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Schlagzeugnoten lesen lernen: Grundlagen und Übungen

Du möchtest Schlagzeugnoten lesen lernen? Kein Problem! Wir fangen hier bei Null an und richten uns damit vor allem an alle Drum-Anfänger; vielleicht veranlassen wir aber auch Fortgeschrittene dazu, sich einmal Schritt für Schritt mit dem Thema »Schlagzeugnoten« wie auch mit Noten allgemein auseinanderzusetzen.

| Holger Hälbig

Bevor wir uns hier mit den ersten praktischen Übungen mit Schlagzeugnoten beschäftigen, geht es zuerst um die Frage: Weshalb sind Notenkenntnisse überhaupt wichtig? Hierzu sei erwähnt, dass man durch Notenkenntnisse nicht auch zwangsläufig ein guter Musiker ist. Notenkenntnisse sind aber ein Faktor von mehreren, die es ermöglichen können, ein solcher zu sein – und zudem ein wichtiges Hilfsmittel, um sich in verschiedenen musikalischen Situationen zurechtzufinden.

Nehmen wir etwa die typische Situation einer Bandprobe: Hier können Notenkenntnisse die Kommunikation der Musiker untereinander erheblich erleichtern bzw. beschleunigen – sei es nun in Bezug auf die Form des gesamten Songs (z.B. Harmoniefolgen, Taktanzahl der Strophe oder des Refrains, gemeinsame Akzentuierungen oder Stopps etc.) oder sei es in Sachen Gestaltung des jeweiligen Groove-Arrangements.

Musik – mehr Gefühl denn Theorie
Allerdings kann man leider immer wieder beobachten, dass Musiker mit zunehmenden theoretischen Wissen zu kopflastig an die Musik herangehen. Trotz aller Kenntnisse von Schlagzeugnoten sollte daher eins nicht beeinträchtigt werden: das Gefühl für die Musik. Ist es in kleineren Bands noch möglich, einfach drauflos und »aus dem Bauch heraus« zu spielen, würde dies in größeren Besetzungen (etwa einer Bigband) zu einer mittleren (akustischen) Katastrophe führen. Hier bedarf es eines entsprechenden Arrangements, die musikalischen Aktivitäten in den verschiedenen Instrumentengruppen (Holzbläser, Blechbläser, Rhythmusgruppe etc.) zu koordinieren.

Vom-Blatt-Spielen
Somit wären wir bei einer weiteren Möglichkeit aus der musikalischen Praxis, dem »Vom-Blatt-Spiel«. Bleiben wir mal bei unserem Beispiel der Bigband. Hier ist bei einem Arrangement die gesamte musikalische Form der Komposition Takt für Takt festgehalten. Hinzu kommen Wiederholungszeichen und dynamische Zeichen für das Spiel in verschiedenen Lautstärken. Ebenso sind die verschiedenen Phrasierungen der Bläser notiert, die der oder die Drummer:in in der Regel zu »bedienen« hat (z.B. Trompeteneinwürfe mit der Snaredrum, Posauneneinwürfe mit der Bassdrum). Wie ihr seht, kann so eine Schlagzeugstimme recht komplex ausfallen – und ohne grundlegende Kenntnisse von Schlagzeugnoten ist man hier einfach verloren!

Dies gilt in der Regel auch für das Spielen in einer sogenannten Top-40- oder Gala-Band, bei der das Repertoire meist mehr als 100 Songs in den verschiedensten Stilistiken beinhaltet. Auch wenn die Arrangements oft nicht so komplex wie bei einer Bigband sind, wäre es doch nur unter einem großen Zeitaufwand möglich, sich die Stücke auswendig ›draufzuschaffen‹.

Gleiches gilt auch für die im Tanzmusikbereich oft verlangte »Künstlerbegleitung«, bei der ein oder eine Solokünstler:in (Sänger:in, Instrumentalist:in) nicht mit eigener Band auftritt, sondern eben von der »Band vor Ort« begleitet wird. Ohne ausreichende Notenkenntnisse könnte in solchen Situationen selbst die Begleitung eines noch so kleinen Schlagersternchens leicht zum musikalischen Himmelfahrtskommando werden.

