythmus wird nun im weiteren Verlauf sozusagen vervollständigt, wodurch ein rhythmischer Spannungsbogen entsteht: Ab Takt 13 kommt der Snaredrum-Backbeat auf den Zählzeiten »2« und »4« dazu (Variation 2).

Variation 3 zeigt den Groove mit Einsatz des Bass ab Takt 17 und Variation 4 den kompletten Schlagzeug-Groove ab Takt 21.

Basisgroove Strophe

Nach einem einleitenden Fill-in zeigt dieses Beispiel den während der Strophe gespielten Groove. Anfangs wird die auf den Viertelnoten akzentuierte Hihat noch halb offen angeschlagen, ab Takt 3 mehr geschlossen. Dadurch wird das Ganze dynamisch etwas »runtergekocht«. Die rhythmische Bewegung entsteht durch die diversen mit der Bassdrum gespielten Achtelnoten-Patterns, und die verschiedenen auf der Snaredrum leise gespielten Buzz-Rolls unterstützten diesen Fluss.

Refrain

Dieses Notenbeispiel zeigt den kompletten, sechstaktigen Refrain mit einem einleitenden, im letzten Takt der vorhergehenden Strophe gespielten Fill-in. Markant sind wiederum die auf dem Viertelpuls rockig akzentuierten Hihat-Schläge. Für den Drive sorgen die auf der Snaredrum gespielten Viertelnoten-Akzente (Takte 4 und 6 des Notenbeispiels).

Gitarrensolo

Variation 1: Beim Gitarrensolo werden basismäßig auf der Snaredrum durchlaufende Sechzehntelnoten mit einer Viertelpuls-Akzentuierung gespielt, der Rhythmus wird dadurch sehr treibend. Variation 2 zeigt die Takte 17 bis 20 des Gitarrensolos, bevor wieder das markante Intro-Riff beginnt. Mit diesem Groovewechsel zu Variation 2 treibt Ian Paice das Gitarrensolo zu seinem Höhepunkt, bevor er wieder in den Intro-Groove geht, gemeinsam mit der Gitarre die Hochspannung auflöst und es so ermöglicht, wieder relativ ruhig zur nächsten Strophe überzuleiten. Dynamisch einfach ein Meisterstück.

Outro

Zum Ende des Songs wird wieder der komplette Intro-Groove gespielt, in diesem Fall jedoch leicht variiert. In Variation 1 wird die Hihat auf der »1-und« bzw. »3-und« geöffnet, in Variation 2 die Snaredrum auf allen Viertelnotenzählzeiten angeschlagen. Zudem wird der gesamte Sound des Sets bei diesem Part mittels elektronischer Effekte wie Flanging/Phasing etc. soundmäßig leicht verfremdet. Tja, da hat das »alte Schätzchen« ja doch eine ganz Menge mehr zu bieten, als man meinen könnte. Deep Purple waren in dieser legendären »Mark II«- Besetzung mit Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Jon Lord, Roger Glover und Ian Paice eben auch eine der besten Rockbands der Welt. Sehr zu empfehlen sind übrigens auch die »Classic Albums«-DVD zu »Machine Head« und eine so genannte »Anniversary 2CD Edition« des Albums mit einer ganzen CD voll von alternativen Takes, Soli, etc., darunter das originale, lange Drum-Intro zum Song »Pictures Of Home« und eine auf dem legendären zweiten Basic-Track aufgebaute Version von »Smoke On The Water«!

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