Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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Conga Tuning: Profi-Tipps

Congas richtig stimmen

Bevor ihr euch ans Trommeln begebt, muss die Conga gestimmt werden. Naturhäute reagieren auf Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Insofern kann man nicht davon ausgehen, dass eine gestimmte Conga auch am nächsten Tag noch genauso kingt. Also: Stimmschlüssel raus und loslegen. Denn nur ein gestimmtes Fell kann ausgewogen schwingen und gut klingen. Ein schlaffes Leder ist wie ein matter Lappen ohne musikalische Eigenschaft. 

Conga wird gestimmt

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Congas stimmen: Von Grund auf

Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Felle nicht schief aufliegen oder durch ungleichmäßige Anspannung der Stimmschrauben sich wie schräge Hüte zu einer Seite neigen. Das führt zu Verzerrungen der Leder und ein vernünftiges Stimmen ist dann kaum noch möglich. Um den Stimmvorgang von Grund auf kennen zu lernen, fangt ihr am besten von null an und löst alle Spannschrauben mit dem passenden (!) Schlüssel. Dieser Gabel- oder Steckschlüssel gehört zum Lieferumfang einer Conga. Die meisten Hersteller bieten als Beipack kleine Taschen an, die neben einem Stimmschlüssel auch Ersatzteile wie Gummischutzkappen für die Gewindeenden der Spannhaken sowie eine Tube Gewindefett enthalten. Ein lobenswertes Accessoire, das man zumindest im „Erste-Hilfe-Koffer“ immer dabei haben sollte.

Lassen sich die Schrauben von Hand drehen, so ist das Fell komplett entspannt. Theoretisch lassen sich nun die Spannhaken ausklinken und ihr könnt das Fell mitsamt Spannring abnehmen. Setzt ihr das Fell wieder auf die Conga oder wollt ihr das alte Fell gegen ein neues tauschen, so ist es wichtig, dass sich das Fell passgenau auf die Fellauflagekante des Kessels setzt. Der Fellkragen darf nicht am Kessel klemmen (das Fell sollte sich also drehen lassen).

Ich gehe mal davon aus, dass ihr als neues Fell ein bereits mit Fellkragen und Fellring vorgeformtes Modell benutzt) und kein Flat Skin (nicht vorgeformtes, flaches und lediglich rund geschnittenes Leder. Das nämlich wäre dann nochmal ein Spezialthema für sich). Jetzt wird der Spannring (Rim) aufgesetzt und die Spannhaken können in die Spannschlaufen eingehängt werden. Achtet darauf, dass die Spannhaken lotrecht verlaufen. Ansonsten den Spannring entsprechend ausrichten (drehen).

Wollt ihr mehrere Trommeln wie Quinto, Conga oder Tumba tunen, so beginnt man mit der Conga, weil sie als Haupttrommel im Conga-Set die klangliche Referenz zu den anderen Trommeln bildet.

Das Congafell spannen

Man dreht die Schrauben reihum zunächst von Hand fest, bis der Widerstand schließlich so groß ist, dass jetzt der Stimmschlüssel ins Spiel kommt.

Stimmen der Conga

Am besten man setzt sich vor die Conga und dreht den Stimmschlüssel gegen den Uhrzeigersinn (die Schrauben stehen ja auf dem Kopf und man muß spiegelverkehrt denken).  Foto 5 aus Look Up Jetzt wandert man von Schraube zu Schraube reihum und spannt jeweils etwa 1/2 bis maximal eine Umdrehung an. Um sich zu merken, an welcher Stimmschraube nun der Kreis angefangen hat, kann z.B. das Firmenlogo oder ein Fellaufdruck  als Orientierungspunkt dienen. Es sind etliche Schraubenumdrehungen nötig, bis das Fell allmählich eine geringe Anspannung zeigt.

Zwischendurch kann man mittels „Open Tone“ den erreichten Grundton überprüfen. Dazu ist es ratsam, den Conga-Kessel leicht nach vorne zu neigen, damit sich durch die nach unten austretende Luftsäule der Klang besser entfalten kann.

Die Conga wird an mehreren Fellpositionen ringsum kurz angespielt, um die Tonhöhe zu checken. Der Grundton soll an verschiedenen Fellpunkten gleich klingen. Bei neuen Fellen kann man hin und wieder mit einem druckvollen Faustschlag auf die Fellmitte erreichen, daß sich das Leder etwas „setzt“.