Üben nach Noten
Neben den verschiedenen Bandsituationen gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten, kreativ mit Notenkenntnissen umzugehen, etwa beim Üben. Hier erschließen sich dem notenlesenden Drummer und Percussionisten nicht nur die vielen Lehrbücher und Workshops in den Fachzeitschriften, sondern sie versetzen euch später auch in die Lage, eigene Grooves und Licks aufzuschreiben und weiterzuentwickeln oder etwa Grooves von einem Album eurer Lieblingsband herauszuhören und zu notieren.

Wie ihr seht, gibt es viele musikalische Situationen, in denen Schlagzeugnoten-Kenntnisse einfach einen großen Vorteil bedeuten. Ich hoffe, die Beispiele haben euch den vielleicht nötigen Motivationsschub gegeben, die Sache mit dem Notenlesenlernen nun anzupacken.

Die Grundlage von Schlagzeugnoten ist das von den »normalen« Noten bekannte Fünfliniensystem. Statt der unterschiedlichen Tonhöhen werden bei Schlagzeugnoten auf den Linien und in den Zwischenräumen die verschiedenen Instrumente eines Drumsets bzw. der Percussion notiert. Die rhythmischen Notenwerte (Viertel-, Achtel-, Sechzehntel- und Zweiunddeißigstel-Noten, Triolen, Quintolen, Septolen etc., Pausen) entsprechen den »normalen« Noten.

Zunächst die Basics

Eine Note hat zuerst einmal zwei Grundfunktionen: Sie bestimmt die Tonhöhe und die Tondauer. Die Tonhöhe wird durch die Platzierung im Notenliniensystem bestimmt. Dies bedeutet auf Schlagzeug und Percussion bezogen nicht eine genau definierte Tonhöhe (wie etwa beim Klavier), sondern eine festgelegte Platzierung jedes einzelnen Instruments des Drumsets oder der Percussion im Notations-System. Deswegen finden sich bei Schlagzeugnoten meist sogenannte Notenlegenden (engl: »Drum-Key« oder »Master-Key«, die angeben, wo und wie genau die einzelnen Drumset-Bestandteile (Bassdrum, Snaredrum, Toms, Becken) jeweils notiert sind.

Die Tondauer bzw. der Notenwert wird durch folgende Merkmale bestimmt:

  1. Beschaffenheit des Notenkopfes (...ist dieser ausgefüllt oder nicht?)
  2. Vorhandensein eines Notenhalses 
  3. Vorhandensein eines oder mehrerer »Fähnchen« oder »Balken« am Notenhals

Nehmen wir als Beispiele im folgenden ein paar elementare Notenwerte:

Beispiel 1 zeigt euch die Note mit dem größten Notenwert, die Ganze Note. Sie hat einen nicht ausgefüllten Notenkopf und keinen Notenhals.

Fügt man diesem Notenkopf einen Notenhals an, erhält man eine Halbe Note (Beispiel 2).  Wird der Notenkopf zudem ausgefüllt, habt ihr es mit einer Viertelnote zu tun (Beispiel 3). Jede Note hat auch eine ihrem Notenwert entsprechende Pause (Bsp. 1a: Ganze Pause, Bsp. 2a: Halbe Pause, Bsp. 3a: Viertelpause)

Taktarten
Setzen wir nun die einzelnen Notenwerte in Bezug zu einer Taktart. Diese wird grundsätzlich mit einem Zahlenbruch angegeben. Die obere Zahl gibt an, bis wieviel gezählt wird, die untere Zahl bestimmt den Wert der Zähleinheiten.

Nehmen wir die gebräuchlichste aller Taktarten, den 4/4-Takt (sprich: »Viervierteltakt«). Hier gibt es also vier Zähleinheiten, die jeweils dem Wert einer Viertelnote entsprechen.  Wie kann man nun diesen Takt mit den verschiedenen Notenwerten ausfüllen?  Die Ganze Note hat den Wert von vier Viertelnoten und füllt somit den ganzen Takt aus (Beispiel 4).

Die Halbe Note hat den Wert von zwei Viertelnoten. Demzufolge passen zwei Halbe Noten in einen 4/4-Takt (Beispiel 5). Bei Viertelnoten ist die Lösung einfach: Einen 4/4-Takt kann man, wie der Name schon sagt, mit vier Viertelnoten ausfüllen (Beispiel 6).

