Drum Recording mit Vincent Sorg

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Ein Schlagzeug richtig gut aufzunehmen ist viel schwieriger als man denkt. Sticks hat mit Vincent Sorg – einer der Produzenten in Sachen Rockmusik, dessen Handschrift auf Alben von In Extremo, Donots oder den Toten Hosen zu finden ist, rund ums Thema Drum Recording gesprochen.

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Es ist immer gut, sich im Vorfeld mit dem Schlagzeuger darüber auszutauschen, wie das Set denn im Raum klingen soll. Vielen Trommlern wird im Studio erzählt: „Hau so feste drauf, wie du kannst!“, völlig ungeachtet dessen, wie das Instrument hinterher klingt. Das halte ich für grundfalsch! Ein Schlagzeug sollte genauso gespielt werden, wie es gemeint ist. Wenn man ein leises Becken haben will, dann möchte ich nicht, dass das Mikrofon an diesem Becken im Mix leiser gezogen wird, sondern ich möchte, dass der Schlagzeuger es leiser anspielt.

Das Schlagzeug sehe ich als Gesamtinstrument und nicht als Zusammensetzung von Einzeltrommeln. Das nämlich ist ein Fehler, der oft im Studio gemacht wird. Im Prinzip positionieren viele Tontechniker ihre Mikrofone an den einzelnen Trommeln und spielen dann mit den Verhältnissen der einzelnen Mikrofone. Ich arbeite da eher traditionell und verwende Overhead-Mikros, die den Sound machen. Alle anderen Close-Mics sind Stützmikrofone, die ich hinzufahre, um den Sound zu ergänzen. Ziel ist es, dass das Schlagzeug in den Overheads sowie in den Raummikrofonen gut klingt und die richtigen Verhältnisse aufweist.

Demnach wird der Charakter des Drum-Sounds hauptsächlich über die Overheads geprägt bzw. von ihnen eingefangen?

Richtig, das ist meine Philosophie. Natürlich muss ich die Bassdrum separat hinzufahren, aber die Overheads sind für mich der Kern einer Schlagzeugaufnahme. Bei den Aufnahmen mit Betontod hab ich zwei Neumann TLM 103 eingesetzt. Diese Methode erspart viel Fummelei hinterher. Denn wenn du bei den Aufnahmen nicht darauf achtest, dass es ausgewogen klingt, dann hast du hinterher im Mix die Arschkarte, weil alles, was an Verhältnissen nicht stimmt, künstlich erzeugt werden muss.

Hinten im Aufnahmeraum sind weitere Mikrofone aufgestellt. Welche Funktion übernehmen diese Raum-Mikrofone in Bezug zum direkten Sound des Schlagzeugs?

Die stehen mit der größtmöglichen Distanz, die dieser Raum hergibt im Abstand von etwa 12 Metern zum Drumset. Dadurch erhalte ich mir die Option, den größtmöglichen Raumeindruck zu bekommen. Der Höhenanteil verliert sich auf diesem Weg, also hauptsächlich die Becken, und so habe ich anteilig das im Raum, was ich haben will: eben Bassdrum, Snare und Toms. Becken will ich nicht im Raum haben.

drumset-mikrofonierung

Stehst du grundsätzlich auf den natürlichen Sound von Drums? Oder ist das speziell bei dieser Produktion so?

Ich steh da drauf. Bei Betontod handelt es sich ja um eine Rock/Punk-Band, und da find ich eine Ästhetik passend, die sich an ein natürlich klingendes Schlagzeug anlehnt. Es darf auch ruhig einen leicht „garagigen“ Anstrich haben. Ich habe auch etliche Metal-Produktionen gemacht, und da gibt es eine ganz andere Vorstellung von Klangästhetik: Es wird viel mit synthetischen Sounds gearbeitet und das Schlagzeug wird auf gleichbleibende Anschläge getrimmt. So was ist auch reizvoll, funktioniert aber ganz anders. Aber diese Metal-Ästhetik hör ich bei Betontod nicht. Deswegen gehe ich das eben anders an, um so den Songs die gewisse Griffigkeit zu verleihen.

Triggermäßig wird dann hier kaum was eingesetzt?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich im Mix noch Samples unterlege, die ist durchaus da. Aber das funktioniert unterstützend und nicht ersetzend. Wenn mir bei einem Song noch irgendetwas fehlt, dann suche nach einem Sample, das genau diese Lücke füllt. Wenn mir an einer Stelle etwas Bauch an der Snaredrum fehlt, dann nehme ich ein entsprechendes Sample, das im Prinzip nur diese Frequenz ergänzt. Das ist manchmal eleganter, als so eine Klangbearbeitung mit dem Equalizer zu machen. Aber es ist auch von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Eine sehr schnelle Nummer mit Double-Bassdrum-Teilen erfordert kurze Sounds, und man darf da den Raumklang nicht zu sehr featuren. Bei einer Ballade passiert genau das Gegenteil – da muss ich die Räume komprimieren und kann mit Längen arbeiten.

Es gibt auch Platten mit extrem produzierten Drumsounds. Steht dann das Schlagzeug im Zentrum des Mixes?

Moderne Mixe sind sehr Schlagzeugorientiert. Aber es gibt oft Missverständnisse bei Musikern, die denken, eine fette Platte hätte mit fetten Gitarren zu tun. Das ist meines Erachtens nicht so, sondern ein Ergebnis aus dem Zusammenspiel von Bassdrum und Bass und gut arrangierten Gitarren. Das macht eine Platte groß. Es gibt Tausende von Herangehensweisen, einen Mix aufzubauen, aber gerade bei der Stimme achte ich darauf, dass sie schön mitläuft und ihre Klarheit behält.

 

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