Ist der Sound noch matt und dumpft, so wird weiter reihum gespannt. Inzwischen müsste  der Stimmschlüssel einen guten Kraftaufwand erfordern. Gibt das Fell auf kräftigen Fingerdruck kaum noch nach und bringt der Open Tone einen resonanten Klang hervor, so ist man dem Ziel schon recht nahe.

An allen Randbereichen (dort wo die Stimmhaken ansetzen) soll das Fell einen gleichen Ton produzieren. Am besten mit leichten Fingerschlägen prüfen. Bei Unterschieden in der Tonhöhe müsst ihr die Stimmschraube am entsprechenden Fellabschnitt nachregulieren.

Die „endgültige“ Stimmung ist dann erreicht, wenn die Conga ein rundes, warmes, resonantes Klangbild mit druckvoller, harmonischer Tonalität zeigt.

Eine Vorgabe für eine „amtliche“ Tonhöhe jedoch existiert nicht wirklich. Aber es gibt individuelle Präferenzen und die Tonlage hängt erstens vom eigenen Geschmack ab, zweitens von der Klangentfaltung des Instruments selbst (es gibt den Ton regelrecht vor – und zwar dann, wenn sich der Sound ungebremst und klangvoll am besten entwickelt) und drittens hängt es auch vom musikalischen Kontext ab.

Orientierungen bieten so manche Vorlagen und Tipps, die man bei Youtube findet. Hört euch auch Musik an, bei denen Congas eine große Rolle spielen. Der Klassiker ist natürlich Santana. Gerade die älteren Aufnahmen liefern viele Informationen zu Sounds und Tonhöhen.

Manche Congaspieler präferieren den Ton C als Faustegel für eine allgemeine Grundstimmung der Conga. Aber es gibt keine zwingend bindenden Reglementierungen. Congas lassen sich auch nicht exakt auf einen definierten Ton (Hz) stimmen. Man bewegt sich lediglich im Bereich einer Tonhöhe. Richtig ist, was gut klingt.

Tipp: Manchmal hilft es, das Fell einmal ordentlich hoch zu spannen, um zu erkennen, inwieweit sich der Gesamt-Sound in Sachen Tonfülle, Druck, Wärme, Gesamtausstrahlung etc. verändert. Durch das Ausprobieren verschiedener Spannungslagen erlangt man Erkenntnisse darüber, wann eine Conga ihre resonant-klangliche Optimalsituation erreicht.

Das Fein-Tuning

Da eine lederne Membran naturbedingt Unterschiedlichkeiten in der Struktur und der Fellstärke aufweist, ist es in der Regel so, dass trotz gecheckter Open Tones am Fellrand und peinlichst nachgehaltener Stimmschrauben- Umdrehungen immer noch eine leichte Verstimmung vorherrscht. Der Ton ist in der Ausschwingphase unsauber oder es sind merkwürdige Obertöne zu hören (helles Pfeifen, unangenehmes Singen). Das hat mit Dissonanzen im Obertonspektrum zu tun. Und diese Unreinheiten kann man im Detail „wegstimmen“. Zunächst muss festgestellt werden, an welcher Stelle des Fells diese „schiefen Obertöne“ auftreten. Damit man die feinen Obertonklänge abhorchen kann, muss der dominante Grundton ausgeschaltet werden.

Hierzu drückt man mit einem Finger leicht auf die Fellmitte, so daß die Membran an ihrer Schwingung gehindert wird. Die andere Hand spielt das Fell mit dem Zeigefinger ganz am Rand an und überprüft dabei die Oberton-Entwicklung reihum an allen Spannpunkten (die sind dort, wo die Spannhaken in die Spannschlaufen greifen). Empfehlenswert ist auch das leichte (!) Abklopfen der Positionen mit dem Stimmschlüssel. Foto 6 aus Look Up Nun hört man, wie die Obertonbereiche zueinander stehen – ob sie an allen Fellpositionen ähnlich sind, oder ob nebeneinander liegende Bereiche voneinander abweichen (nach oben oder unten). Ergo werden die Spannschrauben an den entsprechenden Fellbereichen minimal gespannt oder gelockert. Nach jeder Veränderung sollte man die Auswirkungen des Fein-Tunings stets mit Fingerschlägen und vollen Open Tones überprüfen.