Darüber hinaus gibt es zu jedem Notenwert eine entsprechende Pause (Beispiele 1a bis 3a).  So, das war es für den Einstieg. Für Trommler:innen ist es angebracht, das Ganze anhand von Klatschübungen und Basic-Stickings in die (Trommel)-Praxis umzusetzen.

Schlagzeugnoten spielen

Nachdem wir uns mit den elementaren Grundlagen der Notenschrift befasst haben, gilt es nun, die Schlagzeugnoten anhand der nachfolgenden Übungen in die Praxis umzusetzen.

Übung A hilft, erst einmal den Puls bzw. das Tempo zu erfassen. Zählt laut und in zeitlich gleichen Abständen »1«, » 2«, » 3«, »4« und klatscht wie angegeben den Puls dazu. Übertragt nun den Puls auf den Körper, indem ihr abwechselnd mit dem rechten und linken Fuß aufstampft, sodass ihr sozusagen auf der Stelle geht (Übung B). Wenn ihr mit rechts anfangt, setzt der rechte Fuß auf den Zählzeiten »1« und »3«, der linke Fuß auf den Zählzeiten »2« und »4« auf.

Warum laut zählen?
Vielleicht fragt ihr euch an dieser Stelle, welchen Sinn es hat, laut zu zählen und den Puls zu treten. Deshalb möchte ich hier einige Gründe nennen:

  1. Lautes Zählen erleichtert die rhythmische Kontrolle über das Spiel. So können Fehler, wie etwa unregelmäßiges Zählen, leichter erkannt und verbessert werden.
  2. Lautes Zählen ermöglicht eine akustische Kontrolle darüber, ob die einzelnen Notenwerte genau gleichzeitig mit den entsprechenden Zählzeiten gespielt werden. Dies wird nicht nur bei den Klatschübungen, sondern auch beim Erlernen neuer Drum- oder Percussion-Grooves helfen.

Lautes Zählen ist anfangs einfach die beste Methode, sich das Zusammenspiel von Händen und Füßen bewusst zu machen.

  1. Eine wichtige Hilfestellung ist es auch, den Puls zu treten. Hierdurch erfährt man die Taktschwerpunkte mit dem ganzen Körper und wird durch den regelmäßigen Bewegungsablauf daran gehindert, plötzlich sehr viel schneller oder langsamer zu werden.

Nun zu den Übungen D - L, die folgendermaßen ausgeführt werden sollten:

  1. Laut zählen
  2. Puls treten
  3. Notenwerte klatschen

Alle Übungen sind mit Wiederholungszeichen notiert (Beispiel C). Diese bedeuten, dass alle Noten bzw. Takte, die innerhalb dieser beiden Zeichen stehen, einmal wiederholt werden.  Damit sich ein Übungseffekt einstellen kann, sollten die Übungen allerdings mehrmals wiederholt werden.

Grundsätzlich ist über den Übungen dieser Workshop-Serie ein »Time-Index« angegeben.  Dieser erleichtert es, Fortschritte bezügiich des Tempos (bei Anwendung eines Metronoms oder Drumcomputers) zu kontrollieren. Links steht das Anfangsübetempo, ganz rechts das Tempo, in dem man die Übungen nach einiger Zeit spielen können sollte. Also – einfach das jeweils aktuelle Tempo ankreuzen!

Bei den Klatschübungen sollte aus Gründen der Kraftersparnis etwa ab Tempo 120 der Puls halbiert werden. Hier ist also nur noch »Pulstreten« auf den Zählzeiten »1« (rechter Fuß) und »3« (linker Fuß) angesagt. Dieses gilt natürlich ebenso für die nachfolgende, zusammenfassende Übung zum Notenlesen.

Notenleseübung

Hier sind die Schlagzeugnoten so dargestellt, wie sie im Allgemeinen vorkommen – das heißt, die Zählweise und der Puls sind nicht notiert. Fasst anfangs jeweils zwei Takte zusammen und wiederholt diese; also zuerst den ersten und zweiten Takt beständig wiederholen, dann den dritten und vierten Takt beständig wiederholen usw.

