Produkt: Soul Man – The Blues Brothers
Soul Man – The Blues Brothers
Soul Man: Hol Dir die Playalong-Versionen des Klassikers von den Blues Brothers!
Groove des Monats

Benny Greb: Grebchestra

(Bild: Axel Mikolajczak)

Was könnte spannender sein!? Benny Greb ist einer der innovativsten Schlagzeuger dieser Zeit. Keine Frage, dass in Anlehnung an die Titelstory einer STICKS-Ausgabe auch der „Groove des Monats“ aus der grebschen Zauberkiste stammen muss! Und diese Kiste hat es wahrlich in sich.

Bennys aktuelles Album „Grebfruit 2“ entführt nicht nur in die faszinierende Hördimension eines orchestrierten Stimmen-Universums, sondern bietet gleichsam jede Menge Artwork charakterstarker Drum-Styles zwischen Cleverness, Emotion und tiefer Dringlichkeit.

Anzeige

Auch wenn der Begriff „genial“ mit Vorsicht zu verwenden ist, so kommt der Drumtrack im Song „Grebchestra“ in die gefühlte Nähe einer außergewöhnlich schöpferischen Kraft. Und die höchst intelligent gemachte Rhythmik dürfte alle Schlagzeugfans im „Dreieck titschen lassen“. Wobei das mit dem Dreieck gar nicht so weit hergeholt ist, denn wir haben Benny Greb um ein paar Statements gebeten, und die Erkenntnis der Dreiergruppe führt durchaus zu den elementaren Bausteinen dieses Grooves.

Notation

Notiert ist eine viertaktige Sequenz bei Spielzeit 2:02 bis 2:12 Minuten. Nach einem langen, sphärischen Vocal-Intro wird die besondere rhythmische Form erstmals bei Spielzeit 0:57 Min. durch Stimmen eingeführt (Benny spricht hier von Unisono-Hits). Bereits im Stimmen-Arrangement liegen schon zwei rhythmische Ebenen übereinander, die zwar wie Zahnräder ineinandergreifen, aber beim Hören auch das Phänomen rhythmischer Illusion aufkommen lassen (zum Glück läuft im Hintergrund ein leichtes Becken mit, das für Klärung sorgt). Bei 1:40 Min. kommt schließlich das Schlagzeug zum Einsatz und setzt sich auf die Unisono-Hits. Spätestens jetzt bekommt man vom Schlagzeug so richtig einen verabreicht. Entweder man genießt diese wunderbare Karussellfahrt, oder man muss mit Konzentration in die geistige Durchdringung dieser Rhythmik einsteigen. Etwas mehr Griff zeigt die Struktur ab Spielzeit 2:02, insofern soll der in der Notation dargestellte viertaktige Groove-Extrakt der Nachspielbarkeit und Inspiration dienen (Tempo: Viertel = 90 bpm).Schlagzeugnoten

Statements Von Benny Greb

Benny, du spielst hier einen recht tricky gemachten Schlagzeug-Groove! Wie hast du die Rhythmik entwickelt?

Benny Greb: Das alles begann mit den Akzenten, und ich wollte verschiedene Kicks bzw. Akzentschwerpunkte über die Takte verteilen. Die Kern idee des Songs fußt auf Unisono-Hits. Zunächst war es ein systematischer Ansatz, den ich teils an die südindische Talam Silbenrhythmik angelehnt hatte. Daraus entwickelte sich das rhythmische Gerüst. Dieses folgt im Prinzip ja einem Vierermetrum. Allerdings entsteht durch die Akzentverteilung und die Hits eine rhythmische Illusion, die einen glauben macht, es wäre ein völlig verdrehter Odd-Meter-Groove, der scheinbar auf mehreren Ebenen stattfindet – so als würde man zwei Bücher gleichzeitig lesen. Grebchestra ist eins der wenigen methodisch geschriebenen Stücke des Albums mit einem konzeptionell durchdachten Arrangement. Aber es ist trotzdem viel aus dem Bauch dabei. Ich wäre nicht stolz auf einen Song, nur weil’s kompliziert ist.Grebfruit 2

Wie könnte man diesen Groove für sich selber entdecken und ihn spielen? Gibt’s Tipps von dir?

Benny Greb: Erst mal hören! Wenn der Song gefällt, dann ist die erste wichtige Voraussetzung geschaffen. Die einfachste Möglichkeit, hinter das rhythmische Prinzip zu steigen, ist zunächst, die Viertelnoten mitzuklatschen. Diese Vorgehensweise war für mich selber auch immer ein Ansatz, um Grooves zu checken – egal ob’s ein Weckl-Playback war oder früher ein Beatles-Song. Man muss wissen, wo der Puls ist! Dann geht’s weiter mit Backbeat und Snare mitklatschen. Auf diese Weise kommen die Akzente nicht mehr so überraschend, weil man mit der Zeit weiß, wo diese sitzen. Jetzt geht’s im Prinzip nur noch um die Verteilung der Akzente auf Bassdrum und Snare. Eine Vorübung dazu wäre es, im Vierviertel- Rhythmus Dreiergruppen auf Bassdrum und Snare zu verteilen. So wird die „Eins“ quasi umspielt. Und das ist im Prinzip schon die DNA des Grebchestra-Grooves. Es geht hier um Orchestrieren von Snare und Bassdrum. Nur darf es nicht passieren, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Alles geht von den Akzenten aus, aber es nutzt nichts, wenn man nicht weiß, wo die Viertelnote ist. Deswegen muss man zuerst die Basis aufgreifen – in diesem Fall das Wissen um die Viertelnote. Dann wird klar, was überhaupt wie verteilt wird. Eigentlich kann dann nichts mehr schief gehen! In diesem Sinne: Viel Spaß mit Bennys spektakulären Grebchestra- Drums!


Tom Schäfer ist professioneller Percussion- Player und Drummer und hat in seiner Laufbahn über 1.000 Konzerte gespielt. Er ist Autor des Fachbuchs „Hand- & Effect-Percussion“ und Produzent der DVD „Die Welt der Small Percussion“. Weiterhin ist er verantwortlich für die Percussion-Sounds der „Real Mega Drums“ Sample-Library. Zudem gastiert er regelmäßig als Workshop-Dozent bei zahlreichen Drum- und Percussion- Events. Seit der ersten Ausgabe 1988 ist Tom Schäfer für STICKS tätig.

 

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren