Snaredrum stimmen: Tuning-Tipps der besonderen Art

Du willst deine Snaredrum stimmen? Um sich im Wald der Möglichkeiten nicht zu verlaufen, gibt's hier von Ralf Mikolajczak zunächst einige allgemeine Betrachtungen zum Thema »Snaredrum-Sound«.

| Ralf Mikolajczak

Kesseldimensionen: Von »Flunder« bis »Eimer«

Snaredrums mit großer Kesseltiefe (6,5", 7" und 8") werden im Allgemeinen einen satten und voluminösen Klang produzieren. Sie nehmen ein breiteres Frequenzspektrum ein als Snaredrums mit geringerer Kesseltiefe (5", 4", 3,5"). Diese überzeugen wiederum durch einen Snaredrum-Sound mit präsentem Attack sowie einer etwas schnelleren Snareteppich-Ansprache.

Selbstverständlich lassen sich auch mit einer 6,5" tiefen Snaredrum sehr knackige Sounds erzielen, genauso wie sich einer nur 3,5 tiefen Snaredrum durchaus auch recht satte Klänge entlocken lassen. Dazu bedarf es aber immer einer speziellen Stimmung plus eventueller Dämpfung, die in der entgegengesetzten Richtung zum eigentlichen Grundklangcharakter dieser Drums arbeiten. Durch spezielles stimmen und dämpfen der Snaredrum ergeben sich allerdings auch noch weitere Möglichkeiten, sehr individuelle Klangcharakteristiken zu schaffen.

Snaredrums mit »konventionellem« Durchmesser von 14" werden sicherlich bassiger und tiefer klingen als solche mit geringerem Durchmesser (13", 12" und 10"), die naturgemäß von der optimalen Tonhöhe her höher liegen werden – wohlgemerkt bei jeweils gleicher Kesseltiefe.

Kesselmaterial: Holz oder Metall

Eine grobe Unterscheidung lässt sich zwischen Metallkesseln und Holzkesseln treffen. Metallkessel-Snares verfügen über ein anderes Obertonspektrum als Holzkessel-Snares – sie klingen meist heller und schärfer. Stahl und Edelstahl verfügen über den schärfsten Klang, während Messing und Kupfer die wärmsten Obertöne bei den Metallkessel-Trommeln produzieren und Aluminium den trockensten und am wenigsten obertonreichen Klang der Metallkessel bietet. Bei den Holzkesseln überzeugt Birke durch einen insgesamt satten Klang mit einem ausgeprägten Bass-Anteil und kernigen Höhen, während Ahorn den ausgewogensten Klang mit präsenter Abbildung der charakteristischen Mitten produziert. Dies sind wohlgemerkt nur die gebräuchlichsten Kesselmaterialien für Snaredrums; es werden auch andere Holz- und Metallarten sowie auch grundsätzlich andere Materialien – wie Fiberglas, Carbonfiber, Kunststoffe etc. – verwendet.

Snareteppich und Snarebed

Weiterer wichtiger Faktor für guten Sound beim Snaredrum-Stimmen ist die saubere Ansprache des Snareteppichs. Dieser sollte mittig auf dem Resonanzfell aufliegen. Seine Blechenden dürfen nicht durch das Befestigungsmaterial vom Resonanzfell weggedrückt werden, da sonst eine einwandfreie Funktion nicht gewährleistet ist. Wichtig ist ein sorgfältig gearbeitetes Snarebed – dies sind auf der Resonanzfellseite der Snaredrum eingearbeitete Vertiefungen an den Stellen, wo das Befestigungsmaterial des Snareteppichs über die Kesselgratung geführt wird. Diese Snarebeds ermöglichen eine bessere Auflage und somit Ansprache des Snareteppichs.

Ein Snareteppich mit fehlenden und/oder geknickten Spiralen wird niemals exakt arbeiten können und sollte umgehend ausgetauscht werden.

Einen sehr schönen Basis-Stimmtipp für Snaredrums verrät Drummer, Drumtech und Custom-Trommelbauer Udo Masshoff in einem YouTube-Video:

Snaredrum stimmen: Soundbeispiele

Für alle folgenden Beispiele sollte ein ca. 0,03 Millimeter starkes Resonanzfell verwendet werden (z. B. Remo »Ambassador Snare«, Evans »Hazy Resonant« etc.), da diese Ausführung sehr gebräuchlich ist und dem üblichen Standard entspricht.


  1. Crispe Attacks und brillante Obertöne

Die Snareteppich-Ansprache soll schnell und direkt sein. Denkbare Einsatzgebiete für einen solchen Sound sind generell moderne Pop-Styles, Hip-Hop, Funk, R'n'B, Fusion und Electric-Jazz. Dazu kann z. B. eine 14" x 5,5"-Snaredrum mit Metallkessel verwendet werden, da diese bereits über einen entsprechenden Grundklangcharakter verfügt.