Diese Vorgehensweise erleichtert es, die jeweiligen rhythmischen Zusammenhänge zu erkennen bzw. zu verinnerlichen und zeigt letztendlich den kürzesten Weg zum Ziel – die Leseübung ohne Fehler durchzuspielen.

Eins noch zu verschiedenen Notations-Möglichkeiten:

Anders als bei anderen Instrumenten, wie etwa beim Klavier, ist es bei der Snaredrum (oder wie hier beim Klatschen) nicht möglich, den Ton lange stehen zu lassen. Dies bedeutet, dass es immer mehrere Möglichkeiten der Notation gibt. So ist beispielsweise der vierte Takt der Leseübung M rhythmisch mit der Übung K absolut identisch.

Genauso trifft dies auf die folgenden Takte 5, 6, 7 und 8 zu (entsprechende Rhythmik siehe Übungen H, G, L und F). Damit das Ganze nicht zu theoretisch wird, gibt es hier auch entsprechende Übungen für die Snaredrum. Jeder neue Notenwert kann sofort in die (Trommel-) Praxis umgesetzt werden.

Stockhaltungen

Setzen wir auch hier bei Null an und beschäftigen uns zunächst einmal mit der Stockhaltung. Seht euch dazu mal die untenstehenden Bilder an. Grundsätzlich unterscheidet man hier zwischen dem »Matched Grip« (Bild 1) und dem »Traditional Grip« (Bild 2). Beim »Matched Grip« wird der Stock mit dem Zeigefinger (zwischen erstem und zweiten Glied) und Daumen gehalten (Bild 3). Die restlichen Finger werden locker um den Stock gelegt (Bild 4).

»Traditional Grip«
Beim »Traditional Grip« stellt (bei Rechtshändern) die linke Hand den Unterschied zum »Matched Grip« dar. Hier wird der Stock in die Mulde zwischen Daumen und Zeigefinger und auf das zweite Glied des Ringfingers gelegt. Zur seitlichen Führung werden nun Zeige- und Mittelfinger angelegt (Bild 5).  Für welche der beiden Stockhaltungen man sich entscheidet, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Sicherlich ist der »Matched Grip« die einfachere und natürlichere Weise, die Stöcke zu halten. Der »Traditional Grip« kommt vom Marschtrommeln her, wo die Trommler ihre Instrumente im Gehen spielen und dafür eine andere Stockhaltung brauchen.

Snaredrum-Übungen 1 - 9

Grundsätzlich habe ich zu den Übungen verschiedene Handsätze notiert; so werden von Anfang an beide Hände gleichberechtigt ins Spiel mit einbezogen und eröffnen später eine Vielzahl von Verteilungsmöglichkeiten am gesamten Drumset. Auf die nachfolgenden Übungen bezogen bedeuten die verschiedenen Handsätze im Einzelnen:

»Standard-Handsatz« (SH):
Alle Schläge auf den Zählzeiten »1« und »3« werden mit der rechten Hand , alle Schläge auf den Zählzeiten »2« und »4« werden mit der linken Hand gespielt.  Eine einzige Ausnahme besteht dann, wenn ausschließlich auf den Zählzeiten »1« und »3« gespielt wird (wie in Übung 1). Hier ist natürlich eine abwechselnde Schlagabfolge sinnvoller.

»Umgekehrter Handsatz« (UH):
Genau umgekehrte Schlagabfolge wie beim Standard-Handsatz.

»Hand-to-Hand-Handsatz« (HH):
Grundsätzlich abwechselnde Schlagfolge (rechte Hand – linke Hand; bei Linkshändern umgekehrt). Hierbei kann es passieren, dass sich die Schlagabfolge erst nach zwei Takten wiederholt (siehe Übungen Nr. 3 – 6). Abschließend habe ich bei den Übungen Nr. 10 - 12 ein paar Möglichkeiten notiert, wie man die verschiedenen Übungen miteinander kombinieren kann. Also, seid kreativ und probiert auch eigene Kombinationen aus!  Wenn das immer noch nicht reicht, kann man natürlich auch die Bassdrum und die Hihat in das Spiel miteinbeziehen.

Wir wünschen viel Spaß beim Üben der ersten Schlagzeugnoten!

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