LP Paoli Meijas Signature Galaxy Jazzambia Congas
LP Paoli Meijas Signature Galaxy Jazzambia Congas (Bild: Axel Mikolajczak)

Das Conga-Set und seine Klangverhältnisse

Ausgehend von einem Dreierset mit Conga, Quinto und Tumba stellt sich die Frage, welche Sounds / Tonhöhen die Trommeln haben sollen, um sie klanglich in ein zueinander passendes Verhältnis zu setzen. Die Conga bildet als Haupttrommel das  tonale Zentrum des Sets. Ihre Stimmung und Tonlage ist die Referenz. Zur Tumba: Sie übernimmt begleitende Bass-Sounds innerhalb eines Conga-Grooves. Das tonale Verhältnis zur Conga muß also harmonisch greifen. Bewährt hat sich ein Quart-Intervall, so dass die Tumba mit entsprechendem Tonabstand zur Conga in dieser tieferen Lage gestimmt wird. Aber auch hier sollte die individuelle geschmackliche Ausrichtung nicht unberücksichtigt bleiben. Durchaus ist im Bereich des Terz-Abstands (kleine, große Terz) auch ein harmonisches Gefüge zu finden. Man sollte jedoch über einen Quart-Abstand nicht hinausgehen, da ein zu großes Intervall die harmonische Anbindung schwächt.

Zur Quinto: Sie wird im Sekund- bis Terz-Abstand über der Conga eingestimmt. Ebenso ist zu kontrollieren, inwieweit das Intervall zwischen Quinto und Tumba in einem günstigen Verhältnis steht. Weitere Trommeln wie Super-Quinto oder Super-Tumba sind mit kleineren Intervallen zur benachbarten Trommel zu tunen. Ein größeres tonales Spektrum ist aufgrund der begrenzten Fellvariabilität (Spannmaß gerade im oberen Bereich) kaum möglich. Die Intervalle sind also besser mit kleinen Abständen zu wählen.

Spielt man Conga und Tumba oder Tumba und Quinto gleichzeitig, bzw. alle drei in einer Reihe hintereinander, so soll eine harmonische Abstimmung zu hören sein. Es gibt Congaspieler, die eine Dreierset Stimmung in F (Tumba), A (Conga) und C (Quinto) bevorzugen. Hier ist ein harmonischer Dreiklang zu hören. Der Santana Conguero Raul Rekow, der gerne mit fünf Congas agiert, nimmt schon mal eine typische Latin-Phrase als Referenz für sein eigenes Tuning-Konzept.

Spielt man man ein Zweier Congaset, so ist man gut beraten den Quartabstand zu wählen. Eine große Terz funktioniert auch.

Tipps zum Conga stimmen

Nach der Probe, nach dem Gig oder wenn die Congas längere Zeit nicht gespielt werden, solltet ihr die Felle etwas entspannen. Man nimmt dadurch die Dehnkraft aus den Ledern und verhindert, dass sich das Gewebe mit der Zeit auseinanderzieht.

Ein Congafell ist ein Naturmaterial und reagiert sensibel auf Witterungseinflüsse. So wird Feuchtigkeit schnell aufgenommen und macht das Fell weich. Es kommt zu Verstimmungen, die Spannkraft fällt, der Sound wird pappig. In umgekehrter Weise passierts bei trockenen, heißen Witterungsverhältnissen.  Das Fell sollte man also nicht dem wetterbedingten Zufalls-Tuning auszusetzen.

Ein spielbereit gespanntes Fell befindet sich in einem „außerordentlichen“ Zustand. Das ist so ähnlich, als würde man ständig an seiner Gesichtshaut ziehen. Da wünscht man sich ja auch die Entspannung herbei. Die Conga-Lederhaut ist zwar hart und widerstandsfähig, jedoch gäbe sie mit der Zeit mehr und mehr der permanenten Spannkraft nach. Das Fell dehnt sich also. Die Folge bei ständig angelegter Zugspannung wäre, dass man stets nachspannen muss. Irgend wann aber ist die Spanngrenze errecht, wenn aufgrund der Felldehnung der Fellkragen zu lang geworden ist, so dass die Gewindelänge der Spannhaken regelrecht am Ende der Fahnenstange angekommen sind.

Ergo: Felle nach dem Spielen etwas entspannen (nicht komplett lockern), so dass sie einen guten Ton oder zwei nach unten gehen

Außerdem: Ein Tropfen Gewindeöl schmiert den stark beanspruchten Mechanikbereich zwischen Spannmutter und Spannhaken. Die Schrauben drehen sich leichter, das Stimmen wird einfacher und gleichzeitig sorgt man für die Langlebigkeit der Gewinde.

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Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für die kompetente Anleitung!!

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