Das Resonanzfell wird recht hart gespannt, so dass es sich mit leichtem Daumendruck im Center kaum noch eindrücken lässt. Der Snareteppich wird ebenfalls recht straff gespannt, sodass er bei einem Anschlag satt und ohne weiteres Nachrascheln gegen das Resonanzfell schlägt.

Als Schlagfell wird ein einlagiges, beschichtetes Fell eingesetzt (z. B. Remo »Ambassador«, Evans »Genera G1 coated«) oder aber ein einlagiges, weiß/beschichtetes, leicht gedämpftes Fell (z. B. Remo »CS Snare«, Evans »Genera Batter«). Letztere verfügen über einen etwas geringeren Oberton-Anteil und müssen daher, wenn überhaupt, nur sehr wenig gedämpft werden. Das Schlagfell wird straff gespannt, sollte sich aber bei leichtem Daumendruck im Center noch ein wenig eindrücken lassen und so einen guten Rebound liefern.

Eine Snaredrum zu stimmen bedeutet meistens, dass sie nicht oder nur wenig gedämpft werden muss. Eine Dämpfung mit einem Gaffertape-Streifen sollte genügen. Der Streifen wird zu einer Rolle gedreht, so dass sich die Klebeschicht auf der Außenseite befindet. Diese Dämpfung wird dann ca. 2,5 cm vom Rand, direkt vor der Stimmschraube in der Position »12 Uhr« angebracht. Wer etwas mehr Dämpfung mag, kann entweder mit zwei Röllchen Gaffertape an zwei Positionen (z. B. »11 Uhr« und »1 Uhr«) aufbringen oder ein bzw. zwei selbsthaftende »Moon-Gel« oder »Oberton Killer«-Pads einsetzen. Diese sind schwerer als die Gaffertape-Röllchen und bringen daher einen größeren Dämpfungseffekt.


  1. Satter Sound mit ausgeprägtem Obertonspektrum

Ein solcher Sound mit genügend Volumen aber ohne übermäßigen Bassanteil eignet sich besonders gut für das weite Feld der etwas lauteren Pop/Rock-Musik, da er sich schon durch geringe Variationen bei Stimmung und Dämpfung in den jeweiligen musikalischen Kontext einpassen lässt. Durch geschickte Auswahl des Kesselmaterials lässt sich der Obertoncharakter vorbestimmen.

Das Resonanzfell wird nicht ganz so hoch gestimmt wie im vorherigen Beispiel; es sollte sich noch ein bis zwei Millimeter mit leichtem Daumendruck in der Mitte eindrücken lassen. Für die Schlagfellseite wird ein vorgedämpftes Fell wie z. B. ein Remo »CS Snare« oder »Ambassador X14«, Evans »Genera Batter« bzw. »Genera Dry Batter« verwendet.

Das Fell wird so weit hoch gestimmt, bis es sich mit leichtem Daumendruck in der Mitte um zwei bis drei Millimeter eindrücken lässt; es ist also etwas tiefer gestimmt als das Resonanzfell. Die Snaredrum kann nach dem im vorherigen Beispiel beschriebenen Methoden je nach Geschmack gedämpft werden.

Der Snareteppich wird auch hier recht straff, aber nicht zu stark gespannt. Kontrolliert die Ansprache, indem ihr den Stick in einer Distanz von ca. 2,5 cm vom Spannreifen entfernt aufprallen lasst. Der Snareteppich sollte auch bei diesen leisen Anschlägen direkt reagieren. Wenn ihr die Snaredrum in der Fellmitte anschlagt, sollte ein trockener Attack-Sound entstehen und der Snareteppich mit einem satten Geräusch gegen das Resonanzfell schlagen und nicht lange nachrascheln. Gegebenenfalls ist der Snareteppich etwas straffer zu spannen und/oder die Spannung des Resonanzfells nur an den Stimmschrauben links und rechts des Snareteppichs leicht zu erhöhen.


  1. Satter Sound mit warmen Obertönen

Für die Realisierung prädestiniert sind Snaredrums in den Dimensionen 14“ x 6,5“ (mit Messing-, Aluminium oder Holzkessel) sowie 14“ x 7“- oder 14“ x 8“-Holzkessel-Snares.

Die Spannung des Resonanzfells und die Einstellung des Snareteppichs kann wie in Beispiel 2 angelegt werden. Damit ist dann trotz der größeren Tiefe der Snaredrum immer noch eine relativ sensible Ansprache gewährleistet. Als Schlagfell sollte ein stärker vorgedämpftes Fell wie z. B. Remo „CS Snare“, Evans „Genera Dry Batter“ oder doppellagige, weißbeschichtete Felle wie etwa Remo »Emperor« oder Evans »HD Batter« eingesetzt werden. Doppellagige Felle benötigen etwas weniger externe Dämpfung. Das Schlagfell wird so gespannt, dass es sich mit leichtem Daumendruck in der Fellmitte durchaus einige Millimeter eindrücken lässt, aber immer noch einen guten Rebound der Sticks liefert. So erlaubt diese Stimmung immer noch das Spielen von schnellen Sechzehntel-Patterns und auch Ghostnotes.

Wenn gewünscht, kann die Snaredrum nun relativ stark gedämpft werden. Es empfiehlt sich der Einsatz von zwei »Moongel«-oder »Oberton Killer«-Pads in den Positionen »11 Uhr« und »1 Uhr« oder bei den einlagigen Fellen eines zusätzlichen, schmalen Dämpfungsrings. Bei doppellagigen Fellen kann ein »Moongel«-oder »Oberton Killer«-Pad in der Position »12 Uhr« oder ein halber Dämpfungsring schon den gewünschten Effekt bringen. Damit die Dämpfungsringe nicht verrutschen, sollten sie mit etwas Gaffertape an zwei Stellen fixiert werden.


  1. Klassischer Hardrock-Sound

Dieser wird durch dominante Tiefmitten sowie stark ausgeprägte Obertöne bestimmt. Die Ansprache des Snareteppichs soll schnell und kontrolliert sein, aber auch sensibel genug, um in verschiedenen Dynamikstufen einwandfrei zu arbeiten. Grundsätzlich eignen sich dafür sehr gut 14“ x 6,5“ Snaredrums, vorzugsweise mit Metallkessel (Stahl, Bronze).

Das Resonanz- und Schlagfell werden für einen solchen Sound beim Snarestimmen sehr hoch gestimmt, sodass sie sich bei leichtem Daumendruck in der Fellmitte kaum noch eindrücken lassen. Auch der Snareteppich wird sehr hart angespannt. Empfehlenswert ist die Verwendung eines Remo-»CS Black Dot clear«- oder Ludwig-»Silver Dot«-Schlagfells, alternativ auch eines Remo-»CS Snare«-Fells. Sollte die Snaredrum bei dieser hohen Stimmung immer noch zu viele Obertöne haben, sollte man diese maximal mit einem Gaffertape-Streifen »12 Uhr«-Position eliminieren. Ein solch extremer Sound erfordert zudem eine ausgesprochen harte Spielweise.


  1. Und was ist mit Metal?

Nun ganz einfach: Je nach Geschmack, Lust und Laune können kleine Variationen eines der ersten drei genannte Soundneispiele prima eingesetzt werden. Je trashiger der Style, desto eher wäre Soundbeispiel 1 zu bevorzugen, je mehr die Sache sinfonisch oder »balladesker« der Style wird, desto eher wird Soundbeispiel 3 der Sache gerecht. Bei beiden Beispielen sollte man sich zudem an etwas höheren bzw. obertonreicheren Varianten dieser Stimmungen orientieren – zumal wenn ihr beim Highspeed-Drumming mehr Präsenz braucht.

Hilfe, der Snareteppich raschelt!

Na, das soll er doch eigentlich auch! Dieser Sound gehört zu einem guten Drumset-Klang einfach dazu. Ein häufig auftretendes Problem ist allerdings das unerwünschte (!) Nachrascheln des Snareteppichs bei Schlägen auf ein bestimmtes Tom oder durch Schwingungsanregung durch andere Instrumente – vorzugsweise hervorgerufen durch Bassgitarren und Keyboard-Bässe.

Dieses Rascheln lässt sich allerdings meist relativ einfach beheben: Die Stimmschrauben links und rechts des Snareteppichs um eine Viertelumdrehung höher oder tiefer stimmen. Damit stimmt ihr die Snaredrum aus dem kritischen Resonanzbereich heraus, und euer persönlicher Snaredrum-Sound sowie der Spielkomfort bzw. das gewisse Spielgefühl bleibt bei dieser geringfügigen »Verstimmung« meist erhalten.

Sind dann beim Snaredrumstimmen noch Korrekturen nötig, wenn ihr beispielsweise auf ein Tom schlagt und die Snaredrum zu stark anspricht, dann solltet ihr euch zunächst besser diesem Tom widmen und bei diesem zunächst das Resonanzfell geringfügig höher oder tiefer stimmen.

// [14646]

Zur Übersicht

d&p-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im d&p-Newsletter.

Jetzt registrieren